Detlev Sigmund
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
Die etwas andere Klassenfahrt
Herbstlager der Klasse 8a
Erlebnispädagogisches Projekt von Detlev Sigmund
08.10.- 11.10.07
Inhaltsangabe
1 Wir über uns: Die Caritas xy
1.1 Parcours Natur, Zentrum für erfahrungsorientiertes Lernen
1.2 Prävention geht viele Wege
1.3 Inhalte und Ziele
1.4 Wege und Methoden
1.5 Die Unterkunft
1.6 Die Kosten
2 Das Projekt
2.1 Wünsche der Begleitlehrer
2.2 Der Ablauf des ersten Tages
2.2.1 Ankommen am Haiderhof
2.2.2 Kennenlernrunde, Wochenablauf skizzieren
2.2.3 Vorstellungsrunde, Metaplan erstellen
2.2.4 Soziometrische Aufgaben
2.2.5 Erwartungsabklärung
2.2.6 Der Wertevertrag
2.2.7 Das Nachmittagsprogramm
2.2.7.1 Der Pamperpole
2.2.7.2 Die Durchführung
2.2.7.3 Die Reflexion
2.2.7.4 Der Mowhawkwalk
2.2.7.5 Die Durchführung
2.2.7.6 Die Reflexion
3 Zweiter Tag: Die Abenteuerrallye
3.1 Morgenrunde
3.2 Ablauf der Abenteuerrallye
3.2.1 Der Blind Walk
3.2.2 Der Elektrische Zaun
3.2.3 Unglück auf der Reiteralpe
3.2.4 Der Säurefluss
4 Dritter Tag: Der Hochseilgarten
4.1 Ablauf des Tagesprogramms
4.1.1 Warm Up
4.1.2 Das "Drei Zonen Modell“
4.1.3 Beschreibung der Kletterelemente im Hochseilgarten
4.1.3.1 Der Trapezsprung
4.1.3.2 Der Drahtseilakt
4.1.3.3 Die "Fliegenden Brücken“
4.1.3.4 Das "Hohe V“
4.1.3.5 Das "Hohe Y“
4.1.3.6 Ablauf des Stationsbetriebs im Hochseilgarten am Beispiel der "Fliegenden Brücken“
4.1.3.7 Reflexion der Aktion
5 Der Abschlusstag
5.1 "Eier im Nest“
5.2 Das Zahlenmemory
5.3 Abschlussreflexion
5.4 Highlight: Die Teamwand
5.5 Ende des Herbstlagers
6 Zusammenfassung
7 Literaturliste
Die etwas andere Klassenfahrt
Herbstlager der Klasse 8a des xy Gymnasiums vom 08.10.- 11.10.07
1. Wir über uns: Caritas Parcours Natur
1.1 Parcours Natur
ist ein Zentrum für erfahrungsorientierte Outdoortrainings der Caritas Suchtpräventionsstelle. Lernen bedeutet für uns mehr als reiner Erwerb von Wissen. Es heißt für uns auch aus zwischenmenschlichen Kontakten, durch Kooperation und aus Konflikten zu lernen. Ebenso gilt für uns aus elementaren Erlebnissen wertvolle Erfahrungen und anhaltende Erkenntnisse zu gewinnen. (Medium Natur, weg von der Reizüberflutung) Wir initiieren für Schüler solche Lernprozesse . In den Aktionen haben sie die Möglichkeit ihr eigenes Tun in einem überschaubaren Handlungsrahmen zu erleben. In den Reflexionen werden die Erfahrungen formuliert und analysiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können in der folgenden Aktion in neue, alternative Handlungen umgesetzt werden (Lernschleife).
1.2 Prävention geht viele Wege
Unter diesem Motto hat die Suchtpräventionsstelle der Caritas Fachambulanz für Suchtkranke in xy das erlebnispädagogische Projekt PARCOURS NATUR entwickelt, mit dem Ziel, die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen zu stärken. Thema ist das Individuum einerseits und die Klassengemeinschaft andererseits. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder aus Klassengemeinschaften, die gut funktionieren und in denen sie sich wohlfühlen, wesentlich seltener Strategien wie Sucht oder Gewalt zur Lebensbewältigung entwickeln.
1.3 Inhalte und Ziele
Die Durchführung des Programms findet überwiegend draußen in der Natur statt .Die ausgewählten Aktivitäten haben einen hohen Aufforderungscharakter und dienen als Medium, um die Schüler miteinander in Interaktion treten zu lassen. In der Reflexionsphase werden die gemachten Erfahrungen ausgewertet und neue Verhaltensmodelle entwickelt.
Es geht um das Training sozialer Kompetenzen, wie
• Zusammenarbeit im Team
• Konstruktiver Umgang mit Konflikten
• Miteinander reden und Feedback geben
• Verantwortung übernehmen
• Einfühlungsvermögen in die Anderen
• Positives Selbstbild entwickeln
• Gefühle wahrnehmen und negative Emotionen bewältigen
1.4 Wege und Methoden
Die Gestaltung des Trainings ist abhängig von der Ausgangssituation der Klasse und des Trainingsverlaufs. Wir arbeiten prozessorientiert.
Mögliche Programminhalte:
• Kooperations- und Vertrauensübungen
• Problemlöseaufgaben, die nur in der Gruppe bewältigt werden können
• Hoch- und Niedrigseilelemente
• Klettern und Bergtouren
• Naturerfahrungsspiele und Land Art
Das Programm ist optimal für Schüler ab der 7. Jahrgangsstufe geeignet.
1.5 Die Unterkunft
Unsere Standartunterkunft ist der Haiderhof, ein idyllisch gelegener, alter Bauernhof im Saalachtal am Fuße der Reiteralpe im Berchtesgadener Land. Der Standard entspricht dem einer Berghütte.
1.6 Kosten
Die Klassenentwicklungstage können zwischen 3 und 5 Tagen gebucht werden. Die Preise variieren je nach Gruppengröße und der Dauer der Veranstaltung zwischen 42 und 48.- Euro pro Person und Tag. Begleitpersonen und Lehrer zahlen nur die anfallenden Übernachtungs- und Verpflegungskosten von 23.- Euro / Tag/ Person. Die Preise beinhalten die Unterkunft im Matratzenlager, die Verpflegung mit Frühstück, Brotzeit und warmen Abendessen. Das Sozialkompetenztraining und die Transfers vor Ort sind ebenfalls im Preis inbegriffen. Für die Klasse 8a wurde ein Pauschalpreis von 190.- Euro pro Schüler festgesetzt.
2.0 Das Projekt
Am 08.10 um 9 Uhr beginnt offiziell das Herbstlager der 8a des Gymnasiums aus xy. Voller Tatendrang erreichen die 27 Schüler, 15 Mädchen und 12 Jungen, mit dem Schulbus die Alpenstraße. Dort wird das Gepäck für das 4-tägige Herbstlager in einen Caritas-Kleinbus verladen. Die Klasse selbst begibt sich auf die 30-minütige Wanderung zum Haiderhof, dem Quartier und Ausgangspunkt für alle Aktionen, die im Vorfeld von uns geplant wurden. Die Planung der Klassenentwicklungstage wurde unter Berücksichtigung der Auftragsstellung des Kontaktlehrers entworfen (Frontloading). Das Hauptaugenmerk war auf die Verbesserung der Zusammenarbeit in der Klasse und auf das Miteinander Reden gerichtet.
