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Patrick Winkler

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

„Wir fahren alle in einem Boot und legen eine Flussstrecke gemeinsam zurück, wir arbeiten und spielen zusammen, lernen unsere Umwelt besser kennen, haben Spaß und kommen gemeinsam vorwärts.“

 

Erlebnispädagogisches Projekt von Patrick Winkler

 

Ferienfreizeit Kanu der KJP 29. bis 31. August 2006

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

1.    Vorstellung der Einrichtung

 

2.    Erlebnispädagogisches Konzept 

2.1. pädagogischer Hintergrund/Idee  

2.2. allgemeine Zielsetzung

2.3. Art der Unternehmung

 

3.    Zielgruppe   

3.1. Gruppenzusammensetzung

3.2. Beschreibung der Teilnehmer/innen

 

4.    Projektverlauf   

4.1. Vorbereitung der Planung und Planungsphasen

4.2. Geplanter Projektverlauf

4.3. Tatsächlicher Projektverlauf

4.4. Abschluss

 

5.    Nachbereitung   

5.1. Veränderungen bei den beteiligten Kindern

5.2. Reaktionen in der Einrichtung

 

6.    Reflexion 

6.1. Besondere Erlebnisse

6.2. Erkenntnisse/Erfahrungen

 

7.    Öffentlichkeitsarbeit  

 

8.    Literaturverzeichnis   

 

9.    Anhang    

 

 

 

1.  Vorstellung der Einrichtung

 

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) werden Kinder und Jugendliche betreut, die dem Vorschul- und Schulalter zugerechnet werden können. Die Altersspanne reicht grundsätzlich vom 5. bis zum 18. Lebensjahr. Die Patienten der Kinderstation, in der ich tätig bin, sind in der Regel zwischen 6 und 12 Jahre alt. Eingeleitet wird die Aufnahme von der Ambulanz der KJP. Eine wesentliche Grundvoraussetzung dieser auf Freiwilligkeit beruhenden Behandlung stellt dabei die Motivation der Familie zur Mitarbeit dar. Im Vordergrund steht der Aspekt der Behandlung und durch diesen therapeutischen Anspruch erfolgt auch die Abgrenzung zu pädagogischen und pflegerischen Einrichtungen.

 

Gründe für die stationäre Aufnahme sind in der Regel erhebliche Schwierigkeiten in der Familie und/oder  Schule. Dabei können die Ursachen in Entwicklungsstörungen liegen, die sich auf einzelnen Funktionen z.B. Sprache beziehen oder kombiniert auftreten. Auch im Bereich schulischer Fertigkeiten können Teilleistungsschwächen z.B. Lese- und Rechtschreibstörung vorkommen und wesentliche Beeinträchtigungen mit sich bringen.

 

Insgesamt stehen aber Schwierigkeiten im Bereich von Verhalten und Emotionen im Mittelpunkt. Die möglichen Erscheinungsformen sind hier vielseitig und zahlreich, sie reichen von Angststörungen bis hin zu einer Symptomatik mit Enuresis (Einnässen) oder Enkopresis (Einkoten). Eine zentrale Rolle spielen Störungen des sozialen Verhaltens bzw. Störungen im Bereich sozialer Bindungen. Eine Beeinträchtigung sozialer Funktionen kann dabei in verschiedensten Ausprägungen vorliegen. Beispiele wären Mutismus (Stimm- und Sprachlosigkeit bei grundsätzlicher bestehender Sprechfähigkeit) oder - scheinbar gegensätzlich – Bindungsstörungen mit Distanzlosigkeit und Enthemmung. Darüber hinaus sind hyperkinetische Störungen, die bei über 50 % unserer Patienten auftreten, zu nennen. Abschließend lassen sich hirnorganische Beeinträchtigungen und neurologische Defizite als Gründe für eine Behandlung in der KJP nennen.

 

Diese Auflistung stellt den Versuch einer groben Klassifikation dar, die einen Überblick über die Störungsbilder der Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie ermöglichen soll. Die auf den Einzelfall abgestimmte Diagnostik geht über diese Kategorisierung weit hinaus.

 

Die Behandlung auf meiner Station wird durch ein Team aus verschiedenen Berufsgruppen gewährleistet. Hier arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erziehungs- und Pflegedienstes (Heilerziehungspfleger/-innen, Kinderkrankenschwestern, Erzieher/-innen) gemeinsam mit Fachkräften aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Sozialpädagogik, Ergotherapie, Motopädie und Musiktherapie. Die Station verfügt über neun stationäre Behandlungsplätze. Im Durchschnitt sind die Kinder zwischen 6 Wochen und mehreren Monaten bei uns in Behandlung.

 

Zu meinem Aufgabenspektrum gehört u.a. der Aufbau von angemessenen Kontaktverhalten, Förderung der Beziehungsfähigkeit zu Gleichaltrigen und Erwachsenen, Hilfestellung im Lebenspraktischen Bereich und der Selbständigkeit, Unterstützung bei Konflikten bzw. Erarbeiten von adäquaten Konfliktlösungen, Unterstützung bei der Freizeitgestaltung etc. Diese Arbeit erfolgt im Bezugspersonensystem. Die Basis für alle Zielsetzungen und Maßnahmen bildet immer Achtung und Wertschätzung, Verständnis und Toleranz.

 

 

 

2. Erlebnispädagogisches Konzept

 

2.1. pädagogischer Hintergrund/Idee

 

Das Projekt fand im Rahmen der Feriengestaltung der Station statt. Aus diesem Grund wurden auch drei Tage geplant, um den Kindern ein intensives Ferienerlebnis (Abenteuer) zu vermitteln. Die Idee, eine Kanutour zu organisieren entstand daraus, dass sich zu diesem Zeitpunkt Kinder auf der Station befanden, die sich von ihrem Krankheitsbild, der körperlichen Konstitution und von den sozialen Defiziten her, für diese erlebnispädagogische Maßnahme eigneten und für die Idee auch zu begeistern waren. Zum anderen spielt es natürlich auch eine Rolle, dass ich selbst sehr gern Kanu fahre und bereits über entsprechende Erfahrungen verfüge, die ich mir in dem Lehrgang Kanu & Floß am KAP-Institut erwarb. Des weiterem ist das Kanu ein ideales Fortbewegungsmittel, um den Kindern sowohl soziale Kompetenzen, wie Erleben von Gemeinschaft, Entwicklung von Teamfähigkeit etc. als auch sportliche Betätigung und Naturerlebnisse zu vermitteln.

 

Nach intensiver Diskussion und Besprechung im Team, wo ich das Projekt in Form eines Grobkonzeptes vorstellte, konnten anfängliche Bedenken, (bisher wurden noch keine Kanutouren durchgeführt) geklärt und aus dem Weg geräumt werden. Maßgebend für diese Entscheidung war, dass die Umgebung von xy für Kanufahrten  ideale Bedingungen bietet und geeignete Gewässer mit einfacher Streckenführung zur Verfügung stehen. Des weiterem spielte aber auch die Nähe zur KJP eine wichtige Rolle, da bei Kindern mit psychiatrischen Erkrankungen sehr schnell mit Überforderung bzw. einer Verschlechterung ihres Krankheitsbildes gerechnet werden muss. Eine schnelle Hilfe im Notfall wäre somit jederzeit sofort gewährleistet.

 

Eine Mitarbeiterin, die ebenfalls schon Erfahrungen mit dieser Sportart hatte, erklärte sich bereit, mich bei der Kanutour zu unterstützen und als Begleitperson mitzufahren.

 

Bei der Auswahl der Teilnehmer entschieden wir uns im Team für drei Jungen, die vom Krankheitsbild zwar unterschiedlich waren, jedoch starke Verhaltensauffälligkeiten im sozialen Kompetenzbereich zeigten.

 

 

2.2. Allgemeine Zielsetzung

 

Für die Teilnehmer wurden folgende allgemeine Ziele entwickelt:

•  Verbesserung bzw. Aufbau von Sozialverhalten durch Entwicklung von Gruppengefühl,

•  Lernen Verantwortung für die Gruppe und das eigene Handeln zu übernehmen,

•  Aufbau von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten,

•  das Erfahren eigener Grenzen sowie

•  Erhöhung und Entwicklung von Selbständigkeit, Lebenspraxis und Identitätsbewusstsein.

 

Darüber hinaus bildete die Umwelterziehung einen wichtigen Aspekt. Naturerlebnisse sind vor allem für Kinder grundlegende Erfahrungsbereiche, die maßgeblich zu einer positiven Entwicklung beitragen. Unsere Zielsetzung sahen wir hierbei auf folgenden Schwerpunkten:

•  die Natur mit allen Sinnen bewusst erleben und kennen lernen,

•  Kreativität in der Natur entwickeln,

•  die Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit gegenüber der Natur und dem Medium Wasser sowie

•  insgesamt die Sensibilisierung der Kinder für ihre Umwelt.

