Tina Jachomowski
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Reise in das Land des Glaubens"
eine Wander- und Kanutour
Erlebnispädagogisches Projekt von Tina Jachomowski
Erlebnistage für Jugendliche
13. - 16. Juli 2007
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung / Beschreibung der Einrichtung
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 Pädagogischer Hintergrund - die Idee
2.2 Zielsetzung
2.3 Art der Unternehmung
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
3.2 Beschreibung der Teilnehmer/innnen
4. Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
4.1.1 Planungsschritte
4.1.2 Sicherheitskonzept
4.1.3 Aufgabenteilung
4.2 Geplanter Projektverlauf
4.2.1 Ablaufplan
4.2.2 Spiele und Aktionen
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
4.4 Abschluss
5. Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den beteiligten Jugendlichen
5.2 Reaktionen in der Einrichtung
6. Reflexion
6.1 Besondere Erlebnisse
6.2 Erkenntnisse / Erfahrungen
7. Öffentlichkeitsarbeit
8. Literaturverzeichnis
Anhang (hier nicht ausgeführt)
1. Einleitung / Beschreibung der Einrichtung
Die Erlebnistage sind ein Angebot für die Jugendlichen der zweier Kirchengemeinden in der Nähe von Hamburg. Beide Kirchengemeinden sind Glieder der Nordelbischen Lutherischen Kirche. Beide Kirchengemeinden besitzen derzeit ca. 4.200 bzw. ca. 3.900 Gemeindeglieder. Beide Kirchengemeinden entstanden nach dem Krieg und unterteilen sich bis heute in die Siedlungsgemeinde und die Dorfgemeinde. Seit 2000 gibt es eine regionalisierte Diakonenstelle für beide Gemeinden, die auch weiterhin eigenständig arbeiten.
Zur Zeit nehmen 181 Jugendliche am Konfirmandenunterricht beider Gemeinden teil. Beim Konfirmandenunterricht handelt es sich um ein kooperierendes Konfirmandenunterrichts-modell. Das heisst, Jugendliche aus beiden Gemeinden haben die Möglichkeit, den Ort ihres Konfirmandenunterrichtes und den Ort ihrer Konfirmation aus beiden Gemeinden auszuwählen. Der Unterricht beginnt in jedem Jahr und dauert zwei Jahre. Geleitet und durchgeführt wird er von jeweils einem Pastor einer Gemeinde und der Diakonin. Die Arbeitsschwerpunkte der Diakonin liegen im Bereich Konfirmandenarbeit, Arbeit mit Jugendlichen und Arbeit mit Kindern. Das Angebot in beiden Gemeinden versucht, alle Altersgruppen zu erreichen.
xy ist eine Stadt mit knapp 18.000 Einwohnern im Westen Hamburgs gelegen, aber zugehörig zum Kreis Pinneberg und dem Land Schleswig-Holstein. Nordöstlich der Stadt erstreckt sich der Bereich Siedlung während das ursprüngliche Dorfzentrum südwestlich von ihr liegt. Diese Teilung wirkt sich bis heute auf die Arbeit der Kirchengemeinde aus. Durch die ruhige Randlage im Grünen in Kombination mit Gewerbeansiedlung ist xy nicht nur Wohn- sondern auch gleichzeitig Arbeitsstätte in direkter Nachbarschaft und Anbindung zur Freien und Hansestadt Hamburg.
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 Pädagogischer Hintergrund - die Idee
Nach mehreren Jahren, in denen eine zweiwöchige Auslandsreise für Jugendliche in den Sommerferien veranstaltet wurde, haben sich die beiden Kirchengemeinden auf Anregung der Diakonin für eine konzeptionelle Veränderung der Jugendarbeit entschieden. Nach gründlicher Auswertung der letzten Jugendreisen hat sich gezeigt, das Angebot und Nachfrage unter Berücksichtigung des Arbeitsaufwandes in keinem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Darüber hinaus zeigte sich eine überdurchschnittlich hohe Teilnahme von Jugendlichen aus anderen Kirchengemeinden beziehungsweise Teilnehmern ohne Kirchenzugehörigkeit. Dies entsprach nicht der Zielsetzung. Das finanzielle Risiko bei langfristig geplanten Auslandsfreizeitmaßnahmen trug ebenso dazu bei, dass über Veränderungen nachgedacht werden musste. Ein weiterer wichtiger Grund für eine Veränderung des Angebotes war vor allem auch die geringe Resonanz aus der eigenen Jugendarbeit der beiden Kirchengemeinden. Hier zeigte sich über die Jahre nur eine schleppende Beteiligung der Jugendleiter an großen Freizeitmaßnahmen.
Diese Gründe haben u.a. dazu geführt, dass beide Kirchenvorstände die Entscheidung der Diakonin, keine große Auslandsreise dafür aber mehrere Wochenendmaßnahmen anzubieten, mittragen. Die Veränderungen hinsichtlich eines breiteren erlebnispädagogischen Angebotes werden seitens der Leitung der beiden Kirchengemeinden voll unterstützt.
So begann im Oktober 2006 die Planung des Programms der Jungen Gemeinde als wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzeptes. Im Jugendforum (die Jugendvertretung beider Gemeinden bestehend aus den Jugendleitern und denen, die es werden wollen) wurden erste Ideen für Tagesausflüge und Wochenendveranstaltungen gesammelt. In diesem Zusammenhang entstand die Idee, zukünftig drei bis vier Teamertage und in den Sommerferien eine mehrtägige Freizeitmaßnahme für Jugendliche ab 14 Jahren anzubieten. Die Erneuerungen stehen in folgendem konzeptionellen Kontext der Jugendarbeit beider Gemeinden.
