Elisabeth Gürster
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Natur erleben mit allen Sinnen"
Erlebnispädagogisches Projekt von Elisabeth Gürster
21. bis 23. September 2007
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Beschreibung der Einrichtung
2 Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 pädagogischer Hintergrund
2.2 allgemeine Zielsetzung
2.3 Art der Unternehmung
3 Zielsetzung
3.1 Gruppenzusammensetzung
3.2 Beschreibung der Teilnehmer
4 Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
4.2 Geplanter Projektverlauf
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
4.4 Abschluss
5 Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den Teilnehmern
5.2 Reaktionen in der Einrichtung
6 Reflexion
6.1 Besondere Erlebnisse
6.2 Erkenntnisse/Erfahrungen
7 Öffentlichkeitsarbeit
8 Literaturverzeichnis
9 Anhang
Reflexion von Stefanie K.:
Packliste für unser Naturerlebniswochenende:
Allgemeine Informationen
Kostenaufstellung
1 Einleitung
1.1 Vorwort
„In der Natur sein, sie mit allen Sinnen wahrnehmen, ist heute etwas besonderes geworden. Es gehört nicht mehr zu unseren üblichen Erfahrungen, die Geräusche des Waldes zu kennen, barfuss über eine Wiese zu laufen, Feuer zu entfachen oder einen Ameisenhaufen zu entdecken. Die Natur mit all ihren Sinneseindrücken ist uns fremd geworden, sie wieder oder neu zu entdecken ist ein Abenteuer geworden.
Auch das Leben von behinderten Menschen findet großteils in Räumen und mit wenig Kontakt zur Natur statt. Bewegung im Freien, Spaziergänge im Wald, Schlafen in einem Zelt, einen Berg erwandern und den weiten Blick genießen oder einen Fluss mit dem Boot erkunden sind Erfahrungen, die das Leben der Bewohner unserer Wohngemeinschaften bereichern und erweitern, Wohlbefinden fördern und Entwicklungsschritte in Gang setzen. Erfahrungen in der Natur ermöglichen auch immer einen Kontakt zu sich selbst und zur Schöpfung.
Frau G. bietet seit mehreren Jahren für die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngemeinschaft xy vielseitige erlebnispädagogische Angebote in der Natur an. Von der Tageswanderung im Bayrischen Wald über Höhlenexpeditionen zu erlebnispädagogischen Wochenenden. Begeistert vom Erlebten, bereichert durch viele neue Erfahrungen und gestärkt im eigenen Selbst kehren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer heim.
Frau G. leistet hier sehr wichtige Arbeit zum Wohle der behinderten Menschen unserer Einrichtung und wir alle können die Früchte ihrer Arbeit ernten. Die Natur ist den Teilnehmern vertrauter geworden, sie mit allen Sinnen wahrzunehmen, gehört zu ihren Erfahrungsschatz. Die nächsten Angebote werden schon mit Freude erwartet."
Leiter der Wohngemeinschaften xy
1.2 Beschreibung der Einrichtung
Die Wohngemeinschaften xy sind eine Einrichtung für Klienten mit unterschiedlichen Einschränkungen, wie geistige, körperliche, sowie psychische Behinderungen unterschiedlichster Art. Die Wohngemeinschaften umfassen seit kurzem auch eine Gruppe für Menschen mit körperlicher Behinderung (KB-Gruppe) und einen Apartmentbereich, sowie Betreutes Wohnen. Die durchschnittliche Gruppenstärke liegt bei ca. zehn bis elf Bewohnern, in der KB-Gruppe bei sechs.
Wir bieten lebenslanges Wohnen an. Scheiden die Bewohner Ganz- oder Teilzeit aus der Werkstätte für Behinderte aus, so werden sie in der Tagestrukturierenden Maßnahme betreut. Individuelles Leistungsangebot und differenzierte Wohnangebote ermöglicht den Betreuten, je nach den individuellen Fähigkeiten eine Wahlmöglichkeit bei den Wohn- und Betreuungsformen. Wir bemühen uns, unser Wohnangebot den Erfordernissen und Bedürfnissen der Zielgruppe anzupassen.
(Beschreibung der Einrichtung aus Gründen der Annonymität gekürzt)
2 Erlebnispädagogisches Konzept:
2.1 pädagogischer Hintergrund
Erleben ist das große Schlagwort in den Medien und jeder will etwas erleben. Leider wird oft gedacht, nur große Events und Attraktionen können erlebt werden. Meine Intention ist das gerade das Erleben kleiner und vielleicht im ersten Moment unscheinbarer Dinge wieder mehr in den Mittelpunkt gerät. Auch in unserer Einrichtung gibt es mittlerweile so viele Möglichkeiten, dass die Bewohner bei der großen Auswahl zum Teil in Stress geraten. Viele Angebote sind spezifisch ausgerichtet, wie z. B. Skifahren, Konzertbesuche oder Handarbeiten. Zusammen mit einigen Kollegen gestalte ich bereits seit einigen Jahren gruppenübergreifend erlebnispädagogische Maßnahmen, wie z. B Trekking, Höhle und Kanu. Ich möchte meine Projektmaßnahme für möglichst viele Bewohner im Haus anbieten. Darum habe ich das Medium Trekking gewählt. Dabei besteht die Möglichkeit, die Strecke an die Ausdauer und individuelle Leistungsfähigkeit der Teilnehmer anzupassen.
Da in diesem Jahr schon sehr viele Freizeitangebote unterschiedlichster Art durchgeführt wurden, war es, bedingt auch durch einen großen Umzug in unserem Haus, zeitlich schwierig noch eine Maßnahme anzubieten. Außerdem sollte sie kostengünstig sein, da nach dem Jahresurlaub die Bewohner durch die Zuzahlungen dazu schon sehr belastet sind. Auch sind die meisten Urlaubstage der Bewohner bereits aufgebraucht und so war klar, dass das Projekt daher an einem Wochenende stattfinden würde. Mein Konzept sollte auch keinen Bewohner ausschließen. So gestaltete ich es gleich zu Anfang sehr einfach strukturiert und wartete die Anmeldungen ab. Anhand der angemeldeten Teilnehmer modifizierte ich mein Konzept. Die Aufgaben und Spiele sollten einfach aufgebaut und auch für die Personen mit körperlichem Handicap machbar sein. Ich habe berücksichtigt, genügend Pausen für die Teilnehmer einzuplanen, da sie mehr Zeit benötigen, um Aufgabenstellungen zu erfassen und umzusetzen. Für die Reflexion habe ich ebenso mehr Zeit vorgesehen, da manche Teilnehmer länger brauchen, sich auszudrücken.
2.2 allgemeine Zielsetzung
Meine vorrangigen Ziele sind, dass …
• das Wochenende für alle Teilnehmer angenehm und erholsam wird.
• die Teilnehmer ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken kennen lernen.