 

Deshalb gehörten auch Erkundungen durch Wiesen und Wälder sowie der Besuch einer Ritterburg zu unserem Programm.

 

Für uns als Betreuer war wichtig, die bereits vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder im Rahmen einer erlebnispädagogischen Maßnahme, d.h. in einem grob strukturierten Rahmen zu erleben und eventuelle Defizite aber auch Fortschritte zu beobachten und gezielt zu fördern. Diese Beobachtungen sollten, sofern möglich, im Anschluss an die Maßnahme in die weitere stationäre Behandlung einfließen.

 

 

2.3. Art der Unternehmung

 

Die Tour, Flusswandern auf der Naab in Kanus, wurde für 3 Tage geplant und fand im Rahmen einer Ferienfreizeit statt. Die Teilnehmer waren Kinder im Alter zwischen 9 und 12. Jahren und gleichzeitig Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die einzelnen Etappen führten von Katzdorf bei Schwandorf bis Teublitz, von Teublitz nach Kallmünz und von Kallmünz nach Regensburg bis zur Anlegestelle des Rudervereins. Bei dem gesamten Projekt stand zwar das Kanu fahren im Mittelpunkt, jedoch wurden sowohl Sport und Spiel, Naturerlebnisse sowie kleine Wanderungen mit eingeplant.

 

 

 

3. Zielgruppe

 

3.1. Gruppenzusammensetzung

 

Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl der Teilnehmer war für uns, verantworten zu können, dass die Teilnehmer den körperlichen, technischen und sozialen Anforderungen, die im Zusammenhang mit dem Boot und der Gesamtgruppe stehen, weitestgehend gerecht werden.

 

Die Gruppe bestand aus drei Jungs im Alter von 9, 10 und 12 Jahren, die sich bereits seit einiger Zeit in stationärer Behandlung in der KJP befanden und sich kannten. Engere soziale Beziehungen bzw. Freundschaften bestanden zwischen den Teilnehmern vorher nicht, jedoch akzeptierten sie sich gegenseitig. Zum anderen waren alle drei für das Projekt zu begeistern, sie konnten schwimmen und erfüllten die körperlichen bzw. gesundheitlichen Vorraussetzungen.

 

 

3.2. Beschreibung der Teilnehmer

 

Bei den drei Teilnehmern bestehen folgende Diagnosen und Verhaltensauffälligkeiten:

 

Teilnehmer M.:

 

12 Jahre alt, sportliche Figur, spielt gern Fußball, treibt gern Sport

Grund der stationären Aufnahme:

Angststörungen/Trennungsangst, hat Angst im Dunklen, soziale Auffälligkeiten (gestörte Beziehungsgestaltung zu Gleichaltrigen)

M. ist ein aufgeweckter Junge mit altersentsprechenden Fähigkeiten, gute Umgangsformen, sucht Kontakt vorrangig zu Erwachsenen. Er kommt aus einem sozial gefestigtem Elternhaus.

Seine Interessen liegen im sportlichen Bereich, wo er  sich nicht nur für Fußball sondern auch Einzelsportarten (Leichtathletik) interessiert.
Sein Intelligenzquotient liegt im oberen Normbereich.

 

Ziele für das Projekt:

•  Förderung von Teamfähigkeit (sich als wichtiges Mitglied der Gruppe erleben)
•  Förderung von Selbständigkeit und Selbstvertrauen
•  Lernen Verantwortung zu übernehmen
•  Natur erfahren mit allen Sinnen

 

 

Teilnehmer Da.:


  
10 Jahre, drahtige, sehnige Statur, ständiger Bewegungsdrang

Grund der stationären Aufnahme:

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätssyndrom) mit daraus resultierender Störung des Sozialverhaltens. Wird mit Dauermedikation behandelt.

Da. ist ein vielseitig interessierter Junge, der aber aufgrund seiner Erkrankung wenig Durchhaltevermögen besitzt. Im Kontakt mit Gleichaltrigen kommt es aufgrund seiner Impulsivität und des ständigen Bewegungsdrangs vermehrt zu Konflikten, teils auch körperlichen Auseinandersetzungen. Auch im Kontakt mit Erwachsenen ist er oft überschießend und testet seine Grenzen aus. Im Umgang mit Da. ist es wichtig, dass mit ihm stets konsequent gearbeitet wird und er dadurch positive Verstärkung erfährt. Dies muss mit ihm aber immer wieder reflektiert werden.

Da. lebt bei seinem Vater, der das alleinige Sorgerecht hat. Zur Mutter besteht ein unregelmäßiger Kontakt.

Sein IQ liegt im Normbereich.

 

Ziele für das Projekt:

•  Förderung der Teamfähigkeit (sich als Gruppenmitglied erleben)
•  Lernen Verantwortung zu übernehmen
•  Lernen sich an Absprachen und Regeln zu halten
•  Lernen den starken Bewegungsdrang gezielt und angemessen einzusetzen
•  Natur erleben und kennen lernen

 

 

Teilnehmer: Do.:

 

9 Jahre alt, von schmächtiger Statur

Grund der stationären Aufnahme:

autistische Züge, fragliches Asperger-Syndrom (abgeschwächte Form von Autismus) und ADHS

Do. ist ein aufgeweckter Junge, zu dem es aber schwierig ist, aufgrund des Krankheitsbildes festen Kontakt aufzubauen. Alles was er tut und sieht muss er kommentieren, kann dabei aber die emotionalen Stimmungen anderer schlecht wahrnehmen. Er nimmt sein Umfeld eingeschränkt bzw. interessenorientiert auf (z.B. er beobachtet stundenlang Leuchtmittel aller Art).

Bei Do. besteht eine Lernbehinderung. Seine IQ liegt unterhalb des Normbereiches.

Do. kommt aus einem intakten Elternhaus.

 

Ziele für das Projekt:

•  sich als Mitglied einer Gruppe bewusst zu erleben
•  Spaß und Freude an der Natur und dem Wasser haben
•  Förderung der Wahrnehmung bezogen auf andere Personen
•  ein besonderes Erlebnis haben

 

 

 

4. Projektverlauf

 

4.1. Vorbereitung

 

1. Phase Projektidee:

 

Ende Juni 2006 habe ich ein Grobkonzept zur Planung des Kanuprojektes erarbeitet.  Als erstes überlegte ich mir eine allgemeine Zielsstellung, da die Kinder sich ja in den Sommerferien in der KJP aufhielten. So lautete dann auch unser Grobziel:

 

„Wir fahren alle in einem Boot und legen eine Flussstrecke gemeinsam zurück, wir arbeiten und spielen zusammen, lernen unsere Umwelt besser kennen, haben Spaß und kommen gemeinsam vorwärts“

 

 

2. Phase Vorstellen des Projektes im Team:

 

Bereits im Vorfeld habe ich mir im Team Verbündete gesucht, die meine Idee gut fanden und mich bei der Vorstellung dieses Konzeptes in einer Gesamtteambesprechung, die am 03.07.06 stattfand, unterstützten. Gemeinsam haben wir mit der Pflegedienstleitung über das Pro und Kontra der Maßnahme diskutiert, da Kanutouren bisher nicht im Rahmen erlebnispädagogischer Maßnahmen durchgeführt wurden.  Dabei wurden auch Fragen der Sicherheit der Maßnahme besprochen. Die Teilnehmerzahl wurde auf 3 Kinder und 2 Begleiter festgelegt, ebenfalls war Bedingung, dass alle 3 Kinder das Schwimmen gut und ausdauernd beherrschen und auch der soziale Aspekt innerhalb der Gruppe stimmig ist.

 

Letztlich konnte ich die Pflegedienstleiterin von meinen Qualifikationen in diesem Bereich und des positiven Verlaufs früherer durch mich durchgeführter Maßnahmen (Fahrradtour, Höhlenausflug etc.) davon überzeugen, das Projekt zu wagen. Ab sofort habe ich regelmäßig über den Stand der Vorbereitungen im Team berichtet. In Absprache mit den jeweils zuständigen Ärzten und Psychologen wurde auch die Vorbereitung der Teilnehmer besprochen. Wir einigten uns darauf, dass die Kinder erstmal durch verschiedene Übungen und auch einem Sicherheitstraining, was in spielerischer Form erfolgen sollte getestet werden und geprüft wird, ob die Kinder auch physisch in der Lage sind, den Anforderungen gerecht zu werden.

