Richard Krauß
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"City Bound"
Erwachsenen-Fortbildung für pädagogisches Fachpersonal
Erlebnispädagogisches Projekt von Richard Krauß
September 2006
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.0. Erlebnispädagogisches Konzept
1.1. Erlebnispädagogische Ansätze in der Großstad
1.2. Eigene Praxiserfahrung mit City Bound
1.3. Mitarbeiterkompetenz
2.0. Ziele
2.1. Zielgruppenbeschreibung
2.2. Rechtliche Aspekte
2.3. Sicherheit
3.0. Das Projekt
3.1. Die Gruppe
3.2. Geplanter Projektverlauf
3.3. Tatsächlicher Projektverlauf
3.4. Nachbereitung
4.0. Fazit
Literatur
Anhang
Einleitung
Grund des vorliegenden Aufsatzes ist die Dokumentation eines erlebnispädagogischen Projektes, um die Ausbildung zum Erlebnispädagogen erfolgreich abzuschließen. Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich in unterschiedlichen pädagogischen Zusammenhängen. Unter anderem in den Bereichen offene Kinder- und Jugendarbeit, soziale Gruppenarbeit, stationäre Kinder- und Jugendhilfe, Gemeinwesenarbeit, Beratung u.s.w.. In dieser Zeit habe ich verschiedenste gute Methoden zur Förderung von Kindern- und Jugendlichen kennen gelernt. Die größten Erfolge hatte ich jedoch mit Erlebnispädagogik. Als ich diese Methode vor knapp drei Jahren kennen gelernt und im pädagogischen Alltag angewendet habe, bemerkte ich nach den ersten kooperativen Abenteuerspielen schnell eine Veränderung bei den Jugendlichen. Sie fanden es spannend, vor Herausforderungen gestellt zu werden, die nicht nur den reinen Konkurrenzwettbewerb als Hintergrund haben, sondern die nur als Gesamtgruppe zu schaffen sind. Als ich den Schwierigkeitsgrad erhöhte und die Jugendlichen in Kleingruppen mit Problemlöseaufgaben in die Stadt schickte, erlebten sie den Ernstcharakter der Situationen und die Eigenverantwortlichkeit ihrer Person. Sie spürten ihre Selbstwirksamkeit, den eigenen Anteil am Werden der Dinge. Sie waren stolz auf ihre Leistung und ich bin überzeugt, dass sie von ihren Erlebnissen noch Jahre später erzählen und sich auch später im Alltag an die eine oder andere Lösungsstrategie, an ihren Mut, ihr Verhandlungsgeschick oder ihre Hartnäckigkeit erinnern werden und so als Ressource für sich zu Nutze machen.
Mittlerweile bin ich als Freiberuflicher Sozialpädagoge als Dozent und Leiter in Sachen Erlebnispädagogik in der Großstadt tätig. Ein Satz, den ich von TeilnehmerInnen (egal welchen Alters) häufig gehört habe lautet:“ Wenn man eine Aufgabe hat, ist es ganz leicht auf fremde Menschen zu zugehen.“ Diesen Satz kann ich nur bestätigen und ergänzen:“ Die Kontakterlebnisse, die man dabei hat, sind fast durchweg positiv.“ Fremde Leute sind immer auch überraschend, wie das Leben selber. An dieser Stelle schließe ich mich der Aussage von Peter Alberter an, der gesagt hat:“ Wer für´s Leben motivieren will, muss den Alltag abenteuerlich gestalten.“ Als Pädagogen sind wir immer auch zur Motivation verpflichtet und die Methode Erlebnispädagogik und speziell der Ansatz City-Bound sind hervorragendes Handwerkszeug um Kinder- und Jugendliche, aber auch erwachsenes Klientel nach Kräften zu fördern. In diesem Sinne wünsche ich dem Leser viel Freude beim studieren des vorliegenden Textes.
1.0. Erlebnispädagogisches Konzept
„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten“ (Reiners, 2003, S. 13).
„Erlebnispädagogik ist eine Methode, die Personen und Gruppen zum Handeln bringt mit allen Implikationen und Konsequenzen bei möglichst hoher Echtheit von Aufgabe und Situation in einem Umfeld, das experimentierendes Handeln erlaubt, sicher ist und den notwendigen Ernstcharakter besitzt“ (Hufenus in: Galuske, 1993, S. 244).
Diese Definition richtet den Blick auf mehrere charakteristische Merkmale der Erlebnispädagogik:
• Handlungsorientierung und Ganzheitlichkeit: Es geht im Lernprozess um die tätige Auseinandersetzung mit einem Raum bzw. einer Aufgabe. Die Schwerpunktsetzung auf den Handlungsbegriff ist die Abgrenzung der Vermittlung rein theoretischer Lerninhalte. Ganzheitlich bedeutet dies, dass alle Sinne, also Körper, Seele und Geist angesprochen werden sollen.
• Lernen in Situationen mit Ernstcharakter: Die Aufgaben finden in realen Lebenssituationen statt, die für sich selbst sprechen und nur einen bedingt geschützten Rahmen bieten. Im Gegensatz zu einer Spielsituation, in der das eigene Handeln nur die spielerische und geschützte Erfahrung von Konsequenzen zur Folge hat und man einfach nicht mehr mitzuspielen braucht. Am ehesten wird der Ernstcharakter dort erfahrbar, wo es um die Befriedigung elementarer Bedürfnisse (Nahrung, Wasser, Schlaf, physische Sicherheit, Zugehörigkeit, Einflussmöglichkeiten) geht.
• Gruppe als Lerngemeinschaft: Erlebnispädagogik ist ein überwiegend gruppenpädagogisches Angebot und enthält somit immer auch eine soziale Lerndimension, denn sie zielt auf die Förderung von sozialen Kompetenzen und Kooperationsfähigkeit ab. Indem durch die Lernsituation die Notwendigkeit von Zusammenarbeit verdeutlicht wird.
• Erlebnischarakter: Durch außerordentliche und ungewöhnliche Situationen erhöht sich die Chance, dass aus einem Ereignis ein inneres, bewegendes und nachhaltig wirkendes Erlebnis wird.
• Pädagogisches Arrangement: Erst durch ihre pädagogische Instrumentalisierung wird eine erlebnisträchtige Situation zu einem erlebnispädagogischen Arrangement. Einerseits gehört dazu die gezielte und absichtsvolle Planung und Realisierung von Angeboten, andererseits aber auch die Bereitstellung von erlebnispädagogisch geschultem Personal (vgl. Galuske, 1998, S. 244/245).
Die Lernziele von Erlebnispädagogik sind einzuteilen in die Kategorien sachlich, individuell, sozial und ökologisch. Sachliche Lernziele richten sich direkt auf den Erwerb von fachlichen Kompetenzen, z.B. Techniken im Klettern, Kanufahren usw. Auf das Subjekt bezogene Lernziele sind Selbständigkeit und Entscheidungsfähigkeit erlangen, eigene Grenzen und Ressourcen entdecken, fördern bzw. abbauen, Gefühle wahrnehmen, ausdrücken und damit umgehen lernen, Selbstbewusstsein steigern, Ausdauer, Durchhaltewillen und Kontinuität üben usw. Soziale Lerndimensionen fordern die Fähigkeit, sich in Gruppenzusammenhänge zu integrieren. Die ökologische Lernzieldimension beinhaltet die sinnliche Wahrnehmung und Entdeckung ökologischer Zusammenhänge und der Einübung umweltschonenden Verhaltens (vgl. Galuske, 1998, S. 246). Kern- und Leitgedanke von Erlebnispädagogik ist jedoch immer „Learning by doing“, „Lernen durch Erleben“.
1.1. Erlebnispädagogische Ansätze in der Großstadt
Erlebnispädagogik in der Großstadt ist eine Verlagerung des klassischen Handlungsortes der Natur in die Stadt. Es ist damit eine Reaktion von Erlebnispädagogik auf die häufigen Vorwürfe von mangelnder Alltagsnähe und Alltagsübertragbarkeit. City Bound erweitert Erlebnispädagogik zu einer lebensweltorientierten Methode. Wenn in der klassischen Erlebnispädagogik die Austragungsorte und Angebote (Bergwandern, Klettern, Skitouren, Höhlenbegehungen, Floss und Kanufahren, Fahrradfahren, Segeln usw.) als Mittel oder Medien verstanden werden, so kann man bei City Bound (Erlebnispädagogik in der Großstadt) wohl die Großstadt selbst als das Medium bezeichnen. Während die klassische Erlebnispädagogik in der Natur stattfindet und ihren Schwerpunkt in der physischen und psychischen Auseinandersetzung mit derselben hat, setzt City Bound auf die Auseinandersetzung mit der Großstadt als Medium und Lerninhalt, der in erster Linie soziale Herausforderungen bereithält. City Bound ist die logische Weiterführung von Erlebnispädagogik, die im Zuge von wachsenden Städten im letzten Jahrhundert vermehrt vor dem Problem der Alltagsübertragung stand. Es ist schön wenn Jugendliche eine Woche in die Natur fahren und dort klettern, zelten, Lagerfeuer machen und kooperative Abenteuerspiele spielen. So eine Woche ist ein tolles Erlebnis und hat neben der Selbsterfahrung und der Naturerfahrung hoffentlich auch gezeigt, wie wichtig es ist mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten. Was aber, so die Kritik, bleibt von so einer Woche übrig, wenn der Alltag wieder einkehrt. Dann stehen die Jugendlichen vor anderen Herausforderungen, wie der Alltagsbewältigung zuhause, in der Schule und im sozialen Umfeld. Und diese Herausforderungen unterscheiden sich stark von denen, die am Berg noch nötig waren. Wenn also das Medium (der Berg, die Höhle, der Fluss, der See, das Meer) wegfällt, scheint auch von den Lösungsstrategien unter veränderten Bedingungen nicht viel übrig zu bleiben. Hier setzt City Bound an. Die Aufgaben und Herausforderungen finden da statt, wo die Teilnehmer leben. In ihrer Lebenswelt müssen sie sich kommunikativen und interaktiven Problemen stellen. Und da sie versuchen, die Probleme in ihrem Revier zu lösen und sie nach dem Kurs wieder dort leben, werden sie sich nicht nur an ihr Handeln erinnern, sondern ihre Stadt auch aus einer anderen Perspektive betrachten.