• sich die Teilnehmer gegenseitig in ihren Kompetenzen unterstützen.
Die Bewohner kommen aus dem Alltag heraus und erleben ein angenehmes Wochenende. Sie können dadurch neue Energie schöpfen und bekommen Abstand von ihrem gewohnten Umfeld. Die Teilnehmer haben Spaß, machen Erfahrungen und können diese positiv für sich verwerten. Durch ihre unterschiedlichen Handicaps können sie sich gegenseitig unterstützen und so ihre Einschränkungen kompensieren.
2.3 Art der Unternehmung
Mit meiner Kollegin gestalte ich ein Wochenende im Naturfreundehaus xy im Bayrischen Wald mit Trekking, Kooperationsaufgaben und Spielen unter dem Motto: „Natur erleben mit allen Sinnen“.
3 Zielsetzung:
3.1 Gruppenzusammensetzung
Die Ausschreibung erfolgte per Flyer an alle Bewohner in der Einrichtung. Vierzehn Personen haben sich angemeldet. Fünf Personen aus Gruppe xy, drei Personen aus Gruppe xy, eine Person aus der neuen KB-Gruppe, zwei aus meiner Gruppe xy und eine Person aus dem Apartmentbereich. Dieser musste allerdings kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen. Nun sind es vier Frauen und neun Männer, die an dem Wochenende teilnehmen. Zwei der Teilnehmer sind nicht aus der Einrichtung, sondern die Partner von zwei unserer Bewohnerinnen. Der eine ist meiner Kollegin und mir bekannt, den anderen lernten wir beide beim Vortreffen kennen.
3.2 Beschreibung der Teilnehmer
B. (w)
ist 40 Jahre und leidet an einer schizophrenen Störung und leichter Intelligenzminderung. Außerdem ist sie körperlich behindert und arbeitet seit kurzem in der Montagegruppe. Sie hat eine Fehlstellung am linken Bein. Ihre psychische Erkrankung ist eine große Belastung für sie selbst und ihr Umfeld. Dies äußert sich in großen Unruhezuständen, Schlaflosigkeit, Putzzwang und starken Stimmungsschwankungen. Mehrere Bezirkskrankenhausaufenthalte und ihre aktuelle Medikation haben sie immer noch nicht stabilisiert. Sie ist im August in die neue Gruppe für Körperbehinderte umgezogen. Auch in den Tagen kurz vor der Maßnahme war sie sehr nervös und aggressiv. Ihre sehr schwierige Familiensituation macht ihr seit Jahren zu schaffen. Mehrere Gesprächstherapien erbrachten nicht den gewünschten Erfolg.Da sie sich mit ihrem Freund für die Maßnahme angemeldet hat und meine Kollegin sie gut kennt, haben wir nach Absprache mit den Betreuern entschieden, ihr die Möglichkeit zu geben, teilzunehmen. Bei eventuellen Schwierigkeiten würde sie von einer Kollegin aus ihrer Gruppe abgeholt werden. Da ihre Gruppe Tag und Nacht besetzt ist, kann dies jederzeit erfolgen. Bella war dieses Jahr noch in keiner Freizeitmaßnahme dabei. In der Wandergruppe nimmt sie schon seit Jahren teil, sofern es ihr gut geht. Sie soll durch das Wandern und das Einfügen in die Projektgruppe wieder mehr Ruhe und positives Lebensgefühl erlangen. Die Erfahrungen durch die Kooperationsaufgaben soll sie in ihren Alltag übertragen und befähigen, leichter mit schwierigen Situationen umgehen zu können.
T. (m)
ist 36 Jahre und B.s Freund. Er arbeitet in der Werkstätte in der Montagegruppe und fertigt Teile für eine große Automobilfirma. T.lebt nicht in der Wohngemeinschaft, sondern bei seinen Eltern. Er ist in seiner Familie anerkannt und kommt aus einem guten sozialen Umfeld. Die meisten Teilnehmer kennen ihn durch die Arbeit oder durch die regelmäßigen Besuche bei B. Er ist in seiner Grundstimmung eher ruhig und ausgeglichen. Auf das Wochenende freut er sich sehr, wie er beim Vortreffen gleich betonte. T. ist ebenfalls körperbehindert und hat eine Spastik auf der rechten Seite. Er soll ein angenehmes Wochenende mit Spaß und Erholung verbringen und sich in der Gruppe wohl und zugehörig fühlen.
R. (w)
ist 30 Jahre und geistig- und sprachbehindert. Sie arbeitet in der Wäscherei. Durch ihr Stottern dauert es länger bis sie sich äußern kann. Ihre Grundstimmung ist positiv. Rosi geht ebenfalls gerne wandern, doch ist ihre Ausdauer sehr begrenzt. Ihre steifen Bewegungen und ein schwerer Fahrradunfall haben sie vorsichtig werden lassen. Sie hat immer wieder Angst, sich zu verletzen und benötigt Motivation und Zuspruch. Mit E., der ebenfalls mitfährt, ist sie seit Jahren befreundet. Beide leben in der gleichen Gruppe.R. soll mehr Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten erlangen und bestärkt werden, ihre Bedürfnisse klar zu äußern und zu vertreten.
E. (m)
ist 40 Jahre, ebenfalls geistig behindert und besitzt autistische Züge. Er benötigt eine klare Struktur und kommt nur schwer mit kurzfristigen Änderungen seines Tagesablaufs zurecht. E.arbeitet in der Montagegruppe. Zeitweise zeigt er sehr aggressives Verhalten, wenn er mit Sachverhalten nicht umgehen kann. E. geht gerne wandern, meldet sich aber nur sporadisch für solche Unternehmungen, da er seine gewohnte Umgebung ungern verlässt. Seine Anmeldung kam überraschend für uns und die Betreuer seiner Gruppe, aber er war sehr überzeugt und voller Vorfreude. Eine andere Umgebung und Wandern sollen ihm neue Impulse geben und positive Erlebnisse. Durch das Wochenende soll er bestärkt werden, sich öfter an solchen Unternehmungen zu beteiligen.
A. (m)
ist 27 Jahre, geistig- und sprachbehindert. Er arbeitet in der Wäscherei und ist in seiner Grundstimmung fröhlich und sehr kommunikativ. Seine Hobbys sind vor allem Fußball und Eishockey. Außerdem geht er abends gern mit Freunden weg. Einer seiner Freunde ist sehr fixiert auf ihn und lässt ihm wenig Freiraum. An diesem Wochenende, an dem der andere nicht teilnimmt, soll A. Abstand gewinnen und durch die Aktivitäten und Aufgaben Selbstvertrauen erlangen. Er soll Möglichkeiten entdecken, wie man sich abgrenzt und seinen eigenen Standpunkt vertritt.