 

Sehr angenehm war, dass mir eine finanzielle Unterstützung, ohne jegliche Einschränkungen zugesagt wurde, was in dieser Hinsicht die Planung sehr vereinfachte.

 

Bereits im Vorfeld dieser Teambesprechung hatte sich eine Kollegin bereiterklärt, mich bei diesem Projekt zu unterstützen. Nachdem die Durchführung der Maßnahme im Team beschlossen war und auch von Seiten der Pflegedienstleitung die Genehmigung erfolgte, begann die intensive Vorbereitungsphase.

 

 

3. Phase Planung des Projektortes:

 

Ich informierte mich über einen geeigneten, ruhig fließenden Fluss mit einer einfachen Streckenführung, um die Kinder nicht zu überfordern und das Sicherheitsrisiko so gering wie möglich zu halten. Ich entschied mich für den ruhigen Wanderfluss Naab, der ohne fahrtechnische Schwierigkeiten bewältigt werden kann und den ich bereits von eigenen Flusstouren her kenne. Wichtig war für mich auch, dass sich an den Ufern der Naab genügend Möglichkeiten für Spaß, Spiel und Sport bieten, das Essen bzw. Zelten mit Lagerfeuer möglich ist und sanitäre Einrichtungen auf den Übernachtungsplätzen zur Verfügung stehen. In meiner Freizeit fuhr ich die einzelnen Campingplätze an und machte mir selbst ein Bild über die örtlichen Gegebenheiten und vor allem ob die Plätze kinderfreundlich (Spiel- und Tobeplätze etc.) sind.

 

 

3. Phase Vorbereitung der Teilnehmer:

 

Da ich von Anfang an die Unterstützung unseres Stationsteams hatte, haben wir gemeinsam überlegt, wie wir die Teilnehmer optimal auf die Kanutour vorbereiten können und ein Handlungskonzept erarbeitet. Gleichzeitig wurden auch die nötigen Sicherheitsmaßnahmen sowie ein Notfallplan besprochen. (siehe Anhang) Als Notfallwegweiser stellte ich die mir zur Verfügung gestellte Pocketcard Erste Hilfe outdoor im Team vor, die wir mit den wichtigsten Telefonnummern der KJP noch ergänzten. Es wurde durch mich eine Checkliste für erlebnispädagogische Maßnahmen erarbeitet, die auch für weitere Mehrtagesausflüge genutzt wird.

 

Bei der Vorbereitung war für mich besonders wichtig, die Kinder spielerisch an das Medium Wasser heranzuführen und sie gleichzeitig mit den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen vertraut zu machen. Sie sollten nicht nur wissen, dass Wasser nass und unter Umständen auch kalt sein kann, sondern auch die Gefahren kennen lernen und davor einen gesunden Respekt entwickeln.

 

Dies sollte aber wie gesagt in spielerischer Form und gewohnter Atmosphäre stattfinden, damit die Kinder keine unnötigen Ängste aufbauen. So besuchten wir u.a. mehrfach Naturbäder und Schwimmhallen, um die Schwimmfähigkeiten, die Ausdauer und Belastbarkeit der Kinder zu testen. Alle 3 Kinder beherrschten das Schwimmen recht gut. Außerdem übten wir den Umgang und das richtige Anlegen der Schwimmwesten, sowie das Schwimmen mit Kleidung im hauseigenen Schwimmbad. In spielerischer Form, d.h. mit Spaß und ohne Angst haben wir am „Roither Weiher“ auch das Herausfallen aus dem Boot (aufblasbares Kajak) geübt, in dem sich auch andere Utensilien befanden, die gemeinsam wieder geborgen werden mussten. Gleichzeitig wurden erste Paddelübungen durchgeführt.

 

Mit unserer Musiktherapeutin, die aktives Mitglied im Ruderverein  ist, organisierte ich einen Ausflug zum Ruderverein Regensburg. Dort lernten die Kinder den ordnungsgemäßen Einstieg und das Verhalten im Boot unter fachkundiger Anleitung. Dabei wurde auch das Balance halten geübt. Durch Übungen, was passiert wenn sich einer nach einem Gegenstand bückt oder spontan aufsteht, erlebten die Kinder wie wacklig ein Boot sein kann und sie lernten das labile Gleichgewicht des Bootes durch richtige Bewegungen wieder auszugleichen.

 

Nach dem erfolgreichen Absolvieren des „Trockentrainings“ durften alle drei anschließend mit uns im Ruderboot eine kurze Strecke auf der Donau fahren. Hier erfuhren und erlebten sie Wissenswertes über die Fließgeschwindigkeit, über Strömungen und dem angemessenen Verhalten im Boot. Wichtig war es uns dabei, dass die Kinder erkennen, dass sie sich nur ein paar Zentimeter über der Wasseroberfläche befinden (Respekt entwickeln) und dass ein Ruderboot bei unsachgemäßen Bewegungen ganz schnell kentern kann.  Es wurde aber auch erklärt, dass ein Ruderboot viel empfindlicher und sensibler reagiert, als ein Kanu, was wir uns im Ruderverein ebenfalls angeschaut haben. Den Kindern haben diese Ausflüge sowie auch die Sicherheitsübungen sehr viel Spaß bereitet und die Vorfreude auf  unsere Tour geweckt. Nachdem für mich erkennbar war, dass die Kinder für die Kanutour die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen, erfolgten die Routenplanung und die Organisation des Projektes.

 

 

4. Phase Elternarbeit:

 

Als erstes wurde von meiner Kollegin Ende Juli ein Elternbrief mit Materialliste der benötigten Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände erarbeitet, mit dem diese über das geplante Vorhaben informiert wurden. Des weiterem fand mit allen Eltern ein Informationsgespräch statt, wo ihnen das Projekt und die Ziele des Vorhabens erläutert wurden. Durch diese Form der Information konnten sofort alle Fragen und geäußerten Bedenken besprochen und geklärt werden. Die Eltern waren alle sofort begeistert von diesem Projekt und fanden es sehr gut, dass wir gerade  in den Ferien mit ihren Kindern einen längeren Ausflug durchführen. Eine Einverständniserklärung  wurde von mir vorbereitet, jedoch wurde mir die Weitergabe an die Eltern von der Pflegedienstleitung untersagt, da diese Maßnahme im Rahmen der therapeutischen Behandlung der Kinder stattfindet. Der Versicherungsschutz erfolgt sowohl für die Kinder als auch für uns als Mitarbeiter, über die KJP.

 

 

5. Phase detaillierte Planung der Organisation und der Finanzen:

 

Danach habe ich mich sehr sorgfältig mit der Auswahl der Route beschäftigt. Dazu informierte ich mich im Internet und beim Tourismusverband Ostbayern – Oberpfälzer Wald. Durch die gewonnenen Informationen entschied ich mich für eine 3-Tagestour auf der Naab von Katzdorf bis Regensburg. Um die Route detailliert planen zu können, habe ich Anfang August gemeinsam mit meiner Freundin diese Strecke abgefahren, was wir locker in 1 ½ Tagen schafften. Dies diente dazu, um eine zeitliche Planung für das Paddeln mit Kindern vornehmen zu können und zum anderen wollte ich mich über mögliche Gefahrenstellen sowie über die sich auf der Strecke befindenden Wehre informieren, damit das Umsetzen der Boote für die Teilnehmer nicht zu schwer wird. Wie bereits beschrieben, ist die Naab aufgrund ihrer ruhigen Fließgeschwindigkeit für Anfänger gut geeignet. Gleichzeitig wurden Übernachtungsmöglichkeiten (Zeltplätze) vor Ort in Teublitz und in Kallmünz gebucht sowie Informationen über Einkaufsmöglichkeiten abgeklärt (Selbstverpflegung).

 

Als nächstes habe ich  mich  mit dem Kanuverleih Platzeck „Nautilus“ in Niedertraubling persönlich in Verbindung gesetzt, mein Vorhaben erläutert, mir vor allem die Kinderschwimmwesten und Boote zeigen lassen und anschließend einen Auftrag über folgende Materialien erteilt:

 

2 Dreierkanadier, 5 Paddel, einen Bootswagen, 5 Packsäcke, 5 Schwimmwesten davon 3 spezielle Kinderschwimmwesten, 2 Wurfsäcke, Schöpfkelle, Schwämme, eine wasserdichte Tonne, Abspannseile sowie eine Kette mit Zahlenschloss. Des weiterem wurde das Bringen und Holen der Boote terminlich vereinbart. Dies erfolgte schriftlich bzw. per E-Mail.

 

Bei der finanziellen Planung des Projektes gab es keinerlei Schwierigkeiten, da ich dabei freie Hand hatte bzw. mir kein Kostenrahmen auferlegt wurde. Das heißt, ich konnte alles so planen und buchen, wie es meinen Vorstellungen entsprach. Zum Abschluss der Planung genügte die Vorlage einer Rechnungsaufstellung über die Gesamtkosten, ohne genauer auf die einzelnen Positionen eingehen zu müssen.

