KAP-Institut
Outdoortraining
Ausbildung
Intensivtherapie
Klassenfahrten
Equipment
Archiv

Eva Gallistl

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

Teamtraining

Projektbericht über ein 3-tägiges Projekt

mit Tee-Mobil-Volontären

 

Erlebnispädagogisches Projekt von Eva Gallistl

 

14. bis 16. März 2007

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

1.   Beschreibung der Einrichtung      

  

2.   Erlebnispädagogisches Konzept   

2.1 Pädagogischer Hintergrund/Idee    

2.2 Allgemeine Zielsetzung         

2.3 Art des Projekts       

  

3.   Zielgruppe           

3.1 Gruppenzusammensetzung  

3.2 Beschreibung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer    

 

4.   Projektverlauf          

4.1 Vorbereitung          

4.2 Geplanter Projektverlauf        

4.3 Tatsächlicher Projektverlauf        

4.4 Abschluss

  

5.   Nachbereitung          

5.1 Veränderungen bei den beteiligten Jugendlichen   

5.2 Reaktionen in der Einrichtung        

 

6.   Reflexion           

6.1 Besondere Erlebnisse       

6.2 Erkenntnisse und Erfahrungen     

   

7.   Öffentlichkeitsarbeit      

   

8.   Literaturverzeichnis    

     

9.   Anhang            

      Statements einzelner Teilnehmer       

      Spiele und Aktionen          

      Skript für die Teilnehmer

 

 

 

 

 


 
1. Beschreibung der Einrichtung

 

Ich arbeite bei Jugend für Christus Deutschland e.V. (JfC). Dieser Verein wurde 1948 gegründet und ist ein überkonfessionelles Werk, welches auf der Basis der deutschen Evangelischen Allianz arbeitet. Die Arbeit wird durch Beiträge von Freunden und Spenden der mitveranstaltenden Gemeinden getragen. Die Zentrale von Jugend für Christus befindet sich bei Darmstadt.

 

Seit 1974 existiert der Arbeitszweig Tee-Mobil. Hier bin ich seit 2003 für die Betreuung des Jahresteams und für die Hauswirtschaft verantwortlich. Das Tee-Mobil-Haus wird in doppelter Weise genutzt: einmal ist das Jahresteam dort untergebracht (Wohnbereich im hinteren Teil des Hauses) und im vorderen Bereich befinden sich die Büros der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Leiter der Tee-Mobil-Arbeit, Jugendevangelist, Büroassistentin, Hauswirtschafterin, Teammanagerin).

 

Unsere Hauptwerkzeuge sind zwei umgebaute Reisebusse, mit denen jeweils ein Jugendevangelist mit einem Team von Jahresvolontären zu Kirchengemeinden fährt, um dort vor Ort eine evangelistische Woche durchzuführen. Das bedeutet, dass das Team z.B. Schulstunden im Bus hält, Jugendabende gestaltet und Gespräche über den Glauben führt. Wenn die Volontäre nicht mit den Bussen unterwegs sind, arbeiten und lernen sie in Stahlhofen im Tee-Mobil-Haus. Alle Teammitglieder sind in Doppel- oder Dreierzimmern untergebracht. Die Zusammensetzung in den jeweiligen Zimmern wechselt quartalsmäßig, um einerseits Kleingruppenbildung zu vermeiden und andererseits die Auseinandersetzung mit Personen zu fördern, mit denen die jeweiligen Volontäre sonst im Alltag weniger Zeit verbringen würden. Im Haus selbst finden auch Seminare zu verschiedenen Themen statt (eine Art Kurzbibelschule). In diesen Rahmen habe ich mein erlebnispädagogisches Projekt eingebettet.

 

Obwohl jedes einzelne Teammitglied seine eigenen Erfahrungen, Begabungen und seinen eigenen Hintergrund mitbringt (was sehr geschätzt wird), ist es wichtig, dass sie sich als einzelne in die Gemeinschaft einfügen können. Denn von Anfang an sind alle Tätigkeiten, sowohl die Arbeiten im Haus, wie auch die Aufgaben auf Einsatz, gemeinsam zu erledigen. Um die Gemeinschaft unter den Teammitgliedern zu festigen, finden in der Regel auf Eigeninitiative der Volontäre Teamabende mit freizeitlichen Aktivitäten statt. Zurzeit besteht das Jahresteam aus acht Personen. Die genaue Teamzusammensetzung beschreibe ich in Punkt 3.1.

 

 


 
2. Erlebnispädagogisches Konzept

 

2.1 Pädagogischer Hintergrund/Idee

 

Das Werk ist nicht in erster Linie eine pädagogische Einrichtung, sondern vielmehr ein jugendmissionarisches Werk, das den Praktikantinnen und Praktikanten theologische Schwerpunkte vermitteln, sowie ihnen eine praktische Einführung in die missionarische Jugendarbeit geben möchte. Der Werksleitung ist es ein Anliegen, dass jede Praktikantin und jeder Praktikant aus diesem Jahr profitiert. Aus diesem Grund wurde meine KAP-Ausbildung unterstützt und mein geplantes Projekt mit dem Jahresteam befürwortet.

 

Meinen Projektschwerpunkt möchte ich auf Teamtraining legen. Den Zeitpunkt des Projektes wähle ich deshalb im März 2007, da das Team von Januar bis Februar ein sechswöchiges theologisches Seminar absolviert. Während dieser Zeit verbringen die Teammitglieder viel Zeit mit Lernaufgaben, bei welchen sie weitgehend auf sich allein gestellt sind. Die Gemeinschaft und die Teamabende treten in den Hintergrund. Außerdem werden nach diesem Seminar zwei Praktikanten das Jahresteam verlassen, weshalb es wichtig ist, die Gruppe neu zusammenzuführen und sie in der neuen Teamkonstellation zu stärken. Auch hat sich in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, dass in dieser theoriegeprägten Zeit der Gruppe die Decke auf den Kopf fällt und neue Herausforderung gebraucht werden. Und zwar nicht nur im geistigen und geistlichen Bereich, sondern auch durch Praktisches gemeinsam in der Gruppe.

 

Da einige aus dem Team nach ihrem Volontärjahr in pädagogischen bzw. sozialen Einrichtungen oder in der ehrenamtlichen Jugend- und Gemeindearbeit mitarbeiten wollen, möchte ich mit ihnen Aktionen unternehmen, die sie auch nach dem Jahr selbst einsetzen können. Ich möchte dem Team eine abwechslungsreiche und vielfältige Breite der Erlebnispädagogik vermitteln. Deshalb sind in meinem Projekt viele kleine Elemente der Erlebnispädagogik enthalten, welche die Teilnehmer gut mit anderen Gruppen durchführen können und bei denen nicht viel Material benötigt wird.

 

Da wir ein missionarisches Jugendwerk sind, ist es mir wichtig, die Ausrichtung der erlebnispädagogischen Elemente christuszentriert zu gestalten, sodass theologisches Wissen umgesetzt und erfahren werden kann.

 

Bei der Durchführung einzelner erlebnispädagogischer Spiele und Aktionen vor meinem 3-tägigen Projekt habe ich beobachtet, wie die einzelnen Volontäre bemüht sind, sich immer besser als Team zusammen zu finden und sich intensiver kennen zu lernen. Auch von ihrer Seite kam der Wunsch, bei einem mehrtägigen erlebnispädagogischen Projekt teilnehmen zu dürfen.

 

 

2.2 Allgemeine Zielsetzung

 

Mir ist es wichtig, dass das Team durch mein Projekt zusammenwachsen kann. Über den Alltag hinaus sollen sie sich nochmals intensiver und auf eine andere Art und Weise kennen lernen, um mit ihren Stärken und Schwächen besser umgehen zu können. Hierbei bietet sich das 3-Tage-Teamtraining-Projekt sehr gut an, weil sie dadurch lernen können, als Team miteinander und mit sich selbst umzugehen, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie werden ihre eigenen Grenzen spüren und lernen mit den damit verbundenen Emotionen umzugehen. Hierbei spielen die kognitiven, psychomotorischen und affektiven Ziele eine große Rolle.

 

 

Kognitive Lernziele

 

Die Aufgaben, die das Jahresteam in den drei Tagen bekommen wird, fordert sie heraus mit ihrem logischen Denken innovative Lösungen zu finden. Planungs-, Überlegungs- und Entscheidungsprozesse haben einen hohen Stellenwert, damit sie durch überlegten Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen eine Lösung finden können (u.a. Brückenbau, Pizzabackofen). Die Volontäre bekommen die Möglichkeit, die verschiedenen Materialien der Erlebnispädagogik (z.B. Holz, Seil, Karabiner,…) kennen zu lernen und technische Vorgänge zu verstehen (z.B. Flaschenzug). Durch einige Aufgaben, die in diesem Projekt stattfinden werden, lernen sie Präsentationen durchzuführen. Auch Grundlagen der Erlebnispädagogik werden vermittelt, so dass sie diese selbst anwenden und umsetzen können.

 

Zusätzlich kann durch das Projekt die theoretische Theologie praktisch in ihrem Leben greifbar werden. So werden sie z.B. die Möglichkeit bekommen über ein Seil zu laufen und dabei dem Team vertrauen zu müssen, dass sie gehalten werden. So ist es auch mit Gott: Ihm zu vertrauen, dass er bei Unsicherheiten im Alltag alles unter Kontrolle hat.

 

 

Psychomotorische Lernziele

 

Die Volontäre haben die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten im handwerklichen Arbeiten sowie den Gleichgewichtssinn (Seile), die Geschicklichkeit und die Sinnesorgane (Orientierungslauf) zu trainieren.

 

 

Affektive Lernziele

 

In diesem Projekt können sie lernen, verschiedene Emotionen an sich und den anderen wahrzunehmen, sie auszudrücken und schließlich ihr eigenes Handeln sowie Gruppenprozesse zu reflektieren. Ihre Eigeninitiative, Kreativität und Selbstvertrauen wird gefördert und sie können Eigen- und Fremdverantwortung erlangen.

 

 

2.3 Art des Projekts

 

Da drei Teilnehmer an einem Abend während des Projekts bei einer Infoveranstaltung in der Nähe unseres Standortes gebraucht werden, werde ich das Projekt im und um das Tee-Mobil-Haus durchführen. Die Lage des Hauses eignet sich hervorragend, da es von Wald und Wiesen umgeben ist, sodass alle Aktionen ohne Probleme in Stahlhofen durchgeführt werden können.

 

Ich selbst bin in der Zeit vor dem Projekt im hauswirtschaftlichen Bereich eingespannt, weshalb es auch für mich praktischer ist, die Aktionen vor Ort planen zu können.


Am ersten Tag werde ich das Projekt mit Warming-up-Spielen sowie Kooperationsspielen beginnen. Am darauf folgenden Tag werde ich auf das Thema „Mobile Niedrigseilgärten“ eingehen, sowie eine Planungsaufgabe mit Seilen durchführen. Am dritten Tag folgt ein Theorieblock über die Grundlagen der Erlebnispädagogik und ein Orientierungslauf mit Karte und Kompass. Zum Abschluss werden wir gemeinsam einen Pizzabackofen bauen und grillen.

 

Der zeitliche Umfang des gesamten Projektes ist von Mittwochmorgen bis Freitagabend geplant.

 

 

 

3. Zielgruppe

 

3.1 Gruppenzusammensetzung

 

Da mein Projektschwerpunkt das Teamtraining ist, macht es nur Sinn, wenn das ganze Team beteiligt ist. Momentan besteht das Team aus acht Personen (fünf Frauen, drei Männer). Sie absolvieren alle ein einjähriges Praktikum in der Tee-Mobil-Arbeit, das sogenannte Jüngerschaftsprogramm. Der Start dieses Praktikums war August 2006 und endet im Juli 2007. Alle Praktikanten haben sich freiwillig für dieses Jahr entschieden und bringen eine große Bereitschaft und Offenheit für die Seminare und die praktische Arbeit mit. Sie haben einen kirchlichen Hintergrund, was ebenso ihre Motivation prägt.

 

Die Praktikantinnen und Praktikanten kommen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands. Wenn sie ihr Praktikum beginnen, kennen sie sich untereinander noch nicht. Zur Zeit des Projektes sind sie jedoch bereits acht Monate gemeinsam in der Arbeit.

 

Wenn ein Tee-Mobil-Bus auf Einsatz fährt, ist in der Regel nicht die ganze Gruppe dabei. Zwei bis vier Leute bleiben in der Zeit im Tee-Mobil-Haus und arbeiten in der Hauswirtschaft mit. Wenn die Teammitglieder von einem Einsatz wiederkommen, muss das gesamte Team sich oftmals wieder neu zusammenfinden, da beide Seiten viele verschiedene Eindrücke der hinter ihnen liegenden Zeit mitbringen, die sie erst einmal verarbeiten müssen. In der Haupteinsatzzeit zwischen April und August, liegen die Einsätze meist sehr dicht hintereinander, sodass ein rascher Teamwechsel stattfindet. Da im März noch alle Praktikantinnen und Praktikanten gemeinsam im Haus sind, habe ich mein Projekt in diesen Monat gelegt.

 

Die Teilnehmer haben entweder eine Ausbildung, den Realschulabschluss oder das Abitur absolviert. Deshalb bereitet es keine Schwierigkeiten, das Projekt als alleinige Aufsichtsperson durchzuführen. Ebenso habe ich kein Medium gewählt, bei dem besondere Sicherheitsmaßnahmen nötig wären, weshalb auch aus diesem Grund keine weiteren Mitarbeiter bei der Durchführung des Projektes beteiligt sein müssen.

 

 


3.2 Beschreibung der Teilnehmer

 

Man.:

Sie ist 19 Jahre alt und kommt aus Mitteldeutschland. Im Team, zu dem sie nach dem Abitur kam, ist sie integriert und setzt auch ihre Gaben ein. Sie ist sich unsicher, wenn sie Dinge im Haus erledigen muss, die sie davor noch nicht gemacht hat, aber sehr offen und interessiert an neuen Dingen. Wenn sie den Sinn von Arbeitsaufgaben im Haus nicht versteht, fragt sie nach und fängt an zu diskutieren, wobei sie nach einer einleuchtenden Erklärung die Richtigkeit einsieht.

Bei ihr ist es wichtig, dass ihr Selbstvertrauen und ihre Selbständigkeit gestärkt wird und sie noch mehr Integration ins Team erlebt.

 

Olg.:

Sie ist 21 Jahre alt und kommt aus Süddeutschland. Vor ihrem Tee-Mobil-Jahr hat sie eine Ausbildung zur Frisören gemacht und ist seit zwei Jahren gläubig. Was für viele, die schon länger im Glauben stehen, selbstverständlich ist, hinterfragt sie oft und diskutiert lange und gerne. Dabei hat sie, gegenüber den anderen, eine dominierende Art und bleibt bei ihrer Meinung, wobei sie andererseits offen ist und die Leute verstehen möchte. Bei den täglichen Aufgaben merkt man bei ihr, dass sie schon gearbeitet hat und Dinge erledigen musste, die nicht so angenehm sind. Sie ist darauf bedacht, dass sich jeder im Team wohl fühlt und bringt ihre organisatorischen Gaben mit ein.

Sie kann in diesem Projekt lernen, Aufgaben zu meistern, bei denen alle an einem Strang ziehen müssen.

