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Anke Schramm

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

Indianer AG

Ein erlebnispädagogisches integratives Projekt 

 

von Anke Schramm

 

 

 

1.    EINLEITUNG       

 

2.     ERLEBNISPÄDADOGISCHES KONZEPT    

2.1.  Pädagogischer Hintergrund und allgemeine Zielsetzung

2.2 . Art der Unternehmung      

 

3.     ZIELGRUPPE     

3.1.  Gruppenzusammensetzung     

3.2.   Beschreibung der einzelnen Teilnehmer

 

4.      PROJEKTVERLAUF      

4.1.   Vorbereitung       

4.2.   Geplanter Projektverlauf      

4.3.   Tatsächlicher Projektverlauf     

4.4.   Abschluss       

 

5.      NACHBEREITUNG      

5.1.   Veränderung der Teilnehmer     

5.2.   Reaktion der Einrichtung     

 

6.      REFLEXION       

 

7.     ÖFFENTLICHKEITSARBEIT     

 

8.     LITERATURVERZEICHNIS     

 

 

 

Ein erlebnispädagogisches integratives Projekt

 

 

1. EINLEITUNG (gekürzt)

 

Einrichtung für Menschen mit Behinderung
600 Menschen finden hier Wohnung Betreuung, Förderung, Ausbildung und Arbeit.

 

Da sich das Angebot an Menschen richtet, die im Sinne des § 53 ff SGB XII leistungsberechtigt sind, muss die Einrichtung die Qualität für diese Leistung gewährleisten und auch vor dem Gesetzgeber belegen. Zur Qualitätssicherung bedient sich die Einrichtung folgender Verfahren:

 

Zum einen dem Qualitätsmanagement nach DIN ISO 9001 und zum anderen dem Verfahren für die Gestaltung der Betreuung für Menschen mit Behinderung (GBM) nach Professor Haisch. Daraus werden für die verschiedenen Bereiche des Auhofs verbindliche Standards abgeleitet. Da ich im Wohnbereich „Wohnheim“ arbeite, gelten für mein erlebnispädagogisches Projekt die abgeleiteten Standards für den Bereich „Wohnheim“, welche gleichzeitig pädagogisches Konzept sind. Gerade im Bereich Beschäftigung/Lebensführung kann ich durch erlebnispädagogisches Arbeiten viele Standards auf sinnvolle Weise erfüllen.

 

Vor allem folgende Punkte sind davon betroffen:

 

•  Bewegung: „Wir bieten unterschiedliche Sport- und Freizeitangebote für alle Altersgruppen an (Fußball, Basketball, Psychomotorik, Klettern, Theater u.ä.)“.

•  Betätigung: „Wir unterstützen jeden Bewohner entsprechend seinen persönlichen Interessen und finanziellen Möglichkeiten bei der Freizeitgestaltung“.

•  Gewohnheit „Wir fördern integrative Möglichkeiten der Teilhabe am Leben im Unfeld des Wohnorts (Nachbarn, Vereine etc.)“.

•  Gestaltung: „Wir ermöglichen die Teilnahme an Interessengruppen wie Theaterspielen, Erlebnispädagogik, Modellbau, Auhofzeitung, Internetgruppe u.ä“.

 

 

2. ERLEBNISPÄDADOGISCHES KONZEPT

 

2.1. Pädagogischer Hintergrund und allgemeine Zielsetzung

 

Das Wohnheim selbst hat kein erlebnispädagogisches Konzept. Jedoch lässt sich das erlebnispädagogische Handeln meines Projekts hervorragend in das pädagogische Konzept meines Arbeitsbereiches einbetten und die oben erwähnten Standards in die Praxis umsetzen.

 

Der Ansatz des Projektes ist es, dass die Behinderten in verschiedenen erlebnispädagogischen Einheiten bestimmte Fähigkeiten erlernen, welche wir dann gemeinsam als Gruppe an Kinder weitergeben. So ist der Behinderte in einem völlig umgedrehten Rollenverhältnis und hat somit einen gewissen Wissensvorsprung, den er sonst eher selten hat. So auch nach dem Motto „ich kann was, was du nicht kannst“ und bin wichtig. Das Ziel dessen soll eine positivere Selbstwahrnehmung und bessere Selbstachtung der Teilnehmer sein. Gegen das „ich weiß nicht, ich kann nicht“ können sich die Beteiligten selbst als kompetent erleben. Die Vermittlung des Wissens geschieht durch handlungsorientiertes Lernen zum größten Teil in der Natur. Das Medium ist hauptsächlich Bauen und Werken. Je nach Interessen und Fähigkeiten sollen sich verschiedene Aufgaben herauskristallisieren, für die jeder Einzelne die Verantwortung übernimmt und die auch vorne auf den T-Shirts stehen. Die Bewohner sollen auch zum Selbständigen Denken angeregt werden; außerdem soll Raum für eigene Ideen und Verbesserungsvorschläge vorhanden sein.

 

Wichtig ist mir auch, dass ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Gruppe entsteht, was durch unsere T-Shirts noch verstärkt werden soll. Auch wollte ich vermitteln dass unsere gesamte Aktion nur im Team-Work möglich ist und dies einer allein niemals schaffen kann. Das Lernen sollte immer eingebettet in die Dynamik der Gruppe stattfinden.

 

Bei einigen Teilnehmern ist es auch wichtig, klarzustellen, dass die Sache verbindlich ist und dass sie auch zuverlässig zu den Treffen erscheinen sollten. Falls es mal nicht geht, sollte man bescheid geben. Bei einer Sache bleiben und etwas durchziehen steht auch für einige an.

 

Während der erlebnispädagogischen Maßnahmen wird selbstverständlich immer wieder reflektiert, wie es jedem Einzelnen geht. Das Erlernte wird ständig wiederholt und ich lasse auch die Behinderten selbst ständig wiederholen. Für Geleistetes gibt es natürlich Anerkennung und ein ehrliches Lob. Es sollen auch manchmal Aufgaben gestellt werden, bei welchen manche etwas an ihre Grenzen kommen und eventuell auch einige Ängste überwinden können. Ein weiteres Ziel ist die Integration der Behinderten in der Stadt xy. Indem wir Aktionen für Kinder anbieten, rückt das die Bewohner der Einrichtung in ein positives Licht und es kommen so auch gute Kontakte zu Eltern, Angehörigen und natürlich zu den Kindern selbst zustande.

 

Die Idee mit der „Indianer AG“ kam mir zuerst durch das Tipi, das vor einem Jahr für das „Wohnheim“ angeschafft , aber nie wirklich benutzt wurde. So entwickelte sich daraus dann folgender Gedanke: es sollte eine Indianeraktion sein, die rund ums Tipi stattfindet. Dieses steht am Gelände der Einrichtung nahe des „Wohnheims“

 

 

2.2 . Art der Unternehmung

 

Das Gelände der Einrichtung liegt sehr naturnah und Wald, Wiese sowie der Kanal sind gleich um die Ecke. Außerdem ist es für die Bewohner vertrautes Terrain und durch den „Heimvorteil“ bietet es sich insbesondere für unser erstes Projekt als Ort geradezu an.