2.2 Zielsetzung
Jugendarbeit allgemein:
Aus den oben genannten Ergebnissen und Veränderungsideen haben sich folgende Ziele für die Jugendarbeit herausgestellt:
• Zum Glauben einladen
• Gemeinschaft leben
• Eigene Fähigkeiten entdecken
• Kirche gestalten
• Im Glauben und der Persönlichkeit wachsen
Besondere Ziele der Erlebnistage:
Zu den oben genannten Zielen der Jugendarbeit sind folgende Ziele speziell für die erlebnispädagogischen Freizeitmaßnahmen zu nennen:
• Jugendliche beider Kirchengemeinden fördern und als aktive Mitglieder gewinnen
• Die aktiven Jugendleiter motivieren und Erfahrungsraum bieten
• Zusammenhalt des Jugendforums stärken
• Konfirmanden und Konfirmierte an die Gemeinden binden
• Größere Flexibilität im Vergleich zur Auslandsreise erreichen
• Alltagsbezug zum Glauben herstellen und Gemeinschaft als notwendigen Rahmen dafür erfahrbar machen
2.3 Art der Unternehmung
Daraus ergab sich nach mehreren Absprachen aller Beteiligten eine viertägige Kanu- und Wanderfahrt nach Mecklenburg (aus Zeit- und Geldgründen nicht nach Spanien!). Im Vordergrund sollten die Aktivitäten Wandern und Kanu fahren mit Ergänzung durch Kooperations- und Vertrauensspielen, Andachten als Tagesabschluss sowie ein Tagesrückblick stehen.
Die Entscheidung fiel auf den Zeitraum 13. - 16. Juli 2007 (Freitag - Montag), die ersten vier Ferientage in Schleswig-Holstein. Der erste Zielort ist Boek an der Müritz. Dort ist eine Übernachtung auf einem Campingplatz direkt an der Müritz geplant. Von dort soll es am zweiten Tag zu Fuß nach Mirow gehen. Die folgenden zwei Übernachtungen sind dort auf einem Campingplatz angedacht, von wo aus wir zwei Kanutouren starten werden. Die erste Kanutour ist mit einer Länge von ca. 14 km in Richtung Süden geplant. Die zweite Kanutour ist als kleine Abschlusspaddeltour nach Norden angedacht.
Das Motto für die Erlebnistage lautet „Reise in das Land des Glaubens“ und dient als thematischer Rahmen dieser Tage (vgl. Krause, 2006). Dazu greifen wir die Erfahrungen des Volkes Israel beim Auszug aus Ägypten, die 40jährige Wanderschaft und den Einzug in das Land Kanaan auf, die uns durch die Bibel überliefert sind (vgl. AK Erlebnispädagogik, 2005)
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
An den Erlebnistagen haben insgesamt acht Personen plus Leitung teilgenommen. Geplant und kalkuliert war diese Maßnahme mit maximal 13 Personen. Von Beginn an bestand der Wunsch, vor allem Jugendliche aus den eigenen Gemeinden für diese Reise zu gewinnen. Zusammengesetzt ist die Gruppe letztendlich aus einer weiblichen Leitungsperson, die durch eine erwachsene männliche Co-Leitung unterstützt wird. Er begleitet seit vier Jahren große Freizeitmaßnahmen beider Kirchengemeinden und ist den meisten Teilnehmern bekannt. Hinzu kommen vier Teilnehmer(-innen), die seit mehreren Jahren aktive Mitglieder des Jugendforums (Jugendvertretung der Gemeinden) sind und in Aufgaben und Verantwortung punktuell miteinbezogen werden können. Zwei von ihnen haben die Jugendleiterausbildung erfolgreich absolviert.
Insgesamt kommen die Teilnehmer der Erlebnistage überwiegend aus der Konfirmanden- und Jugendarbeit beider Kirchengemeinden. Zwei Teilnehmer haben großes Interesse an der Mitgestaltung des Jugendprogramms. Daher sind die meisten Teilnehmer einander mehr oder weniger bekannt. Ein Teilnehmer ist ganz neu in der Gruppe, da er seit einigen Jahren im Ausland lebt. Er kommt ursprünglich aus dem Ort und ist mit einem Teilnehmer befreundet. Interessant wird es sein, wie diese beiden Jungs sich in den Rest der einander bekannten Gruppe integrieren können. Mir als Leitung sind alle Teilnehmer bis auf einen gut bis sehr gut bekannt.
So setzt sich die Gruppe der sieben Teilnehmer aus drei Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren und vier Jungen zwischen 14 und 20 Jahren zusammen. Hinzu kommen die Leitung und die Co-Leitung.
3.2 Beschreibung der Teilnehmer/innnen
Leader
32 Jahre, seit 7 Jahren als Diakonin tätig, Morgenmuffel, macht viel mit uns…
S.
20 Jahre, Jugendleiter, seit 6 Jahren dabei, redet viel, Tennis, Studium, Bubb-Club, Zivi
F.
30 Jahre, Co-Leiter, der von Tina, Koch auf Reisen, Otto-Versand
F.
20 Jahre, Bruder von N., Putzfisch, Bund, Modellflugzeuge
L.
14 Jahre, ekelt sich vor Ratten, füttert Lehrer
J.
16 Jahre, liebt gutes Essen, nett, kocht gerne, tolle Stimme, sportlich, musikalisch
N.
16 Jahre, Schwester von F., nettes Ding, Kinderchor, Judo, mit Schule fertig
S.
14 Jahre, lebensfreudiger Mensch, Freund, Eishockey, Vielflieger, Dubai
M.
15 Jahre, Fußball, Kindergartenfreund, Sprinter
4. Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
4.1.1 Planungsschritte
Seit Ende 2006 erwähne ich beim Jugendforum immer mal wieder das Abschlussprojekt meiner Zusatzausbildung. Ab Anfang 2007 werbe ich verstärkt für das Projekt in den Gemeindebriefen und frage konkret nach Interessierten und bekomme eine gute Resonanz.
Im März 2007 wird die erlebnispädagogische Sommerfreizeitmaßnahme im Jugendforum und einem ersten Treffen interessierter Mitstreiter am 4. April genauer geplant. Die max. Teilnehmerzahl liegt bei 13 Teilnehmern. Die Teilnehmerkosten sollen 60,- € nicht übersteigen (Finanzierungsplan siehe Anhang). Es zeichnet sich eine hohe Teilnahme aus dem internen Kreis der Jugendleiter ab. Wir werden sehen.