M. (w)
ist 20 Jahre, leicht geistig behindert und zeigt manchmal noch etwas pubertierendes Verhalten. Ihr Arbeitsbereich ist ebenfalls die Wäscherei. Sie wechselt häufig ihre Partner und liebt es, den Männern zu gefallen. Sie hat sich mit ihrem derzeitigen Freund angemeldet, der nicht in der Wohngemeinschaft lebt, aber auch in der Werkstätte für behinderte Menschen arbeitet. M. lebt auch in der Gruppe von R., T. und E. Sie legt sehr viel Wert auf ihr Äußeres und setzt sich gern in Szene. Sie ist humorvoll und offen für Neues und freut sich sehr auf das Wochenende. M.kann sich in der Projektgruppe einfügen und wohl fühlen.
P. (m)
ist 32 Jahre lernbehindert und der Freund von M. Da er nicht bei uns in der Wohngemeinschaft lebt und nicht alle in der gleichen Werkstätte arbeiten, kennen ihn nicht alle Teilnehmer. Wir Betreuer lernen ihn auch erst im Vortreffen kennen und erleben ihn da als angenehm, offen und interessiert. Er ist motiviert und fügt sich ein, obwohl er intellektuell und körperlich den anderen überlegen ist. P. kann Erfahrungen mit Gruppenstrukturen und Aufgaben machen und diese für sich verwerten.
F. (w)
ist 38 Jahre, geistig und sprachlich behindert. Sie ist ebenfalls in der gleichen Gruppe wie M., E., R. und A. Ihr Arbeitsbereich ist die Wäscherei. Außerdem ist sie schwerhörig und trägt beidseitig Hörgeräte. Sie nimmt regelmäßig an Unternehmungen der erlebnispädagogischen Gruppe teil und geht sehr gerne wandern. F. besitzt eine niedrige Frustrationstoleranz und ist leicht aus der Fassung zu bringen. Sie zeigt nur wenig Selbstvertrauen und bekommt sehr schnell Zweifel in ihre eigenen Fähigkeiten. Am Projektwochenende soll sie bestärkt werden in ihrem Selbstwertgefühl und in ihrer Persönlichkeit. Durch positive Erlebnisse kann sie so selbstbewusst in den normalen Gruppenalltag zurückkehren.
B. (m)
ist 54 Jahre und in seiner Intelligenz gemindert. Er ist in einer anderen Gruppe als die vorher genannten Teilnehmer. In der Werkstätte arbeitet er als Hausmeister. Er hat große Sprachprobleme und kann sich nur schwer verständlich machen. B. ist gesundheitlich stark angeschlagen. Er leidet an Gefäßerkrankungen in den Beinen und unter Schluckbeschwerden, die ihm die normale Nahrungsaufnahme sehr erschweren. Es muss darauf geachtet werden, dass wir für B. genügend geeignete Lebensmittel mit dabei haben. Außerdem nimmt er Medikamente ein. F. ist seine langjährige Partnerin. Meine Kollegin bei der Maßnahme ist seine Gruppenbetreuerin und kennt ihn gut, was es ihm leichter macht seine Bedürfnisse zu vermitteln. B. nimmt regelmäßig und mit großer Begeisterung an erlebnispädagogischen Maßnahmen teil. Vor allem Wandern ist eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Er liebt die Natur und bewegt sich gern an frischer Luft. Da seine körperliche Gesundheit nicht zum Besten steht, soll er sich erholen, Kraft tanken und positive Gruppenerlebnisse mit in den Alltag transferieren.
M. (m)
ist 19 Jahre und in der gleichen Gruppe wie Be. Er ist lernbehindert und zeigt immer wieder stark pubertäre Verhaltensweisen. Seine schwierige Familiensituation versucht er derzeit in einer Gesprächstherapie aufzuarbeiten. Ansonsten dreht sich bei ihm alles um Kleidung und Weggehen und möglichst „cool“ zu sein. M. arbeitet in der Werkstätte in der Küche. Sein ständiges Redebedürfnis und seine Suche nach Anerkennung sind sehr ausgeprägt. Durch die Maßnahme soll er positive Erlebnisse für sich verwerten können und dadurch mehr Ausgeglichenheit und Ruhe erlangen.
J. (m)
ist 26 Jahre und lernbehindert. Er leidet unter Epilepsie und nimmt deswegen starke Medikamente ein. Seine schwierige Familiensituation und seine Situation als Ausländer bereiten ihm große Probleme. Außerdem leidet er am Melas Syndrom, das sich bei J. vor allem durch migräneartige Kopfschmerzen und in einer großen Intoleranz allem gegenüber äußert. Auch die Epilepsie ist ein Symptom dieses Syndroms. J. arbeitet in der Wäscherei. Sein Verhalten sorgt in seiner Gruppe und bei Betreuern oft für Konflikte. Er kann sich sehr schlecht anpassen und einfügen in eine Gemeinschaft. Immer wieder diskutiert er die Notwendigkeit von Strukturen des Gruppenalltags, die er nicht einhalten will. Janos hat durch das Wochenende die Möglichkeit, sich an eine neue Gruppe anzupassen. Diese Erfahrungen kann er dann umsetzen in seiner gewohnten Umgebung und die Notwendigkeit von Strukturen in einer Gemeinschaft erkennen und akzeptieren lernen.
C. (m)
ist 26 Jahre und körperbehindert durch einen Geburtsschaden. Er weist auf der rechten Seite eine Spastik auf. Als ausgebildeter Bürokaufmann arbeitet er in der Werkstätte am Computer. Auch er ist anfallskrank. Da er medikamentös eingestellt ist und seit Jahren keinen Anfall mehr hatte, kann er gut damit umgehen. C. leidet außerdem an einer Blutgerinnungsstörung und nimmt deshalb Macumar ein. Daher achtet er sehr darauf, sich nicht zu verletzen. C. ist ein sehr humorvoller und ausgeglichener Mensch, der viele soziale Kontakte pflegt. Er ist durch sein körperliches Handicap immer wieder eingeschränkt, kann jedoch sehr viel kompensieren. C. ist erst seit zwei Monaten in meiner Gruppe. Er war vorher in Gruppe xy und ist eng mit M.befreundet. Da er häufig heimfährt ist der Kontakt zu den übrigen Bewohnern im Haus eher begrenzt. Durch die Maßnahme erlebt er seine Mitbewohner auch in der Freizeit und nicht nur im Arbeitsbereich. C. mangelt es durch seine körperliche Behinderung manchmal an Selbstvertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Er soll durch das Projekt positiv bestärkt werden und seine Grenzen ausloten können.
S. (m)
ist 49 Jahre und geistig behindert. Sein Arbeitsbereich ist die Schreinerei. Er lebt seit ca. fünf Jahren in meiner Gruppe. In seiner Grundstimmung ist er fröhlich und aufgeschlossen. Manchmal zeigt er ein wenig distanzloses Verhalten, vor allem Frauen gegenüber. Immer wieder hat er Probleme mit fremdem Eigentum, die dann auch polizeiliche Konsequenzen nach sich ziehen. S. nimmt sehr gerne an erlebnispädagogischen Unternehmungen teil. Positive Gemeinschafts-erlebnisse sind sehr wichtig für ihn, da er in seiner Gruppe eher eine Außenseiterrolle einnimmt. An diesem Wochenende soll er die Grenzen der anderen erfassen und akzeptieren lernen und sich positiv in die Gruppe miteinbringen.