 

Weitere Rahmenbedingungen meinerseits sind:

 

•  Es soll ein integratives Projekt sein, in dem wir Indianeraktionen für Kinder anbieten. Dieses soll in Zusammenarbeit mit der Elterninitiative „Zeitkonto Kind“ stattfinden.

•  Die erlebnispädagogischen Einheiten sollen Ende Juni beginnen und dann am Wochenende 29. - 30.9.07 ihren Höhepunkt finden (an welchem dann die Kinder kommen).

•  Eine Übernachtung wird im Tipi stattfinden.

•  Eine Schwitzhütte soll gebaut und natürlich auch genützt werden.

 

Alles Weitere wird dann mit den Projektteilnehmern gemeinsam geplant und kreiert.

 

 

3. ZIELGRUPPE

 

3.1 Gruppenzusammensetzung

 

Meine Kriterien für die Auswahl der Teilnehmer basiert auf Freiwilligkeit. So stellte ich zunächst auf meiner Wohngruppe die Rahmenbedingungen vor und fragte, wer Lust hat, dabei mitzumachen. Wie gesagt, arbeite ich im „Wohnheim“ auf einer Wohngruppe mit 11 Männern und einer Frau im Alter zwischen 22 und 68 Jahren. Die Bewohner haben eine leichte bis mittelgradige Intelligenzminderung und teilweise Verhaltensstörungen. So konnte ich zunächst vier Männer der Wohngruppe für mein Vorhaben gewinnen. zwei weitere, die schon mal bei uns auf der Gruppe wohnten, jetzt aber in Außenwohngruppen leben, wollten ebenfalls gerne mitmachen. So hatte ich also zunächst sechs 6 Teilnehmer im Alter zwischen 22 und 68 Jahren. Einer davon, HG., fiel jedoch weg, da er aufgrund seiner zwanghaften Verhaltensweisen unsere Termine nicht wahrnehmen konnte und auch nach kurzer Zeit nicht mehr mitmachen wollte. Für ihn kommt wohl auch besser ein anderes erlebnispädagogisches Medium in Frage wie zum Beispiel Fahrrad. So blieben also fünf Teilnehmer, die schließlich zur „Indianer AG“ wurden. Da mich im Laufe der Zeit immer mehr Anfragen von Bewohnern erreichten, die auch mitmachen wollten, möchte ich für unsere zukünftigen Aktionen noch eine weitere Person aufnehmen. Am liebsten wäre mir eine Frau, weil ich denke, dass das für die Gruppendynamik gut ist.

 

Bezüglich der Mitarbeiterkonstellation ist es so, dass ich die vorbereitenden erlebnispädagogischen Einheiten alleine mache und mir ab und zu Hilfe hole. Für das Wochenende mit den Kindern und die Aufbauphase davor sind im Dienstplan extra zwei Mitarbeiter eingeteilt, die mir ausschließlich für das Projekt zur Seite stehen.

 

 

3.2. Beschreibung der einzelnen Teilnehmer:

 

A., 22 Jahre alt, mittelgradige Intelligenzminderung und hyperkinetische Störung.

 

A. ist ein freundlicher junger Mann, der sehr sensibel und ängstlich ist. Er braucht ständig Beschäftigung sowie auch die Aufmerksamkeit und Anerkennung seiner Mitmenschen. Er redet pausenlos und fragt manchmal extra unwissend, obwohl er die Antwort weiß. Oft benimmt er sich wie ein kleines Kind, weint, stellt sich dumm. Bei Konfrontationen mit anderen oder Frustration reagiert er mit autoaggressivem und destruktivem Verhalten, was oft die ganze Gruppe aufmischt. Zu F. verbindet ihn eine sehr enge Freundschaft und macht diesen mit seinem negativen Verhalten manchmal ganz verrückt. Jedoch ist A. sehr offen und interessiert gegenüber anderen Menschen. Mit Kindern kann er sehr gut und fürsorglich umgehen, da er selbst eine kleine Schwester hat und auch sein Spielniveau auf dem eines Kindes ist. Aufgaben erledigt er penibel genau und zuverlässig. An Spielen, Bewegung und Aktivität hat er sehr großen Spaß. Bei dem Projekt soll A. lernen, Verantwortung zu übernehmen. Auf seinem T-Shirt vorne steht „Schwitzhütte und Nachtwanderung“. Bei Nachtwanderungen wollte er bisher zwar immer mitmachen - weint dann aber immer und sagt, dass er Angst hat - setzt sich auch gerne dramatisch in Szene. Bei der geplanten Nachtwanderung ist es nun seine Aufgabe, die Kinder verantwortlich zu begleiten, ohne zu verraten, was diese am Ziel erwartet - was ja nur er weiß (Geheimnisträger). So soll das störende Verhalten (weinen, dramatisieren, dummstellen) durch alternatives, angemessenes Verhalten (kompetentes Begleiten der Kindergruppe) ersetzt werden. Innerhalb der Gruppe spielt sich B. gerne als Chef auf und weist A. zurecht oder nimmt ihm Arbeit aus der Hand. Statt wie bisher mit autoaggressivem Verhalten zu reagieren und alles hinschmeißen zu wollen, wird er dazu angehalten, sich zu wehren und bei seiner Sache zu bleiben. Es geht bei ihm auch darum, eine Sache durchzuziehen. Auch soll bei ihm erreicht werden, sich auf eine Sache zu konzentrieren und nicht 1000 Dinge auf einmal machen zu wollen. Manche Dinge sollen auch als Herausforderung für ihn dienen, bei denen er Angst überwinden soll. Leerzeiten rufen bei A.e negatives Verhalten hervor und so wird darauf geachtet, dass er immer was zu tun hat. Da er sehr gerne Holz sägt, und auch ständig Feuerholz benötigt wird, kann er dies jederzeit tun. Holzbock und Säge stehen immer bereit.

 

 

F., 51 Jahre, mittelgradige Intelligenzminderung.

 

F. ist der beste Freund von A. und auch jemand, der gerne und viel redet. In neuen Situationen reagiert er ängstlich, nervös und ist auch schnell überfordert. Ansonsten ist er sehr offen und an Menschen und gesellschaftlichen Ereignissen interessiert. Seine Spezialität sind Reden. Bei Geburtstagen, Jubiläen und sonstigen Ereignissen, zeigte er oft, wie schön er sie gestaltet. So hat er auch auf seinem T-Shirt „Moderation“ stehen, wobei er seine Stärke voll ausleben kann. Er hat also die Verantwortung für Begrüßungs- und Schlussrede, ebenso die Moderation für die Spiele und alle möglichen Events am besagten Wochenende. Weiterhin ist er für den Instrumentenbau zuständig, was eine wirkliche Herausforderung für ihn darstellt und er ist auch sehr aufgeregt deswegen. Da er jedoch durch vieles Üben und Probieren in unseren erlebnispädagogischen Einheiten sehr gut darauf vorbereitet wurde, wird er sich dabei durchaus als kompetent erleben.