Als Wunsch wird in der ersten Vorbereitung geäußert, bewusst am Zielort anzukommen. S. wirft die Idee in die Runde, man könne ja auch auf dem Jakobsweg Pilgern gehen. Das Buch von Hape Kerkeling soll super sein. Daraus ergibt sich später als Anfangsaktion eine mehrstündige Wanderung. Nach dem ersten Treffen sondiere ich die gesammelten Möglichkeiten und stelle sie beim nächsten Treffen im Mai zur Abstimmung. Nach dem zweiten Vorbereitungstreffen am 9. Mai buche ich die Übernachtungen auf den Campingplätzen und reserviere die Kanus, nachdem das Projekt und die Finanzierung durch die Kirchenvorstände genehmigt wurde. Ab Mitte Mai werden ca. 250 Konfirmanden und ehemalige Konfirmanden per Post mit Flyern (siehe Anhang) zu diesem Projekt und den Aktionen der Kirchengemeinden eingeladen, nachdem erste interessierte Jugendleiter wieder abspringen und Teilnehmer geworben werden müssen.
Vom 8. - 10. Juni fahre ich mit meinem Co-Leiter zu einem Vorbereitungswochenende nach Mirow und erkunde dort die gesamte Wanderstrecke und mögliche Alternativen für Radtouren mit dem Rad. Hinzu kommt das Abfahren der gesamten Kanutouren und das Erkunden der örtlichen Gegebenheiten.
Anfang Juli werden alle Teilnehmer und Eltern per Brief über alle wichtigen Dinge der Fahrt informiert inkl. Einverständniserklärung und Packliste. Am 10. Juli findet ein letztes Vorbereitungstreffen mit allen Teilnehmern statt. Am 11. und 12. Juli werden die letzten Materialien eingekauft und gepackt.
4.1.2 Sicherheitskonzept
Das Sicherheitskonzept der Erlebnistage umfasst sechs Schritte: die Gefahrenbeurteilung, medizinische Erstmaßnahmen, psychologisch-pädagogische Erstmaßnahmen, organisatorische Erstmaßnahmen, Maßnahmen in der Folgezeit, Erste-Hilfe-Ausrüstung (vgl. Birzele/Hoffmann, 2003, S.178-183).
Um die Gefahren der Wander- und Kanutour einschätzen zu können, sind die Leitung und die Co-Leitung vier Wochen vor Beginn der Maßnahme vor Ort und fahren die gesamte Wanderstrecke und alternative Routen mit dem Rad ab. Ebenso wird die gesamte Kanutour abgefahren. So sind alle regionalen, lokalen und zonalen Bedingungen in Bezug auf die Verhältnisse, das Gelände und die Teilnehmer im Vorfeld geklärt, und der Ablauf des Projektes wird daraufhin überarbeitet. Sowohl für die Wanderung als auch für die Kanutouren zeigen sich gute Möglichkeiten, die Länge der Touren flexibel zu handhaben und im Notfall verkürzen zu können (vgl. Gebhardt, 2004).
Als kritische Faktoren können sich folgende Bedingungen erweisen: Eine zu große Hitze bei der Wanderung könnte die Strecke von 16 Kilometern zu lang werden lassen. Eine Verkürzung bis Granzow (13 Kilometer) ist gut möglich. Im Notfall sind auch die Waldwege mit dem Fahrzeug befahrbar und ein Abholen der Teilnehmer ist auch zu einem noch früheren Zeitpunkt möglich. Auf jeden Fall müssen pro Person mindestens drei Liter Wasser mitgenommen werden! Das Gelände stellt sich als flach und unproblematisch heraus.
Bezüglich der Kanutour sind die Bedingungen des Paddelns auf Seen und Bundeswasserstraßen besonders zu beachten (vgl. Höh, 2004 und www.kanufahrer.de). Da keine Strömung vorhanden ist und meistens mit Wind zu rechnen ist, kann sich das Paddeln in Kombination mit unsicherer Paddeltechnik als sehr anstrengend erweisen. Dies macht eine große Flexibilität in der Auswahl der Strecke notwendig! Auch die Bootsbesetzung ist diesbezüglich besonders zu beachten. Es sollten immer Jungen und Mädchen ein Bootsteam bilden. Da die Kanutour Richtung Süden unterwegs fünf Badestellen anbietet, kann die Länge der Tour der Gruppe gut angepasst werden. Dies ist auch bei schlechteren Witterungsbedingungen von Vorteil. Als etwas kritisch zeigt sich nach dem Vorbereitungswochenende die hohe Frequenz an Motorbooten, die die Routen befahren. Hier muss im Vorfeld zwingend darauf geachtet werden, dass die Teilnehmer das richtige Paddeln bei Wellen beachten und das Bergen der Boote bei einer Kenterung vorher üben! Ergänzt werden müssen die Paddelregeln (siehe Anhang) durch die wichtigsten Schifffahrtsregeln (siehe Anhang). Die exakte Linie der Kanutour spielt eine wichtige Rolle, da das Überqueren der Schifffahrtslinie immer eine Erhöhung des Risikos bedeutet. Dies führt zu der Entscheidung, trotz Rechtsfahrgebot an einer expliziten Stelle links zu fahren, da die Breite des Sees dies zulässt und die Windrichtung dies evtl. erfordert. Ein Erfahrungsaustausch mit den Mitarbeitern der Kanustation bezüglich der Kanutouren gibt ein noch genaueres Bild der Möglichkeiten und bestätigt diese Entscheidung. Am Tag der Touren werden die aktuellen Wetterdaten eingeholt und Absprachen mit der Kanustation getroffen. Darüber hinaus ist der Austausch mit einem Kollegen, der vor zwei Jahren vor Ort war, sehr hilfreich und gibt in der Vorbereitung noch mehr Sicherheit. Eine Liste über das mitgeführte Bootsequipment ist dem Anhang beigefügt.
In Bezug auf die medizinischen und psychologisch-pädagogischen Erstmaßnahmen ist zu erwähnen, dass sowohl die Leitung als auch die Co-Leitung aktuelle große Erste-Hilfe-Scheine besitzen und sich im Vorfeld der Fahrt noch einmal genauestens absprechen (vgl. Wirth, 2002). Hinzu kommt, dass auch die Jugendleiter durch die Jugendleiterausbildung über entsprechendes Wissen verfügen. Die Leitung ist aktive Schwimmerin bei der DLRG und besitz einen aktuellen Rettungsschwimmschein in Silber.