Der Begriff City Bound ist eine Ableitung von Kurt Hahns Outward Bound. Diesen Begriff benutzte er für seine erlebnispädagogischen Projekte und da sein Lieblingsmedium das Wasser war, wählte er eine Wortschöpfung aus der Seefahrersprache. Outward Bound heißt soviel wie „Leinen los“, wenn ein Schiff fertig ist zum Auslaufen und es auf große Fahrt geht. City Bound bedeutet also, mit gepacktem Rucksack und voller Tatendrang, fertig auf Entdeckungsreise in der Großstadt zu gehen. Christina Crowther beschreibt City Bound als Großstadtvariante der Erlebnispädagogik, bei der zu den klassischen Zielsetzungen Persönlichkeitsentwicklung, soziales Lernen (Förderung von Teamgeist und Gemeinschaftsdenken), Dienst am Nächsten und körperliche Bewegung, die Aspekte berufliche und soziale Integration und vor allem die Auseinandersetzung mit dem sozialräumlichen Kontext Stadt und dem infrastrukturellen Geflecht der Großstadt hinzukommen (vgl. Crowther, 2005, S. 16). City Bound war anfänglich auf Kinder und Jugendliche konzipiert, inzwischen haben soziale und emotionale Kompetenzen, sogenannte Soft Skills, in den vergangenen Jahren in der Berufswelt immer mehr an Bedeutung gewonnen. So das City Bound vermehrt in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, sowie insgesamt in der Personalentwicklung eine Rolle spielt. Die Möglichkeiten von Erlebnispädagogik in der Großstadt sind breit gefächert und können außer stadtspezifischen Elementen auch natursportliche Aktivitäten wie Kanu – und Floßfahren (in Städten mit Flüssen), Klettern (an In- oder Outdoorkletterwänden), Fahrradfahren usw. enthalten. Ein weiteres Einsatzfeld ist der Einsatz von City Bound als Ergänzung zum Schulunterricht z.B. in Form von Projektarbeit. Crowther berichtet von immer mehr Pädagogen und Trainern, die diesen Ansatz in der Jugendbildungsarbeit und in der betrieblichen Weiterbildung einsetzen. Sie schreibt weiter über mutige Vorreiter, die mit verschiedenen Konzepten in unterschiedlichen Lernkontexten (Therapie, Schule, Universität und Unternehmen) experimentieren (vgl. Crowther, 2005, S. 16).
City Bound stellt das vermeintlich Selbstverständliche des Alltags permanent in Frage und schärft somit den Blick für die sozial – räumliche Umwelt. Es lässt die Banalitäten und Perversitäten des urbanen Alltags aus einer völlig neuen Perspektive aufscheinen. Die Grundfiguren und Zielhorizonte einer handlungsorientierten Pädagogik sind es in unserem Fall, die Fassaden des Alltäglichen zu durchschauen, die Muster von gesellschaftlichen Ritualen zu interpretieren und die Codes des sozialräumlichen Mikrokosmos zu decodieren. In diesem Zusammenhang ist City Bound keine Erfindung, sondern nur die logische Weiterentwicklung verschiedener erlebnispädagogischer Lernmodelle. City Bound baut ganz wesentlich auf die Wechselwirkung von „Fleisch und Stein“, also Körper und Stadt. Es ist in seiner Sprunghaftigkeit, räumlichen Variabilität und Flüchtigkeit eine mögliche pädagogische Antwort auf die bizarre Vielfalt des Phänomens Großstadt (vgl. Heckmair/Michl, 2002, S. 191).
City Bound erweitert Handlungsoptionen und vermittelt Selbstbewusstsein fokussiert auf die Ergebnisse des eigenen Handelns. Es vermittelt ein Gespür für das eigene Handeln und macht neugierig, neue Handlungsmöglichkeiten auszuprobieren und damit zu experimentieren. Die Realität ist durch das eigene Handeln veränderbar, bei allem was vorgegeben ist. Zu lernen, dass sich die Wirklichkeit durch das eigene Wirken wandelt, wird immer wichtiger für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung in der heutigen Zeit, in der einem der eigene Handlungsspielraum oft schablonenartig eingegrenzt vorkommt und man mit einem ohnmächtigen Gefühl durch den Alltag torkelt (vgl. Krauß, 2004, S. 16).
So fassen auch Karin Feige und Barbara Deubzer in ihrem Praxishandbuch „City Bound“ die erfolgreichen Aspekte von Projekten folgendermaßen zusammen:
„Die TeilnehmerInnen überwinden die eigenen Grenzen und machen Aktionen, die sie so in ihrem Alltag nicht unternehmen würden. Dies bewirkt eine Erweiterung des eigenen Handlungsspielraumes und ermöglicht zukünftiges flexibles Agieren“ (Deubzer/Feige, 2004, S. 133).
Alle pädagogischen Ziele werden handlungsbezogen vermittelt. Durch eigenes Erleben erkennen die TeilnehmerInnen persönliche Strategien und Verhaltensmuster und können diese bei späteren Aktionen verändern. Es ist learning by doing vorhanden.
Ein Perspektivenwechsel ist bei allen TeilnehmerInnen zu beobachten. Einige Vorurteile werden sichtbar und verändern sich. Barrieren zu Mitmenschen, zu Randgruppen und die eigene Überheblichkeit „so etwas kann mir nicht passieren“, verwandeln sich in Empathie für andere. Eine verbindende Kommunikation ist möglich. Neue Ideen für den Umgang miteinander und für die eigene Lebensgestaltung entstehen.
Die Selbstverantwortung der TeilnehmerInnen wird bei City Bound-Projekten stark gefördert. Die Unterstützung und Sicherheit durch pädagogische LeiterInnen ist während der Aktionen nur eingeschränkt vorhanden. So stärkt die Bewältigung der Aufgaben ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstsicherheit.
Alle Aktionen haben einen hohen Aufforderungscharakter und bieten meistens das Gefühl eines Abenteuers. Sie klingen spannend. Durch das offene Setting ist der Ausgang der Aktionen nie gleich (vgl. Deubzer/Feige, 2004, S. 133). Crowther benennt fünf Leitideen von City Bound:
1. Die Aktionen sind so angelegt, das die Teilnehmer aktiv, interaktiv und kommunikativ handeln müssen, um erfolgreich zu sein.
2. Die Aktionen sollen einen Perspektivenwechsel ermöglichen.
3. Die Aktionen sollen die Teilnehmer herausfordern.
4. Die Aktionen werden zielorientiert ausgewählt, damit bestimmte Entwicklungsthemen bearbeitet werden können.
5. Das zentrale Prinzip ist, die Erlebnisse und Erfahrungen, die in den Aktionen gemacht werden, durch anschließende Reflexion zu vertiefen und zu verankern. Dazu gehört der Transfer in den Alltag der Teilnehmer.
In der Praxis bedeutet das, dass die Aktionen von Eigenaktivität leben und die Teilnehmer ein Übungsfeld bekommen, in dem sie sich selbst, ihre Umwelt und ihre Interaktionsstärke erleben können. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Bewältigung der Situation und der Verantwortung für das Ergebnis. Die Rückmeldung in der sozialen Begegnung ist unmittelbar und echt, denn die Antwort erfolgt sofort. Der Umgang mit Sicherheit oder Unsicherheit, Angst oder Freude bestimmt, wie ich in der Situation weiterhin vorgehe. Diese Prozedur entspricht den Kommunikationsprozessen, die in jeder schulischen, beruflichen oder privaten Situation zu meistern sind.
Die eigene Konstruktion von Wirklichkeit mit unseren Annahmen und Werten ist für die meisten Menschen handlungsleitend. Durch regelmäßige Perspektivenwechsel, also bewusst andere Sichtweisen auf die Realität, lernen wir, unsere Ansichten flexibler zu gestalten und versetzen uns in die Lage, evtl. festgefahrene Haltungen zu überprüfen und ggf. zu ändern.
City Bound-Aktionen schärfen das Gespür dafür, Herausforderungen richtig einzuschätzen und damit zu experimentieren. Wobei es nicht in erster Linie um das Ergebnis geht, sondern um die Selbstbeobachtung auf dem Weg dorthin. Die Teilnehmer erfahren die Relation zwischen dem, was geplant war und dem was dann tatsächlich geht. Oft ist das viel mehr als man erwartet hatte. Solche Erfahrungen sind wesentlich für die Selbstkompetenz.
1.2. Eigene Praxiserfahrung mit City Bound
Während meiner Erzieherausbildung war es notwendig, methodische Übungen in einem Kindergarten abzuleisten. Dazu habe ich mir Übungen ausgedacht, die ich für die 3 – 6 jährigen Kinder für angemessen hielt und diese dann unter der Beobachtung meiner Mentorin und den anderen Auszubildenden durchgeführt. Zunächst waren diese Übungen sehr theoretisch und für die Kinder viel zu abstrakt. Ich erklärte die Aufgaben vor dem eigentlichen Beginn zum Teil bis zu fünf Minuten lang den mit offenen Mündern vor mir sitzenden Elementarkindern, die grundsätzlich zu allem bereit waren, wenn sie mich nur verstanden hätten und strapazierte ihre begrenzte Aufmerksamkeit bis aufs Äußerste. Anschließend begann dann die praktische Phase und es wurde gebastelt, geknetet und gemalt. Doch alles in allem waren die Übungen immer eher undynamisch, einseitig, sogar zäh und für alle unbefriedigend. Von Mal zu Mal jedoch wurde ich sensibler im Umgang mit den kleinen Kindern, vereinfachte meine Sprache, verkürzte die ewig langen Vorreden und konnte immer besser auf ihre Bedürfnisse eingehen. Ein wesentlicher Aspekt, den ich bis dahin vernachlässigt hatte, war, dass ich die Kinder mit meinen Übungen nicht ganzheitlich angesprochen habe. Erst in meiner finalen Übung verband ich das Gelernte zu einer gelungenen Mischung aus sinnlicher Erfahrung. Ich erzählte die Geschichte von zwei Vögeln, die sich zum ersten Mal begegnen, während die Kinder mit einer Pflanze und zwei Stoffvögeln den Inhalt der Geschichte nachspielen konnten. Danach wollten die Kinder über die Geschichte sprechen (das war gar nicht vorgesehen) und überlegten andere Versionen der Erzählung. Und zum Schluss sangen wir, zur Gitarrenbegleitung das Vogellied (ich glaube ca. 12x hintereinander). Alle Sinne der Kinder, ihr Denken, Fühlen, Handeln und Lernen wurden auf diese Weise angesprochen und so wurde diese Übung für alle Beteiligten zu einem schönen und lehrreichen Erlebnis. Die ersten erlebnispädagogischen Schritte im Sinne von Pestalozzis „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ (Michl, 1999, S. 12) waren getan.