 

 

X., 25 Jahre, leichte Intelligenzminderung, Halbseitenlähmung rechts, Epilepsie.

 

X. ist ein sympathischer herzlicher junger Mann mit sehr viel Selbstbewusstsein. Jedoch neigt er des Öfteren zu Selbstüberschätzung. So antwortete er zum Beispiel auf die Frage, ob er schwimmen kann, mit einem selbstverständlichen „ja“, obwohl dies gar nicht stimmt. So ist bei ihm auch Lernziel die realistische Einschätzung seiner Person und seiner Fähigkeiten. Auch möchte X. am liebsten 1000 Dinge auf einmal tun und verzettelt sich dann oft mit seinen Terminen. In Bezug auf die „Indianer AG“ war es am Anfang so, dass er selten teilnehmen konnte, da er etwas anderes vorhatte. Daraufhin stellte ich ihn vor die Wahl, ob er jetzt ganz oder gar nicht mitmachen möchte. So entschied er sich fürs Mitmachen. Auf X. T-Shirt steht „Boot und Indianergeschichten“. Beim Boot fahren mussten wir ihn davon überzeugen, dass auch erwachsene Mitarbeiter mit im Boot sein müssen (Sicherheit, realistische Selbsteinschätzung). Beim Geschichteerzählen sollte er seiner Kreativität und Selbständigkeit im Denken freien Lauf lassen.Weiterhin ist X. sehr begeisterungsfähig und für jeden Schabernack zu haben.

 

 

T., 31 Jahre, leichte Intelligenzminderung.

 

T. ist ein sehr schüchterner, netter junger Mann, der sein Licht oft unter den Scheffel stellt. Er ist sehr zuverlässig und war auch als Einziger ausnahmslos bei all unseren Treffen dabei. Er sprich sehr wenig und gibt auch manchmal keine Antworten. Bei dem Projekt ist er für Foto/Film und für die Schwitzhütte verantwortlich. T. muss man immer wieder etwas anstoßen und motivieren, damit er nicht in Tatenlosigkeit verfällt und sich zurückzieht. Er hat viel Humor und damit kann man ihn kriegen. Für ihn ist es sehr wichtig, sich selbst als kompetent zu erleben und da er seine Sachen sehr gut macht, ist die Anerkennung ehrlich.

 

 

B., 56 Jahre, mittelgradige Intelligenzminderung.

 

B. ist ein sympathischer über 100 Kilo schwerer Gemütsmensch, der sich innerhalb der Gruppe jedoch gerne als Chef aufspielt und dann schnell unwirsch wird. So ist es auch Lernziel, ihm darin seine Grenzen zu weisen. Innerhalb des Projekts hat er die Verantwortung für das Feuer, die Indianerküche und ist auch zum Teil für die Nachtwanderung zuständig. Für ihn ist es auch wichtig, dass dies sein abgegrenzter Bereich ist, in dem ihn niemand hineinredet, aber für ihn auch klargestellt wird, dass für andere Sachen andere Personen zuständig sind. B. ist sehr verlässlich und kann sehr gut selbständig arbeiten. Jedoch muss man darauf achten, dass er sich körperlich nicht übernimmt, da er ein künstliches Hüftgelenk hat. Feuer machen, grillen und kochen sind seine Leidenschaft, die er im Rahmen des Projekts sehr gut ausleben kann. Ehrliche Anerkennung ist ihm sehr wichtig und er freut sich, wenn alle sagen, dass das Essen gut geschmeckt hat.

 

 

4. PROJEKTVERLAUF

 

4.1. Vorbereitung

 

23.06.07 Es findet das erste Treffen mit allen Teilnehmern statt. Ich erkläre noch mal die Rahmenbedingungen: Wir „trainieren“ auf ein integratives Indianerfest, das ein Wochenende dauern wird und die Übernachtung im Tipi stattfindet. Was wir erarbeitet haben, bieten wir für Kinder an. Eine Schwitzhütte soll gebaut und angeboten werden. Der Rest unseres Programms soll heute gemeinsam erarbeitet und auf der Flipchart festgehalten werden. Jeder sagt, was ihm zum Thema „Indianer“ einfällt und was er gerne machen würde.

 

Folgendes wurde Vorgeschlagen:

 

B.:
•  Basteln mit Federn, welche er besorgen kann
•  Lagerfeuer
•  Bar mit Indianercocktails
•  Marterpfahl bauen (Mitarbeiter daran festbinden…)

 

F.:
•  Rasseln, Regenstab bauen

 

T.:
•  Spieße schnitzen und verschiedene Speisen über dem Feuer rösten (Marshmellows, Würstel, Brot…)

 

A.:
•  Boot fahren evtl. mit Seilzug, hat aber eher Angst davor

 

HG.:
•  Musik

 

X.:
•  Indianergeschichte, die er mit Musik begleiten möchte

 

Dies ist nun unser vorläufiges Programm, welches im Laufe der Zeit bei unseren Treffen ergänzt, verfeinert und verbessert wurde. Einen Monat später stand dann alles soweit fest, dass wir unser Angebot bereits auf einen Flyer drucken lassen konnten.

 

Dieses grobe Programm zusammen mit dem erlebnispädagogischen Konzept konnte ich dann dem Heimleiter, dem Bereichsleiter, dem Fachdienst, meinem Gruppenleiter sowie allen weiteren Mitarbeitern meiner Gruppe vorlegen. Ebenso konnte ich Informationsbriefe an die Eltern bzw. Betreuer der Teilnehmer schreiben.

 

Da wir für unser Unternehmen natürlich eine Kindergruppe brauchten, setzte ich mich mit der Vorsitzenden von „Zeitkonto Kind“ in Verbindung.„Zeitkonto Kind“ ist eine Elterninitiative in xy und bietet einmal wöchentlich, sowie bei besonderen Aktionen am Wochenende, kreative und naturnahe Veranstaltungen für Kinder an. Sie war begeistert von unserer Idee und wollte den Geburtstag ihrer Tochter Sara von uns gestalten lassen. Als Termin legten wir gleich das Wochenende 29 .- 30.09.07 fest. Den Informationsbrief an die Eltern der Kinder schrieb sie und legte diesen den Geburtstagseinladungen bei. Während der gesamten Dauer des Wochenendes wird sich ihr Mann Ingo um die Aufsicht der Kinder kümmern. Auch sie selbst wird mir bei manchen Sachen behilflich sein. An dem Wochenende können wir mit 12 Kindern im Alter zwischen 6 und 10 Jahren rechnen.