Die organisatorischen Erstmaßnahmen sind durch den Notfallplan des Kirchenkreises genauestens vorbereitet und im Vorfeld mit einer Notfallübung geprobt. Während der gesamten Sommerferien ist ein Notfalltelefon mit hauptamtlichen Mitarbeitern besetzt und dient den verreisenden Kollegen als Rückhalt. Teile des Notfallplans sind: das Notfallblatt, der Notfallplan, die Notfallmeldung, Umgang mit der Presse, Logbuch, Notfallbericht, Notfallkoffer, Texte und Gebete, wichtige Adressen und Telefonnummern (siehe Anhang). Dieser Notfallplan ist zwischen der Freizeitleitung, dem Co-Leiter und den Jugendleitern, die als Teilnehmer mit besonderer Verantwortung mitfahren, besprochen. Über diesen Notfallplan laufen in Absprache mit dem Träger der Freizeitmaßnahme auch die notwendigen Maßnahmen in der Folgezeit.
Die Erste Hilfe Organisation umfasst einen Erste-Hilfe-Koffer (vgl. Birzele/Hoffmann, 2003, Liste siehe Anhang), zwei Notfallsets für unterwegs und eine Liste der ortsansässigen Notfallorganisationen und Ärzte (siehe Anhang).
4.1.3 Aufgabenteilung
Die Hauptaufgaben sind zwischen der Leitung und dem Co-Leiter aufgeteilt und abgesprochen. Dabei sind die Schwerpunkte folgendermaßen verteilt: Die Leitung ist verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der erlebnispädagogischen Aktivitäten, den Kooperations-, Vertrauens- und Warm-up-Spielen sowie den Andachten. Der Co-Leiter zeigt sich verantwortlich für die organisatorischen Dinge des Einkaufens, des Kochens und er übernimmt evtl. Arztfahrten und die medizinische Erstversorgung. Die Jugendleiter übernehmen teilweise die Badeaufsicht und das übrige Bespaßungsprogramm für die Teilnehmer. Hinzu kommt die Unterstützung beim Einkauf und Kochen.
Bei der Wanderung übernimmt die Co-Leitung die Führung. Die Kanutouren werden von der Leitung im ersten Boot geführt und von der Co-Leitung im letzten Boot abgesichert. Bei den Kenter- und Bergeübungen übernimmt die Co-Leitung eine tragende Rolle.
4.2 Geplanter Projektverlauf
4.2.1 Ablaufplan
Freitag, 13. Juli
15 Uhr Abfahrt nach Boek, Müritz (F. Bus, Tina Pkw)
ca. 18 Uhr Ankunft Boek Campingplatz, Auspacken
Späteste Ankunft Camping 22 Uhr (alle)
abends Aufbau, Absprachen, Kennenlernen, Erwartungen Metaplan
Essen Nudeln ? (F. koordiniert)
Samstag, 14. Juli
8 Uhr Frühstück, Abbau
Kirchenbus von Boek nach Mirow (F. und Tina) Bus am Schloss parken!
12 Uhr Wanderung Boek-Mirow (16 km max.)
abends Ankunft Mirow Kanustation
Aufbau, Essen, Absprachen,
Andacht, Tagesauswertung, Ausblick
Grillen (Einkauf bis 20 Uhr!) F. Einkauf +S.
Sonntag, 15. Juli
8 Uhr Frühstück (F.)
10 Uhr Kanu-Einweisung- Absprachen, Kanuregeln, Übungen (Tina)
12 Uhr Kanutour ca. 5 Std.
abends Essen Tortellini, Salat (F. und Helfer)
Kooperationsspiel
Andacht, Tagesauswertung, Ausblick
Nachtspiele?
Montag, 16. Juli
bis 12 Uhr Abbau und packen (alle)
bis 16 Uhr Kanu evtl. Fahrrad, Fahrradeinweisung, Absprachen, Feedback
Hochseilgarten nur in Gruppe möglich!!!! (Tina)
ca. 17 Uhr Abfahrt Mirow (F. Bus, Tina PKW)
ca. 20 Uhr Ankunft
4.2.2 Spiele und Aktionen
„Reise in das Land des Glaubens“
Als Einleitung in das Thema dienen folgende Ideen und Gedanken:
G-8 Gipfel, Klimawandel, Afrikahilfe, Arbeitslosigkeit, Steuererhöhung, Islamkonflikt ...
Schlagwörter aus der jüngeren Vergangenheit. Begriffe, die uns in den Medien und Nachrichten ständig begegnen. Menschen, die sich für etwas einsetzten, gegen etwas sind. Es gibt viele Fragen, viele Antworten, wo aber stehe ich? Was ist mir wichtig? Wofür setzte ich mich ein? Was spielt in meinem Leben eine Rolle und worauf berufe ich mich? Woran orientiere ich mich? usw.
Meine Leitlinie ist mein Glauben. Mein Glauben heisst Christentum. Ich bin Christ. Aber was heisst das? Wir sind getauft und konfirmiert. Was machen wir nun damit? Ich möchte mich mit euch auf eine Reise begeben, auf eine Reise in das Land unseres Glaubens. Über Glauben, Gott und die Bibel haben wir in dieser Runde schon eine Menge gehört. Ihr habt alle den KU durchlaufen, Andachten und Gottesdienste erfahren. In den nächsten Tagen möchte ich mich mit Euch auf eine aktive Reise begeben, mit wenig Theorie und ganz viel Praxis. Was hat Kanu fahren, Wandern, Unterwegs sein mit Glauben und Gott zu tun? Diese Aktionen ermöglichen uns, grundlegende Erfahrungen unseres Lebens bewusst zu machen (z.B. Freude, Enttäuschung, ein Ziel verfolgen, Orientierungslosigkeit, Schwierigkeiten überwinden) und dabei immer wieder Grundfragen des Lebens im Blick zu behalten. Woher komme ich? Wohin gehe ich und woher schöpfe ich meine Kraft? Über diese Fragen kann man viel reden und lesen. In diesen Tagen soll es aber vor allem darum gehen, die Erfahrungen zu machen, selber zu spüren, was das heisst, unterwegs zu sein im Leben und mit Gott.
Freitag
"Wie alles begann…"
Flucht ohne Ziel, aber unter Gottes Führung
Berufung Moses und Auszug aus Ägypten
Aufbruch-Erlebnisreise in das Land des Glaubens
Kennen lernen mit gegenseitig Zettel kleben
Metaplan Hände oder verwun. Kreis
(Material: Kleine Zettel, Stifte, Symbolische Gegenstände)
Samstag
"Unterwegs sein…."