2.1 Wünsche der Begleitlehrer
• Ausführliche Erwartungsabklärung zu Beginn: „Warum sind wir hier?“
• Die Klasse in die Verantwortung übernehmen für das Gelingen der Tage
• Die Frustrationstoleranz der Schüler strapazieren, nicht zu schnell nachgeben, echte Herausforderungen schaffen, die Klasse darf auch mal scheitern
• Nachbereitung und ausführliche Tagesreflexion
• Die Kleingruppen gut durchmischen, damit jeder mit jedem zu Tun bekommt
• Die Begleitlehrer mit einbeziehen und das Gespräch suchen, am Abend ihre Eindrücke abfragen
2.2 Der Ablauf des ersten Tages
2.2.1 Ankommen im Haiderhof, Lager beziehen, Hausordnung
Am Haiderhof angekommen, werden die Jungen und Mädchen auf die Lager verteilt. Begehrt sind natürlich die Lager, die mit Holzöfen ausgestattet sind, da man sie am Abend selbst befeuern darf. Zwei Jungen haben ihre Gitarren mitgebracht. Der Besitzer des Haiderhofs bespricht zusammen mit den Begleitlehrern die Hausordnung und erklärt sie den Schülern im Speisesaal.
2.2.2 Treffen im Aufenthaltsraum, Kennenlernrunde, Wochenablauf skizzieren
Gleich darauf sammeln wir die Klasse im Aufenthaltsraum. Dort stellen wir uns vor. Wir sind zu zweit für 27 Schüler vor Ort, um meistens in zwei Gruppen arbeiten zu können, die für jede Aktion neu durchgemischt werden. Wir skizzieren den Wochenablauf, den wir auf Flipchartpapier vorbereitet haben.
2.2.3 Kennenlernrunde , Vorstellungsrunde im Aufenthaltsraum, Metaplan
Dazu stellen wir folgende Aufgabe:
Bildet bitte Zweiergruppen und schreibt auf vorbereiteten Zetteln sechs Merkmale von Euch auf. Auf der Vorderseite drei Gemeinsamkeiten, auf der Rückseite drei Merkmale, die Euch unterscheiden. Stellt die Ergebnisse der Klasse vor. Ihr habt 10 Minuten Zeit, Euch zu besprechen.
Beispiel:
Die zwei Schüler Kilian und Florian stellen sich vor und erläutern kurz, was beide über sich herausgefunden haben.
Kilian:
„Also Gemeinsamkeiten sind: Wir gehen beide gerne ins Kino, spielen beide Fußball im selben Verein und unser Lieblingsfach in der Schule ist Biologie.“
Florian:
"Unsere Unterschiede sind: Der Kilian hört Rockmusik, ich lieber Rap. Kilian mag lieber den Sommer im Freibad, ich lieber den Winter mit Skifahren. Außerdem hat der Kilian einen Hund, wir haben zu Hause zwei Katzen.“
2.2.4 Soziometrische Fragen
Wir lassen die Klasse in die Ecken des Aufenthaltsraums nach den folgenden Kriterien verteilen und befragen die Schüler einzeln nach dem Grund ihrer Wahl.
Frage 1:
Welcher Freizeittyp bist du? ( Sport, Shoppen, Computer oder Kunst, Musik)
Beispiel: "Nadine, Du hast Dich in die Sportecke gestellt.“
Nadine:
"Ich mag viele Sachen gerne, aber am liebsten Sport im Leichtathletikverein und möchte auch mal Sportlehrerin werden.“
Frage 2:
"Welcher Konflikttyp bist Du?“ (Konfrontation, sich zurückziehen, nachgeben, vermitteln)
Beispiel:
"Moritz, du stehst bei Konfrontation!“
Moritz:
"Naja, ich bin eher ein Dickkopf und versuche mich immer durchzusetzen.“
Frage 3:
"Wer hat nur jüngere Geschwister, wer hat von Euch nur ältere, wer ist mittendrin und wer ist Einzelkind.“
"Julian, Du möchtest was sagen?“
Julian:
"Ich finde es als Einzelkind gut, weil sich meine Eltern viel Zeit für mich nehmen können. Wenn ich was unternehmen will, rufe ich meine Freunde an.“
Fazit:
In dieser Runde erfahren die Schüler oft zum ersten Mal genaueres über Können, Neigungen, Familiensituation ihrer Mitschüler. Für uns als Trainer ist es ein wichtiger Einstieg, um die Schüler sowohl vom Namen als auch vom Typ her kennen zu lernen. In dieser Runde wird das Niveau der Sozialkompetenz, des miteinander Umgehens gut ersichtlich und beurteilbar.
2.2.5 Erwartungsabklärung
Um zu diesem Punkt überzuleiten, lassen wir die Klasse auf dem "Stimmungsbarometer“ nach folgenden Kriterien aufstellen: Wie beurteilst Du die Klassengemeinschaft, fühlst Du Dich in der Klasse wohl? Wo ordnest Du Dich auf der Skala 1 bis 100 ein? Wir Trainer lassen die entstandene Verteilung unkommentiert und verteilen die Schüler in sechs Kleingruppen mit dem Auftrag, auf Flipchartpapier folgende Fragen zu bearbeiten:
• Was erwartest Du Dir von der Woche?
• Was ist Dein persönlicher Beitrag?
• Was soll auf keinen Fall passieren
• Was wünschst Du Dir anders in der Klasse?
Nach 20 minütiger Bearbeitungszeit stellen die Gruppen ihre Ergebnisse der ganzen Klasse im Kreis vor. Dabei befragen wir die Mitglieder der Kleingruppen einzeln nach Ihrem Beitrag zu den jeweiligen Punkten, und versuchen so, alle Schüler an den Erwartungskatalog zu binden.
Beispiele:
Trainer:
"Michelle, was erwartest Du Dir von der Woche?“
Michelle:
"Die Klassengemeinschaft soll besser werden und nicht so viel Grüppchenbildung stattfinden.“
Trainer:
"Was möchtest Du dazu beitragen?“
Michelle:
"Ich will die Tage mit Schülern reden, mit denen ich sonst nie zusammen komme.“
Trainer:
"Noch was?“
Michelle:
"Ich will über keinen schlecht reden und andere Meinungen gelten lassen.“
Trainer:
"Was soll auf keinen Fall passieren?“
Michelle:
"Dass wir uns streiten.“
Trainer:
"Aber Streit wird es immer mal geben, wie kannst Du Dich dabei verhalten?“
Michelle:
"Vielleicht andere Meinungen respektieren, erstmal zuhören und auch mal nachgeben.“
Trainer:
"Was wünscht Du Dir anders in der Klasse, was stört Dich am meisten?“
Michelle:
"Dass soviel durcheinander gequatscht wird und man nichts mitbekommt.“
Trainer:
"Also, was wünscht Du Dir von Deiner Klasse.“
Michelle:
"Dass jeder zuhört, wenn einer redet und Ihn ausreden lässt.“
Zusammenfassung
Wir kleben die Flipcharts nebeneinander an eine Wand des Aufenthaltsraums. Sie werden die Schüler die nächsten Tage gut sichtbar begleiten.
Die Zusammenfassung der Erwartungen:
• viel Spaß, Abenteuer
• keinem soll was passieren
• gutes Essen, kein Regen
• bei den Übungen mitmachen
• keinen auslachen
• Mut machen
• Respekt dem Anderem gegenüber
• Unterstützen, zusammenhalten
• Zuhören, ausreden lassen
• Sich konzentrieren
• Auf die Mitschüler aufpassen
• Andere Meinungen gelten lassen
• Vertrauen
• Die Kleingruppen auflösen
• Verantwortung übernehmen
2.2.6 Der Wertevertrag
Nach der Erwartungsabklärung darf die ganze Klasse einen für die nächsten Tage verbindlichen Wertevertrag unterschreiben. Alle Punkte hat sich die Klasse bereits selbst erarbeitet, die Erwartungen werden in komprimierter Form nur noch kurz skizziert.
Uns als Klasse ist wichtig!
• Wir achten auf die Sicherheit
• Wir sind respektvoll, offen und ehrlich
• Wir lassen alte Einstellungen los
• Wir nehmen Rücksicht und helfen einander
Mit diesem wichtigem Einstieg in die Erlebniswoche, der uns als Reflexionsgrundlage für alle Aktionen dienen wird, schicken wir die Klasse in die wohlverdiente Mittagspause.