 

Mad.:

Sie ist 21 Jahre alt und kommt aus dem Osten Deutschlands. Zuhause war sie die Jüngste und damit auch die Letzte, die ausgezogen ist. Sie erledigt ihre zugeteilten Aufgaben gewissenhaft und genau. Allerdings wird sie mit ihren Arbeiten deshalb oft nicht fertig. Sie setzt sich damit selbst unter Stress und erledigt ihre Aufgaben abends. Somit kann sie oftmals die Teamabende nicht genießen, da ihre Gedanken bei dem „Das-muss-ich-dann-noch-alles-machen“ sind. Sie ist oft krank, weshalb ich sie nur selten auf die längeren Einsätze mitgeschickt habe, auch weil es sie belastungsmäßig überfordern würde. Mit diesem Projekt bekommt sie die Chance, mit dem gesamten Team 3 Tage lang etwas zu unternehmen, ihren Focus auf die Gruppe zu richten und ihre Aufgaben Aufgaben sein zu lassen.

Sie kann dabei lernen, sich an den kleinen Dingen des Alltags zu freuen, ihre Gaben und Fähigkeiten, Stärken und Schwächen besser kennen zu lernen und einzubringen.


 
Mir.:

Sie kommt aus Süddeutschland (BW) und ist 19 Jahre alt. Zum Tee-Mobil kam sie nach dem Abitur. Von September bis Dezember war sie nicht beim Jahresteam dabei, sondern half als Fahrer und Übersetzer beim JfC-Arbeitszweig iThemba (Südafrikanische Tanz- und Theatergruppe) aus. Da sie sehr offen, lebensfroh und gelassen ist, fand sie danach wieder schnell ins Team hinein. Sie ist darauf bedacht, gemeinsam nach Feierabend etwas zu unternehmen. Ihre Wünsche und Vorschläge für die Abendgestaltung wurden sehr gut angenommen. Sie ist kreativ und musikalisch und setzt diese Gaben ein. Hier hat sie die Chance, diese kreativen Ideen einzubringen. Auch beobachtet sie im Team immer wieder, wenn sich Teammitglieder nicht einbringen und motiviert sie verbal.

 

Sar.:

Sie ist 20 Jahre alt, kommt ebenfalls aus Baden-Württemberg und begann das Jüngerschaftsjahr nach dem Abitur. Sie ist für viele im Team eine gute Zuhörerin. Gerade wenn Teammitglieder Probleme haben und nicht genau wissen, wie sie mit Situationen im Team umgehen sollen, kommen sie zu ihr. Daraufhin gibt sie oft gute und sachliche Ratschläge. Sie selbst ist die Ruhe in Person, die klar formulieren kann, was sie möchte.

In diesem Projekt kann sie lernen, ihre klaren Anweisungen dem Team näher zu bringen und vor der großen Gruppe Ideen zu präsentieren.

 

Mic.:

Er kommt aus Ostdeutschland und ist 20 Jahre alt. Nach dem Abitur kam er zu uns ins Jahresteam. Er ist der Jüngste unter seinen Geschwistern und man merkt, dass ihm zuhause viel hinterher getragen und abgenommen wurde. Ihm fällt es schwer, praktische Dinge selbst verantwortlich in die Hand zu nehmen, was sich während der Arbeitszeit im Haus sichtlich bemerkbar macht. Seine Stärken liegen mehr im kognitiven Bereich, weshalb er sich lieber z.B. mit Angelegenheiten des Computers auseinandersetzt. Er ist ein ruhiger Typ, kann aber in manchen Dingen auch dominant sein.

Mir ist es wichtig, dass seine Sprachfähigkeit bei meinem Projekt mehr gefördert wird und er seine Gedanken und Gefühle besonders in der Reflexionsrunde ausspricht.

 

Fre.:

Er kommt aus Mitteldeutschland und ist 19 Jahre alt. Er ist im Team, zu dem er nach dem Abitur kam, ein sehr ruhiger Typ, erzählt nicht viel und schwimmt im Großen und Ganzen mit der Gruppe mit. Er weiß sehr viel, redet aber nur, wenn er angesprochen wird oder im vertrauterem Umkreis. Seine Aufgaben erledigt er während des Tages und liest viel in seiner Freizeit.

Bei ihm ist es mir wichtig, dass er während dem Projekt seine Meinung und Ideen einbringen kann und diese gegenüber dem Team auch artikuliert und vertritt. Er kann dadurch auch lernen, seine Emotionen und Bedürfnisse konkret zum Ausdruck zu bringen.

 

Mar.:

Er ist 19 Jahre alt, kommt aus Norddeutschland und ist der Jüngste von 9 Geschwistern. Er redet gerne, hat seine eigene Meinung und teilt diese auch mit. Menschen stehen bei ihm im Vordergrund, weshalb er hilfsbereit und offen ist. Er will alles Wissen und gibt sich deshalb teilweise – auch im Team - als kompetent aus, obwohl es ihm manchmal an Kenntnissen fehlt. Es fällt ihm schwer, wenn ihm andere widersprechen.

Bei diesem Projekt kann er lernen, sich in das Team zu integrieren und andere Meinungs- und Lösungsvorschläge anzunehmen.

 

 

 

4. Projektverlauf

 

4.1 Vorbereitung

 

Drei hauptsächliche Aspekte trugen zur Durchführung meines Projektes bei: Ich wollte mein Erlerntes in die Tat umsetzen, das Jahresteam wünschte sich einige Tage Teamwork und ich benötigte eine Aktion für das Abschlussseminar beim KAP-Institut. So habe ich mich zuerst mit meinem Chef zusammengesetzt und ihm das Projekt, welches ich durchführen wollte, vorgestellt. Da er schon von Beginn an meine Zusatzausbildung in der Erlebnispädagogik unterstützte, stand von seiner Seite aus nichts im Wege - ich bekam grünes Licht.

 

Aufgrund meiner Modulauswahl beim KAP-Institut und der bist jetzt begrenzt vorhandenen Materialen bei Jugend für Christus war es für mich schnell klar, dass ich als größere Elemente einen mobilen Seilgarten bauen und einen Orientierungslauf durchführen möchte.

 

Nachdem ich den Rahmen des mir zur Verfügung stehenden Budgets abgeklärt hatte, begann ich in den nächsten Tagen und Wochen nach Angeboten und Materialien Ausschau zu halten. Ich erkundigte mich, wie und wo ich diese am besten beschaffen könnte. Ebenso machte ich mich auf den Weg, um geeignete Waldstücke ausfindig zu machen und Absprachen mit den jeweiligen Grundstück- und Waldbesitzern zu treffen. Zudem las ich in dieser Zeit einiges an Fachliteratur, um meine Kompetenz in Richtung Erlebnispädagogik zu erweitern. Ich begann schon einige Tage vor dem Projekt die Materialien in einem zentralen Raum zurecht zu legen, um den Überblick zu behalten, was noch besorgt und erledigt werden musste. Außerdem legte ich meine Fachliteratur, sowie die Unterlagen des KAP-Institutes aus, damit sich die Praktikanten auch schon vor und während der Zeit des Projektes über Erlebnispädagogik informieren konnten.

 

Am jeweiligen Projekttag verpackte ich gemeinsam mit den Teilnehmern die an diesem Tag benötigten Materialien, um sie zu den entsprechenden Orten mitnehmen zu können.

 

In die Projektvorbereitung bezog ich die Volontäre nicht mit ein, jedoch aber in organisatorische Aufgaben während des Projekts selbst. Sie mussten in verschiedenen Bereichen Verantwortung übernehmen, z.B. beim Kochen.

 

 

Sicherheitskonzept

 

Bei der Begutachtung und Vorbereitung der verschiedenen Grundstücke achtete ich besonders darauf, dass größere Risiken (z. B. zu viele herumliegende Stöcke, Abhänge…) vermieden werden. Für die mobilen Seilgärten wählte ich ein angemessenes Waldstück und vor Beginn der Seilaktion legten wir umherliegende Äste zur Seite. Die Materialien lagerten wir auf einer Decke, um Verletzungsrisiken vorzubeugen. Die verwendeten Seile und Karabiner entsprechen der EU-Norm.

 

Zusätzliche Sicherheit gab mir dabei, dass ich die Materialien beim KAP-Institut bestellt hatte und damit bereits selbst bei Seminaren gearbeitet hatte. In Aktion wurden die kletternden Personen immer von anderen Teilnehmern gesichert, wobei die Beteiligten Helme trugen. Ich legte viel Wert darauf, dass das Statikseil ausschließlich für Niedrigseilgärten genutzt wurde.

 

Während des Orientierungslaufs wurden beiden Gruppen Erste-Hilfe-Material, Handy, Karte, Kompass und Lunchpakete mitgegeben. Zudem führte ich nur Aktionen durch, zu denen ich selbst einen ausführlichen Ausbildungskurs absolviert hatte und mir in den Durchführungen sicher bin. Beim Bau des Pizzabackofens stellte ich einen Wassereimer in die Nähe.

 

 

4.2 Geplanter Projektverlauf

 

Mittwoch, 14. März 2007

 

Zeit, Phase, Beschreibung und Ablauf der Phase, Material

 

14.05 Uhr Ankunft am Projektort

 

14.10 Uhr Motivation/ Abholen (gegenüberliegendes Wiesengrundstück unserer Einrichtung)

Begrüßung und Überblick über das gesamte Projekt
Sammeln der Erwartungen und Befürchtungen der Teilnehmer durch Erstellung eines Metaplans . Dieser Ist-Zustand kann im Laufe des Seminars immer wieder mit einbezogen werden: es wird überprüft ob die Erwartungen erfüllt werden, ob die Befürchtungen ausräumbar sind etc. Diese Sammlung dient am Ende des Seminars zur Evaluation. 

(Lange Schnur, Wäscheklammern, Stifte, Papier)

 

14.30 Uhr: Warming up

Bevor es zum Hauptteil des Nachmittags kommt, sind Spaß und körperliche Aktivität wichtig. Die Betonung liegt auf Emotion und Psychomotorik im Gegensatz zum Fokus auf Kognition am Nachmittag.
Wäscheklammerspiel mit verschiedenen Varianten

(Min. 24 Wäscheklammern)

 

14.45 Uhr: Hauptteil Kooperationsaufgabe: Brückenbau

Hier ist wichtig:

•  Verlässlichkeit, Zusammenarbeit als Team (Verbesserung der Teamfähigkeit),
•  Absprachen (Demokratisches Lernen)

Transfer legen:

•  Welchen Weg sind wir bisher gegangen?
•  Welcher Brückenteil liegt hinter uns, welcher vor uns?
•  Brücke als Übergang (Persönlicher Übergang, beruflicher Übergang)

(28 lange Streichhölzer, 28 lange Holzstäbe, Absperrband)

 

16.45 Uhr: Auflockerung 

Wegen der stark geforderten Konzentration vor der Abschlussrunde ein kurzes Auflockerungsspiel durchführen: Seenot

(8 Bierkisten, Augenbinden, Absperrband)

 

17.15 Uhr: Abschlussrunde Reflexionsrunde

Zusammenfassen, was am Tag erlebt wurde:

•  Welche Emotionen und Eindrücke nehmen die Einzelnen mit?
•  Was waren Höhepunkte?

Dies dient zur Vertiefung der Dinge, die die Gruppe am heutigen Tag gemeinsam erreicht hat und fließt bei der weiteren Planung des Programms mit ein.

Vorschau auf den nächsten Tag und Materialien einpacken. 

 

 

Donnerstag 15. März

 

Zeit, Phasen, Beschreibung und Ablauf der Phase, Material

 

8.00 Uhr: Frühstück

Gemeinsames Frühstück, gemeinsamer Start in den Tag. 

(Frühstückszubehör)

 

8.30 Uhr: Vorbereitungsphase 

Erklärung des Tagesablaufes.
Besprechung, welche Materialien benötigt werden.
Absprachen, wer welche Gegenstände mitnimmt etc.
Aufgabenverteilung

Abmarsch in den nahe liegenden Wald. Das Team legt die Materialien auf einer Decke aus. Währenddessen spanne ich ein Seil (Niedrigseilgarten).

 

9.00 Uhr: Materialkunde:

Ich erkläre den Volontären, mit welchen Materialen sie heute zu tun haben und gebe ihnen einen kleinen Überblick über Kosten und mögliche Materialien.

(Versch. Seile und Karabiner, Helme, Baumschutz, Unterlegtuch)

 

9.10 Uhr: Warming up

Nach dem theoretischen Teil folgt zur Auflockerung ein Seilspiel

(Pro Person 1m Seil)

 

9.20 Uhr: Lernphase/Knotenkunde 

Dem Team wird von mir die nötige Knotenkunde vermittelt, um danach einen Niedrigseilgarten aufbauen zu können. Die Knoten werden mit einer dünnen Reepschnur gelernt, welches sie zum weiteren Üben behalten dürfen.

(Pro Person eine Reepschnur)

 

9.50 Uhr: Aufbau des Niedrigseilgartens 

Mit Hilfe eines Flaschenzuges werden Seile gespannt und der Niedrigseilgarten aufgebaut. 

(Reepschnur, 1 Karabiner)

 

10.10 Uhr: Kooperationsspiel

Hier wird eine Knotentechnik auf spielerische Weise geübt.  

(Mind. 1,5 m Seil/Person)

 

10.20 Uhr: Kaffeepause 

Entspannungsphase, Möglichkeiten zum Austausch 

 

10.45 Uhr Niedrigseilgarten erleben 

Die zuvor aufgebauten Seilgärten können erobert werden. Ich entscheide mich für die Art der Durchführung, bei der eine Person mit einem Klettergurt auf dem Seil geht, wobei vier weitere (jeweils zwei auf jeder Seite) diese Person durch an dem Klettergurt befestigte Seile im Gleichgewicht halten. Zwei weitere Personen sichern (Spotten). Durch diese Methode ist die Gesamtgruppe beteiligt und in ihrer Zusammenarbeit gefordert, da die richtige Balance gefunden und gehalten werden muss.

Danach: Zwischenreflexion, Materialien zusammenpacken 

(Sitzgurt, Helme, 4 Bandschlingen, Karabiner, Baumschutz, Statikseil)

 

12.30 Uhr: Mittagessen  

Gemeinsames Kochen: Tortellini mit Käse-Sahne-Soße, Salat. Geht schnell und macht satt

(Zutaten)

 

14.10 Uhr: Warming up  

Gleiches Waldstück wie am Vormittag
Warming-up-Spiel  

(1 m langes Seil pro Person)

 

14.25 Uhr Zwischenreflexion 

Alle haben die Augen geschlossen. Durch den Daumen (oben, unten, mitte) teilt jeder Volontär dem Team mit, wie es ihm im Moment geht. 

(keine)

 

14.30 Uhr: Aufgaben 

Aufgabenverteilung: Dazu teile ich das Team in zwei Vierergruppen.

Sie haben eine halbe Stunde Zeit, sich für die andere Gruppe eine Geschichte (eine biblische, Märchen, Erfundenes) auszusuchen und diese mit einer Aktion zu untermalen. Sie können den ganzen Wald, das Niedrigseilelement und alle anderen mitgebrachten Materialien (Seile, Karabiner, Tücher,…) miteinbeziehen.

