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Erlebnispädagogik und Spiritualität

44 Anregungen für die Gruppenarbeit

(erleben & lernen 11)

 

von Muff, Albin / Engelhardt, Horst

 

Leseprobe

 

Übung 5: Lichterfluss

Charakter: Besinnung bei Nacht, in der Regel nur für Gruppen

 

Ort: langsam fließender Bach oder kleiner Fluss, an dessen Ufern keine Brandgefahr besteht

 

Gruppengröße: gut für sehr große Gruppen geeignet

 

Alter: ab ca. 5 Jahren

 

Material: Teelichter oder kleine Kerzen, Rindenstücke, Kork oder ähnliche schwimmfähige Naturmaterialien zum Schnitzen von kleinen Booten

 

Anleitung: Basteln Sie möglichst viele kleine Boote, die eine kleine Kerze tragen können. Setzen Sie die Boote mit angezündeten Lichtern an einer günstigen Stelle in die Strömung ein. Folgen Sie den Booten am Ufer. Beobachten Sie die Strömung, die die Lichter treibt: Stromzunge, Kehrwasser, Wirbel und Stromschnellen. Lassen Sie die Szenerie auf sich wirken. Sammeln Sie die Schwimmkörper an einer geeigneten Stelle wieder ein. Zwei in den Fluss gelegte und miteinander verbundene Holzbalken können dabei helfen.

 

Hintergrund: Die Übung wird in hiesigen Breiten auch als Lichterserenade bezeichnet und hat eine beeindruckende Wirkung durch das Zusammenspiel von Wasserströmung, Licht und Dunkelheit. In katholischen Orten, in denen der Brückenheilige Johannes Nepomuk verehrt wird, ist dieser Brauch des Lichterschwimmens verbreitet. Nach einer Legende sollen an der Stelle in der Moldau, an der der Heilige ertrunken ist, blinkende Lichter erschienen sein (vgl. Bistum Würzburg 2003).

 

Kennen gelernt haben wir die Aktion in Thailand in der Vollmondnacht des zwölften Mondmonats. Beim Loy-Kratong-Fest werden zahlreiche kleine Boote aus Bananenblättern oder Bananenbaumholz, wunderschön dekoriert mit exotischen Blumen, Räucherkerzen und Lichtern in allen Flüssen des Landes ausgesetzt. Mit Liedern über Fluss und Licht, Tänzen, Essen und Trinken ist das gesellige Fest zugleich der farbenprächtigste Feiertag in der thailändischen Kultur. Das Lichterfest wird seit rund siebenhundert Jahren in diesem südostasiatischen Land gefeiert. Es geht auf die Legende einer schönen und talentierten Frau zurück, die die Göttin des Wassers ehren wollte und dem König ein kleines Boot in der Form einer Lotusblüte mit Kerzen überreichte. König Maha Thammaraja entzündete die Kerze und setzte das Schiffchen in den Fluss. Seitdem vereinen sich viele kulturelle und religiöse Traditionen in diesem Feiertag.

 

Anstöße zum Nachdenken:

Licht und Dunkelheit im Lebensfluss
Lichtquellen, die kommen und gehen
Strömungen im Leben
Wünsche und Gedanken, die ich mit einem angezündeten Licht verbinde

 

Erfahrungen: Bei dieser stimmungsvollen Übung muss unbedingt darauf geachtet werden, dass jegliche Brandgefahr am Ufer ausgeschlossen wird. Außerdem sind Nachbarn und Grundstücksbesitzer vorher zu informieren und gegebenenfalls um Erlaubnis zu fragen. Bei Wind werden die Teelichter leicht ausgeblasen; dann sind größere Kerzen, evtl. mit Windschutz notwendig.

 

Zum Weiterlesen: Einen Überblick über Geschichte und Tradition des Brückenheiligen Nepomuk gibt Treffler (o. J.): Heiliger Johannes Nepomuk. Das thailändische Lichterfest wird u. a. beschrieben von Kanzlerski/Kanzlerski (2006): Loy Krathong; Segaller (1997): Thai ways; Loose/Ramb (1985): Thailand.

 

 

Übung 6: Symbolsprache Fluss

 

Charakter: Assoziationsübung

 

Ort: an einem beliebigen Ort, z. B. in der Nähe eines Baches oder Flusses

 

Alter: ab ca. 15 Jahren

 

Gruppengröße: bis ca. 15 Personen

 

Material: große Papierblätter zum Zeichnen, Farben und Stifte, Zusammenstellung der Sinnsprüche auf einem Plakat oder auf Blättern

 

Anleitung: Vergleichen Sie Ihr bisheriges Leben mit einem Fluss. Überlegen Sie, welche Quellen ihr Leben speisen, wo es Stromschnellen, Wasserfälle oder gemächliche Flussabschnitte gab. Denken Sie auch an künstliche Bauten wie Wehre, Kanäle, Schleusen oder Brücken. Lesen Sie die Stichworte auf den ausgelegten Karten. Suchen Sie eventuell weitere passende Wortspiele aus der Umgangssprache. Zeichnen Sie Ihren Lebensfluss mit den bereit gelegten Farben und Stiften. Markieren Sie wichtige Stationen oder Abschnitte im Lebensfluss. Tauschen Sie sich mit Anderen aus.

 

Hintergrund: Die einprägsame Wirkung von Bächen und Flüssen auf das menschliche Wahrnehmen und Empfinden zeigt sich deutlich in der Vielzahl sprachlicher Symbole, sogenannter Metaphern, im Alltag. In allen Lebensbereichen tauchen diese symbolischen Redewendungen auf.