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Coaching und Naturerfahrung

Der Coach als Aufstellungsleiter von Auto-Repräsentationen im Natur-Raum

 

von Siegfried Molan-Grinner

 

 

Leseprobe

 

In Coachings begleite ich unterschiedlichste Personen (Mitarbeiter, Führungskräfte) die entweder direkt auf mich zukommen oder, organisiert über eine Personal- und Organisationsabteilung, auf mich verwiesen werden. Diese Gespräche finden meist in einem nüchternen Besprechungsraum des jeweiligen Unternehmens statt und sind primär ein sprachliches Kommunizieren.

 

Neben der Tätigkeit als Coach bin ich beruflich auch als Diagnostiker (Durchführung von handlungsorientierten Assessment Centers) und als Trainer tätig. Methodisch integriere ich in meinen Workshops und Trainings die Arbeit mit Naturerfahrungen (Outdoor-based-Training). Das tat ich immer schon, darin promovierte ich sogar (Molan-Grinner 2001). Doch Naturerfahrung auch in meinen Coachings einfließen zu lassen, war nicht wirklich ein Thema. Auch fiel es mir schwer außerhalb des förmlichen Business-Rahmens der jeweiligen Organisation, aus dem der Coachee (die gecoachte Person) kam, neue, kreative Wege einzuschlagen. Der entscheidende Impuls kam durch die Begegnung mit Hans-Peter „Cito“ Hufenus (und natürlich mit Habiba), und seinem Angebot einer „Macaia“ bei planoalto. Davor schon habe ich mich zu den Ansätzen von planoalto hingezogen gefühlt. Plötzlich fügte sich alles zusammen.

 

Maria Rosebank* und ihr Platz in ihrem Leben

„Wo wir jetzt hingehen, da ist ein Raum, in dem vieles möglich ist. Wenn wir diesen Raum betreten, ist es vorteilhaft, nicht logisch und rationell zu denken, sondern sich primär von den eigenen Gefühlen, Eindrücken und Wirkungen leiten zu lassen, die da sind und die da kommen werden. Vertraue darauf, dass deine innere Weisheit das finden wird, was du für dein Anliegen brauchst. Diese deine innere Weisheit kann dir auch helfen, den Kopf bei deiner Suche auszuschalten. Lass dich von Äußerlichkeiten nicht beschränken. Gönne dir die Freiheit, das wahrzunehmen, was wahrzunehmen ist, ganz egal was das ist. Sei nicht enttäuscht, wenn gar nichts oder wenig passiert.“ sagte ich zu meinem Coachee Maria. Sie schaute mich etwas unsicher an und ich versuchte noch einmal ihre Fragestellung zu wiederholen und zu überprüfen: „Kannst du mir bitte noch einmal deine Frage wiederholen, auf die du konkret eine Antwort finden willst“.

 

Maria wiederholte ihre Frage, die sich aus unserem Auftragsklärungsgespräch herauskristallisiert hatte: „Wo ist mein Platz für mich in meinem Leben?“. „Gut“ sagte ich, „dann geh bitte los, wenn du bereit dazu bist. Und gönne dir die innere Haltung, dass der Platz dich finden wird. Ich werde hier in der Nähe auf dich warten, stehe dir für Fragen und Austausch zur Verfügung. Wenn du deinen oder einen Platz oder sonst etwas gefunden hast, bleib eine Weile dort, solange es für dich passt. Du kannst dir Notizen und auch ein Foto machen, auch kannst du dir etwas von dort mitnehmen. Wenn es für dich zeitlich reicht, kommst du bitte zu mir zurück.“

 

Maria: Maria Rosebank ist Führungskraft in einer regionalen österreichischen Bank. Sie führt dort ein Team von acht Mitarbeitern im Vertriebsbereich, ist in ihrer Zielerreichung immer unter den Top drei ihres Bereiches. Aber es gab in ihr etwas, das ihr nicht ganz passte. Irgendetwas war da, das sie nicht hundertprozentig zufrieden und glücklich machte. Sie hatte keine Ahnung was es war und wie sie damit umgehen sollte. Das hatte auch Auswirkungen auf ihre Mitarbeiter und Kunden auf die sie oftmals mürrisch, abwertend und passiv wirkte. Diese Wirkungen waren ihr bewusst und sie schwächten ihre sonst sehr guten Ergebnisse. Maria konnte sich aber nicht erklären, wie das alles zusammenhängt und wie sie das auflösen sollte. Sie war verheiratet und Mutter eines 13-jährigen Sohnes. Wir lernten uns bei einem Vortragsabend kennen, an dem ich meine Ideen über Coaching, Naturerfahrung und Labyrinthe präsentierte. Ich erzählte an Hand eines Beispieles, wie ich diese Elemente in meine Arbeit als Coach einfließen lasse. Ich erzählte von einem Manager, den ich begleitet habe, der grundsätzlich sehr erfolgreich war, und trotzdem in sich eine gewisse Unzufriedenheit getragen hat, sich nicht sicher war, ob der Platz in seinem Leben der wirklich passende war. Maria kam nach dem Vortrag auf mich zu, sichtlich bewegt. In diesem Moment startete unser gemeinsamer Coaching-Prozess.