Ziel:
•  Das Team soll eigenständig und ohne Input von mir als Projektleiterin handeln
•  die Gruppe hat mehr Verantwortung und trägt selbst zum Gelingen des Spiels bei. 

(Materialien für ein Niedrigseilelement)

 

15.00 Uhr: Vorstellung der Ergebnisse 

Die erste Gruppe präsentiert ihre Geschichte und leitet die Anderen an, die dazu erdachten Aufgaben durchzuführen. 

 

15.45 Uhr: Kaffeepause

Zeit sich auszutauschen und zu entspannen

 

16.10 Uhr: Vorstellung der Ergebnisse 

Die zweite Gruppe erklärt ihre Aufgaben und lässt sie durchführen. 

 

17.00 Uhr: Abschluss

Reflexion: Jeder Teilnehmer bekommt die Möglichkeit, über seine Erfahrungen und Erlebnisse zu berichten. Dabei bekommt die erzählende Person ein Stück Seil und gibt dieses weiter, sobald sie zu Ende geredet hat.

(Stück Seil)

Weitere Ankündigungen: gemeinsames Kochen (Toasts, Salate), Abendbrottisch decken.

 

17.20 Uhr: Abmarsch nach Hause 

Zusammenpacken der Materialien in entsprechende Boxen und Kisten, zurücklaufen. 

 

18.00 Uhr: Vorbereitung des Abendessens 

Gemeinsames Zubereiten des Abendbrots: verschiedene Toastvarianten belegen, Gemüse für Salat schneiden, Tisch decken. 

(Zutaten)

 

18.30 Uhr: Abendessen 

Beim Essen wird noch einmal das geschenkte Seilstück jedes Volontärs gebraucht: Jeder verbindet damit seinen Arm mit dem des Nebensitzers. So wird das Abendessen eingenommen -> bildliches Aufgreifen des Themas Verbundenheit. 

(Reepschnur pro TN)

 

 

Freitag 17. März

 

Zeit, Phasen, Beschreibung und Ablauf der Phase, Material

 

8.00 Uhr: Frühstück 

Gemeinsamer Tagesbeginn 

(Frühstückszubehör)

 

8.45 Uhr: Theorieblock 

An diesem Morgen bekommt das Team eine kurze theoretische Einführung zur Erlebnispädagogik. Dazu erhalten sie ein von mir ausgearbeitetes Skript .
Die Gruppe hat die Möglichkeit, sich während dieser Zeit über die Theorie- und Praxiselemente der Erlebnispädagogik auszutauschen. In diesem Theorieblock erlangen die Volontäre ebenfalls die Kompetenz im Umgang mit Karte und Kompass, da sie diese nach der Kaffeepause einsetzen müssen.  

(Theorieskript für das Team)

 

10.30 Uhr: Kaffeepause 

Kaffeepause mit allen hauptamtlichen Mitarbeitern.
Danach Packen der Rucksäcke für die Tagestour. 

 

11.00 Uhr: Abfahrt 

Das Team wird mit verbundenen Augen per Kleintransporter von mir in einen ca. 15 km entfernten Wald gebracht. Das erste Viererteam wird mit Rucksack, Karte, Kompass und Aufgabenliste  ausgesetzt. Hier nenne ich ihnen das Ankunftsziel (Garten eines hauptamtlichen Mitarbeiters). Ein paar hundert Meter weiter wird das zweite Team ausgesetzt.

Die Viererteams wurden von mir bewusst ausgewählt. Kriterien dazu waren:
•  Eine Ausgewogenheit der Geschlechter,
•  Vermeidung interner Freundschaften,
•  sowie Rücksicht auf Stärken und Schwächen einzelner Personen.

Dadurch werden sie im gemeinsamen Unterwegssein u.a. folgende Bestandteile lernen und erfahren:
•  „einsam und gemeinsam“,
•  Finden des eigenen Rhythmus,
•  Gehen und Meditation,
•  Entwickeln von Zeit und Muße für sich, andere und zur Natur,
•  Stärken von Mut, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein,
•  Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit.

Währenddessen fahre ich zum Tee-Mobil-Haus zurück, packe alle Materialien für den Abend zusammen und gehe zum gemeinsamen Treffpunkt. 

(Kleinbus, Karte, Kompass, Rucksack, Erste-Hilfe, Lunchpaket, Festes Schuhwerk, Handy

 

ca. 17.00 Uhr: Ankunft der beiden Teams am Treffpunkt 

17.20 Uhr: Bau des Pizzabackofens

Abendessen 

Nachdem sich beide Teams eingefunden haben, bauen wir zusammen drei Pizzabacköfen. Ich erkläre ihnen die Bauweise und welche Materialien dazu nötig sind. Es ist mir wichtig zu vermitteln, dass aus wenig Material viel gemacht werden kann.

Da das Team schon den ganzen Tag unterwegs ist, nehmen wir, solange die Pizzabacköfen aufheizen, das vom Gastgeber zubereitete Abendessen zu uns (Grillen). Dabei werden wir ihm noch helfen, Kleinigkeiten für das Essen mit Vorzubereiten.

Nach dem Abendessen gibt es eine Abschlussrunde mit der Möglichkeit, über das Erlebte nachzudenken, die Gedanken der Gruppe mitzuteilen und sich in der Gesamtrunde auszutauschen.

Zum Nachtisch und Ausklang des Projektes verzehren wir die im Pizzaofen gebackenen Hefefladen, den wir dort vorbereiten,  mit Nutella und genießen den Abend. 

(Materialien für den Pizzabackofen, Salate, Steak, Wurst, Ketchup, Senf, Brot, Hefeteig, Nutella)

 

21.00 Uhr: Feuerwerk 

Zur vollkommenen Abrundung des Projektes gibt es für das Team eine Überraschung: Ein Feuerwerk, das vom Gastgeber veranstaltet wird. 

(Feuerwerksraketen, Feuerzeug, Flasche)

 

ca. 22.00 Uhr: Nun werden wir wieder zurück ins Tee-Mobil-Haus fahren 

 

 

4.3 Tatsächlicher Projektverlauf

 

Der zeitliche Rahmen meines Projekts konnte im Großen und Ganzen gut eingehalten werden. Schon bei der Planung hatte ich für die jeweiligen Aktionen großzügig Zeit eingeplant und als Puffer alternative Spielideen überlegt.

 

Kleine Variationen waren deshalb kein Problem. Beim Wäscheklammerspiel z.B. genossen alle Teilnehmer die Bewegung, weshalb ich das Spiel noch um ca. 5 Minuten ausdehnte.

 

Nachdem ich beim Brückenbau die Planungsphase ohne Erfolg um einige Minuten verlängert hatte, gab ich auf Nachfrage der Teilnehmer einen Lösungsschritt bekannt. Bei der Großvariante des Brückenbaus vereinfachte ich die Aufgabe, indem ich einen „Graben“ entfernte, da die Volontäre dabei waren die Motivation zu verlieren.

 

Beim Orientierungslauf kamen beide Gruppen zur angegebenen Zeit an. Da ich ihnen eine ungefähre Ankunftszeit mitgeteilt hatte, ließen sich beide Teams unterwegs Zeit - eine Gruppe machte sogar ein Solo  mehr, als angegeben.

 

 

4.4 Abschluss

 

Bei der Reflexionsrunde nach der letzten Aktion wählte ich zunächst dir Sachebene, um mit den Teilnehmern leicht ins Gespräch zu kommen. Ich frage z.B., wie ihnen die einzelnen Aufgaben gefallen haben und ob sie die Rahmenbedingungen als angemessen erlebt hatten. Danach lenkte ich die Fragen auf die Sozialebene: z.B. wie ihrer Meinung nach die Planungs- und Entscheidungsprozesse in der Gruppe abgelaufen sind, ob die Zusammenarbeit funktioniert hat, wie sie mit  Konflikten umgegangen sind und wer welche Verantwortung übernommen hat. Zum Schluss kam ich auf die Ebene individueller Gefühle, wie Frustrationen der Teilnehmer, Erfolgserlebnisse, Ängste und Unsicherheiten. Diese Ebene erforderte von allen Beteiligten die Bereitschaft, sich intensiver miteinander, mit sich selbst und mit dem erlebten Projekt auseinander zu setzen.

 

Die gesamte Reflexion führte ich in einem ruhigen Rahmen anhand einiger Fragen an die Gruppe als Ganzes, sowie an die einzelnen Teilnehmer. Alle waren dabei offen und gesprächsbereit und konnten sich während des gemeinsamen Grillens noch untereinander austauschen.

 

Mein persönlicher Abschluss war, dass ich am nächsten Tag in Stichworten notierte, was bei meinem Projekt gut lief und was ich beim nächsten Mal verändern sollte. In den darauffolgenden Tagen erzählte ich allen hauptamtlichen Mitarbeitern, wie das Projekt verlief, wie sich das Team verändert hat und wie wir bei Jugend für Christus einzelne erlebnispädagogische Elemente mehr in unser Konzept einbetten können und sollten.

 

Statements einiger Teilnehmer siehe Anhang.

 

 

 

5. Nachbereitung

 

5.1 Veränderung bei den beteiligten Jugendlichen

 

Kurz nach meinem Projekt beantragten die Volontäre selbständig regelmäßige erlebnispädagogische Projekte bei der Werksleitung. Es fiel auf, dass durch das Projekt sowohl das Jahresteam, als auch das gesamte Mitarbeiterteam einen größeren Zusammenhalt entwickeln konnte. Auch die gegenseitige Rücksichtsnahme und Annahme der Teilnehmer untereinander hatte zugenommen.

 

Zwei Teilnehmerinnen wurden durch das Projekt angeregt über ihre Begabungen, im Blick auf die Zukunft, neu nachzudenken. Beide wurden motiviert, ihre Kenntnisse über Erlebnispädagogik zu vertiefen, um das Wissen sogar auf professioneller Basis anwenden zu können.

 

Bei Man. ist mir aufgefallen, dass sie Freude und Spaß besonders bei der Aufgabenstellung am Donnerstagnachmittag hatte. Sie gewann immer mehr an Sicherheit, ihre Ideen und Vorschläge einzubringen. Da sie so zu einem gelungenen Nachmittag beitrug, wurde sie in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt.

 

Olg. hielt sich am Anfang des Projektes zurück, übernahm aber Aufgaben, bei denen sie führen konnte (z.B. Brückenbau). Später merkte ich, wie es ihr wichtig wurde, dass jeder andere Gaben und Fähigkeiten hat, dass diese gebraucht und eingesetzt werden. Sie lernte, andere Teammitglieder auch zu Wort kommen zu lassen und steigerte ihre Kompromissfähigkeit.

 

Mad. war ganz in ihrem Element. Sie ließ sich auf alle Aufgaben konstruktiv ein und fühlte sich in der Gruppe wohl. Sie war sehr darauf bedacht, dass alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten wurden. So war sie eine von den Ersten, die bemerkte, dass das Seil neu mit dem Flaschenzug gespannt werden musste. Ihr Blickwinkel für kleine Dinge im Alltag wurde erweitert.

 

Mir. konnte ihre Fröhlichkeit und Gelassenheit einbringen und Teammitglieder motivieren, wenn sie länger für eine Sache brauchten (z.B. bei der Knotenkunde). Sie hatte zu allem ein aufmunterndes Wort. Sie war auch diejenige, die beim Brückenbau nicht aufgab, sondern nach vereinfachten Lösungsvorschlägen suchte und die Idee brachte, den Graben zu entfernen.

 

Sar. wurde darin bestärkt, sich mehr in die leitende Position zu begeben. Sie hat sehr gute Ideen und erkennt Situationen auf eine liebevolle und pragmatische Art. Während dem Projekt wurde ihr konstruktives Denken oft gefragt, wodurch sie bestärkt wurde, ihre Ideen in die Gruppe einzubringen. Ich konnte nach dem Projekt beobachten, dass sie sich diese Erkenntnis bei Teamsitzungen (z.B. bei Einsatzvorbereitungen) in die Tat umsetzte.

 

Bei Mic. konnte ich feststellen, dass er seine Redegewandtheit im Projekt nutzen konnte und am Donnerstagnachmittag bei der Teamaufgabe gut einsetzte. Auch ist der Transfer zwischen Theorie und Praxis eine seiner Stärken. Dies wurde während der drei Tage bestätigt. Ebenso ist hinzuzufügen, dass er von einzelnen Teammitgliedern in seinem Können, auch außerhalb des Projektes, bestärkt wurde: Er wurde oftmals ausgewählt, wenn es darum ging, wenn das Team unterwegs ist, eine Andacht zu halten oder durch ein Programm (Gottesdienst, Jugendabende,…) zu leiten.

 

Fre. erlebte die drei Tage mit Begeisterung. Er beobachtete sehr viel, weshalb seine Wahrnehmungsfähigkeit in diesen Tagen geschärft wurde. Nach dem Projekt kam er zu mir und bedankte sich für drei tolle Tage, an denen er sehr viel gelernt hatte und ihm einiges klar wurde. In der Gruppe hält er sich immer noch im Hintergrund, wurde der Gesamtgruppe gegenüber aber offener.

 

Mar. war vom gesamten Projekt begeistert. Er lernte, sich an ungeschriebene Regeln zu halten, z.B. bei der Reflexionsrunde andere Meinungen zu akzeptieren, stehen zu lassen und nicht immer dazwischen zu reden. Dies wurde ihm auch später bei den Teambesprechungen zum Vorteil.

 

 

5.2 Reaktion in der Einrichtung

 

Als ich meinen Kollegen im Voraus von meinem geplanten Projekt berichtete, wollten einige gerne daran teilnehmen, was jedoch nicht zu meinem Konzept passte. Als Alternative baten sie mich um ein Projekt, was im Mitarbeiterkreis durchgeführt werden könnte. Meine Kollegen unterstützen mich, indem sie mir Räume für die Materiallagerung zur Verfügung stellten und Zeit zur Vorbereitung gaben.

 

Insgesamt haben alle Mitarbeiter das Projekt als positiv empfunden und freuten sich über die gelungenen Veränderungen im Team. Es folgten Anfragen ihrerseits, ob es nicht möglich wäre, immer wieder erlebnispädagogische Elemente in die Arbeit einfließen zu lassen.

 

 

 

6. Reflexion

 

6.1 Besondere Erlebnisse

 

Da ich solch ein Projekt in diesem Rahmen das erste Mal durchführte, war ich gespannt, wie alles funktionieren würde. Und ich war begeistert! Ich war erstaunt, wie sehr alle Teilnehmer motiviert waren und sich auf die verschiedenen Aufgaben einließen. Neben der Motivation war auch die Konzentration und Aufmerksamkeit aller Teilnehmer sehr hoch. Dies bestätigte mich unter anderem, weiterhin solche erlebnispädagogischen Elemente in den Alltag miteinbeziehen.

 

Sehr gefreut habe ich mich auch über die Reflexionsrunden. Das Team war immer aktiv dabei, wodurch eine offene Atmosphäre entstehen konnte. Die einzelnen Personen trauten sich, persönliche Gedanken vor allen laut auszusprechen und lernten sich so nochmals neu kennen. Einige Teilnehmer teilten mir mit, dass sie es besonders toll fanden, eine Runde zu haben in der sie sich mitteilen konnten. Im Tee-Mobil-Haus kommt dieser Austausch doch manchmal zu kurz, da teilweise wenig Zeit vorhanden ist.