4 Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
Im Vorfeld fanden zwei Besprechungen mit meiner Kollegin, sowie ein Gespräch mit unserem Einrichtungsleiter statt. Ich stellte ihm meine Projektidee vor und er war sofort begeistert über mein Vorhaben. Zusammen mit meiner Kollegin legten wir die Rahmenbedingungen fest. Wichtig war die Terminabsprache, die bei engen Dienstplänen und den vielen Wochenendveranstaltungen nur wenig Spielraum ließ. Nachdem ich das Naturfreundehaus für den geplanten Zeitpunkt buchen konnte, gestaltete ich die Ausschreibung für das Projekt. Außerdem machten wir eine Ortsbesichtigung vom Naturfreundehaus und gingen die Wanderstrecken ab, um uns eine Vorstellung über den zeitlichen Ablauf der Maßnahme machen zu können.
Nach der Ausschreibung an alle Bewohner im Haus und der Anmeldung der Teilnehmer fand ein Vortreffen statt. Zu diesem Vorbereitungsgespräch zwei Wochen vor Beginn der Maßnahme kamen alle Teilnehmer, meine Kollegin und ich. Wir besprachen die Abfahrtszeit und Ankunft im Naturfreundehaus, das Naturfreundehaus an sich, welches Abendessen wir machen und alle organisatorischen Angelegenheiten. Wir teilten eine Infoliste über die Zeiten und eine Packliste (Anhang) aus, damit jeder sich gezielt für das Wochenende vorbereiten konnte. Meine Kollegin und ich verteilten die Aufgaben unter uns, wer sich um Unterlagen, Ausweise, Medikamente und Kurzinformationen über die Bewohner kümmert. Am Freitag, 20.09. trafen wir uns um 13.00 Uhr zum gemeinsamen Einkauf der Lebensmittel (anhand von erstellter Einkaufsliste), um anschließend die organisatorischen Dinge zu erledigen. Es mussten Fahrtenanträge gestellt werden, die Bewohner um 15.00 Uhr von der Werkstätte abgeholt und die benötigten Sachen für das Wochenende eingepackt werden.
4.2 Geplanter Projektverlauf
Freitag, 20. September 2007
Am Freitag um 15.00 Uhr holt meine Kollegin die Heimbewohner von der Werkstätte ab. Dadurch kommen sie um eine Stunde früher nach Hause und haben mehr Zeit zur Verfügung. Um 17.00 Uhr treffen wir uns in der Gruppe xy zu einem Kaffee und fahren anschließend, nachdem wir das Gepäck eingeladen haben, los. Um ca. 17.30 Uhr werden wir im Naturfreundehaus ankommen und das Gepäck ausladen. Nach der Zimmerverteilung legen wir fest, wer beim Kochen hilft, den Tisch deckt und den Küchendienst erledigt. Es gibt Spagetti Bolognese und gemischten Salat. Nach dem gemeinsamen Abendessen werden wir um ca. 20.30 Uhr zu einer Nachtwanderung aufbrechen. Jeder soll sich dazu warm anziehen und eine Taschen- oder Stirnlampe mitnehmen.
Wir brechen vom Naturfreundehaus aus auf in Richtung Maibrunn durch den Wald und benützen bei der Wanderung unsere Lampen. Nach der Hälfte der Strecke gebe ich die Anweisung, dass nun jeder seine Lampe ausmacht und sich ganz leise verhält. Dabei stehen wir im Kreis nahe beieinander und hören auf die Geräusche im Wald. Nach einiger Zeit werden wir weitergehen, aber ohne eingeschaltete Taschen- und Stirnlampen und weiterhin ohne zu reden. In der Nähe des Naturfreundehauses stellen meine Kollegin und ich vorbereitete Gläser mit Teelichtern in einigem Abstand auf. Nun stellen wir uns wieder im Kreis auf und ich erzähle eine kleine "Gruselgeschichte":
"Im Bayrischen Wald sind die Menschen sehr fromm und gehen auch Sonntag fleißig in den Gottesdienst. Früher gingen auf einem Bauernhof dazu alle zusammen, der Bauer, die Bäuerin, die Knechte und Mägde. Da gab es einen Bauern hier in der Nähe, der hatte einen sehr fleißigen und starken Knecht. Dieser ging aber nicht in die Kirche und wollte auch nicht beichten. Dem Bauer gefiel das nicht und er ärgerte sich, dass sein Knecht nicht in den Gottesdienst ging. Der Knecht schlief in einer Kammer unter dem Dach und musste, wenn er da hinmusste, wo der Kaiser zu Fuß hingeht, die lange Treppe runtersteigen, denn das Klohäusl war draußen beim Misthaufen. Als er nun eines Nachts aufstand und die Treppe hinunter ging, die Stiege knarzte und es war stockdunkel, da blitzten plötzlich zwei funkelnde Augen unter der Treppe hervor und der Knecht erschrak so fürchterlich, dass er so schnell, wie der Blitz wieder in seine Kammer hinauflief, sich in sein Bett legte und die Bettdecke über seinen Kopf zog, so fürchtete er sich und meinte der Teufel persönlich sei ihm begegnet. Am nächsten Tag ging er sogleich zum Herrn Pfarrer zum Beichten und fortan jeden Sonntag zum Gottesdienst. Der Bauer aber freute sich sehr, dass der Ziegenbock, den er unter der Treppe abgestellt hatte so einen Eindruck auf seinen Knecht gemacht hatte."
Nach der Geschichte geht als erste Steffi, meine Kollegin, an den Lichtern vorbei zurück zum Naturfreundehaus. Als sie nicht mehr zu sehen ist, geht der oder die nächste, bis alle beim Haus sind. Ich selbst gehe als Letzte und sammle gleichzeitig die Lichter ein. Vor dem Haus stehen wir noch kurz zusammen und ich frage, wie es ihnen geht oder ob jemand noch etwas sagen möchte. Nach der Reflexion gehen wir in den Gemeinschaftsraum der Hütte und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Vorher teilen wir noch ein, wer am nächsten Morgen beim Frühstückvorbereiten und Tischdecken hilft.
Samstag, 21. September 2007
Nach dem gemeinsamen Frühstück treffen wir uns zur Morgenrunde auf der großen Wiese vor dem Haus. Jeder kann mitteilen, wie seine momentane Verfassung ist. Wir machen dies per Daumenanzeige. Ich erkläre kurz die Symbole, Daumen nach oben heißt, dass es einem gut geht, hält man den Daumen waagerecht, so geht es einem nicht gut, aber auch nicht schlecht. Nur wer mit dem Daumen nach unten zeigt, dem geht es schlecht. Jetzt zeigt jeder mit seinem Daumen seinen Gemütszustand an.