2.2.7 Das Nachmittagsprogramm
Wir beginnen Den Nachmittag mit einem Warm up.
Das Haiderhofmonster:
Ausgerüstet mit zwei Schaumstoffklatschen, versucht das Monster, bestehend aus den zwei Klassensprechern, alle Schüler abzuschlagen, die sich dann in die immer länger werdende Kette aus Monstern einreihen. Die Kette darf nicht reißen, da sie sofort handlungsunfähig wird. Kein Schüler darf durch die Kette schlüpfen. Das begrenzte Terrain ist die Pferdekoppel mit Sandboden.
Anschließende Reflexion im Kreis:
Trainer:
"Was ist Euch aufgefallen?“
Hans:
"Wir haben uns absprechen müssen, wohin Wir beim Fangen laufen.“
Kilian:
"Man muss eine Strategie entwickeln, wie man fängt.“
Antonia:
"Die Strategie, die Wir gewählt hatten, mussten Wir auch durchführen, weil sonst die Kette gerissen ist.“
Nach dem Warm up teilen wir die Klasse in zwei Gruppen und bereiten sie auf die weiteren Übungen vor.
2.2.7.1 Der Pamperpole
Der Pamperpole besteht als mobiles Element aus einer ausziehbaren Aluleiter mit einem Tableau aus Sperrholz, das für den Stand am Ende der Leiter angeschraubt ist. Das Ausbalancieren des Poles erfolgt über vier daran befestigte Seile, die von je zwei Schülern gehalten werden. Die Sicherheit des Kletterers ist durch zwei Sicherungsseile gewährleistet, die ebenfalls von je zwei Schülern gehalten werden. (Redundanz) Die Übung erzielt ihren Höhepunkt im Sprung vom Tableau des Pamperpoles. Die Schüler werden vor der Übung in den Gebrauch der Komplettgurte eingewiesen. Eine Überprüfung, ob richtig angelegt und verschlossen, erfolgt vor jeder Übung durch den Trainer. Vor dem abenteuerlichen Aufstieg des ersten Schülers wird allen die richtige Sicherungstechnik erklärt. Jedem Schüler wird nochmals der Wertevertrag durch gezielte Fragestellung ins Gedächtnis gerufen.
2.2.7.2 Die Durchführung
Die Gruppe ist ganz heiß auf die erste Übung. Um keinen der Schüler zu verunsichern - Thema Höhenangst - beschließen wir, dass jeder aus seinem Gefühl heraus die Übung jederzeit abbrechen darf, womit alle einverstanden sind. (Challange by Choice)
2.2.7.3 Die anschließende Reflexion:
Beispiele:
Trainer:
"Warum hat es Euch Spaß gemacht?“
Antonia:
"Ich habe meiner Klasse vertraut und dann konnte ich die Höhe genießen.“
Felix:
"Alle haben mich angefeuert und fest an den Seilen gezogen, sonst hätte ich mich nicht getraut.“
Nadine:
"Ich habe mich sicher gefühlt, weil ich gemerkt habe, dass sich alle konzentrieren.“
Fazit:
Der Pamperpole ist gleich zu Beginn des Herbstlagers eine sehr abenteuerliche und komplexe Aufgabe mit beeindruckender Gruppenerfahrung. In der Reflexion werden den Schülern viele Komponenten deutlich, wie eine Aufgabe gelingen kann und Spaß macht.
Dazu zählen:
• Jeder ist wichtig, hat eine Aufgabe
• Vertrauen in der Gruppe aufbauen
• Aufmerksam sein, Sicherheit bieten
• Selbstvertrauen und Grenzen entdecken mit Hilfe der Gruppe
• Wir-Gefühl, alle ziehen an einem Strang
2.2.7.4 Der Mowhawkwalk
Der Mowhawkwalk wird mit drei Slacklinesets auf etwa 20 Meter Länge und in etwa einem Meter Höhe gespannt. Wir benützen dazu drei Bäume und befestigen zwei Seilstücke zum Festhalten an Ästen, um die Aufgabe etwas zu erleichtern. Ziel der Gruppe ist es, ohne dass einer der Schüler absteigen muss, die ganze Gruppe auf das Seil zu dirigieren. Erst wenn alle auf dem Seil stehen, darf der Erste absteigen usw. Die Aufgabe ist gelöst, wenn jeder das Ende der Wegstrecke, ohne vorher absteigen zu müssen, erreicht. Der erste Versuch zählt. Wir geben einen Joker für einmal Absteigen. Für weitere Male wird die betreffende Person blind gemacht, darf aber an der Absprungstelle wieder aufsteigen.
2.2.7.5 Die Durchführung
Die Gruppe ist nach Erhalt der Aufgabenstellung etwas unschlüssig und versucht sich zu organisieren. Mehrere Vorschläge werden halbherzig geäußert, einige Schüler hören gar nicht zu. Wolfgang turnt auf dem Startseil und springt herunter. Der Joker ist somit verbraucht. Dieses Missgeschick zeigt Signalwirkung. Die Gruppe sammelt sich im Kreis. Unter der Wortführung von Michelle einigt man sich auf eine Reihenfolge, in der losgegangen werden soll. Sich aneinander festhalten als Hilfe wird zwar von einem Schüler angesprochen, kommt aber nicht bei allen an. Nach kurzer Planungszeit beginnt die Gruppe mit der Aufgabe und bringt tatsächlich alle 14 Teilnehmer auf die Slackline. Als dann drei Schüler in einer Reihe absteigen müssen und somit drei Blinde nebeneinander entstehen, ist die Gruppe gescheitert.
2.2.7.6 Die Reflexion
Trainer:
"Warum seid Ihr nach gutem Beginn nicht weitergekommen?“
Wolfgang:
"Die Konzentration hat nachgelassen, ich habe die Übung auch nicht mehr so ernst genommen.“
Michelle:
"Zu viele haben nur geschaut, dass sie weiterkommen und haben uns nicht geholfen.“
Trainer:
"Was wollt Ihr bei einem erneuten Versuch anders machen, was war gut?“
Georg:
"Die Reihenfolge war doch gut gewählt. Vielleicht sollen wir nicht so viel reden und einer soll alles koordinieren.“
Florian:
"Alle sollen ernst mitmachen und sich konzentrieren.“
Evi:
"Wir müssen uns die Hände geben und nicht einfach losgehen.“
Im zweiten Versuch war jetzt deutlich mehr Konzentration bei den Schülern erkennbar. Die Gespräche beschränkten sich auf die Übung, es wurden gezielte verbale Hilfen und Absprachen abgegeben. Zwei blinde Schüler wurden wortgewaltig und aufmerksam bis zum Abstieg geleitet. Unter tosendem Beifall steigen auch die letzten in der Kette ohne vergessen zu werden in die geforderte Abstiegszone.
Fazit:
Der Mowhawkwalk verlangt von der Gruppe trotz des langen Tages nochmals volle Konzentration und Willen zur Gemeinschaft. Die Schüler waren gezwungen zu planen, einen Koordinator zu akzeptieren und sich gegenseitig zu helfen, um die Aufgabe zu schaffen. Zuhören, Vorschläge einbringen und annehmen, seinen Platz in der Gruppe finden, (richtige Reihenfolge ausmachen) sind zusätzliche Herausforderungen. Da die Gruppe sich sehr über Ihr Durchhaltevermögen und den Erfolg gefreut hat, zufrieden war und Spaß hatte, habe ich auf eine weitere Reflexion verzichtet. Für die weiteren Tage war mir wichtig: Die Klasse spürt, dass sich das Bemühen um Gemeinschaft in Spaß und Erfolg haben und Ziele erreichen zeigt. Beim gemeinsamen Abendessen lassen wir den langen und ereignisreichen Tag ausklingen.