 

Als letztes wurde rechtzeitig beim hauseigenen Fahrdienst ein Kleinbus bestellt, der uns und unser Gepäck zur Einsetzstelle nach Katzdorf brachte. 14 Tage vor Beginn der Tour wurden durch mich und meine Kollegin die Zelte sowie weitere benötigte Materialien auf ihren ordnungsgemäßen Zustand kontrolliert. Ebenfalls habe ich das Gepäck der Kinder kurz vor Abfahrt noch mal auf Vollständigkeit überprüft und den Notfallkoffer gepackt (verordnete Medikation, 1. Hilfe-Notfallapoheke, Kurven etc.)

 

Meine Kollegin hat mich in allen Phasen der Vorbereitung aktiv unterstützt und auch Teilaufgaben übernommen, jedoch habe ich als Leiter der Maßnahme, vieles selbst in die Hand genommen. Dies war mir wichtig, da ich auf unserer Station mit diesem Projekt Neuland beschritten habe.

 

 

4.2. Geplanter Projektverlauf

 

Meine Kollegin und ich waren uns von Anfang an darin einig, dass dieses Projekt neben dem beabsichtigten erlebnispädagogischen Effekt, in erster Linie ein besonderes Ferienerlebnis für die Kinder werden soll. Das Befahren des Flusses mit dem Kanu stand zwar im Mittelpunkt der Aktivitäten, jedoch sollten Sport, Spiel, Spaß, das aktive Erleben der Natur und auch Erholung und Entspannung  nicht zu kurz kommen.

 

Deshalb wurde auch nur eine Grobplanung der Tagesabläufe entwickelt, in denen die Flusstouren zeitlich sehr großzügig geplant wurden. Zum einen wollten wir genügend Luft für auftretende Eventualitäten haben, wie z.B. vorzeitiges Ermüden, Frustrationsverhalten, Streit in der Gruppe etc, um darauf mit Abwechslungen des Tagesverlaufs, wie Pausen, Spielen oder auch Erholen reagieren zu können. Zeitlich festgelegt waren deshalb die Abfahrts- und Ankunftszeiten an den Zielorten sowie die Einhaltung der Essenszeiten (ärztlich verordnete Einnahme der Medikamente) und der Nachtruhe.

 

 

Die Tagesetappen wurden wie folgt geplant:

 

1.Tag 29.08.06

 

•  10.30 Uhr Einstimmung auf unsere Erlebnistour auf der Station der KJP

•  11.00 Uhr Fahrt durch den hauseigenen Fahrdienst nach Katzdorf

•  11.30 Uhr Übergabe der Boote durch Fa. „Nautilus“ und anschl. Einsetzen der Boote

•  nochmaliges Besprechen der Verhaltensregeln

•  Kennen lernen des Mediums Wasser und Erklärungen zur Paddeltechnik sowie des Umgangs mit dem Kanu

•  Fahrt mit dem Kanu von Katzdorf nach Teublitz-Saltendorf  (Flussstrecke ca. 7 km)

•  Wehr Münchhofen – Umtragen der Boote

•  Spiele auf dem Wasser zur Förderung der Wahrnehmung („Lautloser Kampf“)
•  Aufbau der Zelte auf der Clubwiese des Kanuvereins Städtedreieck

•  ca. 16.00 Uhr Einkaufen von Nahrungsmitteln in Teublitz

•  Freizeit (Spiele, Tagebuchschreiben etc.)

•  gemeinsame Zubereitung des Abendessen

•  Einnahme des Essens im Vereinshaus des Kanuclubs Städtedreieck

•  Übernachtung im Zelt (Nachtruhe um 21.00 Uhr)

 

 

2. Tag 30.08.2006

 

•  7.00 Uhr Aufstehen

•  7.30 Uhr Frühstück auf dem Zeltplatz und Herrichten von Brotzeiten

•  Zusammenpacken und Warming Up „Mist, Mist, Mist“

•  Organisation unserer Zelte und Ausrüstungsgegenständen zum nächsten Campingplatz

•  9.30 Uhr Einsetzen und Kanufahrt bis nach Kallmünz (ca. 12 km)

•  12.00 Uhr Rast mit Brotzeit beim Wiesenwehr, dort „Landart“

•  ca. 17.00 Uhr Ankunft in Kallmünz Campingplatz „Zaar“

•  Einkaufen fürs Abendessen mit Einkaufstraining

•  Wanderung auf die Ritterburg Kallmünz; Rollenspiel „Zeitreise“

•  Lagerfeuer mit Grillen am Zeltplatz Zaar

•  21.00 Uhr Übernachtung im Zelt

 

 

3. Tag 31.08.2006

 

•  7.00 Uhr Aufstehen

•  7.30 Uhr Frühstück auf dem Zeltplatz

•  Zusammenpacken

•  Warming Up „Stabreise“ o.ä.

•  8.30 Uhr – 9.00 Uhr Einsetzen der Boote

•  ca. 12.00 Uhr Ankunft in Pielenhofen mit Mittagessen in der „Schlosswirtschaft“ mit kleiner Abschlussreflexion

•  Baden/ Spiele auf dem Fluss

•  ca. 17.00 Uhr Ankunft in Regensburg/Ruderclub

 

Für alle 3 Tage stand uns an jedem Campingplatz ein PKW zur Verfügung, den wir von Campingplatz zu Campingplatz gefahren haben. Ebenso wurden verschiedene Naturerfahrungen (z.B. Fischequiz) und Spiele im Boot spontan mit eingeplant.Dies richtete sich nach der Befindlichkeit der Kinder und der jeweiligen Örtlichkeit.

 

Die zu erledigenden Aufgaben (Essen herrichten, einkaufen, aufräumen etc.) wurden immer gerecht verteilt und dem Können und Stand des jeweiligen Kindes angepasst. Des weiterem war eine Überraschung eingeplant, auf die ich später noch eingehen werde.

 

 

4.3. Tatsächlicher Projektverlauf

 

1. Tag

 

Das Projekt startete wie geplant um 11.00 Uhr und wir erreichten pünktlich unsere Einsetzstelle in Katzdorf. Die Boote und das Zubehör wurden mir zwar nicht persönlich übergeben, jedoch fand ich alles in ordnungsgemäßem Zustand vor. Nach dem Einsetzen der Boote fand das Paddeltraining statt. Dazu saß ein Kind allein im Kanu und ich im zweiten. Von dort erklärte ich die Grundschläge und das Kind hatte die Möglichkeit sämtliche Reaktionen des Kanus auf seine Paddelschläge wahr zu nehmen und zu spüren. Meine Kollegin und ich konnten dabei auch beobachten, welches Kind bereits recht geschickt in der Handhabung ist und welches weniger. M. und Da. verstanden die Erklärungen recht schnell und konnten die Schläge gut umsetzen. Nur der Jüngste Do. hatte deutliche Probleme mit der Paddelhaltung und der Kraftdosierung. Wir legten deshalb fest, dass er im Dreierboot in der Mittelposition mitfährt, da dort die geringsten Anforderungen bestehen. Ebenso wurden nochmals die Verhaltensregeln am und auf dem Fluss (Umweltschutz) sowie im Boot (keine unüberlegten Bewegungen oder gar Aufstehen etc.) besprochen. Die geübten Paddelschläge wurden bis zum Erreichen des Wehrs in Münchhofen kräftig geübt. Kurz vor Erreichen des Wehrs wurden die Kinder nochmals an die abgesprochenen Sicherheitsmaßnahmen, hier vor allem beim Aussteigen an der richtigen Seite, das Umtragen des Bootes und beim Wiedereinsetzen ins Wasser erinnert. Es zeigte sich, dass sich die Kinder sehr gut an die nötigen Vorschriften hielten und sich untereinander absprachen.