Im Sommer 2004 machte ich meine erste Erfahrung mit einer von mir durchgeführten City Bound-Aktion. Als Erzieher in einem Kinderheim, machten meine Kollegin und ich mit 12 Jugendlichen (15 – 20 Jahre alt) eine Gruppenfahrt nach Waren an der Müritz. Untergebracht auf einem Zeltplatz bereiteten wir die Jugendlichen mit diversen kooperativen Abenteuerspielen auf bevorstehende Aufgaben in der Stadt vor. Wir haben während der zwei Wochen diverse City Bound-Aktionen durchgeführt, von denen ich hier nur eine, von der ich denke das sie den Ansatz exemplarisch gut verdeutlicht, schildern möchte. Den Vormittag dieses Tages hielten wir für Spiele frei, um locker zu werden und uns mit guter Laune eine bessere Ausgangsposition für die folgenden Ereignisse zu verschaffen. Wir haben für den Nachmittag zwei Aufgaben angesetzt und die Abendgestaltung ergab sich aus dem Ergebnis einer der beiden Aufgaben. Wir teilten im Losverfahren die Jugendlichen in vier Dreier Gruppen ein und gaben ihnen die Aufgaben schriftlich. Die erste Aufgabe lautete: Geht in ein Altenheim in Waren, besucht einen alten Menschen und macht ihm eine Freude. Verschenkt eine Blume, singt ein Lied, seid kreativ. Stellt anschließend folgende Fragen: Name? Alter? Lieblingsessen? Schönstes Erlebnis? Notiert Euch die Telefonnummer des Altenheims, damit wir die Richtigkeit Eurer Ergebnisse kontrollieren können.
Die zweite Aufgabe lautete: Geht in die besten und vornehmsten Restaurants der Stadt und versucht ein drei Gänge Menü (Vorspeise, Hauptgang, Nachtisch) mit Getränk für 14 Leute und 6,50 € pro Person auszuhandeln. Heute Abend gehen wir in das Restaurant mit dem besten Angebot.
Wir beleuchteten kurz die Aufgaben auf ihre Verständlichkeit hin und nach einem kurzen Austausch hinsichtlich eines behutsamen Umgangs mit Seniorenheimbewohnern, konnte es losgehen. Die Jugendlichen bekamen zwei Stunden für die Aufgaben und alle Gruppen waren vor Ablauf der Zeit zurück. Wir versammelten uns am Hafen der Stadt, setzten uns alle auf Bänke und die Gruppen begannen nacheinander ihre Ergebnisse zu präsentieren. Mit der Bewältigung der ersten Aufgabe hatte nur eine Gruppe Probleme, die, wie wir später erfuhren, gar nicht in einem Altenheim waren, sondern sich nur eine Geschichte ausdachten. Die anderen drei Gruppen hatten keine Schwierigkeiten und verschenkten einen Blumenstrauß, eine Packung Schokolade und eine Gruppe lud eine 92 jährige Frau zu einem Kaffee ins Bewohnercafe ein. Die Gruppen berichteten von durchweg positiven Gesprächen, eins war sehr langatmig, eins eher kurz und das Gespräch mit der alten Frau im Cafe war sehr spannend, denn sie erzählte wie sie im zweiten Weltkrieg vor den Nazis flüchten musste, nach Amerika ausgewandert ist und erst vor 15 Jahren zurück nach Deutschland kam, um hier ihren Lebensabend zu verbringen. Die Jugendlichen aus dieser Gruppe waren sichtlich berührt von der Geschichte der alten Frau. Danach waren wir gespannt auf die Resultate der zweiten Aufgabe. Schon die erste Gruppe hatte zwei sehr gute Angebote eingeholt. Eins beim Inder, ein anders in einem italienischen Restaurant. Sie hatten in diversen Versuchen mit Tresenkräften und Servicepersonal die Erfahrung gemacht, dass diese Personen solche Entscheidungen nicht treffen können, so dass sie sich fortan zum Chef durchfragten. Bei diesem setzten sie dann auf ihr Verhandlungsgeschick. Die zweite Gruppe hatte dem Besitzer einer deutschen Wirtschaft ein Kartoffelgericht mit Fleisch abgerungen, mit Vorsuppe und Nachtisch. Diese Gruppe beeinflusste den Besitzer mit viel weiblichem Charme und überzeugte ihn schließlich.
Die dritte Gruppe hatte Erfolg in einem Restaurant, in dem die Angestellten davon beeindruckt wurden, dass die Jugendlichen in einem Kinderheim wohnen. Und die vierte Gruppe schließlich setzte auf den Wettbewerbstrieb des männlichen Chefs einer Pizzaria. Dieser war begeistert von der Idee, den Jugendlichen zum Sieg verhelfen zu können, womit letztlich ja auch sein Restaurant gewonnen hätte. Wir reflektierten gemeinsam alle Ergebnisse, welche Erfahrungen hatten die Jugendlichen gemacht, wie haben sie sich gefühlt, was war am schwierigsten zu bewältigen usw. Dann wurde abgestimmt in welchem Restaurant wir zu Abend essen. Das beste Angebot hatten wir von der ersten Gruppe und dem italienischen Restaurant. Statt 17,80 € pro Person (laut Speisekarte) brauchten wir nur 6,50 € zahlen. Das zweite Angebot von dem deutschen Restaurant lag nur knapp dahinter. Eigentlich wollten wir nur einmal essen gehen, doch die Angebote waren so verlockend, dass wir entschieden, zwei davon in Anspruch zu nehmen.
Meine Kollegin und ich saßen auf der Bank am Hafen und waren sprachlos über die Präsentationen von unseren (durchweg stark problembelasteten) Jugendlichen. Jedes pädagogische Lob hatte sich erübrigt, denn erstens spürten die Jugendlichen, dass sie eine sehr gute Leistung abgeliefert haben und zweitens merkten sie uns an, wie erstaunt wir waren, so dass sie stolz waren auf ihre Resultate. Und wir waren es auch. Die Jugendlichen hatten in Eigenregie und ohne dass ihnen ein Erzieher über die Schulter schaut und im Notfall einspringt, verhandelt, um Preise gefeilscht, Hartnäckigkeit bewiesen, Ablehnung und Enttäuschung erfahren, sich durchgesetzt, Kommunikationsstrategien ausprobiert, innere Blockaden überwunden und die Erfahrung gemacht, die Welt durch ihr Engagement zu verändern. Von allen Methoden und Angeboten, die ich in den letzten zehn Jahren mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt habe, waren die erlebnispädagogischen Ansätze sicherlich meine pädagogischen Highlights. Und immer habe ich in den Monaten nach solchen Aktionen erlebt, dass bei den Jugendlichen etwas zurückbleibt: ...ein bisschen mehr Wissen, ein paar neue Fähigkeiten und einige neue Erfahrungen.
1.3. Mitarbeiterkompetenz
Die Mitarbeiter, die für die Durchführung von City Bound-Kursen verantwortlich sind brauchen eine fundierte pädagogische Ausbildung wie z.B.: Erzieher, Sozialpädagoge o.ä., sowie eine erlebnispädagogische Zusatzausbildung.
Die Anforderungen an die Mitarbeiter umfassen im wesendlichen:
• Technisch instrumentelle Kompetenz (gute Stadtkenntnis, Wissen um die Gefahren und Eigenheiten von Hamburg, logistische Fähigkeiten und Methodik und Didaktik zur Vermittlung von Sicherheitsaspekten)
• sozialpädagogische Kompetenz (Empathie für die Bedürfnisse der Teilnehmer, Vermittlung von emotionaler und fachlicher Sicherheit und eine umfassende Zielgruppenkenntnis, um Sprache und Reflexions-/Transfermethoden adäquat anzupassen)
• Persönlichkeit (Selbstsicherheit, Empathie- und Motivationsvermögen, Belastbarkeit und Flexibilität sowie die Vertrauensfähigkeit in die Teilnehmer)
2.0. Ziele
City Bound reagiert auf die wachsende Erlebnisarmut von Kindern und Jugendlichen in der Großstadt. Dieser Ansatz will in erster Linie die jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie, durch das Einüben von Selbstwirksamkeit, dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten.
Konkret lassen sich die Ziele und Lernmöglichkeiten in 4 Bereiche aufteilen:
1. Individuelle Lernmöglichkeiten
• Selbstwirksamkeit erleben
• Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit einüben
• Verantwortung übernehmen und abgeben
• Sich auf unbekannte Situationen einlassen, eigene Grenzen austesten
• Bewusstmachen von Fähigkeiten, Stärken und Schwächen
• Trainieren von kommunikativen, emphatischen und kreativen Fähigkeiten
• Toleranzvermögen ausbauen
• Umgang mit Misserfolgen
• Handlungskompetenzen erweitern und Selbstsicherheit erlangen
• Berufsqualifizierung und Weiterbildung
• Vorurteile abbauen
• Empathie entwickeln
2. Lernmöglichkeiten für die Gruppe
• Soziale Interaktion in der Gruppe
• Teamfähigkeit
• Konfliktfähigkeit
• Arbeitsteilung „gemeinsam sind wir effektiver“
• Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Klischees, starren Rollenbildern
• „Learning by doing“, praktische Unterrichtsergänzung
• Orientierung in der Stadt
3. Lernfelder bezüglich des Lebensraums Stadt
• Selbständige Orientierung (z.B. Stadtplan)
• Aneignung der Infrastruktur
• Die Stadt neu erleben und erobern
• Vielfältigkeit der Stadt entdecken
• Eigenen Gestaltungsraum in der Stadt entdecken
• Mitverantwortung erkennen
4. Lernfelder bezüglich der Kooperation von Einrichtungen
• Synergie Effekte nutzen
• Arbeitsteilung
• Transparenz von unterschiedlichen Strukturen
Die Teilnehmer führen Aktionen durch, die sie in ihrem Alltag nicht unternehmen würden und überwinden damit ihre eigenen Grenzen. Auf diese Weise erweitert sich der persönliche Handlungsspielraum und ermöglicht in Zukunft flexibler zu agieren.