Gott hält sein Versprechen
Unterwegs in das gelobte Land
Wandern: Anstrengung, Aufbruch, Ankunft, Orientierung, Müdigkeit, Monotonie, Abkehr, Unsicherheit, Zweifel
Virenfrei
Versch. Gehen: schnell, langsam, eingeschränkte sicht, Blind Partnerübung, blinde Raupe
Nachts alle Katzen grau
(Material: Karteikarten, Seile, Augenbinden)
Sonntag
Gemeinschaft
im Team erreichen wir das Ziel
Landnahme
Kanu: Teamwork, Handeln und Konsequenzen, Steuern, Gegenwind, Kentern, nicht vorwärts kommen, Mühsal, Überraschungen, Schwierigkeiten wie Wellen
Wäscheklammernklau
Kooperationsaufgabe: Basisobjekte, Transportring, Kugellager oder Titanic, Stab des Pharao, zerbrochene Krug
(Material: Klammern, ca. 10 Gegenstände, Transportseil, Tennisbälle, Stab, Scherben)
Montag
Zusage der Liebe Gottes
Glaube der stärkt
Glauben heißt vertrauen im Sinne von fest annehmen!
Kanu: siehe vorher
Vertrauensübungen, Teppich wenden, Personentransport, Bäume im Sturm, Almwanderung, persönliche Wetterkarte, von A-Z
(Material: Decke, Augenbinden, Papier, Stifte)
Als Regenalternativen und Lückenfüller sind folgende Spiele und Interaktionen als Reserven vorbereitet: Versteigerung, Kartenspiele, Bingo, Promiraten. Darüber hinaus bieten sich noch Wortsalat, Papierflieger, blind formen oder Turmbau als evtl. Programmpunkte an. Die tatsächlich eingesetzten Spiele sind dem Anhang beigefügt.
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
Freitag, 13. Juli
15:30 Uhr: Fast pünktliche Abfahrt nach Boek. Die Fahrt verläuft reibungslos. So kommen wir super zeitig und bei tollem Wetter an der Müritz an.
18:30 Uhr: Ankunft Boek Campingplatz. Wir packen erstmal aus und bauen unsere Zelte auf. F. beginnt schon mal die Tortellini gar zu bekommen und zaubert mit Hilfe von Teilnehmern eine super leckere Soße und lecker Salat.
ca. 20.00 Uhr: Endlich gibt es Essen. M.und S. haben ihr komplettes Besteck und Geschirr vergessen und stehen hilflos vor dem Essen. Das ist dieses Mal nicht mein Problem. Mir schmeckt es. J. bietet Teile ihres Besteckes an. So bekommen die Jungs auch noch was ab. Sie essen im Stehen, weil sie ihre Hocker nicht dabei haben.
ca. 21.00 Uhr: Wir treffen uns in einer gemütlichen Runde und klären das Notwendigste. Die Freizeitregeln inkl. Baderegeln werden abgesprochen und die Gruppe gibt ihr Okay, dass S.:“ Wir sind ja echt naturbeflissen. Gas kommt aus der Flasche, alle haben Handys dabei…!“
diejenigen, die alt genug sind, auch mal ein Bierchen trinken dürfen. Als kleine Kennenlernaktion spielen wir Litfasssäule, da sich die meisten Teilnehmer irgendwie untereinander kennen. Wir haben unseren Spaß, da sich witzige Neuigkeiten herausstellen. Die Erwartungen klären wir danach mit einem Metaplan. In einer intensiven Runde schreiben alle Teilnehmer ihre Wünsche und Befürchtungen auf. Es ist schon fast dunkel und die Mücken fressen uns beinahe auf. Trotzdem ist mir das Thema „Reise in das Land des Glaubens“ wichtig und ich erzähle die Geschichte, wie Mose von Gott beauftragt wird, sein Volk in das gelobte Land zu führen.
ab 22.00 Uhr: Es ist Platzruhe einzuhalten. Das ist gar nicht so einfach, da schon Flüstern 100 Meter weit zu hören ist und der Weg zu den Sanitäranlagen direkt an einigen Wohnwagen vorbei verläuft. Mit diesen Teilnehmern ist das zum Glück kein Problem.
0 Uhr: Unsere vereinbarte Nachtruhe. Einige Teilnehmer gehen schon früher Schlafen. Bei. N. und L. hält sich eine hartnäckige Pokerrunde. Aber auch hier halten sich alle an die Spielregeln. Die Stimmung ist sehr positiv und aufgeschlossen. Alle sind entspannt und freuen sich auf die kommenden Tage. Die Gruppengröße und Zusammensetzung stellt sich als sehr angenehm heraus, da alles ohne Liste zu checken ist.
Samstag, 14. Juli
7.00 Uhr: Eigentlich war 8 Uhr als Frühstückszeit vereinbart. Aber alle sind früher wach, so dass der Tag nun schon beginnt. Es zeichnet sich Traumwetter ab und wir frühstücken bei strahlendem Sonnenschein. Nach dem Frühstück müssen wir in Schwung kommen und wir treffen uns auf der Wiese zum Warm-up mit dem Spiel „Virenfrei“. Da ich keine Bierdeckel mehr rechtzeitig bekommen konnte, müssen es Karteikarten tun. Zum Glück ist der Wind nur gering. Alle sind voll dabei und lachen viel. Da F. als Teilnehmer bezüglich der Gruppengröße mitmachen muss, bleibt das Fotografieren an mir hängen. Das ist leider suboptimal, da ich mich nicht ganz auf die Aktion und die Gruppe konzentrieren kann. Nach dem Spiel packen wir „Auf die Plätze fertig los und Viren frei!“ unsere Sachen und machen uns startklar für die Wanderung. Auf die Frage, wie lang die Strecke ist, mogle ich etwas und sage was von so um die 12 km. Diese Angabe halte ich zur Motivation für sinnvoller.