3. Zweiter Tag 09.10. Die Abenteuerrallye
3.1. Morgenrunde
Nach dem Frühstück ist Treff im Aufenthaltsraum, im großen Kreis. Es erfolgt eine kurze Abfrage nach der Befindlichkeit der Schüler mit "Caesars Daumen“. Dabei soll nur herausgefiltert werden, ob jemand krank ist oder ob während unserer Abwesenheit Unstimmigkeiten in der Klasse aufgetreten sind, die heute in der Rallye berücksichtigt werden müssten. Nach der Abfrage darf sich jeder, mit Blick auf die auf den Flipcharts fixierten Erwartungen der Klasse, einen Punkt herauspicken, der für ihn heute den ganzen Tag während der Aktionen besonders wichtig sein soll.
Ein Beispiel:
Felix:
"Ich nehme mir vor, bei jeder Aktion mitzumachen und Rücksicht auf die anderen zu nehmen.“
Anja:
Ich habe mich mit Evi und Nadine besprochen: Wir wollen heute mit anderen Mitschülern mehr machen und auch auf die Jungen in der Klasse zugehen.“
3.2 Der Ablauf der Abenteuerrallye
Am heutigen Tag wird die Klasse wieder in zwei Gruppen unterwegs sein. Ausgerüstet mit Kompass, Marschzahl und Bildern von den Schlüsselpunkten eines Rundwanderwegs über Oberjettenberg und die Aschauerklamm zurück zum Haiderhof. Die Streckenlänge beträgt etwa acht Kilometer, führt zuerst bergauf und später über die Klamm steil bergab zurück zur Unterkunft. Auf der Strecke haben wir mehrere Stationen mit kooperativen Aufgaben geplant, die zusammen mit der Wanderung den ganzen Tag in Anspruch nehmen werden. Begleitet wird jede Gruppe von einem Trainer und einer Lehrkraft. Das Material für die kooperativen Aufgaben trägt die Gruppe selbst in zwei Rucksäcken.
Zuerst wird allen der Gebrauch des Kompasses zusammen mit den Bildern und der Marschzahl erklärt. Mit festen Schuhwerk und ausreichend Proviant ausgestattet, wandert die Grup-pe bergauf Richtung Oberjettenberg zur ersten Station.
3.2.1 Der Blind Walk
Auf einer begrenzten Wegstrecke werden von uns Wäsche klammern am Waldboden verteilt. Zwei Schüler dürfen sich zusammen tun. Einer von beiden wird blind gemacht. Aufgabe ist es jetzt, den Blinden auf der markierten Wegstrecke zu begleiten, ohne mit ihm zu sprechen und ohne ihn zu berühren. Dabei soll er noch drei Wäscheklammern ans Ende der Wegstrecke mitbringen. Die Zweierteams bekommen einige Minuten Zeit, um herauszufinden und auszuprobieren, wie man die Aufgabe lösen kann. Dem Erfindungsreichtum sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Pfeifen, Klatschen, Schnalzen, Stampfen usw. kommen zum Einsatz. Wir lassen die Zweierteams etwas Zeit versetzt starten. Dadurch haben sie die Möglichkeit andere Teams während der Übung zu beobachten. Bevor die Partner wechseln, dürfen sie sich nochmals absprechen, ob noch etwas zu verbessern ist oder ob etwas nicht optimal bei der Absprache geklappt hat.
Die Reflexion
Trainer:
"Was war wichtig, dass Ihr Euch beim Blind Walk sicher fühlen konntet?“
Antworten aus der Gruppe:
Sophie:
"Ich muss meinem Partner vertrauen können.“
Bernhard:
Wir müssen uns genau absprechen und die Zeichen, die man ausgemacht hat unbedingt einhalten.“
Wolfgang:
"Wir mussten uns richtig konzentrieren.“
Fazit:
Beim Blind Walk sind Konzentration, genaue Absprache, Vertrauen, Informationen richtig weitergeben die Schlüsselpunkte. Zu beobachten war, wie schwierig es bereits für Kinder ist, Kontrollverlust zu akzeptieren und sich auf den Anderen einzulassen.
3.2.2 Der elektrische Zaun
Mit Elan geht es weiter. Die Marschzahl führt nach einer weiteren Wegstrecke zu einer Weideeinzäunung, unser elektrischer Zaun. Der etwa drei Meter lange und 1,5 Meter hohe Stacheldraht zwischen zwei Holzpfosten wird mit Schaumstoff ummantelt und dadurch eine Verletzungsgefahr ausgeschlossen. Die Gruppe hat nun die Aufgabe, den Zaun zu überqueren, ohne ihn zu berühren. Keiner darf über den Zaun springen. Die Übung ist geschafft, wenn alle auf der anderen Seite des elektrischen Zauns angekommen sind. Wir weisen die Gruppe nochmals darauf hin, dass Sicherheit das oberste Gebot bei allen Aktionen ist.
Die Durchführung:
Die Gruppe sammelt sich im Kreis und schon hagelt es Vorschläge von allen Seiten, ohne gezieltes Weiterverfolgen der Ideen. Hier interveniere ich und frage die Gruppe, was hilfreich sein könnte bei so vielen Vorschlägen. Gemeinsam erarbeiten wir, was die Schüler berücksichtigen sollen: Zuhören, nicht durcheinander reden; über Ideen abstimmen, Vorschläge ausprobieren, alle machen mit.
Die Gruppe einigt sich in einer neuen Runde jeden einzeln wie einen Baumstamm längs über den Zaun zu heben. In der Reihenfolge sind die Leichteren in der Gruppe am Anfang und am Schluss geplant. Als Trainer begleite ich die Übung, indem ich mit meinen Händen dem Kopf des gerade Transportierten folge, damit im Falle eines Sturzes nichts passiert.
Die Gruppe schiebt den jeweiligen Klassenkameraden recht gefühlvoll über den Zaun. Kommandos kommen von zwei Schülern, die deren Sinn beim Hochheben und Weitertransport erkannt haben. Wolfgang, der offensichtlich wenig Lust hat Verantwortung zu übernehmen, wird von seiner Gruppe dirigiert. Da sich alle einig sind, will er nicht Spielverderber sein und hat zuletzt auch Spaß an der Übung. Da der Transport gut funktioniert und sich ein Erfolg der Gruppe abzeichnet, spielen auch immer weniger Berührungsängste zwischen Mädchen und Jungen eine Rolle. Laute Anfeuerungsrufe begleiten den Ablauf. Die Aufforderung aufzupassen und langsam aber sicher vorzugehen, ist vereinzelt zu hören. Unter großem Applaus befördern die vier Größten der Gruppe auch den letzten Schüler über den elektrischen Zaun.
Fazit:
Bei dieser Übung wurde deutlich, wie wichtig es ist, ein Problem zu besprechen, Lösungsvorschläge zu machen, die gehört und umgesetzt werden müssen. Die Initiative zu ergreifen und etwas auszuprobieren fällt der Gruppe zu Beginn immer schwer. Das liegt sicher daran, dass die Kinder nicht gewohnt sind, eine Führungsrolle zu übernehmen. Einzelne sind sehr zurückhaltend, in Bezug auf Berührung, was sicher mit Sympathie für jemanden als auch mit Unsicherheit dem anderen Geschlecht gegenüber zu tun hat. Diejenige Person, die bei dieser Übung über den Zaun getragen wird, muss sich voll auf die Anderen einlassen, was ein großes Stück Vertrauen erfordert.