 

Der Name „Indianer AG“ entstand bei einem unserer Treffen; AG heißt Aktionsgemeinschaft. Als sich herauskristallisierte, wer für was zuständig sein möchte, ließen wir T-Shirts drucken, auf denen hinten unser Logo zu lesen ist und vorne die Aufgabengebiete des Einzelnen. So steht z. B. bei B. „Feuer und Indianerküche“ auf dem T-Shirt.

 

Wie bereits erwähnt, wurden für das Wochenende mit den Kindern im Dienstplan zwei Mitarbeiter zusätzlich eingeplant, die nur für das Projekt da waren.

 

Das Sicherheitskonzept bezog sich hauptsächlich auf das Boot fahren. Selbstverständlich trugen alle im Boot Sitzenden Schwimmwesten. Auch war immer mindestens ein Mitarbeiter mit im Boot. zwei weitere Erwachsene standen mit Schwimmweste am Ufer, falls das Boot kentern sollte. In der Schwitzhütte war immer ein Mitarbeiter mit drin und alle wurden darauf hingewiesen, wie heiß die Steine sind. Beim Hineinschaufeln der heißen Steine war die Schwitzhütte immer leer.Die Kinder hatten sich immer abzumelden, wenn sie weggingen. Und die Nachtwanderung wurde von Erwachsenen dezent begleitet, die darauf achteten, dass alle da sind. Außerdem war der Verbandskasten immer in Reichweite, das Feuer stand stets unter der Beobachtung von B. Nachts schlafe ich mit im Tipi.Der Notfallplan bezog sich hauptsächlich auf schlechtes Wetter, wobei wir von Anfang an gesagt haben, dass wir bei jedem Wetter unsere Aktionen durchziehen werden. Es standen für den Fall von Dauerregen verschiedene Planen zur Verfügung und ein Versorgungszelt wurde sowieso aufgebaut.

 

Da der Bereich „Wohnheim“ viele Sachen, wie das Boot, das Tipi, Werkzeug usw. zur Verfügung stellt, ist die Finanzierung keine so große Sache. Die Lebensmittel und Getränke im Wert von 80 € wird von der Familie des Geburtstagskindes bezahlt, da es ja der Geburtstag ihrer Tochter Sara ist. Den Druck der T-Shirts (140 €) bezahlt die Einrichtung. So verbleiben noch ca. 100 € für Material und Fotoarbeiten, welche ich hier einmalig aus meiner eigenen Tasche bezahle (Finanzierungsplan siehe Anlage).

 

Nun möchte ich schildern, wie unsere vorbereitenden Treffen abgelaufen sind. Jedoch möchte ich vorher noch kurz klarstellen, dass diese erlebnispädagogischen Einheiten, die sozusagen auch die Trainingsphase sind genauso Teil meines Projekts sind wie das geplante Wochenende mit den Kindern.

 

Insgesamt haben wir uns 10-mal getroffen. Zusätzlich zur „Generalprobe“ noch mal ein ganzes Wochenende, Ebenso mussten wir uns zwei Tage vor der Aktion mit den Kindern um den Einkauf sowie um den Aufbau des Indianerlagers kümmern. Wie unser 1. Treffen am 26.06. verlaufen ist, habe ich je bereits geschildert.

 

27.06. Es fand unser nächstes Treffen statt,. bei dem ich zunächst alles zum Thema Schwitzhüttenbau erklärte. Wir sahen uns dann im Kosmos-Naturführer Weiden an und sind dann mit den Fahrrädern zum Kanal gefahren und haben diese geschnitten, zurückgebracht und bis zu unserem nächsten Treffen in eine Wassertonne gestellt. Das nächste Mal ist der Schwitzhüttenbau geplant.

 

05.07. Das Wetter ist so schlecht, dass wir den geplanten Schwitzhüttenbau verschieben und stattdessen unser erstes Instrument bauen: Die Indianertrommel. Damit alle wissen wie man das macht, baut jeder eine eigene. Die Materialien sind: Butterbrotpapier, 1 Tontopf und Tapetenkleister. Zum Schluss darf jeder noch mal erklären, wie man sie baut.

 

25.07. Endlich ist tolles Wetter und wir können unsere Schwitzhütte bauen, die auch sehr originell gelingt. Nochmalige Wiederholung, was zur Schwitzhütte alles benötigt wird.

 

29.07. Ich lasse die Teilnehmer noch mal wiederholen, was man für eine Schwitzhütte alles braucht und wie man sie baut. Dann kümmern wir uns noch um die Feinheiten unseres Gestells. Wir planen dann noch gemeinsam die Platzgestaltung. Außerdem stellen wir unser zukünftiges Programm zusammen, welches dann auf unseren Flyer kommt.

 

03.08. Ein Testlauf für die Fackelwanderung wird gemacht. Wir testen, wie lange die Fackeln brennen, suchen einen Weg aus und schauen nach einen tollen Platz im Wald, an dem wir das Erzählzelt aufstellen. Ideen für die Nachtwanderung werden gesammelt.

 

07.08. Wegen Dauerregen widmen wir uns heute dem Bau des 2. Instruments: dem indianischen Regenmacher. Wiederholung des Gelernten. Wegen der Sommerferien entstand hier eine längere Pause bis zu unserem nächsten Treffen.

 

15.09. Unsere T-Shirts sind fertig und so machen wir erst mal eine Fotoaktion im Freien. Da wir uns so lange nicht gesehen haben, gehen wir noch mal die Programm- und Platzgestaltung durch. Dann bauen wir noch eine Feuerstelle außerhalb des Tipis und gehen Steine für unsere Schwitzhütte holen. Ich betone noch mal, wie wichtig es ist, dass nächste Woche alle kommen, da es ja nur noch zwei Wochen sind, bis die Kinder kommen und nächstes Mal die „Generalprobe“ stattfindet.

 

22.09. „Generalprobe“. Die „Indianer AG“ ist vollzählig. Jeder geht noch mal seine Aufgaben durch:

 

•  F. beschreibt noch einmal, wie man die beiden Instrumente baut und stellt zur Probe seinen Instrumententisch auf.

•  T. testet heute zum ersten Mal die ausgeliehene Digitalfilmkamera und filmt heute sehr viel.

•  X. macht sich eine Skizze, wie er sein Erzählzelt im Wald gestaltet.

 

Zum Schluss gehen wir gemeinsam hoch zum Bauernhof und holen einen Baumstamm, der unser Marterpfahl werden soll.