 

Für mich war es ein besonderes Erlebnis zu sehen, wie sich das Team am Donnerstag bei den jeweiligen Gruppenaufgaben verhielt. Und ich war begeistert - ebenso die Teilnehmer - wie man aus wenigen Materialien Geschichten lebendig machen kann. Die Geschichte wurde nicht vom Material bestimmt, sondern sinnvoll dadurch ergänzt. Das erste Team griff das Thema „Höre Gottes Stimme“ auf. Die zweite Gruppe bettete verschiedene kleine Aktionen (Kreisspiel, Erledigen von Aufgaben, Blinden führen,…) in ihre Geschichte ein.

 

Für alle war diese Aktion der Eisbrecher der ganzen Teamgemeinschaft, da sie fasziniert davon waren, wie sie als Team zusammenarbeiten können und wie jede einzelne Person dazu ihre Gaben und Fähigkeiten einbringt.

 

Beim Abendessen mit zusammengebundenen Armen stellten wir fest, wie oft wir gemeinsam aufstehen mussten, weil beim Tischdecken nicht an alles gedacht wurde (zu wenige Getränke,...). Es freute mich, wie dem Team so selbst bewusst wurde, wie wichtig es ist, auch in alltäglichen Dingen nicht nachlässig zu werden, sondern den Blick für die kleine Details zu bewahren.

 

 

6.2 Erkenntnisse und Erfahrungen

 

Da ich das Team sehr gut kannte, war es interessant zu sehen, wie sich der Charakter der einzelnen Person in solchen Aktionen widerspiegelt. Teammitglieder die auch in anderen Bereichen anpacken, waren bei meinem Projekt oftmals die ersten, die eine Sache wahrnahmen und angingen (z.B. beim Auf- oder Abbau).

 

Es begeistert mich immer noch, wie man mit wenigen Mitteln und Materialien ein tolles Projekt durchführen kann, von welchem das Team sogar noch lange profitieren kann. Mir wurde bewusst, dass es neben der Arbeit im Alltag wichtig ist, Mut zu entwickeln Neues auszuprobieren. Dadurch können selbstgesetzte Grenzen oder mangelndes Selbstvertrauen minimiert werden. Wichtig wurde mir, dass auch ein schon festes Team gemeinsam neue Erfahrungen machen kann, die vorher noch nicht absehbar waren und unter Umständen gelöst werden müssen (Spannung).

 

Zum Gelingen trug schlussendlich aber nicht nur die innere Bereitschaft der Gruppe bei (wenn auch zum größten Teil). Äußere Faktoren wie Wetter, Zeitpunkt meines Projekts und Umgebungen waren ebenso stimmig und trugen zum Gesamterfolg bei.

 

 

 

7. Öffentlichkeitsarbeit

 

Da mein Projekt eine interne Aktion für unser Jahresteam war, habe ich es nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Außerdem ist das Projekt kein Schwerpunkt unserer Arbeit, weshalb einem Pressebesuch keine größere Relevanz zukommen würde.

 

 

 

8. Literaturverzeichnis

 

•  Gilsdorf Rügiger und Günter Kistner „Kooperative Abenteuerspiele 1“ 16. Auflage 2007; Kallmeyer

•  Gilsdorf Rügiger und Günter Kistner „Kooperative Abenteuerspiele 2“ 4. Auflage 2004; Kallmeyer

•  Bernd Heckmaier und Wener Michl „Erleben und Lernen- Einstieg in die Erlebnispädagogik“ Band 2, 1983, Luchterhand

 

 

 

9. Anhang

 

Statements einzelner Teilnehmer:

 

Fre:

Ich fand die Aktionen und Spiele, die wir gemacht haben sehr interessant und spaßig. Gezeigt hat sich auf jeden Fall, wie der Einzelne mit den anderen Teammitgliedern zusammenarbeitet und wie er auf die anderen reagiert. Für das Team war die ganze Aktion auf jeden Fall ein Näher- zusammenrücken.

 

Man:

Anfangs war man als Team zusammen und hat die gestellten Aufgaben erledigt, aber man hat nicht wirklich im Team zusammen gearbeitet. Erst nach und nach hat man sich darauf konzentriert, dass es auch noch andere Leute im Team gibt und dass man sich auch auf die anderen verlassen kann bzw. man zusammen viel stärker ist, als alleine. Man hat die Charaktere der unterschiedlichen Leute im Team besser kennen gelernt und konnte nach den gemachten Aufgaben sehen, wie wer was anpackt. Mir hat es gezeigt, dass man sich auch im wirklichen Leben viel mehr auf die Hilfe anderer stützen kann und zusammen halten muss, weil man gemeinsam stark bzw. stärker ist.

 

Mir:

Ich fand das Seminar echt super. Die Aufgaben, die uns gestellt wurden, haben total Spaß gemacht, aber was ich viel wichtiger fand, waren die Feedbacks nach jeder Runde. Durch dieses Besprechen hat man eine Rückmeldung bekommen, wie man sich gegenüber den anderen verhalten hat und Missverständnisse und Unstimmigkeiten konnten gleich geklärt werden. Außerdem waren alle offen für konstruktive Kritik und man hat echt gemerkt, wie sich das Team verändert hat. Vielleicht gar nicht mal so viel nach außen hin, aber dadurch dass sich die innere Einstellung verändert hat, wurde der Umgang untereinander viel entspannter. Alles in allem fand ich das Seminar echt ne coole Erfahrung!

 

Sar:

ich würde sagen, dass ich einiges bei dem Seminar gelernt habe: 1. im Team arbeiten. miteinander kommunizieren und sich wirklich austauschen um zu einer Lösung zu kommen. den anderen auch noch einmal auf eine ganz andere weise kennen lernen. 2. wie bin ich eigentlich selber? :) das fand ich auch ganz interessant...das eigene verhalten wird oft reflektiert und man merkt die ein oder andere schwäche halt doch :) 3. die natur entdecken. Gottes wunderbare Schöpfung erleben & immer wieder staunen was da für ne Kreativität drin steckt!

 

 

 

Grober Ablauf für mich selbst

 

Mittwoch

 

14.00 Uhr Treff für die ersten gem. Aktionen
•  Hand/Blätter
•  Wäscheklammerspiel
•  Brückenbau
•  Seenot (Kisten)
•  Abschluss

 


 
Donnerstag


 
8.00 Uhr Frühstück

8.30 Uhr Abmarsch in den Wald

9.00 Uhr 
•  Warming up
•  Knoten
•  Seile aufspannen
•  Flaschenzug lernen
  
10.30 Uhr 15 min. Kaffeepause

10.45 Uhr 
•  Seilkunde  
•  auf Seilen balancieren

12.45 Uhr Zusammen Mittagessen kochen
 
14.00 Uhr Warming-up-Spiel

14.20 Uhr Aufgabe

15.00 Uhr Präsentation der Aufgabe

17.30 Uhr Abschluss

18.00 Uhr gemeinsam Abendessen vorbereiten

18.30 Uhr Abendessen mit verbundenen Händen

19.15 Uhr Schluss

 

 

Freitag

8.00 Uhr  Frühstück

8.30 Uhr
•  Theorieblock (Skript)
•  Kompass/ Karte

10.15 Uhr Kaffeepause im Haus, danach Lunchpakete packen

10.45 Uhr Abtransport in den Wald
 
ca. 17 Uhr Ankunft
•  danach Pizzabackofen bauen
•  Abschlussrunde
•  Feuerwerk
•  Heimfahrt

 

 

 

Verwendete Spiele/Aktionen:

 

 

1. Metaplan

 

Art der Übung:

Zum Beginn einer erlebnispäd.

Zielgruppe:

alle

Gruppengröße:

ab 6 Personen

Dauer:

ca. 30 min.

Material:

Pro Teilnehmer (TN) ein Blatt Papier und einen Filzschreiber, Wäscheklammern und Leine

 

Ablauf:

Die Erstellung eines so genannten Metaplans im Zusammenhang mit einer erlebnispäd. Aktion dient dem Bewusstmachen und Artikulieren von Erwartungen und Befürchtungen bezüglich des anstehenden Projekts.

 

Hierfür wird auf einem Blatt Papier mit einem Filzschreiber die Hand aufgezeichnet. Jeder TN wird nun gebeten, in seiner Handfläche seine Befürchtungen zu notieren. Außerhalb der Hand schreibt er seine Erwartungen auf.

 

Die TN werden gebeten, abwechselnd ihre Erwartungen und eine Befürchtung vorzulesen. Die abgearbeiteten Händen werde werden für alle deutlich sichtbar an einer Wäscheleine aufgehängt.

 

Mit diesem Verfahren hat man in der Regel alle Punkte angesprochen und für das Regelwerk einer erlebnispädagogischen Aktion anzusprechen sind.

 

 

2. Wäscheklammernspiel

 

Art der Übung:

Warming up

Zielgruppe:

Kinder/Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

Ab 8

Dauer:

ca 5-10 min.

Material:

Pro Person 3 Wäscheklammern

 

Ablauf:

Die Aufgabe jedes Spielers ist es, während Musik läuft, bzw der Leiter die Zeit vorgibt, seine Wäscheklammern nacheinander an den Mitspielern anzuheften, ohne dass diese zu Boden fallen. Gleichzeitig muss er versuchen, selbst keine/möglichst wenige Wäscheklammern angeheftet zu bekommen. Wer am Ende der Musik bzw. der Zeit die wenigstens Klammern an der Kleidung hat, ist Sieger.

 

Ablauf II:

In dieser Variante heftet sich jeder Spieler die drei Wäscheklammern deutlich sichtbar an die Kleidung. Während die Musik läuft, geht jeder Spieler auf Jagd nach Klammern, in dem er diese von den Mitspielern schnappt und sich selbst anheftet. Wer am Ende der Musik die meisten Klammern an der Kleidung hat, ist Sieger.

 

 

3. Brückenbau

 

 

Art der Übung:

Kooperationsaufgabe

Zielgruppe:

Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

ca. 6-12 Personen

Dauer:

45-60 min. (ohne Auswertung)

Material:

Kreppband/Absperrband, Meterstab, 28 Holzstäbe ca. 1,5 x 1,5 cm; ca. 1,5 m. lang, lange Zündhölzer

 

Vorbereitung:

Der „Graben“ von 1,5 m und beidseitige „Böschung“ von jeweils 1 m sollte mit Absperrband auf dem Boden markiert werden. Die Gruppe wird in zwei gleichgroße Untergruppen eingeteilt. Jede Gruppe bekommt einen separaten Bereich/Raum zugewiesen, in dem sie jeweils mit der Hälfte des Materials (also 14 Stäbe) den Bau der Brücke entwickeln kann. Ideal ist, wenn sich die Untergruppe bei der Entwicklung nicht zusehen können.

 

Beschreibung der Aktion:

Der Brückenbau ist ein Lernprojekt, das als lebende Metapher Interaktion fühlbar, hörbar und sichtbar macht. Mögliche Themen, die mit dieser Übung illustriert und erlebbar gemacht werden können sind u.a. „Brückenschlag“ zwischen den Kulturen, Zusammenwachsen von Teilen einer Gruppe/Abteilung, Teaminteraktion, Umgehen mit wenigen vorhandenen Ressourcen u.v.m.

 

Biblische Sicht:

Thema Lebensweg, Brücke Mensch - Jesus - Gott,…

 

Aufgabe:

Es muss ein 1,5 m breiter Graben mit einer ein Meter breiten Böschung auf jeder Seite mit einer selbsttragenden Brücke überbaut werden. Insgesamt beträgt der zu überwindende Abstand von einer auf die andere Seite also 3,50 m.

 

Ablauf:

In einer ca. 15 min. dauernden Planungsphase können die Untergruppe separat an einem realisierbaren Konzept zur Überwindung des Grabes arbeiten. In dem Moment, in dem sich abzeichnet, dass mind. eine Untergruppe ein tragfähiges Konzept entwickelt hat, bricht der Leiter den Planungsprozess ab, bittet die Untergruppe die Stäbe ganz wegzupacken und sich an einem Tisch zu treffen.
Dort liegen schon vorbereitet 28 große Streichhölzer mit Hilfe derer die Gesamtgruppe am Modell die Überwindung des Grabes planen soll.
Ist die Planung abgeschlossen geht’s in die Realisierungsphase. Hier soll die Gruppe den Bau der Brücke unter Beachtung der Regeln durchführen.

 

Regeln:

Der 1,5 m breite Graben darf unter keinen Umständen betreten werden, dort herrscht „Absturzgefahr“. Der Böschungsbereich darf von 1-2 Personen betreten werden (je nach Schwierigkeitsgrad).

 

Auswertungsmöglichkeiten:

•  Wie habt ihr euch als Gesamtteam erlebt?
•  Wo haben sich die „Untergruppen“ gegenseitig unterstützt?
•  Was könntet ihr für euch als Team für den Alltag mitnehmen?

 

Übungsvariante:

Die Brücke wird von beiden Seiten aus gebaut und in der Mitte zusammengesetzt. Diese Variante erhöht die Schwierigkeit.

 

 

4. Seenot

 

 

Art der Übung:

Auflockerung

Zielgruppe:

Kinder/Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

ab 6 Personen

Dauer:

ca. 10 min.

Material:

pro Person eine Bier- oder Sprudelkiste

 

Aufgabe:

Die Kisten werden auf einem Grundstück weit voneinander gestellt. Jedoch muss man auch darauf achten, dass zwei Kisten beieinander stehen, um anderen Personen damit „abholen“ zu können. Das Ziel ist es, dass die Gesamtgruppe gemeinsam über die „Ziellinie“, auch Insel genannt, kommt. Dabei dürfen die Personen den Boden (in diesem Fall das „Wasser“) nicht berühren.

 

Beachte:

Wenn eine Person von der Kiste fällt, wird diese Person blind (bekommt eine Augenbinde).

 

Variante:

um es spannender zu machen, kann die Zeitangabe auch vorgegeben werden, bzw. später noch eingeschränkt werden

 

 

5. Partnerfangen mit Seil

 

 

Art der Übung:

Warming up

Zielgruppe:

Kinder/Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

ab 8 Personen

Dauer:

5-10 min.

Material:

Seilstücke oder Reepschnur, ca. 2-2,5m lang

 

 

Aufgabe:

•  Paare bilden, Paar hält ein Seilstück zwischen sich
•  Nun wird ein Fängerpaar bestimmt
•  Das Fängerpaar muss ein freies Paar bez. eine Person vom Paar einfangen
•  Rollentausch (Fänger - freies Paar)

 

Beachte:

Freie Paare müssen ständig beobachten, wer Fängerpaar ist. Die Seile der freien Paare sollten immer gespannt sein.

 

Variante:

•  Die Gefangenen werden zum Fängerpaar
•  Fangen, bis kein Paar mehr übrig ist
•  gefangene Paare müssen sich dem Fängerpaar anhängen

 

 

6. Knoten ins Seil

 

 

Material:

Seilstücke mind. 1,5 m lang (entsprechend der Anzahl der TN)

 

Aufgabe:

TN stehen in einer Reihe, zwischen ihnen befindet sich immer ein von beiden festgehaltenes Seilstück (außer am Anfang und am Ende). In jedes Seilstück muss nun ein einfacher Knoten (Hausfrauenknoten) gemacht werden, ohne dass die TN das Seil loslassen. Knoten vorher demonstrieren.