Anschließend spielen wir das Wäscheklammernspiel und ich erkläre, wie es funktioniert. Jeder bekommt eine Wäscheklammer und befestigt sie an seinem Körper. Nachdem wir das Feld abgegrenzt haben, soll jeder versuchen, so viele Wäscheklammern wie möglich zu ergattern. Nach einer gewissen Zeit gebe ich ein Zeichen und wir zählen, wie viele Wäscheklammern jeder hat.
Nach dem Aufwärmspiel machen wir uns fertig für die Wanderung. Jeder nimmt in seinem kleinen Rucksack ein Getränk und seine vorbereitete Brotzeit mit. Außerdem achten wir darauf, dass alle Teilnehmer der Witterung entsprechend gekleidet sind, auf Sonnenschutz (Sonnencreme und Sonnenhut) und Regenkleidung. Von der Hütte aus gehen wir erst auf einer Forststraße und dann am Waldrand entlang. Hier beginnen wir bereits mit dem "Schwammerlsuchen". Die Wanderung wird ca. zwei bis drei Stunden dauern, je nach Pausen und der Kondition der Teilnehmer. Es gibt auch die Möglichkeit abzukürzen, falls die Ausdauer der Gruppe nicht ausreicht. Während der Wanderung wollen wir Pilze suchen, die guten von den giftigen unterscheiden lernen und allgemein auf die verschiedenen Bäume und Pflanzen eingehen.
Nach der Wanderung gibt es ein gemütliches Zusammensitzen bei Kaffee und Keksen. Anschließend wollen wir vor der Vorbereitung für das Grillen im Schuppen neben dem Grillhäuschen die Aufgabe "Auf engstem Raum" lösen. Beim Naturfreundehaus gibt es einen alten Schuppen, der nicht sehr groß ist. Ich erkläre der Gruppe, dass sie diesen Platz zur Verfügung haben. Wenn alle in diesem Schuppen Platz finden und keiner mehr außerhalb steht, haben sie die Aufgabe gelöst.
Für das Abendessen ist Grillen geplant und wir werden gemeinsam die Aufgaben verteilen, wer grillt und wer die Salate vorbereitet. Auch die evtl. gefundenen Pilze werden wir putzen und zubereiten.
Nach dem Abendessen gibt es noch mal eine Kooperationsaufgabe: "Die geheime Spur". Hier benötigen wir zwei Gruppen, die sich per Postkartenpuzzle finden sollen. Dazu kann jeder Teilnehmer ein Postkartenteil ziehen. Wenn sich die Gruppen gefunden haben, erkläre ich die Aufgabe ("Kooperative Abenteuerspiele 1", Seite 136) der Schatzsuche und die Gruppe mit der Bergpostkarte beginnt mit dem Spurenlegen. Um den Schwierigkeitsgrad etwas zu vereinfachen, werde ich nicht nur Naturmaterialien für die Spurensuche verwenden, sondern auch einfache Gegenstände aus dem Haushalt. Ziel ist es die Gruppe, die sich nach dem Spurenlegen versteckt und mit einer kleinen Schatzkiste ausgerüstet ist, zu finden. Nach einer halben Stunde folgt die andere Gruppe und versucht auf Grund der Spuren die Schatzkiste (kleine Dose mit Schokoladenriegel gefüllt) aufzuspüren.
Sonntag, 22. September 2007
Nach dem Frühstück gibt es wieder eine Runde auf der Wiese und jeder gibt per Daumenzeichen an, wie es ihm geht.
Anschließend machen wir ein Spiel zum Aufwärmen in den Tag. Heute ist das Namensduell („Kooperative Abenteuerspiele 1“, Seite 34) unser kleines Aufwärmspiel. Dazu finden sich zwei Gruppen, die durch eine Plane getrennt sind und sich nicht sehen können. Lautlos vereinbart jede Gruppe jeweils eine Person, die in der Mitte vorne steht. Die Plane wird entfernt und die beiden Personen müssen schnellst-möglich den Namen ihres Gegenübers nennen. Wer den Namen des anderen als erster ruft, gewinnt für die Gruppe die Person der anderen Gruppe hinzu. Ziel ist es, alle Mitspieler auf eine Seite zu bringen.
Danach machen wir uns auf zu einer kleinen Wanderung. Wieder soll jeder passend angezogen und mit Rucksack und Brotzeit ausgerüstet sein.
Nach der Wanderung wird es ca. 13.00 - 14.00 Uhr sein und wir müssen alle unsere Sachen packen, die einzelnen Zimmer saubermachen und aufräumen. Jeder bekommt eine Aufgabe zugeteilt und ist vor allem für sein Gepäck verantwortlich, damit dies in den Bus eingeladen wird. Wenn alles im Haus aufgeräumt ist und die Busse vollgeladen sind, gibt es eine Reflexionsrunde auf der Wiese. Ich gebe erst einen kurzen Rückblick über das Wochenende und frage dann in die Runde, wie jeder das Wochenende empfunden hat. Dazu werfe ich einen Tannenzapfen jemandem zu, der ihn dann weitergibt. Es gilt die Vereinbarung, dass nur sprechen darf, wer den Zapfen in der Hand hält. Ich gebe meine Stellungnahme am Ende ab. Zum Abschluss fahren wir in eine nahe gelegene Waldpension zum Kaffeetrinken, um das Wochenende gemütlich ausklingen zu lassen.
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
Nachdem die Vorbereitungen sehr gut geklappt haben und der Wetterbericht nach zwei Wochen Regen nun schönstes Herbstwetter gemeldet hat, ist die Stimmung für das Wochenende hervorragend. Leider musste ein Teilnehmer zwecks Krankheit absagen, was wir alle sehr schade fanden, da er sich nur selten für Angebote im Haus interessiert.
Pünktlich trafen die Teilnehmer bei uns in Gruppe xy zum gemeinsamen Kaffeetrinken ein und jeder war in Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende, selbst M., dessen Freundin heute ihre Beziehung beendet hatte.