9:45 Uhr: Transfer des Kirchenbusses nach Mirow. Wir sind gegen 10:30 Uhr zurück und können gegen 11 Uhr, zum Glück eine Stunde früher als geplant, starten. Es ist schon ziemlich warm. „I am walking down the street…“
11.00 Uhr: Wanderung von Boek nach Mirow. Die Strecke beträgt ca. 16 km. Das letzte Stück durch die Stadt zum Campingplatz fahren wir mit dem Kirchenbus, da es sonst auf jeden Fall zu lang wird. Nach etwa 1:15 Stunden machen wir eine erste Pause an den Fischteichen wie geplant. Da wir guten Wind haben, ist die Wärme erträglich. Die Gruppe ist gut im Tritt. Alle nutzen die Zeit zum Essen und Trinken. Der Weg ist im ersten Drittel schön abwechslungsreich und alle plaudern und quatschen miteinander. Die Jungs sind etwas schneller als die Mädels und ich versuche im Mittelfeld die Gruppe im Blick zu haben oder befinde mich am Ende, um nicht abreißen zu lassen. Langsam zeigen sich die ersten Blessuren in Form von Blasen und Kopfschmerzen. Wir machen unterwegs zwei kleinere Pausen. Die in Reserve überlegten Spiele nehme ich nicht mehr auf, da die Teilnehmer sich gut unterhalten bzw. unterwegs ihre eigenen Spiele spielen (Promiraten).
ca. 15.00 Uhr: Wir kommen endlich an unserem Teilziel der Badestelle in Granzow an. Die letzten Kilometer waren dann doch anstrengend und alle freuen sich jetzt auf eine lange Badepause. Das Wasser ist kälter als gedacht.
16 Uhr: Auf zum Endspurt! Noch ca. drei Kilometer bis zum Endziel. Alle sind motiviert, bis ans Ziel zu kommen. Zwei Teilnehmer sind zum Schluss sehr langsam, schaffen es aber gut.
17.30 Uhr: Ankunft an der Kanustation. Endlich! Wir packen aus und bauen das Lager erneut auf. F. und ich holen schnell den Pkw aus Boek und danach fährt ein Team einkaufen, damit alles zum Grillen da ist. Während F. und F. sich um das Essen kümmern, übernimmt S. die Badeaufsicht.
20.00 Uhr: Es gibt lecker Essen vom Grill. Alle sind erschöpft, aber zufrieden. Leider ist kein Lagerfeuer erlaubt, weil die Waldbrandgefahr zu hoch ist.
20.45 Uhr: Wir treffen uns zur Andacht. Ich erzähle von Mose und der 40jährigen Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste. Viele Erfahrungen, von denen die Bibel erzählt, sind plötzlich für uns Realität. Danach bewerten wir den Tag mit Daumen zeigen. Wer sich dazu äußern möchte, darf es gerne tun. Im Großen und Ganzen kam die Wanderung gut an. Für einige jüngere Teilnehmer war die Strecke zu lang! Die letzten Absprachen werden getroffen und ich gebe einen Ausblick auf den nächsten Tag. Das angedachte Nachtspiel lasse ich aufgrund allgemeiner Müdigkeit und Programmdichte ausfallen.
0 Uhr: Für alle ist Nachtruhe. Die meisten sind schon schlafen gegangen. F. macht die letzte Runde.
Sonntag, 15. Juli
8.00 Uhr: Es gibt Frühstück! Alle lassen es ruhig angehen. Danach bringen wir uns in Schwung mit dem Spiel „Klammernklau“. Nun sind wir fit für die Kanutour. Bis sich alle startklar für die Tour gemacht haben vergeht noch einige Zeit.
10.30 Uhr: Dann geht es endlich aufs Wasser. Wir beginnen mit der Kanu-Einweisung, den Kanuregeln (siehe Anhang) und sonstigen Absprachen. Danach üben wir die Technik und das Bergen eines Kanus. Ich bin begeistert von der Boot-über-Boot-Bergung. Klappt prima, ebenso wie die Gleichgewichtsübungen!
11.30 Uhr: Wir starten die Seen-Tour Richtung Süden, für die ich ca. fünf Stunden eingeplant habe. Nach anfänglichem Zick-Zack-Kurs und einigen Umbesetzungen kommen wir gut voran und machen nach ca. zwei Stunden eine lange Badepause am Ende des Zotzensees (nach ca. 7 km). Für einige Teilnehmer ist es doch recht anstrengend auch nach der gestrigen Tour. Die Boote scheinen noch nicht optimal besetzt zu sein und die Stimmung ist so là là. Ich bespreche mich mit dem Co-Leiter und zwei älteren Jugendleitern und wir beschließen, die Tour nicht zu verlängern, die Boote neu zu besetzen, und die Rückfahrt ganz locker und langsam anzugehen. Wir machen mehrere kleine Pausen. Ich spiele den Gute-Laune-Kasper und zettele mehrere Wasserschlachten an. Die Stimmung ist gut auch wegen einiger Spielchen, aberdas Aktivprogramm ist für die meisten absolut genug. Zum Schluss durchfahren wir noch die kleine Brücke am Schloss und haben eine Menge Spaß dabei. Am Ende reicht die Kraft auch noch für ein von den Teilnehmern angeregtes Wettrennen.
16.30 Uhr: Wir sind zurück und alle wollen sich noch etwas Entspannen und Baden. F. und S. übernehmen die Badeaufsicht und F. fährt einkaufen.
19.00 Uhr: Es gibt Würstchen vom Grill und wir sitzen lange beim Essen beisammen.
20.00 Uhr: Wir kommen zur Abendrunde zusammen und spielen nach dem Essen erstmal „Ohhhh, das war knapp….!“ im Sitzen „Chef-Vize“. Danach haben noch alle Lust auf ein Kooperationsspiel. In zwei Gruppen spielen wir Transportring und alle sind voll dabei. In der Andacht erzähle ich weiter von den Erfahrungen Moses. Die Tagesauswertung schreibt jeder für sich in sein kleines Heftchen, dass jeder Teilnehmer am ersten Abend für Notizen bekommen hat. Wer möchte, erzählt noch, wie es ihm an diesem Tag ging. Zum Schluss gebe ich einen Ausblick auf den nächsten Tag. Im Großen und Ganzen laufen die ersten Tage wie geplant.
Montag, 16. Juli
Wir schlafen länger und starten gemütlich in den Tag.