 

23.09. Wir beginnen mit dem „Metaplan“. Die Teilnehmer schreiben (bzw. lassen schreiben) ihre Befürchtungen auf und das, worauf sie sich freuen. Die Befürchtungen beziehen sich hauptsächlich auf das Wetter. Es gibt auch Ängste, z.B. dass man seine Aufgabe nicht bewältigt oder dass Unfälle passieren. Ich kann jedoch alle beruhigen, indem ich auf unser Sicherheitskonzept verweise und mit der Bestätigung, dass wir alle super vorbereitet sind. Es freuen sich alle sehr, auf die Kinder. Die Blätter werden aufgehängt. Danach bauen wir mit Sicherheitsband ein Spielfeld auf und testen folgende Spiele: „Das bewegte Tischtuch“, „Virenfrei“, „Wäscheklammern 1 u. 2“, „Tierbilder“ und „Englische Bulldogge 1-2-3“. Alle Spiele werden umgestaltet, damit sie mit dem Thema „Indianer“ harmonieren. Alle - insbesondere A. - haben sehr viel Spaß dabei.

 

Es wird dann noch das Boot über den Kanal Probe gefahren. Wir entscheiden uns dann dafür, dass wir statt dem Kanu, doch das Schlauchboot nehmen, da erstens mehr Personen Platz haben und es auch nicht so kippelig ist wie das Kanu. Danach bekommt alles noch den letzten Schliff; beispielsweise putzt A. noch das Boot u.ä.

 

27.09. Anita („Zeitkonto Kind“), B. (Indianerküche) und ich gehen einkaufen, um die Lebensmittel und Getränke für das Wochenende zu holen. Der Speiseplan wurde vom Geburtstagskind Sara und B. erstellt (siehe Anhang). Außerdem habe ich noch die ganzen Materialkisten nach Themen geordnet und gepackt. (siehe Anhang Materialliste)

 

28.09. Mit zwei Mitarbeitern meiner Wohngruppe, B., F. und A.bauen wir bei strömenden Regen das Versorgungszelt und den Pavillon im Wald auf. Dann pumpen wir noch das Schlauchboot auf und hoffen, dass das Wetter am Wochenende besser wird.

 

Allgemeines: Detaillierte Beschreibungen der aufgeführten erlebnispädagogischen Einheiten sind im Projekttagebuch nachzulesen (Anhang).

 

Die Spiele und der Instrumentenbau sind absichtlich einfach gehalten, denn die Bewohner müssen das Ganze ja verstehen und weitergeben können. Wichtig war mir auch die ständige Wiederholung des Erlernten.

 

 

4.2 Geplanter Projektverlauf

 

Aus unseren Planungen, Überlegungen und den geschilderten Treffen ergab sich nun folgender Ablaufplan für das Wochenende 29. - 30.09.07:

 

 

Samstag, 29.09.07

 

10.00 Uhr: Beginn für die „Indianer AG“.B. kümmert sich um das Feuer (im Tipi und außen), sorgt dafür, dass trockenes Holz vorhanden ist. Linda (Mitarbeiterin) wird eingewiesen. Aufbau des Spielfeldes mit Sicherheitsband, Biertischgarnituren werden aufgebaut, Getränke und Materialkisten aufgestellt, CD-Player bereitgestellt und unsere Flyers aufgehängt. T. erhält sein Filmequipment und soll mit dem Filmen beginnen

 

11.30 Uhr: A. und ich verstecken auf der anderen Seite des Kanals den Schatz (goldene Kiste mit Keksen, Süßigkeiten, Knabbereien). A. ist Geheimnisträger und darf niemanden etwas verraten. T. filmt uns dabei.

 

13.30 Uhr: Die Kinder werden gebracht, die Eltern müssen die Einverständniserklärung unterschreiben. Einzug ins Tipi und alle richten schon mal den Schlafplatz für die Nacht her. Info an die Presse. F. hält seine Begrüßungsrede, zeigt wo Toiletten sind u.ä. Dann sollen die Spiele stattfinden: Zuerst werden durch „Tierfamilien“ zwei Gruppen ermittelt. Hierbei ziehen alle Lose und sind somit ein Falke oder eine Klapperschlange. Pantomimisch müssen sich nun die gleichen Tiere finden. Nachdem zwei Gruppen entstanden sind, sollen diese je kooperativ eine Aufgabe lösen und zwar mit dem „bewegten Tischtuch“. Hierbei ist das Tuch ein Büffelfell auf welchem das letzte Wasser des Stammes um das Gelände transportiert werden muss. Als warming-up und damit sich die Gruppe aufeinander und auf das Thema (Indianer) einstimmen kann, bieten wir noch das Spiel „Virenfrei“ an. Hierbei sind die Bierdeckel giftige Klapperschlangen, welche die vier Gruppen zu den anderen ins Tipi werfen müssen. Die Spiele sollen vor allem dazu dienen, dass sich die Behinderten und die Kinder kennen lernen und gemeinsam ihren Spaß haben.

 

14.00 Uhr: Die Bootsfahrt wird angekündigt mit dem Hinweis, dass am anderen Ufer des Kanals ein Schatz versteckt ist. X. und Gerhard (MA) begleiten die Kinder im Boot, die auf zwei Mal gefahren werden (paddeln mit). Die Schatzsuche beginnt erst, wenn beide Gruppen am Ziel sind. Die Verantwortung für die Bootgeschichte haben X. und Gerhard.B. gibt jetzt die Steine für die Schwitzhütte ins Feuer.

 

15.00 Uhr: Spiele: “Wäscheklammern 1 u. 2“. Hier sind die Wäscheklammern auch wieder Klapperschlangen, die es wieder los zubringen (giftig) oder ein zusammeln gilt (Nahrungsmittel). Als weiteres Spiel steht „Englische Bulldogge 1-2-3“ auf dem Programm; hier lautet der Schlachtrufe jedoch „Indianer AG 1-2-3“. Die Spiele hier sind zum Auflockern der Atmosphäre sowie auch zur körperlichen Erwärmung gedacht, denn es könnte sehr kalt werden.

 

15.30 Uhr: Bannock war ein Grundnahrungsmittel der Indianer und ist ähnlich wie Pfannkuchen. Dies wird von einer Mutter der Kinder zubereitet und bereits fertig gebracht. Alle können sich stärken

 

16.00 Uhr: Bernhard und Linda aktivieren die Indianerküche und beginnen am 3-Bein über dem Feuer die Kürbissuppe zu kochen. F. hat inzwischen seinen Instrumententisch aufgebaut. Unter Anleitung von F. und Unterstützung von mir können zwei Instrumente gebaut werden:
1. Die Indianertrommel (aus Tontopf, Tapetenkleister und Butterbrotpapier).
2. Der indianische Regenmacher ( aus Papprohren, Nägeln, Tapetenkleister, Reis, Linsen u.ä.). Weiterhin soll eine Wetterstation errichtet werden und zwar durch den Bau eines Windrads (aus einer ausgedienten Fahrradfelge) und dem Malen von Himmelsbildern (mit einem Spiegel, der den Himmel wiedergibt.).Die Wetterstation wird angeboten von Gerhard (MA) und mir. Die Kinder und die Bewohner können daran mitbauen, oder eben alternativ Instrumente bauen. A. ist beim Angebot ständig integriert.