Alle pädagogischen Ziele werden mit der Leitidee „Lernen durch erleben“ handlungsbezogen vermittelt. Die Teilnehmer erkennen durch eigenes Erleben persönliche Strategien und Verhaltensmuster. Diese können sie bei nachfolgenden Aktionen oder im Alltag verändern. Bei den Teilnehmern findet ein Perspektivenwechsel statt. Vorurteile werden sichtbar und verändern sich. Hindernisse im Umgang mit Menschen verwandeln sich in Einfühlungsvermögen für andere. In der Begegnung mit Randgruppen wird deutlich, so etwas kann jedem, also auch mir selbst, passieren. Das Selbstwertgefühl der Teilnehmer und ihre Selbstsicherheit werden gestärkt durch das bewältigen von Aufgaben. Der Ernstcharakter und die Tatsache, während der Aktionen auf sich selbst gestellt zu sein, fordert die Selbstverantwortung der Teilnehmer.
2.1. Zielgruppenbeschreibung (Prävention/Intervention)
Schulklassen, Jugendgruppen, Auszubildende, Firmen und Einrichtungen, andere interessierte Gruppen sind die Zielgruppen von City Bound.
In erster Linie richtet sich dieses Konzept jedoch an Kinder und Jugendliche, welche in der Metropole Hamburg leben. Zum einen kann es präventiv eingesetzt werden. In Form von Klassenfahrten oder Tagesausflügen, erfahren die Teilnehmer, wie man mit Spaß Probleme lösen kann. Auf diese Weise erwerben sie wichtige Fähigkeiten im Umgang mit Herausforderungen und Schwierigkeiten.
Zum anderen kann City Bound intervenierend, als Reaktion auf drohende oder bestehende Defizite eingesetzt werden. Erhöhte Gewaltbereitschaft, schlechte Zusammenarbeit, mangelnde Kommunikation, teilnahmslose Kinder und Jugendliche in Bildungs- oder Jugendhilfeeinrichtungen sind die Auswirkungen von Erlebnisarmut, denen mit diesem Konzept entgegengewirkt wird.
Perspektivisch sind auch Zielgruppen in der Berufsaus- und Weiterbildung denkbar, sowie die Förderung von Zusammenarbeit und das Finden neuer Lösungsstrategien in der Personalentwicklung.
2.2. Rechtliche Aspekte
Die Durchführung von City Bound-Aktionen setzt eine verantwortliche Haltung des Leiters voraus. Speziell für die Leitung von Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen, bedeutet das für den Leiter:
• Er hat die Pflicht sich selbst zu informieren, was in konkreten Situationen gefährlich sein kann (mögliche Gefahren, notwendige Ausrüstung, das Können der Teilnehmer). Weiterhin muss er die Teilnehmer über die Gefahren informieren. Verhaltensregeln, Informationen, Anweisungen müssen verständlich, vollständig und richtig formuliert werden und es muss kontrolliert werden, ob alle die Anweisungen richtig verstanden haben.
• Je nach Alter, Situation und Entwicklungsstand kann sporadisch kontrolliert werden, ob die Anweisungen eingehalten werden. Ein ständiges Überwachen ist weder notwendig noch sinnvoll, da es den Selbstwirksamkeitscharakter der Aktionen herabsetzt. Dennoch gilt für riskantere und gefährlichere Aktionen, dass hier mehr Kontrolle nötig ist, in Form von Zwischentreffen oder ständiger Überwachung.
• Wenn die Teilnehmer sich so verhalten, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Schaden eintritt, ist es für die aufsichtspflichtige Person Pflicht, den Schaden zu verhindern. Das Eingreifen hängt von der jeweiligen Situation ab. Dies kann mit Worten (Verbot aussprechen) wie mit körperlichem Einsatz (Aktion aktiv abbrechen) möglich sein.
Der rechtliche Maßstab für die Erfüllung der Aufsichtspflicht ergibt sich aus den Paragraphen 1 und 9 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG):
§ 1, Abs. 1 KJHG: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftlichen Persönlichkeit.“
§ 9, Nr. 2 KJHG: „Bei der Ausgestaltung der Leistungen und der Erfüllung der Aufgaben sind die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes oder des Jugendlichen zu selbstständigem, verantwortungsbewusstem Handeln sowie die jeweiligen besonderen sozialen und kulturellen Bedürfnisse und Eigenarten junger Menschen und ihrer Familien zu berücksichtigen.“
Eine Verletzung der Aufsichtspflicht kann nur vorliegen, wenn der oder die aufsichtspflichtige Person vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat. Vorsätzlich bedeutet, dass ein bestimmter Erfolg gewollt oder zumindest billigend in Kauf genommen worden ist. Fahrlässig bedeutet, dass die in vergleichbaren Situationen erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wurde. Maßgeblich ist die Frage: Wie hätte sich ein verantwortungsbewusster Leiter nach vernünftigen Anforderungen verhalten? Es kann und muss allerdings nicht jedes nur denkbare Risiko ausgeschlossen werden.
2.3. Sicherheit
Was für den Kanutourleiter der Wurfsack (Rettungsseil), ist für den City Bound Leiter das Handy. Eine telefonische Erreichbarkeit des Leiters muss bei City Bound Aktionen gewährleistet sein, um bei einem Unfall die notwendigen Schritte einzuleiten. D.h. Sicherheitsstandart ist mindestens ein funktionsfähiges Handy, mit ausreichendem Guthaben, für jeden Gruppenleiter und in jeder Teilnehmergruppe. Zusätzlich bekommt jeder Teilnehmer eine sogenannte Notfallkarte, auf der die ständig erreichbare Telefonnummer der Gruppenleiter steht, sowie eine kurze Erklärung für Behörden, was diese Aktion bezweckt. Jeder Teilnehmer soll so eine Notfallkarte ständig mit sich führen.
Eine grundsätzliche Position zum Thema Sicherheit bei City Bound-Aktionen ergibt sich aus den Inhalten, die in den Kapiteln Mitarbeiterkompetenz und Rechtliche Aspekte aufgeführt wurden. Generell gilt:
• Gefahrenquellen sollten möglichst ausgeschaltet werden. Dennoch gibt es keinen absoluten Schutz vor Gefahren. Jedoch kann die Mobilisierung des eigenen und gemeinsamen gesunden Menschenverstandes, zusammen mit Fachwissen und Erfahrungen, einen Prozess einleiten, der vor allem für Jugendliche mit ihrer altersbedingten Unbekümmertheit und Risikofreude höchst lehrreich sein kann.
• In jedem Fall werden vor den Aktionen Gefahrenquellen und Risiken mit der Gruppe besprochen und danach die Erfahrungen gemeinsam reflektiert. Vorbeugend ist so geklärt, dass alle möglichst gut vorbereitet sind.
• Weiterhin wählt der Gruppenleiter die Aktionen so aus, dass die eigene Fachkompetenz und das Können der Teilnehmer nicht überschritten wird. Er schätzt die Gruppe nach bestem Wissen und Gewissen in ihren Möglichkeiten ein. Der Gruppenleiter beobachtet entstehende Gruppenprozesse und Dynamiken und thematisiert diese. Den Teilnehmern wird nach Möglichkeit auch der Sinn der Aktionen verdeutlicht.
Es folgt abschließend noch eine nützliche Tabelle zur Unterstützung für das Krisenmanagement, die Christina Crowther in ihrem Buch „City Bound, Erlebnispädagogische Aktivitäten in der Stadt“, (Ernst Reinhardt Verlag, München 2005) aufführt:
Personenkreis Was ist zu entscheiden? Was ist zu tun?
Betroffener, Einschätzung der Schwere Kursabbruch für den
Unfallopfer der Verletzung. Welche Teilnehmer?
Versorgungsmaßnahmen Heimfahrt?
sind nötig? Begleiteter Arztbesuch?
Sind weitere Maßnahmen Krankenhaus?
erforderlich?
Versicherung, Polizei?
Sind andere beteiligt?
Gruppe Gruppe sofort informieren? Den nächsten Treffpunkt
Aktion zu Ende führen? nutzen, um der Gruppe
Gruppe später informieren? das weitere Verfahren
Tagesprogramm abbrechen/ mitzuteilen / darüber
weitermachen? diskutieren.
Kursfortsetzung ja/nein?
Entscheidung mit/ohne
Diskussion unter den Teil-
nehmern?
Außenwelt, Information des Auftrag- Leitung allein?
Angehörige gebers, der Organisation, Krisenstab einrichten?
der Einrichtung nötig? Wer spricht mit Medien-
Müssen Angehörige ver- vertretern?
ständigt werden? Gruppe vor Medien
Welche Medien sind be- abschirmen.
teiligt? Wie wird mit ihnen
umgegangen?
Die Ziele, Mitarbeiterkompetenz sowie die rechtlichen Aspekte für das Konzept sind übernommen aus: „Praxishandbuch City Bound, Erlebnisorientiertes
soziales Lernen in der Stadt“, (ZIEL Verlag, Augsburg 2004) und von mir lediglich zusammengefasst und z.T. ergänzt worden.
3.0. Das Projekt
Eine Erwachsenenfortbildung im Rahmen einer Erlebnispädagogikausbildung für Multiplikatoren zum Thema City Bound – Erlebnispädagogik in der Großstadt.