3.2.3 Das Unglück auf der Reiteralpe
Die Gruppe wandert nach der erfolgreich abgeschlossenen Übung weiter auf eine Anhöhe in einem Waldstück gelegen.Gut sichtbar am Fuße des Waldstücks befindet sich etwa 50 Meter entfernt auf einer kleinen Wiese ein Holzlagerplatz. Dort soll unser nächstes Ziel sein und die große Mittagspause stattfinden .Um dorthin zu gelangen, muss die Gruppe jedoch noch einmal ihren Teamgeist unter Beweis stellen.
Die Aufgabenstellung:
Auf einer mehrtägigen Wintertour auf der Reiteralpe wird die Gruppe von einer Lawine erfasst und in drei Kleingruppen getrennt. In allen dreien gibt es einen Schwerverletzten, der bewusstlos ist und sich beide Beine gebrochen hat. Zwei weitere Bergsteiger sind schneeblind. Die drei Gruppen sehen schon das rettende Basislager und haben 30 Minuten Zeit, es gemeinsam zu erreichen. Dabei müssen sie die Schwerverletzten möglichst schonend transportieren. Als Hilfsmittel stehen ihnen ein 25 Meter langes Seil pro Team, die Jacken, Rucksäcke und Astwerk aus dem Wald zur Verfügung
Die Durchführung:
Als oberstes Gebot gilt Sicherheit. Es ist nicht leicht für die beiden Unversehrten je Gruppe sich zu organisieren. Sie müssen Material für den Bau einer Trage beschaffen, den Schwerverletzten so lagern, dass es ihm gut geht und die Blinden beschäftigen. Bei zwei Gruppen entstehen Tragebahren aus Holzprügeln, die mit dem Seil verwebt werden. Jacken und Rucksäcke dienen als weiche Unterlage auf der Bahre. Dann wird der Verletzte auf Kommando darauf abgelegt. Eine Gruppe hat aus Ästen und dem Seil einen Sitz geknüpft, auf dem der Schwerverletzte von den zwei Blinden seitlich hochgehoben und von dem Unversehrten beim Transport von hinten gestützt wird.
Das Tragen erweist sich als anstrengend, gleichzeitig müssen die Blinden laufend über die Wegstrecke und Hindernisse informiert werden. Mit mehrmaligem Absetzen, aber ohne Sturz oder andere gefährliche Situation, erreichen die drei Gruppen schwitzend den Holzlagerplatz, der für die Mittagspause ausgewählt wurde.
Fazit:
Bei dieser Übung habe ich als Trainer die Möglichkeit die Gruppenzusammensetzung zu bestimmen und den Schülern die Handicaps gezielt zu zuordnen.
Beispiele:
• Michelle, Florian und Evi sind eher zurückhaltende Schüler. Jeder wird zum Bergführer seines Teams.
• Wolfgang ist eine Führungspersönlichkeit in der Klasse. Er wird zum Schwerverletzten
• Korbinian macht oftmals bei den Übungen "sein Ding“, sucht nach eigenen Lösungen. Er wird blind gemacht.
Reflexion der letzten beiden Aktionen:
Die Übungen "Heißer Draht“ und "Unglück auf der Reiteralpe“ sind anspruchsvolle Aufgaben, die von einem Team ein hohes Maß an Bereitschaft zu Kooperation, Kommunikationsfähigkeit und Sicherheitsdenken erfordert. Es müssen Gruppenentscheidungen gefällt werden, Führungsrollen übernommen, aber auch das Verständnis zu folgen akzeptiert werden.
In Absprache mit dem Begleitlehrer teile ich an die Schüler Zettel mit vorbereiteten Fragen zum Thema Klassengemeinschaft aus. Die Schüler sollen ihre Beobachtungen dazu während der Durchführung der bisherigen Aufgaben konkret an einem Beispiel äußern.
Die Fragen:
• Wer arbeitet mit
• Wer hält sich zurück
• Gibt es Aufgabenverteilung(Organisation, Denker, Helfer)
• Wer hat Ideen
• Wer setzt seine Ideen durch, nicht durch
• Wie ist der Umgang miteinander
• Welcher Ton herrscht vor
• Wird Rücksicht aufeinander genommen
• Wie ist die Stimmung in der Gruppe
• Wie kommt man in der Gruppe zu Einigungen
• Wessen Ideen werden angenommen
• Wie schafft Ihr Vertrauen
• Wie erreicht Ihr Sicherheit, so dass nichts passiert
Beispiele dazu:
Victor:
"Meine Frage lautet, wie der Umgang miteinander ist. Ich denke schon, dass wir freundlich zueinander sind, keiner redet den anderen blöd an. Ich habe auch kein Schimpfwort gehört.“
Trainer:
"Kannst Du Dich an eine Situation erinnern, in der Du einen freundlichen Umgang miteinander erlebt hast?“
Victor:
"Ja, Evi hat Wolfgang, der Verletzter gewesen ist, mit einer Jacke zugedeckt und einen Rucksack unter seinen Kopf gelegt.“
Trainer:
"Super, fällt Dir eine Situation ein, in der Du besonders freundlich behandelt wurdest? Du darfst es Deinem Mitschüler auch direkt sagen.“
Victor:
„Michelle, ich möchte mich bei Dir bedanken, dass Du mich, als ich bei der Übung blind war, so vorsichtig den Hang hinunter geführt hast.“
Trainer:
„Möchte noch jemand dem Victor was sagen?“
Evi:
„Ich finde es gut, dass Du als Erster über den elektrischen Zaun drüber bist und dann auf der anderen Seite gut hingelangt hast, dass mir als Zweiten nichts passiert ist.“
3.2.4 Der Säurefluss
Nach den Beobachterfragen und der Mittagspause wandert das Team in die Aschauerklamm. Bis zum Ausgang der Klamm müssen die Schüler den steilen Abstieg auf dem schmalen Steig hintereinander bergab gehen. Konzentration ist gefragt. Etwa zehn Minuten vor Erreichen des Haiderhofs findet die heutige Abschlussaktion statt, der Säurefluss.
Die Beschreibung:
Die ganze Gruppe muss von einem markierten Ausgangspunkt den Fluss überqueren und zu einem zweiten markierten Ufer gelangen. Zur Bewältigung der Aufgabe stehen der 14 köpfigen Gruppe 12 Steine zur Verfügung, in unserem Fall Eimerdeckel, auf denen der Säurefluss überquert werden kann. Dabei darf niemals ein Stein unberührt sein, alle Schüler müssen sich berühren. Tritt einer in den Fluss, wird er blind gemacht und darf weiterspielen. Die Aufgabe ist gelöst, wenn alle das rettende Ufer erreicht haben.
Ablauf der Übung:
Die Gruppe trifft sich im Kreis. Die Spielregeln werden nochmals durchdacht. Die Idee, eine Kette zu bilden, wird akzeptiert. Es werden auch sofort Varianten mit Huckepack probiert, aber wieder fallen gelassen, weil es zu schwierig ist. Nachdem Wolfgang als Koordinator alle anderen in eine vorher besprochene Reihenfolge gestellt hat, fängt er als Erster mit der Überquerung an. Die Übung läuft konzentriert ab, die erste Schwierigkeit ergibt sich nach Aufbrauch der 12 Steine. Jetzt muss man fester zusammen rücken und die Absprachen noch genauer erfolgen. Aber alle helfen gut zusammen, halten sich fest an den Händen und kein Flüchtigkeitsfehler unterläuft der aufmerksamen Gruppe. Zuletzt haben die Schüler sogar einen Stein übrig, den sie für den Notfall bei sich behalten. Nachdem alle das Ufer erreicht haben, erwartet jeden ein Schokoriegel als Belohnung für die tolle Leistung.
Bevor wir zum Haiderhof weitergehen und die Abenteuerrallye mit dem Abendessen zu Ende geht, besprechen wir uns gemütlich im Gras sitzend und reflektieren den heutigen Tag.