 

17.00 Uhr: Indianerkoch B. serviert stolz die Kürbissuppe, die jahreszeitenbezogen ist und auch zum Aufwärmen dienen soll. Dazu gibt es Brot und alle können sich auf selbstgeschnitzten Stöcken „Räuberwürste“ über dem Feuer rösten. Zum Nachtisch gibt es Wackelpudding (vom Geburtstagskind gewünscht).Um das Geschirr kümmern sich die Mitarbeiter der Wohngruppe, die sozusagen unser „Serviceteam“ sind.

 

17.30 Uhr: T. und A. bereiten mit Hilfe des Serviceteams alles für die Schwitzhütte vor. Obst aufschneiden, Pfefferminztee kochen, Kisten mit Abdeckmaterialien holen, Wassereimer, Schöpfer und Saunaöl bereitstellen.

 

18.00 Uhr: X. liest die Geschichte „Steinkind - die Entstehung der Schwitzhütte“ vor. Dann decken alle zusammen die Schwitzhütte ab. A. und T. bringen mit einer Schaufel vorsichtig die heißen Steine in die Hütte. Nun kann es losgehen mit dem Schwitzen. Bei Bedarf werden Steine nachgelegt - es sind genügend da. T. serviert Obst und Tee.

 

18.30 Uhr: B. und A. markieren mit Gerhard (MA) zwei verschiedene Wege, die beide zum Erzählzelt führen für unsere Nachtwanderung. Dies geschieht durch Knickleuchtstäbe. X. geht schon vor zum Erzählzelt, um zu dekorieren, Kerzen anzuzünden, alles vorzubereiten und schließlich auf die Wanderer zu warten.

 

20.00 Uhr: Die Nachtwanderung wird angekündigt. Anhand von zwei zerrissenen Postkarten, die es wieder zusammenzusetzen gilt, teilen sich die Kinder in zwei Gruppen auf. Die Hauptbegleiter der Gruppen sind jeweils A. und B.; die beiden dürfen nicht verraten, was die Kinder am Ziel erwartet. Alle bekommen Fackeln und jede Gruppe 8 Grablichter, um Markierungen für den Rückweg zu setzen, denn der Weg zurück soll im Dunklen stattfinden. Dann kann es losgehen mit der Wanderung.

 

20.30 Uhr: Das Ziel der Nachtwanderung ist das Erzählzelt, in dem alle zuerst einmal von X. begrüßt werden. Dann liest er die Indianergeschichte „Im Labyrinth der Höhle“ vor. Auf Wunsch dann noch „Die Geisterkinder“, eine kurze indianische Geschichte, die ein wenig gruselig ist. Als Glücksbringer für den Rückweg werden an jeden kleine Halbedelsteine verteilt. Jeder darf entscheiden, ob er sich den Weg alleine oder in der Gruppe zurückgehen traut. Die Letzten sammeln die Markierungen wieder ein.

 

22.00 Uhr: Es kann noch gemütlich zusammen am Feuer gesessen werden. F. reicht Teig für das Stockbrot. Die „Indianer AG“ reflektiert den Tag noch. Die Übernachtung ist für alle im Tipi geplant. Zur Not können auch einige im Versorgungszelt schlafen.

 

 

Sonntag, 30.09.2007

 

7.00 Uhr: Linda, B. und ich bereiten das Frühstück vor und holen frische Semmeln. Ob drinnen (Tagesraum der Wohngruppe) oder draußen gefrühstückt wird, ist vom Wetter abhängig.

 

8.00 Uhr: Es gibt Indianerfrühstück, das Serviceteam kümmert sich um das Geschirr. B. kümmert sich ums Feuer.

 

9.00 Uhr: Zum Aufwärmen spielen wir noch einmal das Spiel, das gestern allen am Besten gefallen hat.

 

9.30 Uhr: Reflexion: „Naturmaterialien“. Die Kinder und die „Indianer AG“ haben 15 Minuten Zeit, sich Dinge in der Natur zu suchen, mit welchen sie dann erklären, wie ihnen das Wochenende bisher gefallen hat. Was sie toll fanden und was nicht; was für sie das „Higlight“ war. Es wird dann alles in einen großen Bilderrahmen gelegt und jeder sagt ein paar Worte dazu.

 

10.30 Uhr: Wir holen zusammen unseren ca. 3 m hohen Baumstamm. Alle machen mit verschiedenen Werkzeugen die Rinde ab. Dann wird er stehend an einen Baum gebunden und er kann bemalt, beklebt und verziert werden. Ein Gemeinschaftsprojekt, das bei dem Tipi seinen festen Platz finden wird, und auch sozusagen „Landart“ ist.

 

11.30 Uhr: Ein Musiker kommt mit seiner Gitarre und wir machen alle zusammen Musik. Die Regenstäbe von gestern können schon benützt werden, die selbst gemachten Trommeln leider noch nicht, da sie noch trocknen müssen. Dafür stehen aber 8 Djemben (afrikanische Trommeln) zur Verfügung. Am Feuer können sich alle Zuckeräpfel (Äpfel in Wasser und Zucker gewälzt) und Marshmellows mit einem Stock rösten.

 

12.30 Uhr: F. hält eine Abschiedsrede. Die Kinder packen zusammen und werden um 13.00 Uhr von ihren Eltern abgeholt.

 

Die Mitglieder der „Indianer AG“ räumen noch zusammen auf und bauen ab. Unterstützt werden sie dabei von den Mitarbeitern der Wohngruppe.

 

Für jedes einzelne Mitglied der „Indianer AG“ wurde für Samstag und Sonntag ein Zeitplan erstellt, was er wann zu tun hatte. Auch für die Mitarbeiter Linda und Gerhard existierten solche Pläne.

 

 

4.3. Tatsächlicher Projektverlauf

 

Der erste Schreck kam schon am Morgen, als die Mutter des Geburtstagskindes anrief und sagt, dass Sara mit Fieber im Bett liegt und nicht kommen kann. Zum Glück organisierte sie es im Laufe des Vormittags, dass trotzdem zehn Kinder kamen. Die Bewohner nahmen großen Anteil, dass Sara krank ist und schickten ihr über eine Filmaufnahme Grüße.

 

Zum weiteren tatsächlichen Projektablauf an diesem Wochenende muss ich sagen, dass die Abweichungen zur Planung gar nicht allzu groß waren. Folgendes lief dann doch anders als geplant:

 

•  Das Wetter war entgegen aller Erwartung super und wir brauchten keine Planen und konnten auch alles draußen machen.

•  Diverse Kameras funktionierten aus verschiedenen Gründen nicht und T. musste schließlich auf einen ganz normalen Foto zurückgreifen.