3.1. Die Gruppe
Die Anzahl der TeilnehmerInnen inklusive Service-Team ergab eine Gruppengröße von 14 Personen im Alter von 19 – 40Jahren (10 Frauen und 4 Männer). Für die Teilnahme dieser Erwachsenenfortbildung ist es notwendig in einem pädagogischen Arbeitsfeld beschäftigt zu sein, denn inhaltlich wird an allgemeine Grundsätze und Prinzipien angeknüpft, so dass ein solches Grundwissen unabdingbare Voraussetzung für ein umfassendes Verständnis der Weiterbildungsinhalte und deren späterer Vermittlung ist. Das Service-Team (3 junge Frauen im Alter von 19 – 28Jahren) befinden sich in einer Erzieher-Ausbildung im dritten Semester. Also auch hier ist das grundsätzliche Interesse und ein pädagogischer Mindesthintergrund gegeben.
3.2. Geplanter Projektverlauf
Montag
12:00 Ankommen, Zelte aufstellen,
Mittagessen: Fisch-/Käsebrötchen, Birne Helene
Getränke: Kaffee, Tee, Wasser
Service-Team vorstellen, mich vorstellen, wie viele Vegetarier?
Hausregeln, Organisatorisches... Stadtpläne verteilen
Wochenüberblick
14:00
Team einschwören „Wie wollen wir in dieser Woche miteinander umgehen?
Vertrauensspiel
HVV-Wochenkarten am Hauptbahnhof kaufen
„Das Hamburg Stadtspiel“
„3 Gänge Menü“ für Donnerstagabend
18:00 Treffpunkt City (Alte Millertorwache): kleine Stärkung: Müsliriegel, Obst, Wasser
Auswerten und Reflektieren des Erlebten
Abstimmen in welchem Restaurant wir am Donnerstag zu Abend essen
20:00 Abendbrot im Pfadfinderhaus: Bauernfrühstück
Dienstag
8:00 Frühstück (Brötchen-Mehrkorn-dunkel-gemischt, Aufschnitt-Wurst-Käse, Joghurt, Butter, Margarine, was Grünes, Tee/Kaffee)
9:00 Kooperatives Abenteuerspiel (Hindernislauf)
Planen und Vorbereiten: “Was ich schon immer mal machen wollte!“ Solo oder Gruppe:
• Übernachten in einer Obdachlosenunterkunft, bei einer ausländischen Familie, an einem anderen ungewöhnlichen Ort
• Öffentlicher Auftritt (Theater, Rollenspiel, Musik, Vortrag, Rede...)
• Solo für ca. 1-2 Stunden Z.B. am Hafen, am Hauptbahnhof, in einer Kirche, auf einem Friedhof. Ein ruhiger oder belebter Ort. Wichtig ist, dass man zur Ruhe kommt, alleine ist, den Platz nicht wechselt und zu niemandem Kontakt aufnimmt. Man macht sich Notizen, schreibt sich selbst einen Brief o.ä.. Das Solo dient der Selbstreflexion (Rückblick, Einschätzung, Ausblick).
• Interviews oder Hospitation (Hospiz, Polizei, Rathaus, NDR, Radio Hamburg, Luxushotel, öffentliche Toilette, Container-Hafen, Prostituierte...
Im Schanzenviertel planen und vorbereiten und einen ausländischen Mitbürger für einen kulinarischen Abend gewinnen.
12:30 Mittagessen Typisches Hamburger Essen (Labskaus, Nachtisch)
Abstimmung über kulinarischen Abend
14:00
Blinde Karawane (U-Bahnhof Landungsbrücken über die Autobrücke zum Fähranleger am Hafen) + Das Tunnelspiel + evtl. nach Övelgönne
Aktion: „Was ich schon immer mal machen wollte!“
19:00 Treffpunkt flexibel
kleiner Snack: Müsliriegel...
Schatzkiste/Papierkorb
20:00 Nationalgericht kochen mit Anleitung von ausländischem Mitbürger
Mittwoch
8:00 Frühstück
9:00 Warm up (Big Buddy)
Reflexion von gestern
Lerneinheit: City Bound/Selbstwirksamkeit (Der eigene Anteil am Werden der Dinge), Bücher mitbringen
12:30 Mittagessen: Nudelsalat Nachtisch
13:30 Kanuaktion
Vorm losfahren Kreis: kleine Einweisung, Schwimmwesten, Zusammenbleiben in Rufweite!
20:00 Abendessen: Grillen
Donnerstag
8:00 Frühstück
9:00 Kooperatives Abenteuerspiel: „Aufstehen“
Thema des Tages: Zivilcourage
Einleitung Richard Krauß
Vortrag Polizeikommissar
12:30 Mittagessen: Fischstäbchensandwich, Nachtisch
13:30 Aktion: Zivilcourage
Die Gruppen setzen ein Zeichen. Jeder zeigt Courage und sucht in der Innenstadt nach Möglichkeiten anderen etwas Gutes zu tun. Z.B.: Müllaktion, Passanten zu einer Pause einladen (Kaffee, Massage, Aufheiterung, Tragen helfen...)
16:00 Treffpunkt Park Fiktion:
Auswertung und Reflexion der Aktion Zivilcourage
Lerneinheit 5 Voraussetzungen für Zivilcourage
20:00 First Class Restaurant - 3 Gänge Menü
Freitag
8:00 Frühstück (Brötchen-Mehrkorn-dunkel-gemischt, Aufschnitt-Wurst-Käse, Joghurt, Butter, Margarine, was grünes, Tee/Kaffee )
Warm up: Big Buddy
9:00 Abschied von Hamburg auf dem Michel
Wochenrückblick auf dem Turm
12:00 Mittagessen-Brötchen schmieren
Ausgabe der Zertifikate und Unterlagen, Ausfüllen der Reflexionsbögen, Abreise
3.3. Tatsächlicher Projektverlauf
Als grundsätzliche Struktur galt für mich ein zeitlicher und inhaltlicher Rahmen. Der Zeitraum war, wie auch bei den anderen Kursen für die Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik, fünf Tage von Montag bis Freitag. Die Vorgabe für den Inhalt, war ein Niveau, welches für die anderen KAP-Kurse auch zählt. Nämlich eine Mischung aus langjähriger Erfahrung (sowohl die Kurserfahrung des Instituts als auch meine persönliche Berufserfahrung), die Verwendung von aktueller Fachliteratur und in diesem Fall meine sehr gute Stadtkenntnis.
Circa drei Monate vor dem eigentlichen Kursbeginn habe ich angefangen das Grobgerüst für den Kurs zusammenzustellen. Dieses Gerüst musste nun mit Inhalt gefüllt werden. Also machte ich mich auf die Suche nach passenden Aufgaben. Dazu übernahm ich einige aus dem bestehenden KAP-City-Bound Kurs. Dies ging allerdings nur bedingt, da es nur Vorlagen für Regensburg und Nürnberg gibt. Einige Aufgaben fand ich in der Erlebnispädagogikliteratur und einiges habe ich mir selbst ausgedacht. Oft und lange bin ich durch Hamburg gegangen und habe Orte und Umgebungen für die Aufgaben gesucht. Dabei habe ich mir vorgestellt, wie die Teilnehmer die Aufgaben lösen. Auf welche Schwierigkeiten sie treffen könnten, ob die Aufgabe lösbar ist und ob sie wohlmöglich in Gefahr geraten könnten. Wichtig war, dass ständige abwägen zwischen Über- und Unterforderung und somit auch das Ausloten der Zeit. Haben die Teilnehmer zuviel Zeit oder sind unterfordert, entsteht Langeweile. Haben die Teilnehmer zuwenig Zeit oder sind überfordert, entsteht Unmut und Resignation. Um die angestrebten Ziele zu erreichen, müssen sich die Teilnehmer möglichst häufig während der Aufgaben im Spannungszustand zwischen Über- und Unterforderung befinden (Optimale Erfahrung). Da ich es mit erwachsenen Fortbildungsteilnehmern zu tun hatte, war es für die Sicherheit ausreichend, in regelmäßigen Abständen mit den einzelnen Gruppen Kontakt zu halten und per Handy durchgehend erreichbar zu sein. Im Falle eines Notfalls müssten die Teilnehmer vor Ort entscheiden, zu tun ist. Nachdem sie mich benachrichtigen kann ich telefonische Ratschläge geben, telefonisch professionelle Hilfe anfordern und/oder ggf. selber vor Ort erscheinen. Insgesamt ist der Austausch und der Kontakt mit der Gruppe sehr wichtig um als Leiter den Überblick zu behalten.