 

Variante 1:

TN haben Beratungszeit (10 min.), danach Versuch.

 

Variante 2:

Der Vorgang des Knotens wird stumm durchgeführt.

 

Variante 3:

Statt des einfachen Knotens kann jeder beliebige Knoten geknüpft werden.

 

Variante 4:

Kurzes Seilstück (ca. 3 m) wird irgendwo festgemacht. Daran wird ein langes Seil geknüpft. Jeder TN hält sich am Seil fest. Aufgabe wie vorher, jedoch nur 1 Knoten, der sich im kurzen Seil befindet. Das kurze Seil darf während des ganzen Spiels von niemandem berührt werden.

 

 

7. Fuchsschwanzspiel

 

 

Material:

Seilstücke oder Reepschnüre, ca. 2-2,5 m lang

 

Aufgabe:

•  Seilstück in die Hosentasche
•  Ein Teil hängt aus der Tasche heraus, so dass man darauf treten kann (Fuchsschwanz)
•  1 TN ist Jäger und jagt den Fuchs, indem er versucht ihm auf den Schwanz zu stehen
•  Jäger und Fuchs vertauschen die Rollen

 

Variante 1:

Der gefangene Fuchs wird ebenfalls Jäger, so dass es immer mehr Jäger gibt, bis der letzte Fuchs gefangen wird.

 

Variante 2:

•  Es gibt 2 Jäger und 1 Waldfee
•  Die Jäger müssen die erlegten Fuchsschwänze in ihrer Waldhütte sammeln, immer nur einzeln ablegen
•  Der Fuchs, dem der Schwanz geraubt wurde, muss bewegungslos stehen bleiben
•  Die Waldfee darf jeweils ein Fuchsschwanz aus der Hütte klauen und einen Fuchs zum Leben erwecken, indem sie ihm den Fuchsschwanz wieder ansteckt
•  Die Waldfee ist unsichtbar und kann vom Jäger nicht gefangen werden

 

 

8. Essen mir zusammengebundenen Händen

 

 

Art der Übung:

Erlernen von Problemlösestrategien; Zusammenarbeit

Zielgruppe:

ab 14 Jahren

Gruppengröße:

Dauer:

Unbegrenzt, eine Mahlzeit

Material:

Ein Seil, pro TN ca. 50 cm.

 

Vorbereitung:

Vor dem Essen werden alle rechte Hände der TN an den Handgelenken in ca. 40 cm Abständen zusammengeknotet.

 

Variationen:

•  Abstand zwischen den Händen vergrößern oder verringern
•  Alle Hände zusammenbinden

 

 

9. Solo

 

 

Art der Übung:

Warming up

Zielgruppe:

Kinder/Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

Dauer:

15 min bis 12 Stunden

Material:

evtl. Stift und Papier

Ablauf:

Die Aufgabe jedes Spielers ist es, während der Wanderung sich an Waldrand oder im Wald an einen Ort zu setzen, jedoch so, dass man die andern Personen nicht sieht. Nach der angegeben Zeit treffen sich alle TN wieder an dem entprechenden Zeitpunkt.

 

Kommentar:

Das Solo ist eine sehr intensive individuelle Herausforderung. Zwei Sinnzusammenhänge können wahlweise betont werden.

•  Selbstüberwindung: Die Auseinandersetzung mit Ängsten, die durch das Alleinsein in der Natur hervorgerufen werden.
•  Rückzug: Die Chance zur Besinnung, Selbst- und Naturerfahrung.

 

Variante:

Brief an sich selbst: Die TN erhalten die Aufgaben, ihre Eindrücke beim Solo und die zurückliegenden Erfahrungen in einem Brief an sich selbst festzuhalten. Dieser wird ihnen einige Zeit später zugeschickt.

 

 

10. Bau eines Erdofens/Pizzaofen

 

Material:

•  Alte Ziegelsteine
•  Einige Ziegel
•  Eine große Blechdose (ohne Material innen)
•  Stück altes Ofenrohr
•  Feuerholz
•  Alufolie
•  Einen Erdhaufen
•  Eine Schaufel

 

Aufbau:

1) An einem Erdhügel mit der Schaufel einen Abstich machen, so dass man daran einen Dachziegel fast senkrecht aufstellen kann. Daran lehnt man das Ofenrohr, dessen Öffnung aber nicht ganz durch den Boden verdeckt sein darf. Schließlich soll hier später der Rauch des Feuers abziehen.

2) Vor dem Dachziegel sollte man einige Ziegel (bzw. Steine) aufeinanderschichten, so dass darüber die große Blechdose gelegt werden kann. Zwischen den Steinen muss Platz für das Feuer sein. Die Flammen brauchen direkten Kontakt zur Blechdose.

3) Nun wird der ganze Ofen vorsichtig mit Erde bedeckt. Diese wird benötigt, damit die Wärme des Feuers in der Dose bleibt und nicht durch diese nach außen abgestrahlt wird.

4) Nun am Besten das Feuer anschüren und schauen, ob dieses genügend Luftdurchzug bekommt. Wenn nicht, evtl. nachbessern, da ansonsten der Ofen nicht heiß genug wird.

5) In die Dose einen Biberschwanz-Dachziegel legen. Dieser dient als Blech und heizt die Speisen von unten, da er sich wie eine Ofenplatte erwärmt.

6) Nun den Ofen von der Feuerstelle mit einigen Steinen stabilisieren.

7) Essen zubereiten und in den Ofen geben.

8) Zum Backen die Öffnung des Ofens mit Alufolie verschließen und mit Erde abdichten.

 

 

11. Frühstück

 

Kaffee
Milch
Tee
Zucker
Kaba
Brot/Brötchen
Müsli
Obst
Wurst
Käse
Marmelade
Nutella
Honig
Butter

 

 

12. Mittagessen: Tortellini mit Käsesahnesoße

 

Zutaten:

1,5 kg Tortellini

60 g Fett
60 g Mehl
1 l Milch
150g ger. Käse
Salz
Paprika
Muskat

 

Zubereitung:

Fett erhitzen, Mehl zu geben und unter ständigem Rühren hellgelb andünsten. Mit Wasser und Milch unter Rühren Ablöschen, aufkochen. 5 Minuten in der Nachwärme quellen lassen. Käse unterrühren, mit Salz und Paprika abschmecken.

Die Tortellinis in kochendes Salzwasser geben.

 

 

13. Abendessen: Toastvarianten

 

Zutaten:

27 Toastbrote (pro Person 3)
2 Pkg. Schinken
2 Pkg Salami
1 Dose Mais
2 Dosen Pilze
1 Dose Ananas
3 Pkg Scheiblettenkäse

 

Zubereitung:

Die Toastbrote werden auf einem Backblech ausgelegt und mit den verschiedenen Zutaten - zum Schluss mit einer Käsescheibe - belegt und in dem vorgeheizten Backofen bei 180 C. ca. 10-15 min. gebacken.

 

 

14. Kaffeepause

 

Tassen
Kaffeelöffel
Milch
Zucker
Kaffee
Kaba
heißes Wasser
Teebeutel
Obst
Kekse

evtl. Jogurtbecher
Muffins

 

 

15. Lunchpaket für Freitag

 

Brötchen
Butter
Käse
Wurst
Obst
Schokoriegel
Trinken

 

 

16. Aufgabenblatt für den Orientierungslauf

 

Aufgaben

 

1. Es muss jeder einmal 15 min „Blind“ sein (Augenbinde). Lasst euch dabei führen.

 

2. Nehmt euch 30 min. Zeit - mitten in eurer Wanderung - euch hinzusetzen und eure Gedanken schweifen zu lassen. Dabei könnt ihr in dieser Zeit aufschreiben, was euch wichtig geworden ist und euch durch den Kopf geht. Die anderen von eurer Gruppe solltet ihr nicht sehen, jedoch aber in „Höhrnähe“ bleiben.

 

3. Bringt der anderen Gruppe irgendwas mit, was euch im Wald in die Hände fällt und erklärt ihnen, wieso ihr genau das mitgebracht habt!

 

4. Es darf 20 min während dem Gehen nicht geredet werden.

 

Ich wünsche euch ganz viel Spaß und Freude und geniale Erfahrungen mit Gott und im Team! Genießt den Tag!

 

 

Gruß eure Eva

 

 

Achtet darauf, dass ihr:

•  Keine Hauptstraßen benutzt
•  Schaut auf Karte und Kompass und nicht zu sehr auf die ausgeschilderten Wanderwege (Ist spannender?)

 

 

17. Skript für die Teilnehmer:

 

 

Erlebnispädagogik

 

1. Was ist Erlebnispädagogik und was will sie? 

2. Sieben methodische Prinzipien der Erlebnispädagogik 

3. Entwicklung einer Gruppe 

4. Erlebnispädagogik - ein alter Hut? 

5. Wo kommt Erlebnispädagogik her? 

6. Christuszentrierte Erlebnispädagogik 

7. Erlebnispädagogik in der Bibel 

 

 

Spiele:

 

8. Kennenlernspiele         

9. Warming-up Spiele        

10. Wahrnehmungsspiele        

11. Vertrauensspiele         

12. Kooperationsaufgaben        

13. Reflexionsübung         

14. Pizzabackofen bauen        

 

 

Materialkunde: Seil 

Literaturverzeichnis: 

Eigene Notizen 

 

 

 
 
1. Was ist Erlebnispädagogik und was will sie?

 

Hier ist einmal zu sagen, dass es eine feste Definition von Erlebnispädagogik nicht gibt. Dazu sind die unterschiedlichen Richtungen, in die sich Erlebnis-pädagogik gliedert, zu vielfältig.

 

Übergreifend könnte man aber sagen:

Die Erlebnispädagogik versteht sich heute als ganzheitlicher Bildungsansatz für vielfältige Zielgruppen, in dem das Erfahrungserlernen (also lernen mit Händen und Füßen, mit Sinnen, Herz und Kopf) eine wichtige Rolle spielt.

 

Ein Prinzip der Erlebnispädagogik ist, dass bestimmte gemachte Erfahrungen in der Regel der kognitiven (also gedanklich-intellektuellen) Zugangsweise und Verarbeitung vorausgehen. Das bedeutet: Ich mache mit mir oder mit Anderen zuerst körperliche, geistige oder geistliche Erfahrungen in unterschiedlichen  Bereichen. Während der Aufgabe/der Aktion ist nicht sofort erkennbar, was für einen „Sinn“ das Ganze hat. Erst im Nachhinein wird in unterschiedlichen Bereichen verdeutlicht, was ich dabei erlebt und gelernt habe.

 

Diese Bereiche sind:

 

a. Auf der Ebene individuellen Lernens und der Selbsterfahrung

Erlebnispädagogische Aktionen und Mittel sollen so gewählt und geplant werden, dass der Einzelne sich selbst, seinen Körper, seine Emotionen, seine Bedürfnisse … intensiv wahrnehmen kann. Dabei kann/darf es vorkommen, dass die persönlichen Grenzen offen gelegt werden, damit diese Grenzerfahrungen dann zu Schlüsselerfahrungen werden können. Erlebnispädagogik muss aber abgegrenzt werden von Erlebniskonsumangeboten, die nur den schnellen „Kick“, den Nervenkitzel und den abrupten Adrenalinausstoß zum Ziel haben. Es geht der Erlebnispädagogik nicht um die Fortsetzung des leistungsorientierten Alltags mit anderen Mitteln, sondern vielmehr um eine vertiefte ganzheitliche Erfahrung des eigenen Körpers, der eigenen Person, des ganzen Menschen.

 

b. Auf der Ebene des sozialen Lernens

Erlebnispädagogische Elemente sollen Erfahrung in der Gemeinschaft, also in Gruppen vermitteln:

•  Die Fähigkeit zur Empathie (Einfühlungsvermögen) und Rücksichtsnahme,
•  zu offenen und effektiven Kommunikationsprozessen,
•  zu kooperativen Beziehungen und kooperativem Verhalten,
•  zu Verantwortungsfähigkeit  und Verantwortungsübernahme…
•  zu gutem Umgang mit Konflikten

 

c. Auf der Ebene des ökologischen Lernens und des Umweltbewusstseins

Erlebnispädagogik will hier eine bewusste Umwelt- und Schöpfungserfahrung vermitteln und vertiefen. Bei Outdoor- Aktivitäten kann z.B. das Verständnis für zerbrechliche Natur- und Schöpfungszusammenhänge geweckt und vermehrt werden. Genauso das Staunen über unberührte Natur oder besondere Momente, wie z.B. einen Sonnenaufgang. Es kann neues Verantwortungsgefühl für die Bewahrung der Schöpfung gewonnen und gefördert werden.

 

Erlebnispädagogik ist, ...

… wenn Erlebtes zu bleibenden positiven Veränderungen in einem Menschen führt und dies im Vornherein beabsichtigt und geplant war.

Das Erlebnis ist ein Glied der Kette „Ereignis – Erlebnis – Erfahrung – Erkenntnis“ und kann nur in dieser Verknüpfung existieren.

 

Ereignis
+ selbst betroffen sein

Erlebnis
+ Reflexion

Erfahrung
+Verifizierung und Internalisierung (Verinnerlichung)

Erkenntnis

 

 

Ereignis

Ein Ereignis ist alles, was auf der Erde um einen Menschen herum geschieht, ohne ihn jedoch selbst zu betreffen bzw. „nahe zu gehen“.

 

Beispiel:

a. Im Wald fällt ein Baum um.

b. Zwei Jugendliche kentern mit dem Kanu auf dem See

c. Die Sonne geht unter

 

 

Erlebnis

Ein Erlebnis ist alles, was im Leben eines Menschen geschieht und ihn auf irgendeine Weise betrifft bzw. ihm „nahe geht“. Es lassen sich zwei Qualitäten von Erlebnissen unterscheiden:

 

1. Das Erlebnis im weiteren Sinne ist alles, was geschieht und das Individuum teilhaben lässt, es betrifft oder tangiert. Hierzu gehören z.B. all die „gewöhnlichen Dinge des Alltags“, die dem Menschen bewusst und unbewusst widerfahren oder durch sein Verhalten ausgelöst werden, ohne für ihn aber wesentlich zu sein.

 

Beispiele:

a. Ich wandere durch den Wald und sehe/höre, wie Bäume gefällt werden und frage mich, warum die „armen“ Bäume weichen müssen.

b. Die beiden gekenterten Jugendlichen sehen mich am Ufer stehen, winken mir zu und sagen, dass alles in Ordnung sei.

c. Ich liege am Strand und lese ein Buch, während die Sonne untergeht.

 

2. Das Erlebnis im engeren Sinne ist eine herausragende Episode im Strom der bewussten Wahrnehmung eigener Empfindungen und Gefühlszustände. Sinneseindrücke und ihre Verarbeitung stimulieren und formen das Erlebnis. Zentral ist die emotionale Erregung (Freude, Angst, Zorn, Trauer).