•  Aus Zeitgründen musste „Englische Bulldogge 1-2-3“ sowie der Bau eines Windrades ausfallen. Ebenso die Geschichte „Steinkind“. Auch die Geschichte „Geisterkinder“ fällt aus, da X.die Gruselgeschichte selbst erfindet.

•  F. war am Sonntag krank und konnte an diesem Tag leider nicht mitmachen.

•  X. kam anfangs mit schlechter Kleidung und musste noch mal zurückgeschickt werden.

•  Bei „Himmelsbilder“ malten alle etwas anderes. Da ja auch kein Windrad gebaut wurde war der Punkt „Wetterstation“ quasi nicht vorhanden.

•  Die Kürbissuppe konnte nicht am 3-Bein gekocht werden, da der Topf zu rostig war. Die Indianerköche mussten auf die Küche der Wohngruppe ausweichen.

•  Der Bereichsleiter kam mit seiner Familie zum Zuschauen vorbei, was uns sehr gefreut hat.

•  Bei A. überschnitt sich die Markierung für die Nachtwanderung mit der Vorbereitung für die Schwitzhütte (Fehler meinerseits). T. übernahm seine Aufgaben mit und A. konnte auch noch die Schwitzhütte nutzen.

•  Viele Bewohner von anderen Gruppen und auch Besucher der Einrichtung zeigten großes Interesse bei den Aktionen und machten teilweise sogar mit.

•  Die Schwitzhütte kommt bei allen so gut an, dass immer wieder nach neuen Steinen verlangt wird.

•  X. kommt beim Vorlesen der Indianergeschichte sehr ins Stocken, so, dass ihn ein Kind ablöst.

•  Nachts ist es sehr kalt im Tipi (3 Grad). Doch niemand jammert am Morgen.

•  F., T. und B. wollen nicht im Tipi schlafen, sondern in ihrem Bett.

•  T. bietet freiwillig an, dass er stellvertretend für F. die Abschiedsrede hält.

 

Die Mitglieder der „Indianer AG“ meisterten kompetent ihre Aufgaben und hatten jede Menge Spaß dabei. So zeigte sich, dass Flexibilität sehr gefragt ist. Nach den Aufräumarbeiten waren dann alle zufrieden, glücklich und sehr sehr müde.

 

 

4.4. Abschluss

 

Da von dem Wochenende ein Film gedreht wurde, wird es erst mal einen „Dankeschönabend“ für alle Beteiligten geben, an dem dieser gezeigt wird und es natürlich auch was leckeres zu Essen (evtl. indianisch) und Trinken gibt.

 

Nächstes Jahr geht es mit der „Indianer AG“ weiter. Im Januar sind wir im Erwachsenenbildungsprogramm der Einrichtung vertreten (siehe Anhang). Zusammen mit „Zeitkonto Kind“ wird es Aktionen geben. Zunächst bei deren nächstem Indianerfest werden wir mit unserer Schwitzhütte zugegen sein.

 

Weiterhin wollen wir uns im Frühjahr für das Ferienprogramm 2008 der Stadt xy bewerben. So wird die „Indianer AG“ wohl noch eine Weile existieren, vor allem, weil alle bisherigen Mitglieder auf jeden Fall weiterhin mitmachen möchten, wie sie mir versichert haben.

 

Die Mitarbeiter meiner Wohngruppe haben mich während der ganzen Zeit des Projekts sehr gut unterstützt und sind auch begeisterungsfähig für weitere Aktionen.

 

 

5. NACHBEREITUNG

 

5.1. Veränderung der Teilnehmer

 

A.

Da er die Verantwortung für eine Kindergruppe bei der Nachtwanderung hatte, kam er gar nicht auf die Idee, Angst zu haben, zu weinen und zu dramatisieren. Er war nur daran interessiert, die Kinder kompetent zu begleiten. Bei den Spielen kam er sehr auf seine Kosten, da er sehr flink und geschickt ist und ganz viel Spaß dabei hatte. Auch die Teilnahme an der Schwitzhütte hat ihm gut gefallen. Das Zusammensein mit den Kindern tat ihm sichtlich gut, da er gleichzeitig toll mit ihnen spielen konnte, aber auch fürsorglich mit ihnen war.Da wir morgens den Schatz zusammen versteckt hatten, wollte er bei der Suche unbedingt dabei sein und überwand sich, ins Boot zu steigen
Die Geschichte mit dem Holz sägen bewährte sich bei A. sehr gut, da dies sehr viel von A.`s Unzufriedenheit bei Leerlaufzeiten wegnahm. Während des gesamten Wochenendes hat A. kein einziges Mal negatives Verhalten gezeigt.

 

T.:

Er überraschte uns sehr positiv, als er von sich aus am Sonntag anbot, die Abschlussrede vor allen Eltern und Kindern zu halten(als Vertretung von F., der ja krank war).Bei den Aufräumarbeiten machte er sehr engagiert und eigenständig mit. Während unserer gesamten Treffen zeigte er sich sehr verantwortlich und verbindlich für die Sache. Besonders angetan war ich vom Ergebnis seiner Film- und Fotoarbeiten. Sie waren nicht nur qualitativ sehr gut, sondern T. hat einfach ein Gefühl für Szenen und Momente, die wichtig sind. Ein Talent also, das ausbaufähig ist.

 

X.:

Er ist im Laufe unserer Vorbereitungstreffen und im Rahmen des Projekts zuverlässiger und verbindlicher geworden. Auch Sachen, die er sich auslieh (Bücher über Indianer u. ä.) gab er wie ausgemacht wieder zurück. Den Gestaltungsfreiraum für sein Erzählzelt hat er sehr kreativ genutzt. So hat er sich die Geschichte, die er vorlas, eigenständig aus dem Internet herunter geladen. Die Begrüßungsrede für die Wanderer ist selbst geschrieben. Außerdem überraschte er noch mit einer selbst erfundenen kleinen Gruselgeschichte. Das Erzählzelt im Wald gestaltete er selbständig (bekam von mir lediglich eine Dekokiste). In das Projekt integrierte er viele seiner eigenen Ideen.

 

B.:

Er hat im Laufe der Zeit sein „Chefverhalten“ immer mehr zurück genommen, da er ständig darauf hingewiesen wurde. Dies führte dann auch zu weniger Streit innerhalb der Gruppe.Bei manchen Dingen hat er sich selbst vergessen und einfach genossen, beispielsweise als er mit den Kindern zusammen den Marterpfahl entrindet hat. Ansonsten kann man sich auf B. einfach verlassen. Als ich am Samstag um 10 Uhr auf die Gruppe kam, brannten schon zwei stabile Feuer und trockenes Holz war auch schon genügend vorhanden.Er dachte mit und organisierte viele Dinge, die wir brauchten selbständig (z.B. den Baumstamm für den Marterpfahl, diverses Werkzeug etc.). Seinen Aufgaben nahm er sich mit großer Wichtigkeit an.