Zwei Wochen vor Kursbeginn habe ich mich auf die Suche nach einem Service-Team gemacht. Das Service-Team ist für das leibliche Wohl der Teilnehmer zuständig. Die Teilnehmer befinden sich eine Woche lang in für sie ungewohnten Situationen, die sie herausfordern aber auch unter Stress setzen. Für ein positives Grundgefühl der Teilnehmer ist es wichtig, das sie möglichst keinen Versorgungsmangel haben. So trauen sich die Teilnehmer während der Aktionen mehr zu und die Lerninhalte können besser aufgenommen und vertieft werden. Also begab ich mich, durch den Kontakt zu einer ehemaligen Lehrerin, in eine der ErzieherInnen-Schulen in Hamburg und sprach vor einer Klasse vor. Das Interesse war groß und als es konkret wurde meldeten sich, statt der gesuchten 2 Personen, 3 Erzieherinnen, die unbedingt mitmachen wollten. Ich ließ es auf einen Versuch ankommen und lud alle drei zur ersten Besprechung ein. Die Lehrerin klärte mit der Schulleitung alle notwendigen Absprachen, da die drei eine Woche in der Schule fehlen würden. Wir trafen uns eine Woche vor Kursbeginn. Das Programm war komplett ausgearbeitet, so das wir uns nur auf die Verpflegung konzentrieren konnten. Schwerpunkte waren thematisch eingebundene kulinarische Highlights, die Berechnung der Mengen und am Ende eine fertige Einkaufsliste. Am Wochenende vorher trafen wir uns dann zum Großeinkauf. Insgesamt hat das Service-Team seine Sache gut gemacht. Neben der Verpflegung der Teilnehmer, konnten die drei an den meisten Aktionen der Gruppe teilnehmen. Das heißt, die jungen Erzieherinnen-Azubis erhielten sowohl Einblick in die Vorbereitung und Durchführung einer pädagogischen Erwachsenenfortbildung und sie konnten erleben, wie es ist, die Aufgaben selbst durchzuführen. Am Ende waren alle Teilnehmer mit der Leistung des Service-Teams hochzufrieden und die drei bekamen viel Lob. Die drei selber waren auch zufrieden und hatten viel Spaß, sind allerdings auch einige Male an ihre physischen Grenzen geraten, hatten sich z.B. abends zuviel zugemutet und kamen dann morgens nicht hoch. An diesem Punkt war es von Vorteil, dass sich die Frauen abwechseln konnten. Denn zwei Leute reichen für die Frühstücksvorbereitung ja auch. Der Nachteil an einem Dreier-Team ist, wie in unserem Fall, wenn sich zwei der drei besser verstehen und eine dann das sprichwörtliche dritte Rad am Wagen ist. Diese Tatsache hatte glücklicher Weise keine schlimmen negativen Auswirkungen, war aber doch z.T. im Auftreten und in der Wirkung auf die TeilnehmerInnen zu spüren. Wir waren während ganzen Zeit darüber im Gespräch, konnten die Spannungen jedoch bis zum Schluss nicht auflösen.
Grundsätzlich ist die Kurswoche wie geplant verlaufen. Es gab keine Katastrophen, keine Notfälle, niemand ist krank geworden oder hat den Kurs frühzeitig abgebrochen. Nichts desto trotz möchte ich an dieser Stelle einige Ereignisse der einzelnen Gruppen, beim Lösen der Problemlöseaufgaben, wiedergeben.
Die Woche begann mit dem großen „Hamburg-Stadtspiel“, welches es wirklich in sich hatte. Neben der Beantwortung von Historischen Ereignissen und Hamburger Sprichwörtern und Redensarten, gehörten vier große Problemlöseaufgaben zum Programm (Siehe Anhang). Die Idee war einerseits, den stadtfremden Teilnehmern durch die Aufgaben eine erste zwanglose Kontaktaufnahme zur Stadt Hamburg und ihren Bewohnern zu ermöglichen und dabei gleichzeitig einen groben Überblick über die Möglichkeiten von City-Bound zu geben. Es war von vornherein klar, dass in der Kürze der Zeit nicht alle Aufgaben zu schaffen waren. Die Teilnehmer sollten in den Gruppen ihre eigenen Schwerpunkte setzen. So hat zum Beispiel eine Gruppe die Aufgabe „Gruppenfoto“ als gelöst betrachtet, nachdem sie es geschafft hat, sich zu viert zusammen mit Xavier Naidoo fotografieren zu lassen.
Als wir uns nachmittags am vereinbarten Treffpunkt eingefunden hatten, herrschte eine positive und angeregte Atmosphäre. Die TeilnehmerInnen berichteten begeistert von ihren Erlebnissen. Alle hatten angenehme Erfahrungen mit den Hamburgern gemacht, die gerne zu Auskünften, Fotos oder Hilfestellung bereit waren. In den Nobelläden im Neuen Wall war der Rekord anprobierte Kleidung im Gesamtwert von 6.500 Euro, die Hamburger haben zum Thema Prostitution fast einhellig eine tolerante Einstellung, nur das 3 Gänge Menü konnte am ersten Tag noch nicht unter Dach und Fach gebracht werden. Nach dem ersten Tag hatten die Teilnehmer viele Ängste verloren und konnten voller Erwartung zuversichtlich auf die vor uns liegende Woche blicken. Für die Aktion „Was ich schon immer mal machen wollte“. Eine Gruppe hat sich kurz entschlossen ins Hamburger Rotlicht-Milieu begeben. Der besondere Reiz lag in der Erkundung von Hintergründen der Szene und diese möglichst auch als Erste-Hand-Informationen von deren Mitgliedern. Heraus kam die Begehung vieler milieurelevanter Orte, unter anderem der einzigen Zuhälter Kneipe und etliche Gespräche mit Anwohnern und Passanten des Stadtteils.
Eine andere Teilnehmergruppe hatte es auf die Hamburger Reitsportszene abgesehen und machte sich auf den Weg zu den zwei großen Rennbahnen, der Trabrennbahn Bahrenfeld und der Horner Rennbahn. Ziel waren die Besichtigung und eventuell sogar eine Umrundung hoch zu Ross. Heraus kamen ein Interview, die Erkundung der Bahnen und der Ritt auf einem schwarzen Rennpferd für Kinder.
Zwei Teilnehmerinnen haben getrennt von einander die Zeit für ein Solo an der Alster und am Hafen genutzt.
Schwierig war für die ganze Gruppe, dass die Aufgabe 3 Gänge Menü vom Tag zuvor noch zu erledigen war und zusätzlich noch ein ausländischer Mitbürger für die kulinarische Gestaltung des Abendessens gefunden werden musste. Für das 3 Gänge Menü gab es am Ende des Tages zwei Angebote, über die wir am Mittwoch nur noch abstimmen brauchten. Und für das Abendessen behalf sich die Gruppe, mit dem Angebot von Daniela, einer der jungen Frauen aus dem Service-Team und portugiesischer Herkunft, ein Gericht aus ihrer Heimat zu kochen.
Am Ende des zweiten Tages waren alle TeilnehmerInnen ziemlich geschafft und am Lagerfeuer äußerten einige froh, dass ihnen am Mittwoch eine etwas passivere und entspanntere Rolle zukam. Nämlich eine Lerneinheit über den theoretischen Hintergrund des Ansatzes „City-Bound“ und eine Kanu-Tour (Hamburg auf dem Wasserweg entdecken).
Der Tag verlief wie geplant, bis auf eine Nachlässigkeit von mir, vor der Kanu-Tour. Und zwar verzichtete ich vorm zu Wasser lassen der Boote, einen Kreis zu bilden und mit allen die wichtigsten Regeln durch zu gehen (speziell, das alle Kanus in Rufweite zusammen bleiben). Stattdessen vergewisserte ich mich, wie viele Teilnehmer den KAP-Kanu-Kurs belegt hätten (bis auf eine Teilnehmerin hatten ihn alle mitgemacht) und wies auf Schwimmwestenpflicht hin. Durch den fehlenden Hinweis, dass wir alle in Rufweite zusammenbleiben, fuhren wir z.T. sehr weit auseinander. Wir bewegten uns zwar am helllichten Tag in sicheren Kanälen, bis auf eine Teilnehmerin hatten alle anderen Kanuerfahrung und aus meiner Sicht bestand zu keiner Zeit jemanden eine Gefahr, dennoch waren nach unserem Ausflug zwei Teilnehmer unzufrieden. Sie beschwerten sich auf der Rückfahrt, dass die Kanu-Tour chaotisch verlief und vor allem, dass man auf einer Erwachsenenfortbildung mit pädagogischem Fachpersonal darauf hinweisen muss, das, wenn man mit Kindern- und Jugendlichen so eine Tour unternimmt, man vorher viel genauere Regeln festlegen muss. Diese Kritik nahm ich zunächst zur Kenntnis und als wir wieder in unserer Unterkunft waren, hielt ich es für angebracht, dieses Thema innerhalb der Gruppe noch mal anzusprechen. Einerseits weil die Kritik zum Teil berechtigt war, ich hätte in der Tat vor der Tour auf Rufweite hinweisen sollen und andererseits um die Sichtweise und Stimmung aller TeilnehmerInnen zu erfahren. Das allgemeine Meinungsbild der Gruppe war, dass alle durch den schon belegten Kanukurs und aus den Ausflugserfahrungen mit dem eigenen Klientel sehr wohl einschätzen konnten, welcher Unterschied besteht, zwischen einer Kanu-Tour mit erwachsenen Teilnehmern und der eigenen Adressatengruppe. Einige fühlten sich auch angegriffen durch die unterschwellige Behauptung zu weinig gesunden Menschenverstand und Eigenverantwortung zu besitzen, um so etwas selbst richtig einschätzen zu können, denn schließlich sind ja alle ausgebildete Pädagogen. Das Ziel der Kanu-Tour war ja auch, Hamburg (auch beispielhaft für andere Städte) auf dem Wasserweg zu entdecken. Und nicht, wie lerne ich Kanu-Touren zu leiten. Dafür ist ein Nachmittag maßgeblich zu kurz. Glücklicherweise fanden alle anderen die Tour sehr gut und entspannend. Wichtig war, das der Unmut der beiden Teilnehmer innerhalb der Gruppe ernst genommen und thematisiert wurde und es nicht aufgrund von unausgesprochenem Frust zu schlechter Stimmung im Kurs kommt. So waren alle informiert und konnten ihre Meinung und ihre Befindlichkeit äußern. Die Gesamtstimmung empfand ich danach gelöst und positiv. Danach konnten wir den Grillabend genießen und den Tag am Lagerfeuer ausklingen lassen.
Der Donnerstag stand ganz unter dem Motto „Zivilcourage“. Nachdem ich die TeilnehmerInnen auf unterschiedliche Weise auf das Thema eingestimmt hatte, kam ein hamburger Polizeikommissar, um einen Vortrag zum Thema zu halten. Mit einer lebendigen Vortragsweise, zwei Rollenspielen und vielen Beispielen aus seinem Polizeialltag, konnte der Polizist die Gruppe gut erreichen. Nach zweieinhalb Stunden wurde er von den TeilnehmerInnen eingeladen, mit uns den letzten Abend zu verbringen. Dieser letzte Abend wurde im Tagesverlauf dingfest gemacht. Der Wunsch der Gruppe war es, ein 3 Gänge Menü für 6,50€ bei einem Catering-Service zu ordern, zwei Bierzeltgarnituren zu besorgen und unseren letzten Abend am Elbstrand von Övelgönne zu verbringen. Vorher jedoch waren alle froh, den Bewohnern der Stadt Hamburg durch die Aktion Zivilcourage (jemandem etwas gutes Tun), etwas zurückgeben zu können. Die ganze Zeit waren die Aufgaben so angelegt, dass die TeilnehmerInnen etwas von anderen Menschen wollen, jetzt konnten sie endlich auch etwas geben. So haben die Gruppen Blumen verschenkt, für Obdachlose gebettelt und Essen eingekauft, Kinderwagen die Treppen hoch getragen, beim Umzug geholfen und vieles mehr.