Nachdem wir das Gepäck in den Bussen verstaut hatten, ging es los in Richtung Bayrischer Wald. Beim Naturfreundehaus angekommen, bezogen wir die Zimmer und machten uns mit der neuen Umgebung vertraut. M. und C. meldeten sich gleich bereitwillig, Spagetti Bolognese zu machen und auch fürs Tischdecken und Abspülen waren F., J. und E. zur Stelle. Es wurde kurz bedauert, dass die Heizung mit Gas funktioniert und man kein Feuer zu machen braucht. Nach dem Abendessen konnten wir planmäßig unsere Nachtwanderung durchführen, es gab einige Geräusche des Waldes und nach anfänglichen Schwierigkeiten sagte bald keiner mehr ein Wort und lauschte nur noch der Natur. Bei der Gruselgeschichte gab es Befürchtungen der Gruppe, dass man Angst bekommen könnte. Dies war aber nicht der Fall und alle gingen wie geplant einzeln zum Haus zurück. Der erste Abend war bei der Reflexion nur positiv bewertet und wir saßen noch Stunden beim Spielen in der Hütte beisammen. Wir spielten sehr lange ein Namensspiel, bei dem einer hinausgeht und wir uns auf eine berühmte oder bekannte Person einigten. Diese wird demjenigen beim Zurückkommen mittels Kreppband auf die Stirn geklebt, ohne dass er es lesen kann. Dann darf er Fragen zu seiner neuen Identität stellen, die wir ihm nur mit ja oder nein beantworten dürfen. Ich habe das Spiel auf diese Art und Weise modifiziert, weil es für die Bewohner leichter war sich auf eine Person zu einigen und sehr viele mitspielen wollten. Wir spielten es bis weit nach Mitternacht und um 01.00 Uhr ging der erste Tag zu Ende.
Samstag, 21. September 2007
Nach dem Frühstück gab es eine Morgenrunde, bei der jeder per Daumenzeichen angibt, wie es ihm geht. Es gab nur wenige Teilnehmer, die den Daumen waagerecht hielten und einer, der ihn nach unten hielt, weil sie alle noch müde waren. Nach dieser Runde spielten wir das Wäscheklammernspiel. Jeder machte mit und auch die Teilnehmer mit Körperbehinderung hatten ihren Spaß. Alle waren etwas außer Atem, aber wach und warm fürs kommende Trekking. So gingen wir nach den Vorbereitungen los.
Die Wanderung bei dem herrlichen Herbstwetter war ein Genuss und bald schon wurden von einigen Teilnehmern fleißig Pilze gesucht. Dadurch war der steile Anstieg, der im mittleren Teil der Strecke kam, für die Gruppe leichter zu bewältigen. Für manche war dies eine große Herausforderung und sie konzentrierten sich darauf mit Hilfestellung anderer Teilnehmer. Wieder andere waren so mit dem Suchen der Pilze beschäftigt, dass zum Schluss die körperlich schwächeren Teilnehmer auf die Stärkeren warten mussten und dies gerne taten. Nach einer Brotzeitpause ging es weiter. Es wurde nicht nur das Wissen über Pilze ausgetauscht, sondern auch über Waldpflanzen allgemein, an Moos gerochen und gefühlt, wie weich es ist, oder sich an den Farben des Herbstes erfreut.
Müde kamen wir nachmittags zum Naturfreundehaus zurück. Dennoch fanden sich freiwillige Helfer, die Kaffee und Tee vorbereiteten und es gab eine gemütliche Runde im Freien. Anschließend wurden die Pilze geputzt und da wir gern noch bei Sonnenschein im Freien essen wollten, fingen wir mit den Vorbereitungen an und ließen die geplante Aufgabe „Auf engstem Raum“ weg.
Nach dem Grillen beschlossen wir eine Ruhepause einzulegen, da Stefanie und ich merkten, dass einige doch sehr müde waren oder sich einfach gerne zurückziehen wollen. Daher vereinbarten wir, uns um 19.00 Uhr im Gemeinschaftsraum wieder zu treffen. Erholt und gestärkt kamen alle pünktlich und neugierig, was für Aufgaben nun kommen würden. Ich erklärte ihnen die nächste Aufgabe: „Die geheime Spur“ und teilte die Postkartenteile aus. Es ergaben sich zwei sehr unterschiedliche Gruppen. Die Gruppe 1 war mit den sehr dominanten jungen Männern wie P., M., C., J., B., A. und R. besetzt und in Gruppe 2 waren die eher zurückhaltenden Teilnehmer: E., B., T., M., S. und A. Die lautstarke Gruppe 1 fing an und nahm den Eimer mit Utensilien unterschiedlichster Art, es waren nicht nur Naturmaterialien, wie ich schon bei der Planung erklärte. Die Gruppe 1 wurde von meiner Kollegin begleitet und ich folgte eine halbe Stunde später mit der anderen Gruppe. Es war eine große Herausforderung, das erste Zeichen in dieser stockfinsteren Nacht zu finden. Trotz einiger Stirnlampen hatten wir Mühe nach dem ersten Gegenstand, den nächsten zu finden. Ich versuchte zu helfen, da es wirklich sehr schwierig war. Gruppe 2 war sehr motiviert und trotz der Hindernisse im Wald, die für B. und A. nicht einfach zu bewältigen waren, wollten sie unbedingt die anderen finden. Nachdem wir nicht wussten, in welche Richtung Gruppe 1 gegangen sein könnten und schon einige Zeit vergangen war, hörten wir plötzlich unheimliche Rufe. Sie gaben uns akustische Hilfestellung. Als wir sie gefunden hatten in ihrem sehr gut getarnten Versteck, fragten wir sie sofort nach ihren „Spuren“, die wir nur sehr spärlich gefunden hatten. Beim Zurückgehen hatte die Gruppe 1 selbst Schwierigkeiten ihre eigenen Spuren wieder zu finden. Vor dem Haus reflektierten wir gemeinsam die Aufgabe und die Gruppe 2 erklärte, dass sie es sehr schwierig gefunden hatten, die gelegten Spuren zu finden. Gruppe 1 war erst der Meinung, dass sie die Zeichen sehr gut sichtbar gelegt hatten, nach einiger Zeit wurde ihnen aber dann doch bewusst, dass manche Dinge sehr schwierig zu entdecken waren und sie selbst nicht mehr alle Dinge gefunden hatten. Sie hatten das selbst anders eingeschätzt. Meine Kollegin erzählte, dass es ihr wären des Spiels durchaus bewusst war, sie sich aber nicht einmischen wollte. Nachdem es nach dieser Aktion schon sehr spät war und einigen etwas kalt wurde, beschlossen wir, Gruppe 2 am nächsten Tag bei Tageslicht die Spurensuche für die andere Gruppe legen zu lassen. Gruppe2 drohten schon damit, es aus Rache sehr schwer zu machen. Es blieb aber bei humorvollen Androhungen und keiner war beleidigt. In geselliger Runde wurde noch viel geredet, gelacht und Karten, Kniffel und dergleichen gespielt. Diese Nacht endete dann um ca. 02.00 Uhr als alle müde in ihre Betten schlüpften.
Sonntag, 22.September 2007
Es gab nach dem Frühstück um 8:30h wieder eine Morgenrunde über die Befindlichkeit der Teilnehmer. Heute waren einige dabei, die ihren Daumen waagerecht hielten, da sie noch so müde seien. Ansonsten ging es aber allen gut und keiner war schlecht gelaunt. Anschließend spielten wir das Namensduell, bei der meine Kollegin und ich eine Plane zwischen die zwei Gruppen spannte. Es war für alle ein Spaß zu hören, welche neuen Namenskreationen entstanden und es dauerte nicht sehr lange, bis auch der letzte Teilnehmer auf die andere Seite geholt worden war.