 

F.:

Bei ihm muss man den Punkt erwischen, an dem er bereit ist, Herausforderungen anzunehmen. Solche Ereignisse wie das Wochenende mit den Kindern regen ihn zu Höchstleistungen an.Oft ist sein Lieblingsspruch „mach mal du, ich kann das nicht“. Beim Projekt ging das nicht, denn er hatte ja seine Aufgaben, die er dann sehr kompetent erfüllte. Er war zwar sehr nervös und aufgeregt, was aber nicht weiter schlimm war, da er ja alles bewältigte.Bei allen Treffen zeigte er sich sehr verantwortlich und war mit dem ganzen Herzen bei der Sache.

 

 

5.2. Reaktion der Einrichtung

 

Vom Bereichsleiter als auch vom Fachdienst bekam ich sehr positive Rückmeldungen auch aufgrund der erschienenen Zeitungsartikel.

 

Wie sich der Transfer des Erlernten in den Alltag integriert, wird die Zeit zeigen; das Projekt läuft ja weiter. Da es sich bei meinem Klientel um erwachsene Menschen mit Behinderung handelt, sollte man dem Ganzen mit Geduld gegenüberstehen.

 

Bei A. kann man beobachten, dass er selbstbewusster und auch frecher geworden ist. Sein negatives Verhalten ist zwar manchmal noch vorhanden, jedoch wehrt er sich jetzt mehr.

 

F. ersetzt öfter mal sein „ich kann nicht, mach du“ indem er Dinge einfach selbst ausprobiert.

 

Auch B. meint jetzt nur noch manchmal, der Chef der Gruppe zu sein.

 

Bei T. und X.r kann ich nur auf Veränderungen während des Projekts hinweisen, da beide in einer Außenwohngruppe leben, in der gerade ein reger Mitarbeiterwechsel stattfindet. Deshalb hat momentan niemand den Überblick, um Auskunft zu geben.

 

 

6. REFLEXION

 

Bei meinem Projekt fand ich vor allem die Fusion von Menschen mit Behinderung und der Kindergruppe sehr gelungen, da beide von einander profitieren.

 

Im Rückblick bin ich sehr zufrieden damit, wie alles gelaufen ist. An den Feinheiten gibt es jedoch noch einiges zu schleifen So würde ich mich das nächste Mal einfach besser um die Foto- und Filmausrüstung kümmern. Jetzt ist es ja leider so, dass Fotos von dem Projektwochenende nur bis zu der Schwitzhüttenaktion existieren; die Aktionen danach wurden jedoch gefilmt, diesen werde ich dann bei der Präsentation zeigen. Auch Überschneidungen von Aufgaben im Programm sollten vermieden werden. An dem Wochenende mit den Kindern werde ich in Zukunft darauf achten, dass die Kindergruppe im Verhältnis zu den Behinderten nicht all zu sehr in den Vordergrund rückt und Menschen wie z. B. T. etwas in Vergessenheit geraten.

 

Zukünftig werden wir manchmal nur Ausschnitte aus unserem Programm anbieten, da es sich sonst aus zeitlichen Gründen schlecht verwirklichen lässt.

 

Was die Finanzierung weiterer Projekte betrifft, möchten wir von den Programmnutzern einen entsprechenden Betrag verlangen, so dass unsere Unkosten abgedeckt sind und auch für die „Indianer AG“ noch etwas übrig bleibt, das dann für neue Materialanschaffung oder auch gemeinsames Essen gehen genutzt werden kann.

 

Dass Verschiedenes aus unserem Programm aus Zeitgründen ausfiel, finde ich nicht unbedingt schlecht, da man im Falle von Leerzeiten dann immer noch was in Reserve hat.

 

Nach dem Projekt freute ich mich vor allem über die positive Resonanz bei den Kindern und auch den Teilnehmern der „Indianer AG“.

 

 

7. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

 

Über das Projekt habe ich die wichtigsten Informationen zusammen geschrieben und bin damit zu zwei lokalen Zeitungen in Hilpoltstein gegangen. Diese schickten dann am besagten Wochenende Reporter. So erschienen in den darauf folgenden Tagen tatsächlich zwei Artikel über die „Indianer AG“, welche im Anhang zu finden sind.

 

Auch in der Einrichtungszeitung wird ein Bericht erscheinen, den X. schreiben wird, da er schon seit Längerem bei dieser Zeitung mitmacht. Die Ausgabe wird aber erst im Dezember dieses Jahres erscheinen.

 

Weitere Öffentlichkeitsarbeit geschieht zur Zeit noch durch unsere Flyers und unsere Internetseite www.indianerag.de.

 

 

8. LITERATURVERZEICHNIS

 

Spiele:

„Tierfamilien“: Skript Erlebnispädagogik Bauen und Werken, S. 40

„Das bewegte Tischtuch“: Skript Erlebnispädagogik Anleitung zur Praxis 2007, S. 80

„Virenfrei“: Skript Erlebnispädagogik Einführungskurs, S. 54

„Wäscheklammern 1 u. 2“ Skript Erlebnispädagogik Einführungskurs, S. 56

„Englische Bulldogge 1-2-3“: Skript Erlebnispädagogik Einführungskurs, S. 52

„Naturmaterialien“ zur Reflexion: Kooperative Abenteuerspiele 1, R. Gilsdorf und G. Kistner, Kallmeyer Verlag

 

Bauen und Werken:

Schwitzhütte: Skript Erlebnispädagogik Bauen und Werken

„Himmelsbilder“, Bau eines Windrades und „Marterpfahl“: Kunst und Krempel, Gerd Grüneisen, Ökotopia Verlag

 

Rezepte:

Bannock: Oxmox ox Mollox - Kinder spielen Indianer, Jörg Sommer, Ökotopia Verlag

Kürbissuppe: selbst kreiert

 

Hintergrund für das erlebnispädagogische Konzept:

„Ich kann was, was Du nicht kannst…“ Präventive Wirkung von Erlebnispädagogik“, Werner Krug, Jugendhilfe 39, 1/2001

„Erleben und Lernen - Einstieg in die Erlebnispädagogik“, Bernd Heckmair und Werner Michl, Luchterhand Verlag

 

Geschichten:

„Steinkind - Die Entstehung der Schwitzhütte“: Skript Erlebnispädagogik Bauen und Werken

„Die Geisterkinder“: Indianische Märchen, Frederik Hetmann, Tosa Verlag

„Die Nordamerikanischen Indianer“, P. R. Fleming, J. Luskey, Verlag C.H. Beck (diente als Informationsmaterial für die „Indianer AG“)

 

 

 

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

Indianer AG

Ein erlebnispädagogisches integratives Projekt  

 

 

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