Am Abend waren alle sehr zufrieden mit ihrer Leistung und wir konnten am Elbstrand gemeinsam unser wohlverdientes 3 Gänge Menü verzehren. Nach dem Essen ist die Hälfte der Gruppe sogar in die eiskalte Elbe gesprungen und hat gebadet, als wäre es das normalste der Welt.
Am nächsten Tag hieß es dann Abschied nehmen. Wir machten eine Reflexionsrunde und schauten vom Michel (Hamburgs Wahrzeichen mit Aussichtsturm) aus noch mal auf die zurückliegende Woche.
3.4. Nachbereitung
Zur Nachbereitung gehörte für mich die Beschäftigung mit den Reflexionsbögen. Das Feedback für mich fiel sehr positiv aus, was mich selbstverständlich ebenso sehr gefreut hat. Über einige Kritikpunkte, bezüglich Unterkunft und Programm habe ich mir schon Gedanken gemacht und Konsequenzen gezogen. Die Unterkunft wird beim nächsten Kurs besser vorbereitet sein und der Programmpunkt „kulinarischer Abend mit ausländischem Mitbürger“ fliegt raus. Aufgrund der Fülle des Programms, hat dieser Punkt die TeilnehmerInnen doch zeitlich unnötig unter Druck gesetzt. Die Reflexion mit dem Service-Team hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden. Bisher konnten wir keinen gemeinsamen Termin finden.
Ansonsten hatte ich noch viele Gespräche mit einzelnen TeilnehmerInnen, die sich nach dem Kurs bei mir gemeldet haben.
4.0. Fazit
Zusammengefasst ergibt sich für mich folgendes Fazit: Die Durchführung einer erwachsenen Fortbildung erfordert volle Konzentration, hohe Einsatzbereitschaft (viel Vorbereitung, in der Kurswoche 16Std. tägliche Arbeitszeit) und ein Verantwortungsbewusstsein. Andererseits wird dieser Einsatz belohnt durch viel Anerkennung, die Freude an den Erfolgen der TeilnehmerInnen und durch den eigenen Spaß an der Sache. Ein großer Nachteil für den Leiter von City-Bound ist mir in dieser Woche auch klar geworden. Man stellt den TeilnehmerInnen Problemlöseaufgaben und im Gegensatz zu den anderen Medien der Erlebnispädagogik, ist man bei der Erledigung dieser Aufgaben nicht dabei. Das heißt, die Adressaten erleben die tollsten Sachen und man selbst ist auf die Erzählungen angewiesen. Aber an dieser Tatsache lässt sich nichts ändern, denn schließlich ist das unter anderem der besondere Reiz dieses Ansatzes, dass die Aufgaben von den Kleingruppen alleine bewältigt werden. Nur erlebt man das Gefühl von Selbstwirksamkeit.
Ich freue mich schon sehr auf den nächsten City-Bound-Kurs in Hamburg.
Literatur
Crowther, Christina: "City Bound" Erlebnispädagogische Aktivitäten in der Stadt, Ernst Reinhardt Verlag, München 2005
Deubzer, Barbara/ Feige, Karin (Hrsg.): "Praxishandbuch City Bound", Erlebnisorientiertes soziales Lernen in der Stadt, ZIEL Verlag, Augsburg 2004
Galuske, Michael: "Methoden der Sozialen Arbeit", Eine Einführung, Grundlagentexte Sozialpädagogik/Sozialarbeit, Juventa Verlag, Weinheim und München 1998
Heckmair, Bernd/Michl, Werner: "Erleben und Lernen", Einstieg in die Erlebnispädagogik, Band 2, Luchterhand Verlag, Neuwied, Kriftel 2002
Krauß, Richard: "City Bound" Erlebnispädagogik in der Großstadt, Kolloquiumsarbeit, 7.Semester, Institut für Soziale Praxis (ISP), Kontaktstudiengang "Soziale Arbeit", Rauhes Haus, Hamburg 2004
Michl, Werner (Hrsg.): "Metaphern – Schnellstraßen, Saumpfade und Sackgassen des Lernens", ZIEL Verlag, Augsburg 1999
Anhang
Catherine Genovese
Es war der 13. März 1964 im New Yorker Stadtteil Queens. Catherine Genovese, auch Kitty genannt, war auf dem Heimweg von ihrer Nachtschicht in einer Bar, in der sie als Geschäftsführerin arbeitete. Genovese, achtundzwanzig Jahre alt, war eine schlanke Frau mit punkig schwarzem Haar und smaragdgrünen Augen in einem zarten elfenhaften Gesicht. Sie fuhr auf den Parkplatz, der zu dem Apartment gehörte, in dem sie allein lebte. Sie parkte ein und stieg aus. Es war drei Uhr früh. Sie bemerkte, gleich nach den ersten Schritten zum Haus, eine kauernde Gestalt nicht weit entfernt, also wendete sie sich rasch nach rechts, zur Polizeinotrufsäule an der Ecke. Catherine Genovese erreichte den Polizeinotruf nicht mehr. Der Mann, der später als Winston Moseley identifiziert wurde, stieß ihr sein Messer tief in den Rücken und dann, als sie sich zu ihm umdrehte tief in den Bauch. Sie schrie. Sie schrie diese Worte:“ Oh mein Gott! Er bringt mich um! Hilfe! Bitte Hilfe!“ Sofort gingen die Lichter in der dichtbewohnten Gegend an. Moseley sah sie. In seinem Prozess sagte er, er habe die Lichter gesehen, aber er habe „nicht das Gefühl gehabt, dass diese Leute die Treppe herunterkommen“. Statt herunterzukommen rief jemand:“ Lass das Mädchen in Ruhe!“ Moseley rannte weg, und Catherine kroch, von mehreren Messerstichen schwer verwundet, in den Eingang vor einer Buchhandlung, wo sie liegenblieb. Die Lichter in den Apartment gingen daraufhin wieder aus. Die Straße war still. Moseley hörte auf dem Weg zu seinem Auto das Schweigen der Straße, sah, wie die Fenster sich wieder verdunkelten und beschloss zurückzukehren und sein Werk zu vollenden. Doch zuerst öffnete er die Autotür und tauschte seine Strumpfmaske gegen einen Filzhut. Dann schlich er die Straße wieder zurück und fand den zusammengekrümmten Körper der Frau, rot und nass, und begann erneut auf sie einzustechen. Er schlitzte ihren Körper am Hals und an den Genitalien auf. Sie schrie wieder. Und schrie. Minuten vergingen. Erneut gingen die Lichter in den Fenstern der Apartments an- stellen Sie sich diese Lichter vor-, gelbe Flecken, die Catherine und Winston gesehen haben müssen, so greifbar und doch so unerreichbar. Wieder zog sich Moseley zurück, und jetzt schaffte es Catherine irgendwie, sich in den Flur ihres Apartmenthauses zu schleppen, wo Moseley sie ein paar Minuten später wiederum fand und daran ging, sein Werk endgültig zu vollbringen. Sie schrie um Hilfe und hörte dann auf zu schreien. Sie stöhnte. Er zog ihren Rock hoch, schnitt ihr die Unterwäsche vom Leibe und berichtete in seinem Prozess:“ Sie hatte ihre Tage.“ Er wusste nicht, ob sie tot war oder noch lebte, er holte seinen Penis raus, bekam aber keine Erektion zustande. Dann legte er sich auf ihren Körper und hatte einen Orgasmus.
Dieses Verbrechen fand in einem Zeitraum von 35 Minuten statt, zwischen 3 Uhr 15 und 3 Uhr 50. Es geschah in einer Folge von drei einzelnen Angriffen, alle von einiger Dauer und von Hilfeschreien unterbrochen. Die Zeugen, die Leute, die das Licht anschalteten, konnten hören und sehen. Sie taten nichts. Es gab insgesamt achtunddreißig Zeugen, die von ihren Fenstern aus zusahen, wie eine Frau erstochen wurde. Erst als alles vorbei war, rief jemand die Polizei, aber da war sie schon tot. Der Krankenwagen transportierte sie ab. Es war vier Uhr morgens, und die Leute, die zugesehen hatten, gingen wieder ins Bett.
Die Fünf Schritte des Hilfsverhaltens:
(Darley und Latane)
1. Sie, der potenzielle Helfer, müssen erkennen, dass etwas passiert.
2. Sie müssen das Ereignis so interpretieren, dass Hilfe gebraucht wird.
3. Sie müssen persönliche Verantwortung übernehmen.
4. Sie müssen entscheiden, was zu tun ist.
5. Dann müssen sie handeln.
Aufstehen
Ort: | Raum oder Wiese |
Dauer: | 10 - 20 Min. |
Eignung: | 8 - 18 Personen ab 12 Jahren |
Beschreibung des Spiels
Zwei Personen etwa gleicher Größe sitzen sich auf dem Boden gegenüber. Die Knie werden leicht angewinkelt, die Fußspitzen berühren sich und die beiden fassen sich an den Händen. Aufgabe der sich gegenübersitzenden Spieler ist es nun, sich gegenseitig hochzuziehen und zum gleichen Zeitpunkt vom Boden abzuheben. Wenn beide erfolgreich auf den Füßen stehen, suchen sie sich das nächste Paar und probieren das ganze zu viert. Nach jedem geglückten Versuch sollten zwei weitere Personen dazukommen. Vielleicht schafft es zum Schluss ja die gesamte Gruppe? Dies ist allerdings bereits ein recht anspruchsvolles Problem, bei dem verschiedene Strategien geplant und erprobt werden können.