 

Beispiele:

a. Während ich im Gras liege, kippt ein Baum um und trifft mich mit seinen Zweigen im Gesicht. Ich erschrecke, begutachte meine Verletzungen und berichte zu Hause meinen Eltern von dem Vorfall.

b. Die beiden gekenterten Jugendlichen rufen um Hilfe. Sie tragen keine Schwimmwesten und werden vom starken Wind auf den See hinaus getrieben. Ich eile ihnen zu Hilfe.

c. Während die Sonne untergeht, sitze ich mit meiner Gitarre am Strand und versuche ein Lied zu schreiben. Die Farben des Abends regen mich dazu an und lösen Gefühle in mir aus.

 

 

Erfahrung

 

Zu einer Erfahrung kann ein Erlebnis reifen, wenn es vom Menschen bewusst und/oder unbewusst ausgewertet bzw. reflektiert wird.

 

Beispiele:

a. Ich denke darüber nach, warum der Baum umfallen konnte und was ich hätte tun können, um Verletzungen zu vermeiden. Ich könnte sagen: „Aus Erfahrung weiß ich, dass man Bäumen nicht trauen kann.“

b. Es gelingt mir, die beiden zu retten. Später erzählen sie, wie es zu der Kenterung kam und überlegen, was sie hätten tun können, um diese Gefahr zu vermeiden. Es wird beschlossen, bei widrigen Wetterbedingungen kein Kanufahren mehr zu erlauben.

c. Die Stimmung des Sonnenuntergangs lässt Gefühle in mir frei werden. Ich merke, was mit mir passiert, wenn ich in die Abendsonne schaue, welche intensiven Gefühle in mir stecken und jetzt aus mir herausströmen. Ich werde ruhig.

 

 

Erkenntnisse

 

Erkenntnisse wiederum sind Erfahrungen, die so oft wiederholt und bestätigt wurden, dass sie zu fundamentalen Lebensüberzeugungen für den einzelnen Menschen wurden. Sie sind relativ stabile Annahmen über das menschliche Zusammenleben und geben Verhaltenssicherheit und Orientierung.

 

Beispiele:

a. Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem ich nicht zu Schaden kommen könnte.

b. Die Natur ist stärker als der Mensch!

c. Natur tut gut, entspannt, inspiriert!

 

Wie an dieser Kette deutlich wird, ist das Erlebnis eine Station in jedem menschlichen Lernprozess. Die höchste Form des Lernens ist Erkenntnis. Erkenntnisse sind stabile, fest ins Gehirn „eingemeißelte“ Verhaltensmuster, die das Fundament menschlicher Interaktion bilden.

 

Erlebnisse sind die „Einstiegsstationen“ auf dem Weg dorthin. Wie jede Pädagogik will auch die Erlebnispädagogik den Menschen positiv verändern. Sie will ihm neue hilfreiche Verhaltens- und Denkweisen „lehren“, ihm aufzeigen, dass sein Potential längst noch nicht ausgeschöpft ist, dass er oft mehr kann, als er denkt!

 

Die Erlebnispädagogik konfrontiert den Menschen mit ungewohnten Situationen und greift zu diesem Zweck oft auf natursportliche Aktivitäten zurück - z.B. Kanufahren und Wandern. Ferner stellt bereits das Lagerleben selbst eine Herausforderung für zivilisationsgewöhnte Menschen dar. Wer ist es schon gewohnt, im Zelt zu schlafen, sich mit kaltem Wasser zu waschen und am Lagerfeuer zu sitzen und zu singen? Wer von Neuem und Unbekanntem umgeben ist, fühlt sich zumeist unsicher und unwohl - soviel scheint menschlich. Wer diese Unsicherheit und dieses Unwohlsein „loswerden“ will, der muss sich den Umständen einer neuen Situation/Herausforderung anpassen. Und eben diese Anpassung bedeutet immer auch Veränderung!

 

Wer sich nicht anpasst, wird weiterhin verunsichert sein. Wer es aber schafft, sich auf eine neue Situation/Herausforderung einzustellen, wird das Gefühl von Unsicherheit und Unwohlsein schnell wieder ablegen können. Diese positive Aussicht motiviert den Menschen dazu, sich schnellstens anzupassen.

 

Diejenigen, die sich in vielen neuen Situationen ausprobiert haben und sich bewähren mussten, verfügen in aller Regel über einen größeren Schatz an Verhaltensmöglichkeiten als diejenigen, die nur eine oder wenige Bewältigungsstrategien für neue Situationen kennen. Je mehr Verhaltensmöglichkeiten einem Menschen zur Verfügung stehen, desto besser, schneller und leichter kann er sich neuen Umständen und Anforderungen anpassen und somit neue Herausforderungen meistern! Die Erlebnispädagogik will auf diese Weise die „Lebenskompetenz des Menschen“ stärken und ausbauen.

 

 

2. Sieben methodische Prinzipien der Erlebnispädagogik

 

Herausforderung und Grenzerfahrung

Herausforderungen im physischen, psychischen und sozialen Bereich.

 

Aktion und Reflexion

Das Reden baut auf das Erleben auf, beides wird aufeinander abgestimmt. Die Reflexion ist ein wichtiger Bestandteil des nötigen Transfers, damit die Aktion nicht als Erlebnis stehen bleibt, sondern zu einer zielgerichteten Lernerfahrung wird.

 

Gruppenselbstdarstellung

Die Gruppe ist von Anfang an herausgefordert und übernimmt in der Regel die Verantwortung. Der Trainer ist deshalb weniger Leitender, als vielmehr Begleiter, Moderator  und Berater. 

 

Vielfalt und Ganzheitlichkeit

Lernen mit Kopf, Herz und Hand.

 

Echtheit (Authentizität)

Das ist ein wichtiges Prinzip.

Beispiel: Mehrtagestour - Rucksack zu schwer - Verirren trotz Karte und Kompass.

Das sind wichtige authentische Elemente. Sie lassen sich nicht wegdiskutieren, sondern müssen gelöst und bearbeitet werden.

 

Freiwilligkeit

Die Teilnehmer sind für die Lernerfolge selbst verantwortlich. Sie bestimmen selbst den Grad der persönlichen Herausforderung. Man muss aber darauf achten, dass große Herausforderungen, wie z.B. eine Mehrtagestour, verbindlich zum Programm dazu gehört.

 

Orientierung am Individuum

Auf die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Einzelnen wird eingegangen. Das schließt aber nicht aus, dass in bestimmten Situationen der Einzelne zugunsten der Gruppe in den Hintergrund tritt.

 

Fazit:

Erlebnispädagogik soll nicht nur Fun und Action für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sein, sondern sie will Menschen fordern und fördern. Erlebnispädagogik ist ein handlungsorientiertes Lernen, das als Ziel Veränderungen im alltäglichen Handeln hat:

•  Jeder Mensch lernt durch die Erlebnispädagogik für sich selbst.

•  Er erlebt Herausforderung und Grenzerfahrungen, die ihn reifen und wachsen lassen können.

•  Soziales Lernen in der Gruppe und durch die Gruppe wird gefördert.

•  Der Blick für den Nächsten und seine Bedürfnissen wird geschärft.

•  Durch die Aktionen in der Natur werden neue Zugänge zur Schöpfung erschlossen (z.B. für ihre Schönheit und Zerbrechlichkeit).

 

 

3. Entwicklung einer Gruppe

 

•  Was kann ich in meiner Gruppe beobachten?

•  Auf was muss ich achten?

•  Worauf sollte ich zuarbeiten? 

•  Was kann ich tun?

 

 

1. Phase: Orientierungsphase

 

Wer sind die anderen? 

•  Unsicherheit der einzelnen Gruppenmitglieder untereinander

•  „Clownerei, - viel Unsinn u. Quatsch

•  Test des Leiters (wie verhält er sich?)

•  geringe Übernahme von Verantwortung

•  Abklärung von Erwartungen - Abbau von Ängsten

•  Ermöglichung positiver Erfahrungen

•  Gute Programmplanung (Gruppe ist kaum in der Lage, selbst aktiv zu werden)

•  klare Strukturen vorgeben (z.B. Zeitrahmen) 

•  Kennenlernspiele

•  Kontaktspiele

•  Hausralley

•  Partnersuchspiele

 

 

2. Phase: Macht- und Auseinandersetzung

 

•  man wird persönlicher

•  es werden mehr Gefühle gezeigt

•  Rangelei um Führungspositionen in der Gruppe

•  Bildung von Untergruppen

•  Kritik an dem Gruppenleiter

•  Zusammenschluss gegen den Leiter

•  Gefahr des Austritts einzelner 

•  Möglichkeiten bieten, dass Machtkämpfe ausgetragen werden können

•  Als Gruppenleitung die eigene Position verdeutlichen

•  Festlegung klarer Normen, gemeinsam mit der Gruppe

•  deutlich machen, was Mitbestimmung heißt, und welche Möglichkeiten es hier für die Gruppe gibt 

•  Geschicklichkeitsspiele

•  Kooperationsspiele

•  Wettkampfspiele (zur Austragung der Machtkämpfe)

•  Spiele ohne Sieger (um die Gruppe wieder zusammenzubringen)

•  Spiele, bei denen jeder seine Fähigkeiten einbringen kann

 

 

3. Phase: Vertrautheitsphase

 

•  Gruppe kann nicht neue Mitglieder aufnehmen (sonst Rückfall in Phase 1oder 2)

•  Zusammenarbeit wird intensiver

•  Konkurrenzverhalten wird langsam abgelegt

•  Entwicklung eines Beziehungssystems

•  Freundschaft

•  langsam „Wir- Gefühl“

•  Fehler werden toleriert

•  Ausbau von Beziehungen 

•  Übertragung von Verantwortung

•  zunehmender Verzicht auf Vorgaben seitens der Gruppenleitung (Aktivierung der Gruppe)

•  freie Entfaltungsmöglichkeiten der Einzelpersonen und der Gruppe ermöglichen  

•  Ausdenken eines Gruppennamens

•  Collagen (Gruppenbild, Wandzeitung)

•  Rollenspiel

•  Rundengespräche

•  eigene Programmplanung der Gruppe

•  Wochenendfreizeiten

 

 

4. Phase: Differenzierungsphase

 

•  gute Kommunikation

•  starker Zusammenhalt der Gruppe

•  echtes „Wir-Gefühl“

•  kaum Machtkämpfe

•  jeder identifiziert sich mit der Gruppe

•  Gruppe lenkt sich überwiegend selbst 

•  Leiter organisiert überwiegend

•  Leiter beschafft erforderliches Material

•  Leiter gibt der Gruppe Feedbacks

•  Umgang der Mitglieder mit eigenen Stärken und Schwächen fördern 

•  Interaktionsspiele

•  Diskussionsabende

•  Bazar/Flohmarkt

•  gemeinsame Aktionen

 

 

5. Phase: Trennungs- und Abschiedsphase

 

•  frühere Gruppenerlebnisse werden ausgetauscht

•  Ausweichen des Ablösungsprozesses

•  Aufkommen von Unruhe und Unzufriedenheit

•  Suche der einzelnen Mitglieder nach neuen Gruppen u. Betätigungsfeldern 

•  jeden seinen eigenen Weg gehen lassen

•  Mobilität von Individuum und Gruppe zulassen

•  Auswertung der erfolgreichen Gruppenarbeit

•  Ermöglichung von Wiederbegegnung 

•  Reflexion der bisherigen Gruppenarbeit

•  Übertragung des Gelernten in den Alltag

•  jeden seinen eigenen Weg gehen lassen

•  Ermöglichungen von Wiederbegegnung

 

 

Der Leiter (Instructor)

 

Der sollte nicht in die Spiele eingebunden sein, sondern die Gruppe beobachten. So kann er erkennen, wer in der Gruppe automatisch die Leitung übernimmt, auf wen die Teilnehmer schauen, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, wer sich zurückzieht und wer eben nur mitmacht, weil er muss.

 

Charaktermerkmale, die hier an die Oberfläche kommen, wiederholen sich meist in allen Aktivitäten durch das ganze Programm hindurch.

 

Der Leiter soll:

•  das Problem  kreativ gestalten

•  klare Regeln und Grenzen setzen

•  für die Sicherheit der Gruppe sorgen

•  immer ermutigen

•  zweite Chance geben, wenn es beim ersten Mal nicht geschafft wurde

•  nicht alle Antworten geben, sondern den Teilnehmer helfen selbst die Lösung der gestellten Aufgaben zu finden.

 

 

4. Erlebnispädagogik - ein alter Hut?

 

Jetzt mögen sich vielleicht einige denken, dass das alles nichts Neues ist, schon seit den Pfadfinder- und „Wandervögel“-Bewegungen bekannt ist und seither praktiziert wird. Und tatsächlich werden dort einige erlebnispädagogische Elemente verwendet, aber es muss uns bewusst  werden, dass Erlebnispädagogik ein wichtiges „Instrument“ für ein ganzheitliches Lernen ist.

 

Wenn wir erlebnispädagogische Elemente einsetzen, sollten wir es noch bewusster, noch gezielter und vor allem noch reflektierter tun, denn es gilt:

 

Erkläre mir - und ich vergesse.

Zeige mir - und ich erinnere ich.

Lass mich tun - und ich verstehe.

 

 

5. Wo kommt Erlebnispädagogik her?

 

Wenn man nach dem Ursprung der Erlebnispädagogik fragt, begegnet man immer wieder der Reformpädagogik als ein Auslöser der modernen Erlebnispädagogik.

 

Michl und Heckmaier (2 Pädagogen der erlebnispädagogischen Welt) sehen in ihrem Grundlagenbuch „Erleben und Lernen“ Jean-Jacques Rousseau als Vorbild. Er war ein französischer Erzieher und Philosoph aus dem 18. Jahrhundert, liebte die Natur und die Einfachheit. Ein Schwerpunkt seines Seins war das Erleben. So wandelte er den bekannten Satz von Descarts „Ich denke, also bin ich.“ um in „Ich erlebe, also bin ich.“.

 

Als weiterer Vordenker der erlebnispädagogischen Ideen gilt der Amerikaner David Henry Thorau. Zitat: „Nicht reden über handeln, sondern reden und handeln.“

 

Wir reden dann noch kurz über Kurt Hahn. Der 1886 in Deutschland geborene Jude studierte in Deutschland und England Philosophie und Philologie. Sein erstes Arbeitsfeld war die Politik, bis er 1920 durch Max von Baden zum Leiter des Landerziehungsheimes berufen wurde. Hahn entwickelt sich zum charismatischen Pädagogen. Er versuchte neue Wege der Pädagogik zu gehen und gestaltete das Lernen im Schloss Salem um. 1932 wurde diese Arbeit jäh durch den Nationalsozialismus unterbrochen. Er emigrierte nach England, wo er später Outward Bound gründete.

 

Outward Bound:

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Schifffahrt und bezeichnet das zum Auslaufen bereite Schiff. Kurt Hahn hat seine von ihm geprägte Einrichtung so benannt. Outward Bound ist heute einer der führenden Anbieter von erlebnispädagogischen Fortbildungen.

 

 

6. Christuszentrierte Erlebnispädagogik

 

Es geht darum, dass Gott möchte, dass wir ihn in jedem Bereich nahe kommen und ihn erleben. Darum hat uns Gott nicht nur mit Ohren und Intellekt ausgestattet, sondern auch mit all den anderen Sinnen.

 

Darum hat Jesus auch das Abendmahl eingesetzt, damit wir schmecken, wie gut der Herr ist.

Darum gibt es die Taufe, damit wir spüren, wie der alte Mensch stirbt und der neue Mensch auferstehen kann.