 

Die Gegebenheiten der Naab eigneten sich nach dem Wehr hervorragend für unser erstes Spiel. Wir banden die beiden Boote zu einem Katamaran zusammen und nutzten dies für das Spiel „Lautloser Kampf“, was in abgewandelter Form und auf das Boot bezogen, gespielt wurde. In Interaktion mit den Kindern haben wir dazu eine Geschichte erfunden, die dazu inspirierte dem Spiel den Namen „griechischer Kampf“ zu geben. Die Teilnehmer wollten gar nicht mehr aufhören und mussten daran erinnert werden, dass noch mehr Abenteuer auf uns warten. Die Strecke bis nach Teublitz legten wir in relativ kurzer Zeit zurück, so dass wir vor dem Anlegen noch Zeit für ein weiteres Spiel hatten. Alle verfügten noch über genügend Kraft und gute Laune, so dass wir ein Bootziehen veranstalteten. Dies funktioniert wie Tauziehen, nur das die gegnerischen Mannschaften in den Kanus sitzen. Dazu diente uns der Wurfsack als Seil. Sieger ist der, der als erstes das gegnerische Boot in die Mitte der Naab ziehen konnte. Um 16.00 Uhr gingen wir beim Kanuclub Städtedreieck an Land. Nach ausgiebiger Pause mit Speis und Trank begannen wir mit dem Zeltaufbau. Die Kinder waren zu diesem Zeitpunkt immer noch gut motiviert und aufnahmefähig, so dass es ihnen in kurzer Zeit gelang, ihr Zelt selbständig aufzubauen.

 

Darüber waren sie sehr stolz und freuten sich über unser Lob. Nun erhielten die Kinder die Möglichkeit ihr Reisetagebuch zu schreiben und sich auszuruhen. Nach ca. 20 Minuten waren alle drei wieder fit und wollten Neues erleben. Wir stimmten sie mit einem Körperwahrnehmungsspiel (Menschenpyramide) auf den weiteren Abend ein. Der Einkauf unseres  Abendessens stand als nächstes an. Die Kinder durften entscheiden, was gekocht wird und entschieden sich für Spaghetti, was wir anschließend gemeinsam im Clubhaus zubereiteten. Danach wurde noch etwas gekniffelt, bis dem Jüngsten die Augen zufielen. Von M., der im Dunkeln Ängste hat, kam der Vorschlag, dass alle Kinder gemeinsam auf die Toilette gehen, falls in der Nacht noch mal jemand raus muss. Der Vorschlag wurde von den Kindern einstimmig angenommen und uns unterbreitet. Wir lobten den Vorschlag, boten aber an, uns Bescheid zu geben damit wir mitgehen können. Generell hatte zur Sicherheit jedes Kind eine Stirnlampe bei sich.

 

Die Nachtruhe begann an diesem ersten Tag ausnahmsweise erst um 22.00 Uhr, da die Kinder von den Erlebnissen des Tages noch sehr aufgeregt waren und viel zu erzählen hatten.

 

 

2. Tag

 

Der nächste Morgen begann mit einer Überraschung, hatten wir doch mit leichten Schwierigkeiten beim Aufstehen gerechnet. Stattdessen weckten unsere 3 Abenteurer uns bereits gegen 6.00 Uhr und waren für neue Erlebnisse bereit. So begann der Tag schon eher als geplant. Nach der gemeinsamen Zubereitung und Einnahme des Frühstücks wurden die Brotzeiten hergerichtet und anschließend die Zelte abgebaut. Gemeinsam mit M. fuhr ich diese zum 10 km entfernten nächsten Campingplatz und wir bauten diese dort gleich wieder auf. Mit Taxi ging es wieder zurück, wo der Rest der Mannschaft uns bereits startklar erwartete. Nach einem kurzen Warming Up-Spiel „Mist, Mist, Mist“, ging es frohen Mutes auf die nächste Etappe. Nach ca. 20 Min. erreichten wir das Wehr Burglengenfeld. Das Umtragen dauerte ziemlich lang, da wir die Kanus ca. 200 m weit transportieren mussten, jedoch war dies für die Kinder kein Problem. Da die Strecke ja 2x absolviert werden musste, halfen alle motiviert mit und hielten sich ohne größere Hinweise an die Sicherheitsregeln. Während der Fahrt bis zum nächsten Wehr beschäftigten wir uns in spielerischer Form mit Naturkunde. So wurden Bäume und Pflanzen bestimmt, die am Ufer standen und dazu Fragen gestellt. Hier zeigte M. erstaunlich viel Wissen, er konnte viele Bäume genau benennen und wusste auch welche Früchte wohin gehören. Um die Natur mit möglichst vielen Sinnen wahrzunehmen, gingen wir auf Wunsch der Kinder an Land und betrachteten Pflanzen, Bäume, Blätter, Moos usw. mit Händen und Augen aus der Nähe.(z.B. die Rinde ist rau, das Moos weich, die Eichel glatt etc.) Dabei beteiligten sich alle mit viel Freude. Wieder auf dem Wasser stellte ich die Frage, ob es in der Naab Raubfische gibt. M. und Do. verneinten dies sofort, da es ja Haie nur im Meer gäbe. Da. korrigierte diese Meinung jedoch und erklärte, dass der Hecht ja auch ein Raubfisch ist, da der kleinere Fische frisst. Wir alle waren davon sehr überrascht, da er noch viel mehr über Fische und Angeln wusste. Wir fragten genauer nach und erfuhren, dass er mit seinem Vater häufig zum Angeln geht. Dies war uns vorher nicht bekannt, dadavon noch nie erzählt hatte.

 

Plötzlich stellte sich uns ein „nicht bekanntes Wehr“ als Hindernis in den Weg. Auch ich zeigte mich davon scheinbar überrascht und fragte die Kinder, wie man denn jetzt erkennt wo der richtige Ausstieg ist und wo der Fluss weiter lang fließt (es war ein Nebenarm sichtbar). Die Kinder konnten ihr bereits erlerntes Wissen sehr gut umsetzen und orientierten sich an den Anlegespuren. Dennoch war ihnen nicht klar in welchen Flussarm wir wieder einsetzen müssen. An dieser Stelle erstaunte uns unser Jüngster, der die „coole Ansage“ brachte, „Na, da wo das meiste Wasser schnell lang fließt!“ Die anderen beiden Jungs reagierten sehr erstaunt und klopften Do. anerkennend auf die Schulter. Do. wuchs in diesem Moment um 10 cm.

 

Bei diesem Wiesenwehr, das sich landschaftlich sehr schön in die Natur bettet war eigentlich eine „Landart“ –Aktion geplant. Es entwickelte sich aber spontan ein so genanntes „Sumoringerspiel“, das so fröhlich ablief, dass wir von unserem Plan gern abwichen. Die Kinder hatten wahnsinnig viel Spaß, mit ihren Schwimmwesten geschützten Körpern gegeneinander zu springen und ins weiche Gras zu fallen. Besonderes Highlight war, dass sie auch gegen mich springen durften und dabei den Körperkontakt sichtlich genossen.

 

Nachdem sich die Kinder so richtig ausgepowert hatten ging es in ruhiger Fahrt nach Kallmünz weiter, wo wir gegen 16.00 Uhr eintrafen. Nach einer kurzen Pause stand erneut die Besorgung des Abendessens auf dem Plan. Dies erfolgte in Form eines Einkaufstrainings. Jedes Kind erhielt den Auftrag (Einkaufszettel), bestimmte Lebensmittel zu kaufen und sie auch selbst an der Kasse zu bezahlen. Diese Aufträge waren auf die Fähigkeiten des Einzelnen angepasst.

 

Unser Vorschlag, die Ritterburg zu besuchen, wurde freudig angenommen. Der Aufstieg war dann aber doch für alle drei recht anstrengend, wurde aber mit der tollen Aussicht, die sich uns von oben bot, belohnt. Auf der Burg wurde von mir ein Rollenspiel initiiert, was wir „ Zeitreise - Ritterburg“ nannten. Die Kinder zeigten dafür jedoch wenig Interesse und wollten Herumtoben. Meinen Erzählungen über Ritter und deren Geschichte wurde zwar interessiert zugehört, jedoch hatte keiner mehr Lust einen Ritter zu spielen. Nach dieser doch etwas anstrengenden Tour war ein Konzentrationsabfall deutlich spürbar. Danach hatten die Kinder etwas Freizeit, die sie u.a. dazu nutzten ihre Erlebnisse dem Reistetagebuch mitzuteilen.

 

Für das Abendessen hatten wir uns etwas Besonderes ausgedacht. Wir entfachten ein Lagerfeuer, bei dem wir von einer Gruppe junger Männer des Theaters Nürnberg spontan Unterstützung bekamen. Es gab gegrillte Würstchen am Stock und zum Nachtisch Marshmellows, was den Kindern sehr viel Spaß machte. Im Anschluss kam es zu einer gemütlichen Lagerfeuerrunde, bei der mit unseren neuen Freunden viel erzählt, gescherzt und gelacht wurde. Die Kinder genossen es, von ihren Erlebnissen zu erzählen und hörten auch gespannt den Geschichten der Theaterleute zu. An diesem Abend konnte die Nachtruhe pünktlich eingehalten werden, da die Kinder zum ersten Mal richtig ausgepowert waren und sofort in ihren Zelten einschliefen.