Beispiele:
Trainer:
„Wie habt Ihr heute die Gruppe als Gemeinschaft erlebt? Denkt an Eure Erwartungen.“
Kathi:
"Ich denke, alle haben bei den Aufgaben mitgemacht und sich gegenseitig unterstützt.“
Wolfgang:
"Wenn es ernst geworden ist, war es ganz ruhig, alle haben sich konzentriert und zusammen gehalten.
Evi und Michelle:
"Beim Wandern sind nicht nur wir zusammen gehangen, wir haben uns mit jedem unterhalten.“
Victor:
"Jeder hat alles gegeben und dann war die Aufgabe geschafft. Es machte auch Spaß, wenn wir zusammen Erfolg hatten.“
Antonia:
"Ich finde es gut, dass wir mit Euch Jungs zusammen was machen konnten. Davon war ich anfangs nicht überzeugt, dass das klappt.“
4. 3. Tag 10.10. 07 Der Hochseilgarten
Der Seilgarten der Caritas xy ist ein Abenteuerparcour für pädagogische Programme, der aus fünf Elementen besteht. Diese sind so kombiniert, dass sie Herausforderungen nachahmen, die in einer natürlichen Umgebung gefunden werden könnten. Sicherheit und Kooperation wie auch individuelle Leistung sind grundlegend für dieses Programm. Die Schüler haben die Möglichkeit als Einzelne und als Gruppe Erfolgs- und Selbstwertgefühl zu erfahren. In einer sicheren Umgebung dürfen sie neue Verhaltensweisen ausprobieren und mental, physisch und emotional Risiken eingehen und bewältigen.
4.1 Der Ablauf des dritten Tages
Um neun Uhr morgens marschiert die Klasse vom Haiderhof zur Bushaltestelle. Mit dem Bus gelangt sie in etwa 15 Minuten zum Hochseilgarten.
4.1.1 Warmup
Nach einer kurzen Begrüßungsrunde ist unser erstes Spiel „Seilschwingen“. Die ganze Klasse muss zuerst einzeln, dann in immer größeren Gruppen, zuletzt als Gesamtheit durch ein von uns Trainern geschwungenes Seil laufen. Dabei darf das Seil nie leer schwingen und nicht berührt werden. Nach zwei Tagen intensiver Arbeit mit der Klasse ist diese Übung ein schnelles Erfolgserlebnis.
4.1.2 Das Drei-Zonen Modell
Mit ausgelegten Seilkreisen gestalten wir eine Komfort- und Stresszone. Die Chaoszone befindet sich außerhalb der Kreise. Ein Ziel des heutigen Tages soll es sein, sich von der Komfort in die Stresszone zu wagen. Dabei soll sich die Klasse mit Rückbesinnung auf den Wer-tevertrag unterstützen. Zusätzlich gilt:
• Sicherheit als oberstes Prinzip
• Herausforderung nach Wahl
• Stoppregel
Wir teilen die Klasse in zwei Gruppen und absolvieren die Stationen im Wechsel. Die Schüler werden alle mit Helmen und Komplettgurten eingekleidet. Danach erfolgt die Einweisung in die Sicherungstechnik.
4.1.3 Beschreibung der fünf Elemente des Hochseilgartens
4.1.3.1 Der Trapezsprung
Ein Schüler klettert gesichert von der Gruppe über eine Strickleiter zum Trapez hoch. Von der Plattform aus springt er genau Richtung Trapez und wird von der Gruppe abgelassen.
4.1.3.2 Der Drahtseilakt
Ein Schüler klettert gesichert von der Gruppe über die Strickleiter zum Stahlseil hoch. Nun muss er mit Hilfe von über Kopf befestigten Tauen über das Stahlseil balancieren Beim letzten Tau angekommen, lässt er sich in Richtung Aufstieg fallen und wird von der Gruppe abgelassen.
4.1.3.3 Die ,,Fliegenden Brücken“ ( Flying Bridges)
Ein Schüler klettert gesichert von der Gruppe über eine fixierte Aluleiter auf die Plattform. Von dort balanciert er auf Holzbohlen, die von einem Teil der Gruppe mit Seilstücken stabil gehalten werden können, bis zum letzten Brückenstück. Dort angekommen lässt er sich nach vorne fallen und wird von der Sicherungsgruppe abgelassen.
4.1.3.4 Das ,,Hohe V“
Zwei Schüler klettern auf einer fixierten Aluleiter, gesichert von der Gruppe, zu zwei Stahlseilen hoch. Die Stahlseile sind so gespannt, dass sich ihre Abstände V-förmig immer weiter bis auf ca. zwei Meter vergrößern. Indem sich beide gegen einander stützen, erreichen sie das Ende der Stahlseile. Von dort lassen sie sich nach hinten fallen und werden von zwei Sicherungsteams abgelassen.
4.1.3.5 Das ,,Hohe Y“
Zwei Schüler klettern jeder auf seiner Leiter von zwei verschiedenen Punkten auf ein Stahlseil. Die beiden Stahlseile treffen sich in der Mitte des Y. Bis dorthin steht jedem ein Tau zum Festhalten zur Verfügung. Vom Treffpunkt in der Mitte aus sollen nun beide zusammen versuchen, zum Ende des Y zu gelangen. Dort lassen sie sich fallen und werden von zwei Sicherungsteams abgelassen.
4.1.3.6 Der Ablauf des Stationsbetriebs im Hochseilgarten am Beispiel der,, Fliegenden Brücken“
Die Sicherungsgruppe für den Kletterer besteht aus vier Schülern, die an zwei Aufhängeseilen den Freiwilligen einziehen und ablassen. (Redundanz) Die Seile laufen über zwei Umlenkkarabiner. Sie sind in zwei Bandschlingen verschraubt, die am Fuße des Baumes befestigt sind. Für das Stabilisieren der Brücken stehen die übrigen Schüler zur Verfügung. Sicherungsteam und Brückenbauer können sich selbstständig austauschen. Der Kletterer ist mit zwei Schraubkarabinern am Aufhängepunkt des Komplettgurtes gesichert. Die Gruppe öffnet und verschließt die Karabiner für den nächsten Freiwilligen selbst, hängt also die Sicherung aus und ein. Als Trainer versuche ich so wenig als möglich in die Aktion einzugreifen. Ich checke vor dem Aufstieg lediglich Gurt, Helm und die Sicherungselemente und beobachte laufend, ob das Team richtig nach unseren Kriterien zusammen arbeitet.
4.1.3.7 Reflexion nach der Aktion
Beispiele:
Trainer:
"Evi, Du hast doch Höhenangst und warst ziemlich nervös. Wie war es möglich, dass Du zuerst die Leiter hinauf geklettert bist und Dich sogar dazu durchgerungen hast, die Brücken weiter zu gehen?“
Evi:
"Meine Mitschüler haben mir Mut zugesprochen und mich angefeuert. Außerdem betonten sie, dass sie mich gut sichern würden.“
Trainer:
"Wolfgang, wie war das mit Augenbinden blind auf den Brücken?“
Wolfgang:
"Ich musste mich voll konzentrieren und auf die Anleitung von Fabian und Michelle hören. Das Brückenteam hat die Bretter sehr stabil und waagrecht gehalten. Nur der Sprung am Schluss war hart, so ins Leere.“
Trainer:
"Aber Du hast es Dir zugetraut.“
Wolfgang:
"Das Sicherungsteam hat mir ganz deutlich zugerufen, dass es mich fest am Seil halten wird.“
Zusammenfassung:
Der Hochseilgarten ist für die Schüler nach zwei Tagen beständigen Herausarbeitens der Erwartungen und Bedürfnisse der Klasse eine abenteuerliche Belohnung für die ausdauernde Mitarbeit. In den ersten beiden Tagen der Klassenentwicklungstage versuchten wir durch adäquate Auswahl der kooperativen Aufgaben und durch deren Schwierigkeitsgrad, angepasst an den Leistungsstand der Klasse, den Zusammenhalt, das Teamwork anzuregen und zu verbessern. Im Seilgarten müssen die Jugendlichen zeigen, ob sie bereit sind, den Mitschüler bei seinen Grenzerfahrungen im Element unterstützen zu wollen. Nur wenn die Gruppe die nötige Aufmerksamkeit und den geforderten Respekt aufbringt, fühlt sich der Kletterer wohl und kann beim Absolvieren der schwierigen Elemente Spaß haben und sie auch schaffen. Für die Trainer ist der Seilgarten auch eine Kontrolle, ob ihr Engagement der ersten beiden Tage die Klasse erreicht hat und, was die Erwartungen der Klasse betrifft, noch defizitär ist. Natür-lich sieht man auch, was sich verändert hat und gewachsen ist. Ein guter Parameter für gelungene Zusammenarbeit bei Jugendlichen ist der Spaßfaktor. Wird der Wertevertrag eingehalten und denken die Kinder rücksichtsvoll, dann haben sie einfach Freude am Tun.