 

An diese Erkenntnis knüpft die ganzheitliche Verkündigung an. Durch sie lernt man, sich selbst, den Nächsten und vor allem Gott nicht nur zu hören, sondern auch zu verstehen. Nicht nur zu sehen, sondern wahrzunehmen, also zu erleben.

 

Das große Dilemma der heutigen Christenheit liegt darin, dass wir unser geistliches Leben getrennt halten von unserem alltäglichen Leben.
Doch wir sollten mit Gott praktisch durch das Leben gehen, ihn in allen Lebensbereichen miteinbeziehen und ihn erleben! Wenn ich lerne mit Gott zu leben, egal ob ich Andachten halte, Sport treibe, einkaufen bin oder bete, werde ich zu einem glaubwürdigen Zeugen, der geistliches und normales Leben vereint. Es ist egal, was ich im Moment ausübe oder lerne, ich muss lernen, in allen Lebensbereichen in einer bewussten, ständigen Abhängigkeit von Gott und in einer dementsprechenden Beziehung zu leben.

 

Bei der christlichen Erlebnispädagogik ist es wichtig, dass wir in unserem Tun das Evangelium weitergeben und vermitteln. Die Unternehmungen sind so konzipiert, dass geistliche Wahrheiten das Evangelium durch Aktivitäten vermitteln und dass sie auf einer persönlichen Ebene nachvollziehbar werden. Interessant ist, dass Jesus diese Verkündigungsart vertraut war. Er hat sehr häufig Lehren mit Erleben verbunden. Er hat nicht gesagt: „So, jetzt fahren wir mit dem Boot über den See (weltlich) und wenn wir auf der anderen Seite sind, dann predigen wir wieder (geistlich).“ Jesus nutzte das Erlebnis der Bootsfahrt (Mk. 4,35-41), um seinen Jüngern von  Gott zu erzählen. Er lehrte hierbei seinen Jüngern zwei konkrete Dinge: im Alltag mit der Allmacht Gottes zu rechnen und Vertrauen in den persönlichen, lebendigen Gott zu haben.

 

Jesus hätte den Sturm auch einfach beenden, sich wieder schlafen legen und den Jüngern zu Hause vom Vertrauen und Glauben erzählen können. Er hat aber die Situation im Boot genutzt, weil die Jünger in diesem Moment unmittelbar erfahren und erleben konnten, was ihnen Jesus über den Glauben und die Allmacht Gottes vermitteln wollte. Diese  ganzheitliche Verkündigung müssen wir wiedergewinnen.

 

Durch Extremsituationen, an die man sich immer erinnern wird, kann die wichtigste Botschaft der Welt - das Evangelium - vermittelt und vorgelebt werden. Denn genau so wie die Jünger den Sturm auf dem See den Rest ihres Lebens wohl nicht mehr vergessen haben, haben sie auch die daran geknüpfte Botschaft nicht mehr vergessen.

 

Deshalb ist ein wichtiger Bestandteil der christlichen Erlebnispädagogik Spontaneität. Man sollte jederzeit bereit sein, Situationen aufzugreifen und eine Botschaft daran zu knüpfen.

 

Ein schönes Beispiel dafür ist die Reaktion von Jesus, als die Kinder zu ihm gebracht werden (Mt. 19,13-15). Die Jünger wollen sie verscheuchen, aber Jesus lässt sie zu sich kommen, segnet sie und vermittelt damit eine klare Botschaft. Jesus nutzt die Konfliktsituation, um anschaulich zu machen, dass jeder Mensch, vor allem die Kleinen und Schwachen, einen freien Zugang zu Gott hat. Damit macht er allen Anwesenden klar, dass es der kindlichen, vertrauensvollen Haltung eines Kindes bedarf, um Gott begegnen zu können.

 

Unter „Erleben“ versteht man auch Kreativität, wie z.B. Wortspiele, Sprüche, Geschichten, Paradoxien, Logisches und Unlogisches. Nicht umsonst offenbart sich Gott in seinem Wort durch Sprüche, Poesie und Wortspiele.

 

Bei der christlichen Erlebnispädagogik haben wir den großen Vorteil, dass wir das geschriebene Wort (die Bibel), das geschaffene Wort Gottes (die Schöpfung) und das aus Gott geborene Leben (den Menschen) zur Verfügung haben, um IHN, den Schöpfer allen Lebens, zu erkennen. Es gibt tausend Parallelen zwischen diesen wunderbaren Offenbarungen Gottes und unserer alltäglichen Welt.

 

Beispiel:

Wir bewerten Abhängigkeit heute meist als Schwäche, als etwas, das man unbedingt vermeiden sollte. Unabhängigkeit wird meistens als Tugend angesehen. Als ein so genannter trockener Alkoholiker bei einer Christlichen-Erlebnispädagogik-Woche mitmachte, wurde ihm gleich bei der ersten Vorlesung erklärt, dass ein Leben mit dem lebendigen Gott gleichbedeutend ist mit einer totalen Abhängigkeit von ihm. Der Teilnehmer erhob Einspruch und sagte, dass er eben nicht mehr in Abhängigkeit leben wollte. Doch am nächsten Tag im Klettergarten machte er die Erfahrung, dass es doch auch sinnvoll ist, von manchen Dingen abhängig zu sein. In diesem Fall war es das Seil.

 

Ob eine Abhängigkeit positiv oder negativ, vernichtend oder lebensrettend ist, hängt nämlich davon ab, von wem ich abhängig bin. Auch als ich selbst an meinem letzten Kurs an einer Kletterwand hing, wurde es mir bewusst, dass wir Abhängigkeit brauchen, um vorwärts zu kommen. In diesem Fall war ich vom Seil und dem Mann, der das Seil hielt, abhängig. Mein Glaube an das Seil und den Mann ermöglichte mir, dass ich mich am steilsten Felsen frei bewegen konnte. Etwas, was ich sonst nie hätte machen können! Unabhängig vom Seil zu sein, hätte bedeutet, dass ich den Felsen nur von unten betrachten hätte können. Jetzt in dieser Abhängigkeit konnte ich mich fallen lassen und die Aussicht genießen. Ich vertraute dem Mann, dass er willig und fähig ist, mich zu halten wenn ich rutsche und erst durch diesen Glauben konnte ich die ersten Schritte auf dem Felsen machen.

 

Und da habe ich verstanden: NUR WER LOSLÄSST, WIRD GEHALTEN.

 

Nun, dasselbe gilt auch für uns und Jesus. In Johannes 15, 5 steht:
“Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“
Jesus sagt damit, dass wir nur in der Abhängigkeit zu ihm eine völlig neue Lebensperspektive erhalten und uns frei entfalten können.

Der Apostel Paulus schreibt im Brief an Thimotheus:
“Wenn wir untreu sind - er bleibt treu…“ (2. Tim. 2,13)

Und im Brief an die Philipper schreibt er:
“Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.“ (Philipper 4,13)

 

Paulus kannte den Charakter von Jesus und war deshalb überzeugt, dass er immer willig und auch absolut fähig ist, ihn zu halten. Unser Glaube und unsere Zuversicht stützen sich einzig und allein auf den Charakter von Jesus. Er ist vertrauenswürdig, denn er hat sein Wort kein einziges Mal gebrochen. Er war und ist die Wahrheit, weil sein Reden seinem Handeln entsprach.

Darum hat der Apostel Paulus in 2. Thimotheus  1,12 gesagt:
“Ich weiß, wem ich geglaubt habe….“

Abhängig sein von einem liebenden, fürsorglichen Gott ist nicht bedrohlich, sondern lebensrettend.

Abhängig sein ist keine Schwäche.

Sich voll dem Seil und dem Kletterpartner anzuvertrauen ist in diesem Augenblick keine Schwäche, sondern Weisheit. Am Seil hängend kannst du dich nur in dem Maße selbst verwirklichen, wie du dich vom Partner abhängig machst. Je mehr du deinem Kletterpartner vertraust, desto mehr Zeit kannst du am Fels genießen und auch unsichere Schritte wagen, denn der Gurt gibt den sicheren Halt.

 

Der Mensch ist  erst dann richtig Mensch, wenn er in einer völligen Abhängigkeit von seinem Schöpfer lebt und IHM vertraut. Sich vom Seil loszuschneiden, bedeutet nicht Freiheit, sondern den Tod. Gott zu ignorieren oder wegzuerklären heißt nicht Unabhängigkeit, sondern Orientierungslosigkeit. Abhängigkeit von Gott schränkt also nicht ein, sondern schenkt dem Menschen erst die volle Freiheit, die Gott ihm von Anfang an zugedacht hat. Denn auch in Bezug auf Christus gilt:

 

ICH MUSS LOSLASSEN, UM GEHALTEN ZU WERDEN!

 

Popsänger Cliff Richard hat einmal gesagt:
„Je abhängiger wir von Gott leben, desto vertrauenswürdiger wird er uns.“

 

 

7. Erlebnispädagogik in der Bibel

 

Für viele ist diese wahrscheinlich eine überraschende Überschrift, denn damals haben die Menschen Erlebnispädagogik noch gar nicht gekannt! Nun, da kann ich nur sagen, dass es viele Parallelen zur heutigen Erlebnispädagogik gibt. Man kann sie im Leben Jesu und im Umgang mit seinen Jüngern finden, sowie im Umgang Gottes mit seinem Volk Israel und wichtigen Führungspersönlichkeiten. Wie lernen Menschen in der Bibel, ihre Aufgaben und ihre Berufung zu leben?

 

Learning by doing

Jesus sandte seine Jünger immer nach einer relativ kurzen Zeit aus, was bedeutete, dass sie in kleinen Grüppchen ohne ihn unterwegs waren. Wie konnte er ihnen das zutrauen? Natürlich gab er ihnen Macht, um ihre Aufgaben ausfüllen zu können, doch waren sie trotzdem noch fehlbare Menschen. Bis zuletzt hatten sie vieles nicht begriffen und doch wagt es Jesus, sie unter die Leute zu schicken.

 

Das Ganze hat den Charakter eines Praktikums. Zuerst wird theoretisches Wissen gepaukt und dann wird alles in der Praxis ausprobiert. Das ist der Sinn und Zweck eines Praktikums: man lernt an und aus den Erfahrungen. Der „Trainer“ Jesus geht im erlebnispädagogischen Sinn dabei klassisch vor. Er stellt die Jünger zusammen und erklärt die Aufgaben. Er gibt klare Anweisungen und stellt ein klares Ziel. Danach machen die Jünger in der Praxis gute Erfahrungen. Sie befreien Menschen von Dämonen und machen sie gesund. Das muss ihnen einen unglaublichen Auftrieb gegeben haben.

 

Ebenso gab es aber auch Lernsituationen, die schief gegangen sind. Nur zwei Kapitel später scheitern die Jünger dabei, die Menschenmenge zu versorgen, die bis in die Abendstunden hinein der Predigt Jesu folgt. Wie soll man auch mit 5 Broten und 2 Fischen 5000 Leute satt bekommen? Doch die Jünger lernen durch die Niederlage. Sie sehen ihre Begrenztheit und müssen sich diese eingestehen. Und Jesus meistert die Situation, wodurch sie sehen, dass es möglich ist, aus dem wenigen viel zu machen.

 

Es braucht wohl beides, die Erfahrung des Bestehens und die des Scheiterns, um wirklich zu lernen. Ebenso ist eine Ausgewogenheit zwischen anspruchvollen Herausforderungen und realistischen Zielsetzungen wichtig, verbunden mit dem Vertrauen in die Menschen. Das ist die Kunst des Trainers, die Jesus ganz offensichtlich gut beherrscht hat.

 

Dieses Grundmuster der Berufung zu einer Aufgabe treffen wir in der Bibel an vielen Stellen an. Abraham, Mose und viele andere wurden in Aufgaben gestellt, für die sie nicht umfassend ausgebildet oder nicht perfekt ausgerüstet waren. Sie haben auf dem Weg und im Tun gelernt, ihrer Aufgaben gerecht zu werden und Gott hat dazu beigetragen, dass ihnen das gelang.

 

Das ist ein guter Ansatz, den die Erlebnispädagogik beherzigt. Es geht um Entwicklung - im Wissen darum, dass wir nie ausgelernt haben! Dem Glaubenden ist es zusätzlich ein Hinweis, dass wir in unseren Aufgaben auf Gott angewiesen bleiben, alles andere wäre überheblich!

 

Wie lernen Menschen in der Bibel sich selbst kennen?

 

Lebensschule Jüngerschaft

 

Die Jünger um Jesus sind geradezu Paradebeispiele, wenn es um Persönlichkeitsentwicklung geht. Vor allem Simon Petrus, bei dem der Weg vom Fischer zum Menschenfischer besonders zu erkennen ist. Seine Entwicklung wird sogar bis in die Namensgebung hinein deutlich. Im Unterwegssein mit Jesus entdeckt er Potentiale und Fähigkeiten, die ihm bislang fremd waren. Er beginnt, sich um das Heil von Menschen zu sorgen und macht ermutigende Erfahrungen. Aber er erlebt auch Hilflosigkeit und Scheitern.

 

Das Unterwegssein und das gemeinsame Erleben, bergen große Chancen mit sich. Jesus verändert dadurch. Und Jesus will auch euch verändern, jeden einzelnen. 

 

Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber sagte: „Am Du werde ich zum Ich!“ Dies gilt für jede Gruppe, erfährt aber in der Beziehung mit Jesus Christus noch einmal ganz andere Tiefe. Aus der Beziehung zu ihm heraus geschieht es, dass ich mich als geliebtes Geschöpf Gottes, als sein Gegenüber begreife. Und damit begegne ich meiner Bestimmung und dem was mein Menschsein ausmacht.

 

Wie lernen Menschen Gott kennen?

 

Gott begegnen

 

Hier möchte ich zuerst einmal fragen: Wie lernen sich Menschen untereinander kennen? Durch Begegnungen. Genauso ist es mit Gott. Er ist kein intellektuelles Aneignen eines Stoffes, sondern eine sichtbare, hörbare, greifbare oder zumindest spürbare Erfahrung, die in der Regel eine Veränderung nach sich zieht.

 

So war es z.B. bei Mose, als er Gott bei dem brennenden Dornbusch begegnete. Er wurde beim Namen gerufen, woraufhin Mose wissen wollte, mit wem er es zu tun habe. Daraufhin die Antwort von Gott: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ (2. Mose 3,14). Der Allmächtige Gott und Schöpfer des Universums wird zum individuellen Gesprächspartner, zu einem Gegenüber. In dieser Begegnungsgeschichte stößt Mose auch an Grenzen. Gott erteilt ihm die Einschränkung: „Tritt nicht herzu.“ (2. Mose 3,5). Das Erfahren einer Grenze gehört auch zum Kennenlernen.

 

Auch in der Erlebnispädagogik geht es nicht nur darum Grenzen zu überschreiten, sondern auch wahrzunehmen und zu respektieren.
Welchen Stellenwert Begegnungen haben, sehen wir auch am Jünger Thomas. Eine nicht stattgefundene Begegnung macht deutlich, was sie für einen Menschen bedeuten kann. Für Thomas ist es unmöglich zu glauben, dass Jesus als leibhaftig Auferstandener unter die Jünger getreten sein soll. Er will sich nicht auf die Erzählungen seiner Kollegen verlassen, sondern seine eigenen Erfahrungen machen. „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meine Finger in seine Seite lege, kann ich’s nicht  glauben.“ (Jo.20,25).