 

 

3. Tag

 

Am nächsten Morgen waren wir der Weckdienst für die Kinder, die noch tief und fest schliefen. Bei der Zubereitung des Frühstücks gab es diesmal eine böse Überraschung. Da. kam ganz aufgeregt angelaufen und erzählte, dass unsere Wurst weg ist und nur ein paar angefressene Ecken davon herumliegen. Schnell klärte sich, dass der Übeltäter Aro, der Hund des benachbarten Bauern war, was dann alle wieder ganz lustig fanden. Zitat M: „Da hat der arme Hund auch mal was Gescheites gekriegt“. Die Kinder ließen sich das Frühstück auch ohne Wurst gut schmecken und waren bester Laune. Zu unserem täglichen Warming up luden wir heute unsere neuen Bekannten aus Nürnberg mit ein, die sich nicht lange bitten ließen. Für die Nürnberger war dies eine neue Erfahrung, gemeinsam mit Kindern sich auf ein Spiel einzulassen. Wir spielten die „Stabreise  wobei die Kinder als auch die Erwachsenen viel Spaß hatten. Zum Andenken an die schöne Zeit, ließen die Kinder alle Theaterleute auf einem Holzscheit unterschreiben.

 

Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden, die uns noch lange nachwinkten und begannen gegen 8.30 Uhr unsere 3. Etappe. Wir erreichten nach kurzer Zeit das Wehr Kallmünz, was sich gut umtragen ließ und durch die Kinder hervorragend bewältigt wurde. Gleich nach dem Einsetzen in die Naab gab es die erste Wahrnehmungsübung – blind fahren. Die Paddler des ersten Kanus bekamen die Augen zugebunden und mussten den Kommandos der Anderen Folge leisten und sich auf die Anweisungen verlassen. Dies klappe recht gut und es wurde viel gelacht. Alle Kinder ließen sich ohne Probleme auf die Übung ein. 4 km weiter wartete bereits das nächste Wehr in Heitzenhofen auf uns. Hierbei handelte es sich um eine Besonderheit, da es sich um eine alte Schleuse handelt. In diesem Zusammenhang erklärte ich den Kindern die Funktionsweise und den Sinn dieser Anlage. In ruhiger Fahrt ging es weiter nach Pielenhofen. Die Kinder nutzten die Zeit für Naturbeobachtungen, wie u.a. Rehe und Vögel beobachten, Bäume benennen etc.

 

In Pielenhofen kehrten wir in der Klosterwirtschaft ein, wo wir die Zeit für eine kleine Abschlussreflexion nutzten. Diese wurde aber jäh davon unterbrochen, als ich eins unserer Boote unterhalb des Wehres treiben sah. Wir hatten dies zwar festgemacht, jedoch vergessen die Kette durch das eine Boot zu ziehen. Da es scheinbar überall wie von Da. in seinem Reisetagebuch beschrieben „Hirndeppen“ gibt, hatten „nette“ Menschen unser Boot los gemacht und auf die Reise geschickt. Gemeinsam konnten wir unser Boot retten und die Fahrt fortsetzen. Durch diesen Vorfall musste unsere geplante Abschlussreflexion verschoben werden.

 

Auf unserer Weiterfahrt nach Regensburg nutzten wir unsere nächste Paddelpause für ein Positionswechselspiel. Dazu banden wir die Boote mit Spanngurten zu einem Katamaran zusammen und spielten Platz wechseln. Es mussten immer 2 aufgerufene Personen zur gleichen Zeit aufstehen und die Plätze tauschen. Dies setzte bei allen gutes Koordinationsvermögen, Konzentration und Absprachen voraus. Diese schwierige Aufgabe habe ich bewusst erst am letzten Tag unserer Reise gewählt, da alle Teilnehmer mittlerweile gut und sicher mit den Gegebenheiten der Kanus vertraut waren und keine Ängste oder Scheu mehr zeigten.

 

Die Fahrt wurde nun für die Teilnehmer recht anstrengend, da die Naab auf den letzten Kilometern, bevor sie in die Donau mündet recht breit ist und sehr langsam fließt. Dadurch musste deutlich mehr gepaddelt werden, was an den Kräften aller zerrte. Jetzt war Motivation gefragt, da vor allem bei Do. und M. Unmut auftrat. Am liebsten hätten sie sich bis Regensburg treiben lassen. Es gelang uns durch kleine Wettkampfspiele ihren Ehrgeiz zu wecken und sie wieder zur Mitarbeit zu bewegen. Bis zur Einmündung in die Donau konnte die Motivation aufrechterhalten werden.

 

Dort angekommen, bot sich uns ein schöner Blick, den wir unbedingt mit unserer Kamera festhalten wollten. Entsetzt stellten wir fest, dass der Fotoapparat seit einiger Zeit sich auf „Tauchgang“ befand. Er war zwar an einem Sicherheitsband befestigt, jedoch aus der Schwimmweste meiner Kollegin herausgerutscht. So zogen wir ihn wohl bereits einige Zeit im Wasser hinter uns her. Dies führte zu erneuter Enttäuschung bei den Kindern, hatten sie doch jetzt Angst, dass alle Fotos weg sind. Ich erklärte ihnen, dass ich versuchen werde zu retten, was zu retten geht und bestimmt nicht alles hin ist.

 

Bevor wir in die Donau einfuhren, erklärte ich allen noch einmal die Sicherheitsbestimmungen auf Schifffahrtsgewässern und ließ diese von den Kindern in eigenen Worten wiedergeben, um sicher zu sein, ob sie diese verstanden haben. Die letzten 4 km legten wir durch die deutlich schnellere Fließgeschwindigkeit des Wassers sehr flott zurück, was die Laune der Kinder wieder erheblich verbesserte. Aus Sicherheitsgründen fuhren wir ausschließlich am Uferrand. Da. beschrieb diese Situation in seinem Reisetagebuch folgendermaßen: „Zum Glück haben wir keinen Dampfer begegnet!“. Nach dieser doch für alle sehr anstrengenden Tour kamen wir aber dennoch gut gelaunt und glücklich gegen 17.00 Uhr am unserem Ziel, dem Ruderverein Regensburg an, wo wir schon von Kollegen erwartet wurden. Ohne zu Murren wurden noch gemeinsam die Kanus gesäubert und ordnungsgemäß an die Firma „Nautilus“ übergeben.

 

 

4.4. Abschluss

 

Nachdem alle Pflichten erfüllt waren (Kanuübergabe, Sachen verstaut), setzen wir uns auf der Wiese im Kreis zusammen und ließen bei einer kleinen Stärkung, die Tour Revue passieren. Obwohl die Kinder bereits recht ausgepowert und müde waren, konnten alle noch ein Highlight des Projekts benennen, z.B. war Do. von der Begegnung mit den Nürnbergern begeistert, bei M. war die Bootrettungsaktion und bei Da. das Lagerfeuer die Highlights. Bei allen Kindern kam deutlich zum Ausdruck, dass sie stolz darauf waren, diese Tour gemeistert zu haben. Auffallend war auch, dass die Kinder nicht mehr so oft in der Ich-Form (ich habe…) sondern wie selbstverständlich vom wir haben erlebt…sprachen.

 

Auf der Station angekommen, war die Müdigkeit plötzlich wie weggeblasen. Sie berichteten den anderen Kindern und den Erziehern begeistert und übersprudelnd von ihren gemeinsamen Erlebnissen und waren kaum zu stoppen. Vor dem Zubettgehen rief auch jedes Kind zu Hause an und hatte viel zu berichten.

 

Am 07.09., also eine Woche später fand im Rahmen einer großen Kinderrunde, an der Oberarzt, Stationsarzt und Psychologe teilnahmen eine Reflexion statt, in der die Kinder anhand ihrer Projekttagebücher über die Tour, ihre Erlebnisse und ihre gewonnenen Erfahrungen berichteten. Von Seiten der Ärzte, aber auch der Kinder erhielten Sie vor allem für ihr gezeigtes Durchhaltevermögen aber auch für den guten Zusammenhalt in der Gruppe, ohne den die Reise nicht so gut verlaufen wäre, Lob und Anerkennung. Sowohl das Projekt selbst, als auch die anschließenden Reflexionen haben bei allen drei Kindern zur Steigerung des Selbstwertgefühls beigetragen. (siehe Punkt 5.1.)

 

Meine Kollegin und ich haben über das Projekt am gleichen Tag in der Teambesprechung berichtet, wofür uns ein Tagesordnungspunkt eingeräumt wurde. Hierbei war auch die Pflegedienstleistung anwesend, die sich persönlich vom Erfolg bzw. Verlauf des Projektes informieren wollte und sich anerkennend über unsere Arbeit äußerte. (siehe Punkt 5.2.)