5 11.10. Der Abschlusstag
Um 9 Uhr trifft sich die Klasse im Aufenthaltsraum. Wir reflektieren die augenblickliche Stimmung im Rückblick auf die letzten Tage mit dem "Wetterbericht“. Jeder Schüler soll seine Stimmung und Erwartungen für heute in Form eines Wetterberichts kundtun.
Beispiel:
Magdalena:
"Die letzten Tage hatten wir sehr viel Sonnenschein, gestern Nachmittag zogen dunkle Wolken auf, die sich aber in der Nacht wieder auflösten. Für heute ist leichter Regen angesagt.“
Nach der Morgenrunde teilen wir die Klasse zum letzten Mal in zwei Gruppen. Es warten noch zwei kooperative Aufgaben auf sie.
5.1 Eier im Nest
Spielbeschreibung:
Drei mit Wasser gefüllte Luftballons müssen einzeln von einem Tisch in eine etwa 10 Meter entfernte Schüssel, das Nest, abgelegt werden. Das ist aber nur mit Hilfe von ca. 1,5 Meter langen Seilstücken erlaubt. Diese dürfen nur an den Enden gehalten werden. Jeder Schüler darf ein Seilende in einer Hand halten. Mit den Seilstücken soll jetzt das "Ei“ zum Nest transportiert werden. Die Eier dürfen nicht mit der Hand berührt werden.
Ablauf der Übung:
In der Kreisrunde wird besprochen, wie vorgegangen werden soll. Die Gruppe legt ihre Seilstücke in einer Sternformation auf dem Boden ab. Der Vorschlag kommt von Nadine und wird von allen angenommen und ausprobiert. Alle greifen die Seilenden und bilden einen Kreis mit dem Stern aus Seilstücken. So bewegt man sich zu den Wasserballons hin. Nadine leitet übereifrig an. Mit Schütteln und Ziehen an den Seilen wird das erste Ei in das Seilgewirr bugsiert. Langsam mit angestrengten Mienen heben die Schüler das Ei an und setzen sich wie in Zeitlupe in Bewegung. Mit Nachkorrigieren und kurzen Stopps, voll konzentriert, meistern die Schüler die Wegstrecke und lassen den Luftballon in die Schüssel plumpsen. Nach einer Stunde liegen alle Eier im Nest.
Reflexion der Aktion:
Trainer:
"Nadine, glaubst Du, Ihr hättet die Übung am ersten Tag genauso schnell gelöst?“
Nadine:
"Ich glaube eher nicht, da hätte mir doch keiner zugehört.“
Wolfgang:
"Ich denke, wir hätten das schon geschafft, aber nicht so schnell. Das erste Ei wäre bestimmt runter gefallen.“
Trainer:
"Was war das Entscheidende für den Erfolg?“
Evi:
"Wir haben uns abgesprochen, eine Strategie entwickelt, alle haben sich bemüht. Alle haben sich eingebracht, jedem war wichtig, die Aufgabe zusammen zu schaffen.“
Kilian:
"Zusammenarbeiten war wichtig, der Nadine zuhören, wenn Sie uns Anweisungen gibt.“
5.2 Das Zahlenmemory
Nach einer kurzen Pause bekommt die Gruppe im Aufenthaltsraum die nächste Aufgabe.
Spielbeschreibung:
Beim Zahlenmemory gilt es die auf Kärtchen gedruckten Zahlen von 1 bis 40, umgedreht und durcheinander gelegt, in der richtigen Reihenfolge von 1 bis 40 aufzudecken. Jeder Schüler muss sich mindestens zwei Zahlen merken und aufdecken. Während der Übung sind alle stumm, es darf nicht gesprochen werden. Nach einer Beratungszeit hat die Gruppe zwei Minuten Zeit, sich die Zahlen einzuprägen.
Ablauf der Aufgabe:
In der zehnminütigen Beratungszeit organisiert sich die Gruppe im Kreis. Die Vorgehensweise wird ausdiskutiert. Jeder hat die Aufgabenstellung verstanden und Moritz verteilt die Zahlen, die sich jeder merken soll. Zur Absicherung lässt Antonia jeden nochmals seine zugeteilten Zahlen aufsagen. Die beiden Letzten dürfen sich zwei, alle anderen drei Zahlen merken.Nach der Beratung darf sich die Gruppe im Aufenthaltsraum die durcheinander ausgelegten und aufgedeckten Kärtchen genau für zwei Minuten einprägen. Wir bitten die Gruppe nach draußen und verdecken die Zahlenkärtchen, ohne ihre Lage zu verändern. Die Gruppe darf jetzt herein kommen und muss die richtige Reihenfolge schaffen, ohne ein Wort zu sprechen.
Das Umdrehen beginnt und bei jeder richtig aufgedeckten Zahl geht ein Aufschnaufen durch die Gruppe. Da hat Wolfgang ein Problem. Er weiß nicht mehr genau wo seine dritte Zahl die 21 liegt. Mit Händen und Füßen arbeiten jetzt alle mit. Indem jeder auf seine noch nicht aufgedeckten Kärtchen deutet, bleibt nur noch die 21 ohne Zuordnung übrig. Tiefes Durchatmen. Als auch die Letzten ihre Karten richtig umgedreht haben, fällt die Spannung von der Gruppe ab und sie feiert lautstark, sich abklatschend, den Erfolg. Nach dieser Aufgabe trifft sich die ganze Klasse im Aufenthaltsraum zur Schlussreflexion.
5.3 Die Abschlussreflexion
In der Abschlussreflexion sollen sich die Schüler in einer Wochenauswertung nochmals mit ihren Erwartungen an die Woche auseinandersetzen.
Aufgabenstellung:
"Schau Dir Deine Erwartungen und Ziele vom Montag auf der Flipchart genau an. Dann lass die Woche im Stillen Revue passieren. Kannst Du Deiner Klasse ein Erlebnis als Beispiel erzählen, das aufzeigt, dass sich Deine Erwartung, die Dir zu Wochenbeginn wichtig erschien, erfüllt hat?“
Wir lassen jeden Schüler seinen für Ihn wichtigen Punkt auf einen Zettel mit seinem Namen schreiben. Zusätzlich soll er auf die Erwartung bezogen noch eine Anregung für den Schulalltag notieren. Während der Präsentation kleben wir diese Zettel auf eine Flipchart, die später mitgenommen und im Klassenzimmer aufgehängt werden kann.