 

Aus dieser Begebenheit kann man sehen, dass man Erfahrungen noch so begeistert erzählen kann, es für den Zuhörer aber längst nicht so glaubhaft, einprägsam und lehrreich ist. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen selbst etwas mit Gott erleben und eigene Erfahrungen machen. Unsere Aufgabe ist es, die Gelegenheiten dafür zu schaffen. Thomas konnte die Auferstehung Jesu erst dann glauben, als er ihm schließlich selbst begegnet ist.

 

Diese leibhaftige Begegnung ist heute so nicht mehr möglich. Dennoch können wir Gott im Alltag erleben, z.B. in seinem Wort, in Bildern und Metaphern, in der Gemeinschaft, in der Wahrnehmung seiner Schöpfung. Das sind viele Felder, die in der (christlichen) Erlebnispädagogik eine Rolle spielen und insofern viele Chancen bieten, dass Berührung und Begegnung mit Jesus Christus stattfinden kann.

 

Erlebnispädagogische Übungen und Settings können zu modernen Gleichnissen beitragen, in denen Menschen Gott kennen lernen und eine Vorstellung vom Reich Gottes entwickeln. Es ist für leitende Personen wichtig, sich mit dem Inhalt der Bibel gut vertraut zu machen, dass wir den Sinn von Spielen und Aktionen auf verschiedene Bibelstellen übertragen können.

 

 

Spiele 

 

 

Kennenlernspiele

 

 

Schätzen und Verschätzen

 

 

Art der Übung:

Kennenlernspiele

Zielgruppe:

Jugendliche und Erwachsene

Gruppengröße:

10-15 Personen

Dauer:

 20-30  min

Material:

Papier und Stifte

   

Beschreibung:

die Teilnehmer werden in kleineren Gruppen von 2-5 Personen aufgeteilt.
Die Gruppen dürfen soweit voneinander getrennt sein, dass sie ich untereinander ungestört unterhalten können. Jedoch so in der Nähe sein, dass sie die Fragen des Spielleiters hören  und sie die Untergruppen sehen.
Dann stellt der Spielleiter die Fragen und die TN müssen nun Schätzen und  die Antworten schriftlich festhalten.

 

Mögliche Fragen:

•  Wie alt ist die Gruppe?

•  Wie viele Geschwister, Haustiere,.. haben alle TN zusammen?

•  Wie viele Kilometer haben alle zusammen zurückgelegt, um hier her zu kommen?

 

Kommentar:

Das ist ein schönes Spiel, um der anfänglichen Neugier aufeinander Raum zu geben. Deshalb sollte der Spielleiter am besten auch selbst mitspielen.  Viel hängt auch davon ab, die passenden Fragen auch zur Gruppe zu stellen.

 

 

 

Erste Eindrücke

 

 

Art der Übung:

Kennenlernspiele

Zielgruppe:

Jugendliche und Erwachsene

Gruppengröße:

8-18 Personen

Dauer:

10- 20  min

Material: 

-

 

Beschreibung des Spiels:

Die Spielleitung gibt verschiedene Fragen vor, die sich alle auf Informationen über die anwesenden Personen beziehen. Danach tun sich die TN jeweils paarweise zusammen. Zunächst raten beide Partnerinnen, welche Antwort wohl auf ihr Gegenüber zutrifft; dann haben sie kurz Zeit, sich darüber zu unterhalten, wie sie zu der Einschätzung gekommen sind und sie teilen sich gegenseitig mit, ober der Eindruck richtig oder falsch war. Dann  wird gewechselt, so dass die Gelegenheit besteht, mit möglichst vielen Gruppen-mitgliedern in einen ersten Kontakt zu kommen. Die Fragen sollten Themen zum Gegenstand haben, über die man sich vielleicht ohnehin in einem nicht allzu persönlichen unterhalten würde und  können im Verlauf etwas an Tiefgang gewinnen.

 

Mögliche Fragen sind: 

•  Geht dein Partner lieber ins Kino oder in ein Konzert?

•  Macht sie lieber am Meer Urlaub oder in den Bergen?

•  Wohnt sie in der Stadt oder auf dem Land?

 

 

 

Viele Fragen

 

 

Art der Übung:

Kennenlernrunde

Zielgruppe:

ab 10ahre

Gruppengröße:

10-30

Dauer:

20- 30 min

Material:

Papier und Stifte, CD-Player und CD`s

 

Ablauf:

In der Mitte des Raumes liegen Papier und Stifte aus. Alle Mitspieler werden aufgefordert sich zu überlegen, was sie gerne über andere TN der Gruppe erfahren würden. Diese Fragen sollen dann aufgeschrieben werden und zwar jeweils eine Frage pro Zettel. Gegebenfalls kann eine minimale bzw. Maximale Anzahl von Fragen festgelegt werden. Anschließend werden die Zettel möglichst großzügig verteilt am Boden ausgelegt. Zu kurzen Musikintervallen laufen alle im Raum herum und werfen einen Blick auf die Fragen. Während der Musikstopps nimmt sich jeder Mitspieler einen Zettel- allerdings nicht einen selbst geschriebenen – sucht sich einen Partner und die beiden beantworten sich gegenseitig die Fragen. So werden mehrere Runden gespielt, bis alle Zettel bearbeitet werden.

 

Variante A:

Je nach Zielsetzung der Gruppe kann evtl. auch die Fragerichtung genauer spezialisiert werden, dadurch kann das Spiel auch für eine Gruppe, die sich schon besser kennt, noch sinnvoll sein.

 

Variante B:

Statt offen können die Zettel auch verdeckt am Boden ausgelegt werden. Dadurch können alle Antworten auf Fragen erhalten, die sie selbst von sich aus nie gestellt hätten.

 

Variante C:

Statt Fragen können auch Antworten auf die Zettel geschrieben werden, d.h. die Spielerinnen schreiben wissenswerte Dinge über sich selber auf, z.B. Hobbys, Eigenschaften, Erwartungen  an das Seminar usw. 
Die Karten werden dann verdeckt ausgelegt und man muss bei jedem Musikstopp die Person  finden, deren Karte man aufgedeckt hat.

 

 

 

Litfasssäule

 

 

Art der Übung:

Kennenlernrunde

Zielgruppe:

ab 12 Jahre

Gruppengröße:

Bis 20

Dauer:

 je nach TN-Zahl

Material:

 Viele kleine Zettel, Stifte, Tesa

 

Ablauf:

Die einzelnen Teilnehmer schreiben auf kleine Zettel, was sie über die Mitspieler wissen und Kleben diesen Zettel an den Mitspieler (z.b. seine Hobbies, Besonderheiten, Banalitäten, Interessantes,…). Sobald keinem Mitspieler mehr etwas einfällt, stellt jeder Spieler seinen rechten Nachbarn anhand der an diesem klebenden Zettel vor. Es dürfen auf Fragen an den Mitspieler gestellt werden. Die vorgestellte Person darf auch Kommentare abgeben.

 

 

 

Metaplan

 

 

Art der Übung:

Zum Beginn einer erlebnispäd. Aktion

Zielgruppe:

alle

Gruppengröße:

Ab 6 Personen

Dauer:

ca. 30 min.

Material:

Pro TN ein Blatt Papier und einen Filzschreiber,  Wäscheklammern und Leine

  

Ablauf:

Die Erstellung eines so genannten Metaplans im Zusammenhang mit einer erlebnispäd. Aktion dient dem Bewusstmachen und Artikulieren von Erwartungen und Befürchtungen bezüglich des anstehenden Projekts. Hierfür wird auf einem Blatt Papier mit einem Filzschreiber die Hand aufgezeichnet. Jeder TN wird nun gebeten, in seiner Handfläche seine Befürchtungen zu notieren. Außerhalb der Hand schreibt er seine Erwartungen auf. Die TN werden gebeten, abwechselnd ihre Erwartungen und eine Befürchtung vorzulesen. Die abgearbeiteten Händen werde werden für alle deutlich sichtbar an einer Wäscheleine aufgehängt. Mit diesem Verfahren hat man in der Regel alle Punkte angesprochen und für das Regelwerk einer erlebnispädagogischen Aktion anzusprechen sind.

 

 

 

Warming-up Spiele

 

 

Kistenkreis

 

 

Art der Übung:

Warming up

Zielgruppe:

Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

8-20      

Dauer:

10-15 min

Material:

Stühle oder Getränkekisten, Augenbinden

 

Aufbau:

Jeder Teilnehmer bekommt eine Kiste und stellt sich in Kreis

 

Aufgabe:

Die TN haben die Aufgabe, sich nach Namen, Alter oder ähnlichen Aspekten  der Reihe nach zu sortieren. Während diesen Sortiervorganges dürfen die Getränkekisten  nicht verlassen und auf keinen Fall den Boden berührt werden.

 

Schwierigkeitsgrad:

Einige Teilnehmer sind „blind“, die anderen „stumm“. Etc.pp.

 

 

 

Wäscheklammernspiel

 

 

Art der Übung:

Warming up

Zielgruppe:

Kinder/Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

Ab 8

Dauer:

min. 5min.

Material:

Pro Person 3 Wäscheklammern

 

Ablauf: 

Die Aufgabe des Spielers ist es, während Musik läuft, diese Wäscheklammern nacheinander an den Mitspielern anzuheften, ohne dass diese zu Boden fallen. Gleichzeitig muss er versuchen, selbst keine oder möglichst wenige Wäscheklammern angeheftet zu bekommen. Wer am Ende der Musik die wenigstens Klammern an der Kleidung hat, ist Sieger.

 

Ablauf II:

In dieser Variante heftet sich jeder Spieler die drei Wäscheklammern deutlich sichtbar an die Kleidung. Während die Musik läuft, geht jeder Spieler auf Jagd nach Klammern, in dem er diese von den Mitspielern schnappt und sich selbst anheftet. Wer am Ende der Musik die meisten Klammern an der Kleidung hat, ist Sieger.

 

 

 

Tic Toc

 

 

Art der Übung:

Warming up, Förderung der Kommunikationsfähigkeit

Zielgruppe:

Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

8-12      

Dauer:

10-20 min

Material: 

Zwei unterschiedliche, kleine Gegenstände (z.B. Apfel u. Banane)

 

Beschreibung:

Die Gruppe stellt sich in einem Kreis auf. Der Spielleiter gibt den Apfel an seinen rechten Nachbarn A mit dem Satz: „ Das ist Tic“. A fragt den Spielleiter:  „Was ist das?“, der Spielleiter Antwortet: „Ein Tic.“ A gibt seinen rechten Nachbarn B den Apfel weiter und  sagt: „Dies ist ein Tic“. B gibt den Apfel an seinen rechten Nachbarn C mit den Worten: „ Das ist ein Tic“ weiter. C fragt B: „Was ist das?“, B fragt A: „Was ist das?“, A sagt zu dem Spielleiter: „Was ist das? “und der Spielleiter antwortet: „Ein Tic!“. A zu B: „Ein Tic“, B zu C „ein Tic“. usw.

 

Nachdem der Apfel die gesamte Runde gemacht hat, meint der Spielleiter, dass zwar alles gut gelaufen wäre, aber dass es noch viel schneller gehen könne. So beginnt er das Spiel von neuem, nur mit dem Unterschied, dass der  Spielleiter, sobald er den Apfel (Tic) auf die Reise geschickt hat, die Zwiebel  aus der Tasche zieht und mit den Worten: „Das ist ein Toc“ an seinen linken Nachbarn weitergibt. Das Spiel nimmt so lange seinen gewohnten Verlauf, bis sich die beiden Gegenstände kreuzen. Dann besteht meistens Chaos. Nur bei dem Spielleiter nicht, er muss sich nur merken, in welche Richtung er Tic und Toc geschickt hat.

 

 

 

Partner Fangen mit Seil

 

 

Art der Übung:

Warming- up- Spiele   

Zielgruppe:

Kinder/Jugendliche/Erwachsene

Gruppengröße:

ab 8 Personen

Dauer:

5-10 min

Material:

Seilstücke oder Reepschnur ca. 2-2,5m lang

 

Aufgabe:

•  Paare bilden, Paar hält ein Seilstück zwischen sich

•  Nun wird ein „Fängerpaar“ bestimmt 

•  Das Fängerpaar muss freies Paar bez. Eine Person vom Paar einfangen

•  Rollentausch (Fänger- Freies Paar)

 

Beachte: 

Freie Paare müssen ständig beobachten, wer Fängerpaar ist. Die Seile der freien Paare  sollten immer gespannt sein.

 

Variante:

•  Die „Gefangenen“ werden zum „Fängerpaar“

•  Fangen, bis kein Paar mehr übrig ist

•  gefangene Paare müssen sich am „Fängerpaar“ 

 

 

 

Wahrnehmungsspiele

 

 

 

Barfußlabyrinth

 

 

Art der Übung:

Wahrnehmungsübung

Zielgruppe:

Jugendliche und Erwachsene

Gruppengröße:

10-15 Personen

Dauer:

30-60 min

Gefahren:

Gelände muss sorgfältig ausgesucht und auf Gefahren wie Glasscherben u.Ä. abgesucht werden.

Material:

Seile in unterschiedlicher Länge, evtl. Schnur, um gelegte Seile locker miteinander zu verbinden, Augenbinden.

 

Aufbau:

Mit den Seilen werden auf dem Boden unterschiedliche Wege, die sich immer wieder kreuzen labyrintharitig ausgelegt. Es werden Sackgassen und Ausgänge Markiert.

 

Instruktion:

Ich möchte euch heute einladen, einmal ein Stück Lebensweg ganz bewusst  zu gehen. Jeder von euch hat einen ganz individuellen Weg schon  zurückgelegt und wird ihn noch zurücklegen. Ein einmaliger Weg, der sicherlich von vielen Entscheidungen, ob groß oder klein, geprägt ist und sein wird. Ein Leben erinnert einen oft an ein Labyrinth, das an vielen Kreuzungen und Sackgassen führt. Für euch ist nun ein solches Labyrinth, das stellvertretend  für ein Stück Weg in eurem Leben steht. Ein Barfusslabyrinth, das erspürt werden muss. Es steht euch soviel Zeit, wie ihr nötig habt, zur Verfügung.

 

Lernimpulse:

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten. Gerade in einer Multioptionsgesellschaft- viele Möglichkeiten- Fragen: nach welchen Kriterien, ist es möglich Entscheidungen zu treffen?Gibt es falsch und richtig? Ist unser Weg von Gott Vorherbestimmt?-  etc.pp. Gott macht uns ein Angebot, einen Weg mit ihm zu gehen und Entscheidungen mit ihm zu Treffen. Diese Zusage Gottes bedeutet nicht, dass unsere Wege mit ihm vorgezeichnet und unveränderbar sind. Sondern vielmehr ist es Gottes Wille für uns Menschen, dass wir mit ihm gehen  und damit Freiheit in allen Dingen erleben. So ist es uns möglich, in aller Freiheit unseren Leben  Entscheidungen zu treffen (1. Thessalonicher 5,18). Gottes Wille für uns Menschen bedeutetet frei sein von gesellschaftlichen Zwängen und den Entscheidungen einer Multioptionsgesellschaft (Galater 5,1). Gehen wir diesen