 

 

 

5. Nachbereitung

 

5.1. Veränderungen bei den beteiligten Kindern

 

Allen 3 Kindern hat die Maßnahme großen Spaß gemacht, sie waren mit hoher Motivation und Freude an den einzelnen Aktivitäten beteiligt und sind an den ihnen gestellten Aufgaben gewachsen. Es gab nie größere Probleme oder Konflikte, die das Projekt in irgendeiner Form in Gefahr gebracht hätten. Für alle gilt auch, dass sie sich aktiv in das Gruppengeschehen eingebracht haben und insgesamt an sozialer Kompetenz gewonnen haben, die es gilt weiter auszubauen. Erste Ansätze dafür wurden mit unserem Projekt geschaffen.

 

Bei den einzelnen Kindern wurden folgende Veränderungen beobachtet:

 

M.:

•  während der ganzen Aktion zeigte er keinerlei Ängste bzw. konnte er darüber reden, schränkten ihn aber in seinem Handeln nicht ein

•  auf Station brauchte er zum Einschlafen kein Nachtlicht mehr,

•  Trennungsängste standen nicht mehr im Vordergrund, d.h. er konnte sich z.B. bei Besuchen der Eltern sich leichter verabschieden (ohne Tränen)

•  er konnte leichter Kontakte zu Gleichaltrigen aufbauen (Freundschaft zu Da., der Kontakt bestand auch noch nach der Entlassung)

 

Da.:

•  deutlich bessere Impulssteuerung (weniger überschießend, kann sich an Regeln halten)

•  Verbesserung der Gruppenfähigkeit auf Station (Fähigkeit sich auch mal unterordnen zu können)

•  verstärktes Interesse gemeinsam mit dem Vater zum Angeln zu gehen (will Angelschein machen)

•  Freundschaft zu M. (Kontakt auch noch nach der Entlassung)

 

Do.:

•  Projekt förderte Zusammengehörigkeitsgefühl zu M. und Da. – dadurch in der Gesamtgruppe der Station mehr Ansehen und Anerkennung erlangt (kein Außenseiter mehr)

•  wirkte sortierter und konnte sich dadurch besser in Stationsthemen einbringen

•  erzählte lange von der Kanutour (beeindruckendes Erlebnis)

 

 

5.2. Reaktionen in der Einrichtung

 

Die Veränderungen der Kinder wurden natürlich von allen Mitarbeitern der Station wahrgenommen und dokumentiert. Wir wurden zu unseren Methoden befragt, die diese Verhaltensänderungen bewirkt haben. Dabei wurde anerkannt, dass erlebnispädagogische Maßnahmen und deren Aufwand durchaus in der psychiatrischen Arbeit gerechtfertigt sind und weiter geführt werden sollten. Wir wurden auch gefragt, ob wir bereit sind diese oder ähnlich konzipierte Maßnahmen mit anderen Kindern durchzuführen und auch andere Kollegen an diese Projekte heranzuführen. Diese liegt natürlich von meiner Seite her vor. Von der Pflegedienstleiterin kam die Mitteilung, für erlebnispädagogische Maßnahmen mehr Mittel zur Verfügung stellen zu wollen. Der Vorschlag eigene Kanus anzuschaffen, wurde jedoch erstmal mit der Begründung von Unterbringungsproblemen abgelehnt. Künftig steht der Organisation von weiteren Kanutouren aber nichts mehr im Weg, da dieses Projekt fast nur positive Reaktionen ausgelöst hat.

 

 

 

6. Reflexion

 

6.1. Besondere Erlebnisse

 

In besonderer Erinnerung bleiben mir folgende Erfahrungen und Erlebnisse:

 

•  die uneingeschränkte Bereitschaft der Kinder sich mit mir auf etwas Neues einzulassen und an den ihnen gestellten nichtalltäglichen Aufgaben zu wachsen,

•  der unkomplizierte, aber dennoch respektvolle Umgang der Kinder mit uns als Autoritätspersonen (sahen uns als Freunde nicht als Betreuer), wodurch sie sehr offen von sich erzählten,

•  das unerwartete Allgemeinwissen der Kinder, z.B. M. mit seinen erstaunlichen Kenntnissen über Flora und Fauna, Da. mit dem Wissen über einheimische Fische und die logische Schlussfolgerungsfähigkeit von Do. am Wiesenwehr,

•  das aufgeschlossene Aufeinanderzugehen auf unbekannte Personen (Nürnberger Theatergruppe)

•  Verschmelzen der Kinder zu einer Gruppe (vom Ich zum Wir) sowie

•  die spontan entstandene Kreativität in der Natur (spontanes Ausleben des natürlichen Spieltriebs mit einfachen Mitteln)

 

 

6.2. Erkenntnisse/Erfahrungen

 

Der durch mich geplante Projektverlauf konnte im Großen und Ganzen eingehalten werden und hat sich als richtig erwiesen. Geringe zeitliche Verschiebungen waren von vornherein eingeplant.

 

Trotzdem würde ich zukünftig einige Sachen anders planen. So war z.B. die letzte Tagesetappe auf dem Fluss, die 23 km umfasste, zu lang. Hier kamen die Kinder deutlich an ihre Grenzen, was nicht Ziel meiner Maßnahme war. Die Erfahrung zeigte, dass sowohl die erste als auch die zweite Etappe hätten länger sein können. Eine andere Alternative wäre, den Zielpunkt eher zu setzen z.B. in Distelhausen bereits an Land zu gehen.

 

Als lästig hat sich auch die ständige Bewegung meines Autos von Etappenziel zu Etappenziel herausgestellt, da ich dadurch kurzzeitig von der Gruppe weg musste. Künftig wird hier ein Fahrdienst der KJP in Anspruch genommen, der den Transport der Ausrüstung übernimmt.

 

Eine weitere wichtige Anschaffung für solche Maßnahmen ist das Beschaffen eines wasserdichten Fotoapparates. Zum Glück konnten in unserem Fall, die meisten Fotos noch gerettet werden.

 

 

 

7. Öffentlichkeitsarbeit

 

Aufgrund der strengen Datenschutzrichtlinien der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist es nicht möglich an die öffentliche Presse zu gehen. Im Rahmen einer KJP internen Fortbildung habe ich das Projekt vorgestellt und über meine Erfahrungen berichtet. Dazu wurden auch Bilder gezeigt. Bei diesen Fortbildungen sind Mitarbeiter von sämtlichen Fachbereichen anwesend. Bei dieser Veranstaltung habe ich sehr große Anerkennung von Seiten der Ärzte und Psychologen erhalten. Es gab nach der Fortbildung viele Nachfragen bezüglich der Planungsvorbereitung – und Durchführung und es wurde Interesse gezeigt, dies auch auf anderen Stationen auszuprobieren.
Meiner Meinung nach, ist durch meinen Vortrag der Stellenwert der Erlebnispädagogik in der KJP Regensburg wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt.

 

Gemeinsam mit den Kindern wurde durch uns in der Nachbereitung eine Collage erstellt, die u.a. mit den Kommentaren der Teilnehmer versehen ist. Dieses Bild wurde im Posterformat angefertigt und hängt im Eingangsbereich der Station, wo sie auch den Eltern und Besuchern zugängig ist. Wir werden auch oft darauf angesprochen, da viele Eltern dies als eine Besonderheit würdigen, was uns in unserer weiteren Arbeit bestärkt.

 

 

 

8. Literaturverzeichnis

 

Lehrgangsunterlagen Kanu & Floß vom KAP-Institut

Lehrgangsunterlagen 1 Hilfe outdoor vom KAP-Institut

Lehrgangsunterlagen Anleitung zur Praxis vom KAP-Institut

Hubert Perschke, Sicherheitsstandards in der Erlebnispädagogik.Praxishandbuch für Einrichtungen und Dienste in der Erziehungshilfe Juventa-Verlag 2003

interne Arbeitsunterlagen der KJP Regensburg (Behandlungsverträge, Diagnosen, Arztbriefe etc.)

www.oberpfaelzerwald.de


www.kanu-outdoor.de

 

 

 

9. Anhang

 

•  Sicherheitscheckliste

•  Sicherheitskonzept/Notfallplan

•  Pocketcard Erste Hilfe outdoor

•  Grobkonzept der Planung/Durchführung

•  Elternbrief

•  Kostenaufstellung

•  Materialliste für Eltern und Kinder

•  Materialliste für Betreuer

•  Materialliste für Kanuverleih

•  Bootswandern auf der Naab – Routenplanung

•  Routenplan

•  Adressen der Unterkünfte und des Kanuverleihs

•  5 Dokumentationen von Spielen (Lautloser Kampf, Mist, Mist, Mist, Stockreise, Landart, Spiele rund ums Wasser und Kanadierfahren)

•  Reisetagebücher der Kinder

 

Sicherheitskonzept:

 

erstellt am 02.08.2006 (nach persönlichem Befahren der Gesamtstrecke)

 

Gewässerzustand der Naab zwischen Katzdorf – Pielenhofen

•  gleichmäßig langsam fließender Wanderfluss mit ruhiger Strömung

•  wenige Baum- und Strauchhindernisse im Uferbereich

•  auf der Strecke befinden sich 6 Wehre, mit leichter Strömung

•  Ufer ist jederzeit schnell zu erreichen, Ausstiegsmöglichkeiten fast überall möglich,

•  es besteht teilweise Blickkontakt zu bewohnten Ortschaften, Häusern oder Straßen

•  Weiterfahrt Mariaort – Ruderverein Regensburg zügige Fließgeschwindigkeit

•  Vorsicht Schifffahrtsstraße! Am Rand paddeln ca. 4 km. (Kinder nochmals vorher darauf vorbereiten, was zu beachten ist!)