Beispiele:
Florian:
"Für mich war der Punkt, dass alle bei den Übungen mitmachen, wichtig. Ich habe es super gefunden, wie wir alle am "Elektrischen Zaun“ zusammengearbeitet haben. Keiner wurde fallen gelassen und auf jeden aufgepasst. Alle haben mitgemacht. Für mich war die Übung sehr spannend.“
Trainer:
"Welche Anregung gibt Dir dieses Erlebnis für Dein Verhalten im Schulalltag?“
Florian:
"Ich habe gelernt, dass jeder wichtig ist und ich von den Anderen was lernen kann. Mein Beitrag zur Klassengemeinschaft ist der, das ich öfter auf meine Mitschüler zugehen will.“
Antonia:
"Für mich ist das Auflösen der Kleingruppen wichtig. Es war toll, dass Ihr, Nadine, Michelle und Evi mit uns anderen Mädchen etwas unternehmen wolltet und so unkompliziert das Lager geteilt habt. In der Klasse möchte ich keinen auslachen und über niemanden schlecht reden.“
Wolfgang:
"Für mich war zuhören und die Mitschüler ausreden lassen ein zentraler Punkt. Das ist wie Ihr wohl gemerkt habt meine Schwäche .Das möchte ich in die Klassengemeinschaft einbringen. Außerdem freut es mich, dass ich jetzt mit Robert, von dem ich vorher nicht soviel gehalten habe, was erlebt und mit Ihm Kontakt habe. Auch das möchte ich in der Schule weiterführen.“
Nach dieser Schlussrunde schicken wir die Schüler mit Briefpapier, Kugelschreiber und Umschlägen in die nähere Umgebung des Haiderhofs in die Mittagspause. Sie sollen sich die nächste Stunde ausruhen und einen Brief mit den Erlebnissen und Erfahrungen aus dieser Woche an sich selbst schreiben (Solo). Die Briefe werden am Ende der Pause verschlossen eingesammelt und an den Klassenlehrer übergeben. Vor den Weihnachtsferien bekommt dann jeder Schüler den Brief zurück.
5.4 Die Teamwand
Bevor wir zum ultimativen Schlusspunkt unseres Abenteuerprogramms kommen, müssen die Lager geräumt und gereinigt, der Müll sortiert werden. Das Gepäck wird in einen Caritas-Kleinbus verladen und später zur Bushaltestelle transportiert.
Aufgabe für die Klasse ist es nun alle über diese Teamwand zu befördern.
Regeln:
• Die seitlichen Kanten der Wand dürfen nicht zum Festhalten benützt werden
• Die Helfer auf der Plattform müssen gewechselt werden. Wenn der fünfte Schüler nach oben kommt, muss der erste nach unten über eine Leiter absteigen usw.
• Die Reihenfolge soll gut bedacht sein und ausgewählt werden
• Wer die Wand überwunden hat, darf, sobald er wieder unten ist, nicht mehr aktiv mithelfen, nur noch anfeuern
• Geht respektvoll miteinander um, Sicherheit zuerst
Die Durchführung:
Im Kreis wird die beste Hilfestellung beim Aufstieg besprochen. Die Räuberleiter und eine Treppe, gebildet von mehreren kräftigen Jungen wird ausprobiert. Die Leichten sollen zuerst nach oben, da noch keiner von der Plattform helfen kann. Mit vereinten Kräften, mit Schieben und auf Schultern stehend, greifen Kilians Hände die obere Wandkante. Die lauten Anfeuerungsrufe setzen zusätzliche Kräfte frei. Mit einer Gewaltanstrengung wuchtet sich Kilian über die Kante und steht oben. Auf die gleich Weise schiebt die Klasse Evi nach oben. Zu zweit auf der Plattform ist es jetzt leichter, den Nachfolgenden zu helfen. Jeder Schüler erlebt sein kleines Abenteuer und schafft die Wand. Beim letzten wird es spannend. Von oben herab lassen sich zwei Schüler mit den Beinen voraus, mit den Armen fest die Kante der Wand umklammernd, herunter hängen. Wolfgang, der letzte, nimmt Anlauf und springt beherzt gegen die Wand nach oben. Er schnappt sich blitzschnell zwei Beine und krabbelt an seinen Freunden hoch. Eine gute Idee der Klasse. Unter großem Applaus wird gefeiert und sich gegenseitig Komplimente gemacht. Alle sind richtig zufrieden.
5.5 Ende des Herbstlagers
Zum letzten Mal sammeln wir uns im Kreis. Wir Trainer verabschieden uns von der Klasse und bedanken uns für die gelungene Zusammenarbeit und das tolle Miteinander. Im Kreis geben wir uns die Hände und jeder darf zum Abschluss sagen, was er noch loswerden will. Die Klasse marschiert anschließend vom Haiderhof zur Bushaltestelle nach Schneizelreuth. Von dort fahren die Schüler mit dem Bus zurück.
6 Zusammenfassung
Das Herbstlager der Klasse 8a darf als gelungene Veranstaltung im Bereich Erlebnispädagogik angesehen werden. In der Rücksprache mit den Lehrern, drei Wochen nach dem Projekt, wurde von eindeutigen Veränderungen im Verhalten der Schüler im Klassenrahmen berichtet. Die Schüler bemühten sich um die im Herbstlager erarbeiteten Ziele und Erwartungen. Die Flipchart mit den individuellen Anregungen für das Verhalten im Schulalltag und eine, im Kunstunterricht gestaltete Collage mit Bildern vom Herbstlager und Artikeln aus Zeitschriften zum Thema Teamwork, wurden im Klassenzimmer aufgehängt. Das alles klingt sehr gut und macht Mut für die Nachbereitung, die einige Monate später in der Schule an zwei Vormittagen im Februar 2008 stattfinden wird.
Resümee der Trainer
In unseren Veranstaltungen versuchen wir eine lockere, lustige Atmosphäre aufzubauen, die aufregende Erfahrungen und Erlebnisse erleichtert. Eine spielerische und entspannte Einstellung hat starken Einfluss darauf, wie Teilnehmer die Erfahrungen empfinden und wahrnehmen. Es ist nicht leicht ein sicheres Umfeld zu herzustellen, das es den Jugendlichen ermöglicht, ohne Zwang und Druck zu lernen.
Die Reflexionen finden im Kreis statt, für eine geschlossene Atmosphäre, Blickkontakt und Sicherheit.Wir sind nicht dafür da, die Probleme zu lösen, sondern destruktive und uneffektive Gewohnheiten erkennbar zu machen und die Gruppe aufzufordern, selbst Lösungen zu finden. Die Reflexion erfolgt unter dem Gesichtspunkt von Prozess orientiertem Lernen; sog. Processing, d.h. die Jugendlichen führen und fordern. Ziel dabei ist es, Vorgänge und Erfahrungen ins Bewusstsein zu bringen und eine Kommunikation darüber in gang zu setzen. Durch Erkenntnisse aus dem Geschehenen (Interpretation des Ablaufs der kooperativen Aufgaben) können die Schüler ihren Zielen und Erwartungen näher kommen.
Der Idealfall wäre weiter die Übertragung des im Herbstlager Erfahrenen in die Zukunft, also in die wirklichen Lebenssituationen in Schule und Freizeit.
Ich höre Etwas und vergesse es wieder
Ich sehe Etwas und erinnere mich
Ich tue Etwas und begreife es
Don Millman
Literaturverzeichnis:
• Anleitung zur Praxis – KAP-Institut Regensburg
• Handbuch zum Lehrgang "Hochseilgartentrainer“, earthwinds development trainings von Darrel Combs, www.earthwinds.net
• Suchtprävention konkret,100 Projekte im Rahmen der Kampagne "Kinder stark machen“,1999, Herausgeber: Supro-Werkstatt für Suchtprophylaxe, Homepage: www.supro.de
• Ideenbuch zur jungenspezifischen Suchtprävention, Aktion Jugendschutz der Landesarbeitsstelle Bayern e.V. von Georg Vogel
• Kooperative Abenteuerspiele, Band I und II, von Rüdiger Gilsdorf
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
Die etwas andere Klassenfahrt
Erlebnispädagogisches Projekt von Detlev Sigmund