Dann wurde besprochen, wie wir den Tag gestalten wollten. Es wäre eigentlich eine weitere Wanderung geplant gewesen, doch wollten die meisten die Spurensuche von gestern weiterführen. Die Gruppe 1 sollte erst noch die restlichen Utensilien suchen, die sie am Vorabend selbst nicht mehr gefunden hatten. Wir einigten uns darauf, dass die Gruppe 1 die Dinge einsammelt und dann die Gruppe 2 loszieht. B., T. und J. meinten, sie wollen aussetzen und beim Haus bleiben. Ich begleitete die Gruppe 2 und wir versteckten uns nach gelegter Spur im Unterholz. Es dauerte nicht allzu lange, da kamen unsere „Verfolger“ auch schon, doch fanden sie uns nicht in unserem Versteck. Erst als auch zwei unserer Gruppe lautes Wolfsgeheul hören ließen, entdeckten sie uns. Bei der anschließenden Reflexion waren sie sich einig, dass es bei Tageslicht wesentlich einfacher ist, die Spuren zu entdecken und es ihnen großen Spaß machte, sie zu suchen.
Nun war Packen und Aufräumen angesagt, alle halfen zusammen und auch Bella, Janos und Thomas erledigten Aufgaben. Die Abschlussrunde mit Tannenzapfen war sehr positiv und ich freute mich riesig, dass es allen so großen Spaß gemacht hatte. Zufrieden fuhren wir zu der Pension Edenhof in der Nähe unseres Hauses und ließen bei Kaffee und Kuchen das Wochenende ausklingen, bevor wir müde und zufrieden die Heimfahrt antraten.
4.4 Abschluss
Nachdem ich die Abrechnung gemacht und die Eigenbeteiligungen eingesammelt hatte, konnte ich die finanziellen Angelegenheiten abschließen. Die Fotos wurden auf CD gebrannt. Bei einem Nachtreffen wurden die Fotos gemeinsam angeschaut und Erinnerungen an das Wochenende ausgetauscht. Wir haben dabei eine Fotocollage gestaltet und gerahmt und im Hausgang der Einrichtung aufgehängt, um uns dadurch an das Wochenende immer wieder zu erinnern.
5 Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den Teilnehmern
Es waren alle bei der Rückkehr gut gelaunt und erzählten begeistert in ihren Gruppen über das Erlebte. Damit wurden meine Erwartungen sehr zufrieden gestellt. Zwei der Teilnehmer, die uns am meisten positiv überrascht haben möchte ich stellvertretend hervorheben:
B. war in den Tagen und Wochen vor dem Naturwochenende sehr instabil. Es war schon angedacht worden, sie in das Bezirkskrankenhaus einzuweisen. Auch am Freitag, Stunden vor der Abfahrt war sie sehr abweisend zu jedem. Bei der Abfahrt und am Wochenende selbst beteiligte sie sich an fast allen Aktionen und Aufgaben. Erst am Sonntag klinkte sie sich bei einem Spiel aus. Bei der Schlussreflexion war sie wieder mit dabei und äußerte sich nur positiv über das Erlebte. Für mich ist dies als ein großer Erfolg für B. zu werten. Sie konnte sich in die Gruppe einfügen und mitgestalten. Auch die Erzieher ihrer Gruppe teilten mir mit, dass B. gut gelaunt und ausgeglichen zurückkam. Leider veränderte sich dies in den darauf folgenden Wochen wieder, aber ein kurzfristiger Erfolg war da.
J. ist ebenfalls sehr positiv aufgefallen an dem Projektwochenende. Da Stefanie die Leitung in seiner Gruppe inne hat und ihn gut kennt, war sie sehr überrascht, ihn so positiv zu erleben. Auch er, der sich zuhause kaum an gemeinsamen Aktivitäten beteiligt, nahm an fast allen Angeboten teil. Was mir besonders auffiel ist, dass er sich sehr an Aufgaben im Haus, wie z. B. Kochen, Frühstücksvorbereitung und Aufräumen beteiligte. Er unterstützte Stefanie und mich, wo er Möglichkeiten sah und war ausgeglichen. Zurück im Alltag war er in den ersten Tagen begeistert vom Wochenende, verfiel nach einiger Zeit teilweise zurück in alten Strukturen. Und auch für Stefanie war es motivierend zu sehen, wie sich J. entwickelt hat und welche Fortschritte bei einem Wochenende außerhalb der gewohnten Umgebung möglich sind.
5.2 Reaktionen in der Einrichtung
Meine Kollegen erzählten, dass die Teilnehmer sehr begeistert und müde von dem Wochenende zurückgekehrt waren. Alle haben sich positiv geäußert und tagelang von den Aktionen und Eindrücken gesprochen. Viele Kollegen, der Einrichtungsleiter und seine Mitarbeiterin haben gleich am Montag nachgefragt, wie es gelaufen sei und sich über die positive Stimmung bei allen gefreut.
M. und C. fragen mich bei jedem Zusammentreffen, wann wir wieder ein Hüttenwochenende machen und bringen neue Ideen, wie wir es gestalten könnten.
Karolin, Erzieherin in Gruppe xy, erzählte mir von den Reaktionen der Teilnehmer als diese vom Wochenende zurückkamen:
• R. berichtete viel von der Nachtwanderung und der Schatzsuche, die sie sehr beeindruckt hatte, da sie nachts im Wald war und fast keine Angst hatte.
• E. erzählte stolz von den Pilzen, die er im Wald gefunden hatte.
• M. war ebenfalls von der Schatzsuche sehr beeindruckt und den Hüttenabenden, an denen sie sehr viel Spaß hatte.
• A. war vom Namensspiel beeindruckt, erklärte es gleich jedem und wollte es in der Gruppe nachspielen.
6 Reflexion
6.1 Besondere Erlebnisse
Für mich war es außergewöhnlich, dass es an dem Wochenende trotz der sehr gemischten Gruppe zu keinen nennenswerten Konflikten gekommen ist. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre unter den Teilnehmern und es waren immer Hilfestellungen untereinander zu sehen. Es gab kleine besondere Erlebnisse, wie z. B.
• E., der sich furchtbar gefreut hat über die Pilze, die er gefunden hatte und dabei über das ganze Gesicht strahlte.
• S. kroch bis ins niedrigste Unterholz, um Pilze zu finden und es war ihm egal, ob seine Kleidung darunter leiden könnte.
• B., die bei der Spurensuche in der Nacht durch den Wald ging und mit dem Unterholz zu kämpfen hatte. Sie ist gestolpert und wieder aufgestanden und weitergegangen, ohne zu schimpfen, was sie sonst bei kleinsten Schwierigkeiten macht.