Das Tunnelspiel
Mit vergleichsweise primitiven Mitteln auf dem damaligen Stand der Technik, haben die Hamburger Anfang des letzten Jahrhunderts einen Tunnel unter der Elbe durchgegraben. Trotz Petroleumlampen war die Sicht sehr eingeschränkt und je länger der Tunnel wurde, desto mehr mussten sich die Arbeiter auf Zuruf wichtige Informationen von einem Ende zum anderen weitergeben. Sie mussten sich im wahrsten Sinne des Wortes blind aufeinander verlassen gerade dann, wenn einer der Arbeiter bemerkte, dass an einer Stelle Wasser durchdrang, sich jemand verletzte oder der Tunnel einzustürzen drohte. Heute ist der Tunnel zwar fertig, aber man kann trotzdem noch nachempfinden, wie sich die Arbeiter ihre Informationen haben zukommen lassen. Direkt vor Euch ist eine der beiden Tunnelröhren. Die Röhre hat eine Länge von 426,5 Metern.
Verteilt Euch gleichmäßig über die Gesamtlänge. Wenn Ihr fertig seid, übermittelt der letzte dem ersten drei wichtige Informationen.
Sicher angekommen!
Der Tunnel hält!
Ich komme zurück und sammle Euch ein!
Schatzkiste und Papierkorb
Ort: | In einem Raum oder im Freien |
Dauer: | 20-30 Minuten |
Eignung: | Für Gruppen von 10-30 Personen ab 10 Jahre |
Hilfsmittel: | 1 Papierkorb, 1 kleines Kästchen, verschiedenfarbiges Papier, Stifte |
Einsatzmöglichkeiten: | Zwischenbilanz |
Der Leiter präsentiert der versammelten Gruppe zwei wertvolle Gegenstände; den Papierkorb, in dem man alles Unangenehme und Ärgerliche, was so passiert ist, hineinwerfen kann, und die Schatzkiste, in der alle schönen Eindrücke und Erinnerungen aufbewahrt werden können. Nacheinander können alle Teilnehmer dann angenehme und unangenehme Aspekte des gemeinsam Erlebten benennen. Diese werden vom Leiter jeweils auf einem Zettel festgehalten und in den Papierkorb geschmissen bzw. in die Schatzkiste gelegt. Anschließend werden die Inhalte der beiden Behälter getrennt voneinander noch einmal vorgelesen und die Gruppe kann sich darüber unterhalten, wie künftig solcher Müll vermieden, die Schätze jedoch gehegt bzw. weitere gesammelt werden können. Papierkorb und Schatzkiste werden von der Gruppe oder vom Leiter sorgfältig aufbewahrt und können zu einem späteren Zeitpunkt wieder hervorgeholt werden, um zu besprechen, was aus den Vorsätzen geworden ist.
Kommentar
Diese relativ freie Form der Rückmeldung gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, sowohl Rückmeldung untereinander und zum Gruppenprozess zu geben, als auch Kritik am Leitungsverhalten und am Programm zu äußern.
Gruppenfoto Jungfernstieg
Schießt ein Gruppenfoto auf dem berühmten Hamburger Jungfernstieg. Ihr habt die Aufgabe erfüllt, wenn auf dem Gruppenfoto 20 Menschen mit den folgenden Besonderheiten vor der Sehenswürdigkeit zu sehen sind:
1 frisch verliebtes Paar
1 Frau mit Kind
2 echte Hamburgerinnen
1 Seemann
1 Gemüsehändler
2 Menschen anderer Hautfarbe
und anderer Nationalität
1 Taxifahrer
1 Mann mit Hund
2 Studentinnen
2 Touristen
2 Senioren
2 Polizisten
3 Gänge Menü
Vor Euch liegt eine spannende und ereignisreiche Woche, an deren Ende Ihr viele Aufgaben erledigt, viele Probleme gelöst und vielen Herausforderungen standgehalten habt. Genau deshalb habt Ihr Euch für den letzten Abend ein fürstliches Essen in einer exklusiven Umgebung verdient. Nun sind die KAP-Kurse so scharf kalkuliert, dass das Geld zwar für gute und ausreichende Verpflegung reicht, aber nicht für ein gemeinsames Essen in einem
5 Sterne Restaurant. Damit Ihr aber trotzdem in den Genuss eines standesgemäßen und wohlverdienten Wochenabschlusses kommt, lautet Eure Aufgabe:
Handelt in einem der erstklassigsten Restaurants von Hamburg ein 3 Gänge Menü aus. 3 Gänge bedeutet Vorspeise, Hauptgang, Nachtisch und ein Getränk für 6,50€ pro Person, für insgesamt 15 Personen am Donnerstag, den 07.09.2006 um 20°°Uhr. Ihr werdet heute Nachmittag die Angebote, die Ihr eingeholt habt der Großgruppe präsentieren und wir stimmen gemeinsam darüber ab, in welches Restaurant wir am Donnerstagabend gehen.
Das Hamburg Stadtspiel
Wie nannte man um 1300 diejenigen reichen Hamburger, die sich ihre Häuser aus Steinen bauen lassen konnten?
Woher hat die als Vergnügungsstraße berüchtigte „Große Freiheit“ ihren Namen?
Welches ist der Anlass für den „Hafengeburtstag“ am 7 Mai?
Was bedeutet der Hamburger Ausspruch „Hummel, Hummel. Mors, Mors!“
und woher stammt er?
Welche Gesangsgruppe begann im Hamburger „Star Club“ ihre Karriere?
Welchem großen Hamburger Volksschauspieler hat man auf St. Pauli ein Denkmal gesetzt?
Zwischen Helgoländer Allee und Zeughausmarkt steht das riesige Bismarkdenkmal. Aus welchem Grund dreht Bismark der Hamburger Innenstadt den Rücken zu?
An welchem Verkehrsknotenpunkt treffen sich Busverkehr, Alsterschiffahrt, U-Bahn und S-Bahn in fünf Ebenen?
Nach welchem amerikanischen Politiker ist eine Hamburger Brücke benannt? Von welchem Kirchturm wird noch morgens und abends von einem Trompeter ein Choral in alle vier Himmelsrichtungen geblasen?
Was nennt der Seemann einen „halben Schlag“?
- Seemannsknoten?
- Backpfeife mit der flachen Hand?
- Zu kleine Essensportion an Bord?
- Spezieller Schnitt der Seemannshose?
Welches Getränk meint der Hamburger, wenn er sagt: „Rum muss, Zucker darf, Wasser kann...“?
Wie heißt das Getränk, das je zur Hälfte aus hellem Bier und klarer Limonade besteht?
Eines der beliebtesten Kinderspiele im alten Hamburg wurde im Freien gespielt. Man benötigte dazu eine im Erdboden ausgekratzte Rille, ein daumendickes, an den Enden zugespitztes Holz und einen Stock.
Wie heißt das Spiel?
Was wird einem serviert, wenn man ein „Rundstück warm“ bestellt?
Wie nennt der Hamburger den (angeblich typischen) Nieselregen?
Um in Hamburg gut über die Runden zu kommen, muss man die wichtigsten Redensarten auf Plattdeutsch draufhaben.
Was bedeutet:
Wat de Buur nich kennt, dat fret he nich.
Moin secht de Buur, wenn he in Dörp kummt.
Har de Hund nich scheeten, har he de Haas beeten.
Je duller Du fohrst, je eher büst in Mors.
Kiek mal wedder in.
Kannst di dreihn as du wist, dien Mors blifft immer achtern.
Kannst di op nix verlatn – denkst du löttst een fleegen un schiets inne Büx.
Klog as en Imm, bloos Honich schieten kann he nich.
Mark´s Müüs?
Melk to krömen hebben.
Nich lang schnacken, Kopp in Nacken.
Kotz de Buur mal övern Trekker, wär siehn Fröhstöck nich so lekker.
Steiht in Dezember noch dat Korn, is dat wohl vergetten worn.
Meinungsumfrage Prostitution
Durch die Hafennähe ist in Hamburg ein Vergnügungsviertel entstanden.
Der Umgang mit Prostitution gehört auf dem "Kiez" zum Alltag und ist seit Jahrzehnten ein Touristenmagnet.
Wie aber beurteilen die Hamburger diese vermeintliche Normalität?
Soll Prostitution abgeschafft werden, oder ist es in Ordnung?
Darf man dafür eine ganze Straße sperren, in der Zutritt für Frauen verboten ist?
Führt eine repräsentative Umfrage in der Bevölkerung durch und erfasst ein Meinungsbild.
Hennes und Mauritz meets Karl Lagerfeld
Hamburg ist die Stadt in Deutschland, in der die meisten Millionäre wohnen. In keiner anderen Stadt ist mehr Vermögen in privater Hand. Deshalb gibt es auch für die Reichen und Schönen eine Einkaufsstraße, den Neuen Wall (zwischen dem noblen Jungfernstieg und der Stadthausbrücke). Für unsereins ein eher befremdliches Milieu. Um herauszufinden, dass Euch plötzlicher Reichtum (durch Erbschaft oder Lottogewinn) nicht völlig aus der Bahn wirft und auch als Training für Donnerstagabend, habt Ihr jetzt die einmalige Gelegenheit zu testen ob Euer Benehmen auch für das Leben in der Oberschicht ausreicht.
Geht in einen Laden im Neuen Wall (Bulgari, Steinbrück, Cartier, Anniikki Karvinen, Burberry...) lasst Euch beraten und vor allem: probiert etwas an und fotografiert Euch damit, wenn möglich sogar mit VerkäuferIn.
Macht von allen Aufgaben und Aktionen so viele Fotos wie möglich. Bestimmt evtl. einen Fotografen in der Gruppe.
Wir treffen uns um in den großen Wallanlagen, Eingang Millerntordamm (U-Bahn St.Pauli) hinter der alten Millerntorwache (kl. Häuschen mit vier Säulen) auf dem Rasen.
Wenn Ihr später kommt oder in Schwierigkeiten steckt, ruft mich an:
Richard 0170/xxxxxx
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"City Bound"
Erwachsenen-Fortbildung für pädagogisches Fachpersonal