 

 

Eventuelle Risiken:

 

•  6 Wehre müssen umtragen werden (leicht zu schaffen, jedoch Sicherheitsbestimmungen einhalten, nochmals mit Kindern wiederholen)
   Wehr Münchshofen (links umtragen)
   Wehr Burglengenfeld (nicht zu nah an Triebwerk fahren!) rechts vor Brücke umtragen
   Wiesenwehr
   Steinwehr Kallmünz (nach alter Naabbrücke rechts umtragen)
   Wehr Heitzenhofen (rechts in alten Schleusenkanal und dann links umtragen)
   Wehr Pielenhofen links am Wehr vorbei, dann auf Insel links umtragen

•  durch vorherige starke Regenfälle besteht Gefahr, dass Bäume oder Strauchwerk in das Wasser ragen

•  Wetter muss beachtet werden (Gewitter, starker Regen)

 

 

Eventuell notwendige Maßnahmen

 

•  bei schlechter Wetterlage (Dauerregen, nasskaltes Wetter) findet die Maßnahme nicht statt

•  bei unvorhergesehener Wetterverschlechterung (Gewitter, Sturm, starke Regenfälle) wird Maßnahme unterbrochen bzw. abgebrochen

•  bei herannahender Schlechtwetterfront (Regen, Sturm oder Gewitter) wird sofort die nächste sichere Ausstiegsstelle aufgesucht (Nähe von Ortschaften, Häusern oder Straßen) und die Station der KJP verständigt (Abholung kann innerhalb von 20 Minuten erfolgen)

•  Vor Beginn jeder Paddelroute wird Wetterbericht abgehört

•  Es sind grundsätzlich immer 2 intakte Mobiltelefone mitzuführen. (Aufladen der Geräte wird täglich kontrolliert)

 

 

Vorbereitung der Gruppe

 

•  die Gruppe ist dem Leiter und der Betreuerin vertraut

•  die Kinder wurden ausgiebig in spielerischer Form auf die Fahrt vorbereitet

•  sie haben einen gesunden Respekt vor dem Wasser entwickelt und wurden in einem Sicherheitstraining auf die wichtigsten Situationen vorbereitet (Schwimmen mit Kleidung und Schwimmweste; Verhalten im Boot, bei der Gruppe bleiben, keine Alleingänge auf den Zeltplätzen etc.)

•  die Teilnehmer können alle schwimmen und sind gesundheitlich und körperlich in der Lage die Paddelstrecken zu bewältigen

•  die Natur wird geachtet (keine Abfälle wegwerfen, keine Pflanzen abreißen, beim Aussteigen und Umsetzen vorsichtig sein und das Ufer nicht beschädigen)

•  für das Befahren der letzten Strecke (4 km) auf der Donau, wurden die Kinder mit den wichtigsten Regeln einer Schifffahrtsstraße vertraut gemacht,

 

 

Leitungskompetenz

 

•  der Leiter verfügt über ausreichende Erfahrungen im Bereich Kanuwandern und über entsprechende sportliche und pädagogische Qualifikationen. (Heilerziehungspfleger, Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik durch Abschluss der Kurse Kanu und Erste Hilfe outdoor beim KAP-Institut Regensburg)

•  das Bootsmaterial wird vom Leiter vor jeder Paddeltour persönlich überprüft

•  der Leiter überprüft täglich die persönliche Ausrüstung der Kinder auf Vollständigkeit und Beschaffenheit sowie das richtige und sichere Anlegen der Schwimmwesten (Zusatzgurtsicherung)

•  der Leiter hält die Gruppe zusammen und hat jeden Teilnehmer im Blick

•  der Leiter hat mit den Kindern vorher geübt, wie man sich bei Interventionen verhält

•  der Leiter informiert sich täglich persönlich über die regionalen Wettervorhersagen

•  bei Erkrankung eines Kindes oder Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes informiert der Leiter sofort die Station bzw. den diensthabenden Arzt und spricht das weitere Vorgehen ab

•  der Leiter verfügt über einen Notfallplan der KJP sowie Pocketcard Erste Hilfe outdoor

 

 

Sicherheitskonzept für die erlebnispädagogische Maßnahme

Kanu – Projekt  28.08.06 – 31.08.06

 

Checkliste

 

Leiter der Maßnahme:  Patrick Winkler

Mitarbeiterin:  Kerstin Padberg

 

 

1. Werden erlebnispädagogische Ausflüge und Mehrtagestouren geplant, sind folgende Punkte zu beachten:

 

•  evtl. Alternativen (Schlechtwettervarianten)

•  Vorausdenken (sich auf mögliche Gefahrenpotentiale vorbereiten)

•  Ausstiegspunkte (wo kann ich noch umkehren bei Schwierigkeiten)

•  Verhaltensregeln (unbedingt vor der Abfahrt besprechen)

•  Stimmt das Verhältnis zwischen Mitarbeiter und Teilnehmer

•  Kommunikation (tägliche Meldung an die jeweilige Station)

•  Ausrüstung ( was wird verlangt, Funktionstüchtigkeit und Vollständigkeit kontrollieren)

•  Notfallmaterial/Notfallkoffer (Reiseapotheke)

 

 

2. Lagebeurteilung vor der Maßnahmedurchführung

 

•  Entspricht der Zustand der Strecke den Anforderungen unserer Kinder?

•  Sind die Teilnehmer fit?

•  Kennt jeder seine Aufgabe?

•  Wer hat die Leitung?

•  Wurden die anderen Mitarbeiter/-innen über den Ausflug informiert?

•  Wurde das Material kontrolliert?

 

 

Im Notfall sind folgende Maßnahmen zu ergreifen:

 

•  Ruhe bewahren

•  Situation erfassen und beurteilen

•  Erste Sofortmaßnahmen ergreifen

•  Hilfen anfordern (Rettungsleitstelle, Feuerwehr, Polizei)

•  Organisation der Änderung

•  Information des Diensthabenden Arztes der KJP

•  evtl. Abbruch der Maßnahme

 

 


Checkliste für Ausrüstungsgegenstände Kanufahren

 

Folgende Materialien werden benötigt:

 

•  2 Dreierkanadier,

•  5 Paddel,

•  einen Bootswagen

•  5 Packsäcke

•  5 Schwimmwesten

•  davon 3 Kinderschwimmwesten,

•  2 Wurfsäcke,

•  Schöpfkelle,

•  Schwämme,

•  eine wasserdichte Tonne,

•  Abspannseile 

•  eine Kette mit Zahlenschloss

 

 

Materialien wurden per Mail bereits bestellt und werden am 29.08.06 gegen 11.30 Uhr uns persönlich an der Einsetzstelle in Katzdorf übergeben.!

 

Abholung beim Ruderverein Regensburg erfolgt gegen 17.00 Uhr (Anruf erfolgt kurz vor Eintreffen)!

 

Adressen der Unterkünfte und Bootsverleih

 

Kanuclub KC Städtedreieck
93158 Teublitz
Telefon: 09471-90234
Herr Josef Ehrmann

 

Campingplatz Kallmünz
Zaar 2
93183 Kallmünz
Telefon: 09473 – 1466
Frau Harscher

 

Christian Platzeck
Kanuverleih Nautilus
Embacher Str. 10
93083 Niedertraubling
Telefon: 09401 - 51295

 

 

 

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

„Wir fahren alle in einem Boot und legen eine Flussstrecke gemeinsam zurück, wir arbeiten und spielen zusammen, lernen unsere Umwelt besser kennen, haben Spaß und kommen gemeinsam vorwärts.“

 

Erlebnispädagogisches Projekt von Patrick Winkler

 

 

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