• M. war am Samstag als erster auf und schon fleißig in der Küche bis wir kamen. Zuhause in der Gruppe ist ihm die Erledigung seiner Ämter gleichgültig.
6.2 Erkenntnisse/Erfahrungen
Das Projekt war für mich eine weitere Bestätigung, wie wichtig solche Maßnahmen auch für unsere erwachsenen Klienten sind. Ich war natürlich äußerst erleichtert über den guten Verlauf und die durchweg positiven Reaktionen, die nicht zuletzt durch die angenehmen Bedingungen entstanden sind. Nach zwei sehr kalten und verregneten Wochen war es für uns alle ein Genuss dieses warme und sonnige Wetter in der Natur zu erleben. Dies erzeugte schon zu Beginn eine positive Grundstimmung und trug viel zur Harmonie und zu einer angenehmen Atmosphäre bei.
Die Zusammenarbeit mit Stefanie empfand ich von Anfang an als äußerst angenehm und bereichernd. Wir einigten uns schnell und flexibel auf Änderungen in der Planung. Wir waren gleichwertige Ansprechpartner für die Teilnehmer und unsere Teamarbeit war besonders harmonisch und aufeinander abgestimmt.
7 Öffentlichkeitsarbeit
Ich habe die Maßnahme nicht in der örtlichen Tageszeitung dargestellt, da leider keine Zeit dafür war. Für die Zeitschrift der Katholischen Jugendfürsorge habe ich einen Artikel mit Bild vorbereitet, der aber erst in der nächsten Ausgabe erscheinen wird.
8 Literaturverzeichnis
Bernd Heckmair und Werner Michl: „Erleben und Lernen“ erschienen im Reinhardt Verlag, München 2004
Rüdiger Gilsdorf und Günter Kistner: „Kooperative Abenteuerspiele 1“ erschienen im Kallmeyer Verlag, Seelze-Velber 2001
Rüdiger Gilsdorf und Günter Kistner: „Kooperative Abenteuerspiele 2“ erschienen im Kallmeyer Verlag, Seelze-Velber 2006
„Leistungsausschreibung“ der Wohngemeinschaften xy
9 Anhang
Reflexion meiner Kollegin Stefanie K.
Packliste
Checkliste (Formular)
Teilnehmerliste (Formular)
Kurzinformation über Bewohner (Formular)
Fahrtenantrag (Formular)
Einverständniserklärung bei externen Teilnehmern (Formular)
Kostenaufstellung
Reflexion von Stefanie K.:
„Für mich war unser Wochenende im Naturfreundehaus in xy eine tolle Erfahrung und es gab viele schöne Momente, an die ich mich gerne zurückerinnere.
Frau G. und ich trafen uns, bevor es losgehen konnte, einige Male, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Zugleich fand ein „Vortreffen“ mit allen Teilnehmern in unserer Wohngemeinschaft statt, um Anregungen, Wünsche und Erwartungen der Teilnehmer zu besprechen. Bereits hier fiel auf, dass es eine recht „aufgeweckte“ Gruppe ist.
Dies bestätigte sich dann auch während dem Wochenende. Die Teilnehmer waren die Tage sehr aufgeschlossen, unternehmungsfreudig und interessiert gegenüber den Aktivitäten und Unternehmungen, die Elisabeth Gürster geplant hatte.
Ich möchte nun kurz einige Momente und Erlebnisse beschreiben, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind.
Bei der Nachtwanderung am Freitagabend ging es darum für einige Zeit ohne Worte den Weg weiterzugehen, um die Geräusche im Wald bewusst wahrnehmen zu können. Hier war ich erstaunt, wie gut das einem Teilnehmer gelang, der ansonsten ein enormes Redebedürfnis hat und vom Verhalten her sehr unruhig ist.
Beim Rückweg zum Naturfreundehaus wurden am Wegesrand Teelichter aufgestellt und jeder sollte diese kurze Strecke für sich alleine gehen. Hier hatte ich dass Gefühl, dass wirklich jeder Einzelne während dieser Zeit bei sich war, bei seinen eigenen Gedanken und Gefühlen und dies sehr genoss.
Während der Wanderung am Samstag wurden mit großer Begeisterung Pilze gesucht, Pflanzen begutachtet und die Natur mit allen Sinnen wahrgenommen. Begeistert war ich hier besonders von einer Teilnehmerin, die trotz ihrer Gehbehinderung, die Wanderung so gut bewältigt hat und diese auch genießen konnte.
An den Abenden im Naturfreundehaus war die Stimmung sehr positiv, es wurde viel gelacht und einige Bewohner, die sonst recht zurückhaltend sind, verwunderten durch ihre Aufgeschlossenheit.
Die Zusammenarbeit mit Frau G. empfand ich als sehr angenehm und harmonisch. Somit war es ein wirklich gelungenes und schönes Wochenende im Naturfreundehaus, das sicherlich allen noch lange Zeit in Erinnerung bleiben wird!“
Packliste für unser Naturerlebniswochenende:
Bitte packt in eine Reisetasche oder großen Rucksack folgende Sachen ein:
- Schlafsack
- Wanderhose und Hose zum Wechseln
- T-Shirts zum Wechseln
- Fleecepullover oder anderen warmen Pullover
- Schlafanzug
- Frische Socken und Unterwäsche
- Waschzeug und Handtuch
- Kleinen Rucksack zum Wandern
- Trinkflasche und Brotzeitbox
- Wanderschuhe
- Stirn- oder Taschenlampe
- Ca. 5 € Taschengeld für die Einkehr
Allgemeine Informationen:
Medikamente und Kurzinformationen der Teilnehmer bitte bis Donnerstag, 20.09.07 in Gruppe xy abgeben!
Treffpunkt für alle mit Gepäck ist am Freitag, 21.09.07, um 17.00 Uhr in Gruppe xy zum Kaffeetrinken und anschließender Abfahrt.
Wir freuen uns auf ein erlebnisreiches Wochenende
P. S. : Falls Ihr noch Fragen habt, bitte bei uns melden, wir beantworten sie gern!
Kostenaufstellung
Ausgaben:
Übernachtung im Naturfreundehaus:
15 Übernachtungen x 2 Nächte x 4,-€ = 120,- €
(4,- € pro Teilnehmer/Betreuer und Nacht)
Transport mit hauseigenen Bussen:
2 Busse x 75 km x 0,30 € = 45,- €
(0,30 € pro gefahrenen Kilometer und Bus)
Lebensmittel und andere Dinge 95,- €
Insgesamt 260,- €
Einnahmen:
Einnahmen aus den Teilnehmerbeträgen:
13 Teilnehmer x 20,- € = 260€
(20,- € je Teilnehmer)
Gewinn/Verlust
0,- €
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Natur erleben mit allen Sinnen"
Erlebnispädagogisches Projekt von Elisabeth Gürster