8.30 Uhr: Es gibt Frühstück. Die angesagten 36° Celsius sind schon spürbar und ich gehe in Gedanken schon den Ablauf durch und verändere das Programm. Die Zelte können wir am Nachmittag abbauen. Ich entscheide, so schnell wie möglich nach dem Frühstück aufs Wasser zu gehen und spätestens zur Mittagshitze anzulanden und zu Baden. Damit verzichte ich auf die geplanten Vertrauensspiele.
10.15 Uhr: Als kleines Spiel zum Aufwachen übt sich die Gruppe im „Count-down“. Die Kanutour ist als Minitour von max. zwei Stunden geplant mit möglicher Verlängerung (die ich auch gerne hätte). Heute geht es Richtung Norden zu der Badestelle, an der wir am Samstag bei der Wanderung schon gebadet haben.
11.00 Uhr: Alle Boote sind in neuer Besetzung auf dem Wasser. Es ist super heiß. Die Teilnehmer sind schwer zu motivieren. Nach drei Kilometern super, super langsam sind wir in Granzow und ich stelle die Gruppe vor die Entscheidung, wie es weiter geht. Von den drei Optionen: Weiterfahren, Anlanden/Baden und Zurückfahren, entscheidet sich die deutliche Mehrheit für Zurückpaddeln und am Campingplatz zu baden. Schade! Am Ende wird wieder ein kleines Wettrennen veranstaltet.
12.30 Uhr: Alle Teilnehmer freuen sich über eine lange Badepause vor Ort und ich ärgere mich, dass ich dem Gejammer nachgegeben habe.
15.00 Uhr: Wir treffen uns zur Abschlussrunde und zum Feedback. Jeder schreibt zu jedem Buchstaben des Alphabetes ein Stichwort in Bezug zu diesem Wochenende auf. Von den Vertrauensübungen, die für diesen Tag geplant waren, führe ich keine mehr durch, da die Aufbruchstimmung hinderlich ist und die dafür notwendige Ruhe und Atmosphäre nicht mehr herzustellen ist. Insgesamt fällt das Resumée sehr positiv aus. Danach packen alle und wir bauen die Zelte ab.
17.00 Uhr: Abfahrt aus Mirow über Land und kurzer Abstecher nach Wittstock.
20.00 Uhr: Pünktlich wie die Maurer kommen wir an.
4.4 Abschluss
Bei der Abrechnung fällt mir plötzlich ein, dass ich die Unterschriften für die Zuschüsse vergessen habe (Mist, Mist, Mist!). Also versuche ich S. drei Tage nach der Fahrt noch zu erreichen. Ich erwische ihn auf Handy im Bus nach Spanien…Kommentar S.: „Das war`s wohl mit der Erlebnispädagogik!“
Am 23. Juli treffen wir uns jedenfalls noch zum Fotos gucken und Grillen bei zwei Teilnehmern mit allen, die nicht weiter verreist sind. Da bekomme ich dann hoffentlich die meisten Unterschriften. Vorsichtshalber rufe ich besser noch S. an, bevor der wieder nach Dubai abdüst und telefoniere mit der Mutter seines Freundes. „Ach, wann bist du da?“ fragt sie. „Ich fahr die Jungs mal schnell vorbei.“ Wir treffen uns auf einen Kaffee bei mir im Büro und lassen die Jugendlichen ein bisschen Billard spielen. Fazit: Die beiden Jungen haben Spaß gehabt am Wochenende und vielleicht kommt sie in ein paar Wochen auch mit auf die nächste Paddeltour.
5. Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den beteiligten Jugendlichen
Veränderungen bei den beteiligten Jugendlichen sind nur sehr schwer zu messen, da ich die wenigsten Teilnehmer regelmäßig wieder treffe. Mein Eindruck nach dem Nachtreffen. An dieser Stelle vermittelt das von S. verfasste Gedicht zu diesen Erlebnistagen einen Eindruck, was bei den Teilnehmern in Erinnerung bleibt und welche Erfahrungen sie gemacht haben.
„Leute fuhren Kanu auf dem Mirowsee
und hatten dabei super Wetter.
Manchmal tat vor Sonne der Kopf schon weh
Ladival war unser Retter.
Wir dachten, Steuern sei nicht schwer,
doch was für eine Mähr?
Zwar kamen alle ans Ziel, doch oft Hieß es:
Achtung! Bug vor Kiel!
Erfrischung brachte Wasser im Boot,
jedoch hieß dies für niemanden Not.
Fazit: der Ausflug hat viel Spaß gemacht
Außerdem ist uns jetzt klar,
dass Paddeln auch müde macht.
Am Abend gab es gegrillte Würstchen von F.
Bisher wurde auch noch niemand krank.
Im Gegenteil: mir hat es sehr gut geschmeckt
und in mir mehr Lust auf Sommer geweckt.“
„Das literarische Trio: der Dichter in kreativer Runde…“
5.2 Reaktionen in der Einrichtung
Alle Mitarbeiter fragen nach, wie es gelaufen ist und bekunden ehrliches Interesse. Wir freuen uns über das gelungene Wochenende und das perfekt abgepasste Wetter. Auch für die Zukunft ist die Unterstützung im Mitarbeiterkreis gesichert.
6. Reflexion
6.1 Besondere Erlebnisse
Bei der ersten Kanutour verwechsele ich die Symbole in der Karte für die Badestellen. Ich interpretiere, dass wir bei der angesteuerten Anlandestelle nicht Baden dürfen, bleibe aber zum Glück bei meiner Entscheidung, trotzdem dort Pause zu machen. Es stellt sich doch als Badestelle heraus. Das Symbol was ich für Badestelle gehalten habe, ist das Zeichen für FKK-Baden! Wäre mit pubertierenden West-Jugendlichen sicher spaßig geworden... Am nächsten Tag schaue ich mir die Legende noch einmal genauer an.
Nachdem mich S. am letzten Tag belehren will, wie ich richtig zu paddeln habe, da ich es seiner Meinung nach falsch mache und falsch erklärt habe, wiederhole ich noch einmal das Wichtigste zur Paddeltechnik. In diesem Moment habe ich einen achteckigen Hals und ärgere mich wahnsinnig über diese Besserwisserei eines Anfängers. Trotzdem nehme ich diesen Hinweis auf. Vielleicht war ich am Vortag zu ungenau. Halte diesbezüglich auch noch einmal Rücksprache mit dem Co-Leiter, der mir bestätigt, alles korrekt erläutert und gezeigt zu haben. Ich betone noch einmal das Zusammenspiel von Schlagkraft, Paddeltechnik und den äußeren Bedingungen.
Beim Baden am letzten Tag treffe ich das Ehepaar vom Vortag wieder, dass mir eine schöne Kanutour zum Seerosenteich empfohlen hat. Wir plaudern ein wenig und ich sage, dass wir es heute leider nicht mehr geschafft haben, worüber ich mich sehr ärgere. Der Kommentar des Mannes: „Die müssen sie ein bisschen bei Laune halten. Oder sie sagen, da gibt es Handykarten für umsonst! Was meinen sie, wie schnell die da sind!“. Ich finde, er trifft den Punkt und ich ärgere mich weiter …
Am Ende lässt sich festhalten, dass die Rückmeldungen aus der Feedbackrunde alle sehr positiv sind. Wir sind uns alle einig: Das machen wir wieder! N. formuliert es so:
“Das einzige, was schade ist, dass es so schnell vorbei war!“
6.2 Erkenntnisse / Erfahrungen
Wandern mit Jugendlichen ist eine lohnenswerte Aktion. Wäre dieser Vorschlag nicht aus dem Jugendleiterkreis gekommen, hätte ich mich nicht getraut überhaupt diesen Vorschlag zu machen. Es war eine tolle wiederholungswürdige Erfahrung für alle, auch, wenn es für einige Teilnehmer sehr anstrengend war. Bei nicht so sportlichen Teilnehmern muss die Wandertour aber auf jeden Fall kürzer geplant werden!
Das Vorbereitungswochenende hat insgesamt große Sicherheit verleitet für alle Aktionen. Nach Möglichkeit sollten beim nächsten mal die Jugendleiter schon an dieser Stelle mit einbezogen werden.
In der Leitung der Kanutouren hat sich gezeigt, dass eine klare Linie unerlässlich ist. Das erste Boot darf nicht überholt werden! Die Umsetzung wird schwierig, sobald man mal eine Ausnahme gemacht hat.
Die Anstrengung des Kanufahrens für ungeübte Paddler muss ich bei den nächsten Touren noch besser Einschätzen und insgesamt auf jeden Fall langsamer angehen. Die Animationen auf dem Wasser sind zur Steigerung der Motivation und für den Spaßfaktor unerlässlich. Hier merke ich, dass ich dafür zwingend eigene Kraftreserven einplanen muß, da mir diese Kaspernummer sonst zu schwer fällt.
Die Dreierbesetzung der Boote ist für ungeübte Teilnehmer ungünstig durch die ungerade Kräfteverteilung. Allerdings müssen auch immer die Bootskosten mitbedacht werden.
Die Kosten für dieses Wochenende sind insgesamt grenzwertig. Ohne die Zuschüsse und Unterstützung der Gemeinden wäre eine mehrtägige Paddeltour mit Übernachtung auf Campingplätzen nicht finanzierbar.
Als grundsätzliche Schwierigkeit stellt sich in der Vorbereitung auch die Gruppengröße heraus, da die meisten Spiele und Aktionen für mehr als acht Personen ausgelegt sind. Nach Möglichkeit sollten bei der nächsten Tour einige Teilnehmer mehr mitfahren, auch, wenn die Überschaubarkeit dieses mal super war und mir das Gefühl vermittelt hat, alle im Blick zu haben.
7. Öffentlichkeitsarbeit
Im Vorfeld der Reise ist seit Beginn dieses Jahres in den Gemeindenbriefen für diese Veranstaltung geworben worden (siehe Anhang). Darüber hinaus sind die letzten Konfirmandenjahrgänge via Brief eingeladen worden wie vorher schon erwähnt. Berichte über die Erlebnistage sind in mehreren Zeitungen erschienen (siehe Anhang).
8. Literaturverzeichnis
Arbeitskreis Erlebnispädagogik (ejw) Hrsg.: „ Sinn gesucht- Gott erfahren“, Stuttgart 2005
Birzele J. / Hoffmann, O.: „Mit allen Wassern gewaschen“, Augsburg 2003
Gebhardt, L.: „Rad- Wander- und Gewässerkarte Mirow“, 1:35 000, 4.Aufl.,
lmenau und Ostseebad Wustrow 2006
Gebhardt, L.: „Rad- Wander- und Gewässerkarte Müritz“, 1:35 000, 5.Aufl.,
Ilmenau und Ostseebad Wustrow 2004
Gilsdorf, R. / Kistner, G.: „Kooperative Abenteuerspiele 2“, Seelze-Velber 2001
Gilsdorf, R. / Kistner, G.: „Kooperative Abenteuerspiele 1“, 13.Aufl., Seelze-Velber 2004
Höh, R.: „Kanu-Handbuch“, 4.Aufl., Bielefeld 2004
Krause, B.: „Reise ins Land des Glaubens“- Christ werden- Christ bleiben, 3.Aufl., Neukirchen-Vluyn 2006
Perschke, H. / Flosdorf, P.: „Sicherheitsstandards in der Erlebnispädagogik“,
Weinheim und München 2003
Senninger, T.: „Abenteuer leiten- in Abenteuern lernen“, Münster 2000
Wirth, A.: „Erste-Hilfe unterwegs“, 2.Aufl., Bielefeld 2002
Anhang (hier nicht aufgeführt)
• Einverständnis der Leitung
• Gemeindebriefe
• Zeitungsartikel
• Finanzierungsplan
• Flyer
• Brief an Teilnehmer
• Einverständniserklärung + Packliste
• Freizeitregeln
• Baderegeln
• Paddelregeln
• Versicherungsbestätigungen
• Mitgeführtes Bootsequipment
• Erste-Hilfe-Koffer
• Materialcheckliste
• Einkaufsliste
• Notfallplan Kirchenkreis
• Liste der ortsansässigen Notfallorganisatoren und Ärzte
• Infobroschüren Unterkünfte
• Spiele
• Gewässerkarten
• Einverständniserklärungen Teilnehmer
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Reise in das Land des Glaubens"
eine Wander- und Kanutour
Erlebnispädagogisches Projekt von Tina Jachomowski
Erlebnistage für Jugendliche